ZDF zeigt den Krimi „Das dunkle Nest“ in HDTV

Das dunkle Nest
"Das dunkle Nest", ein Film über sexuellen Mißbrauch am 28.11.2011 um 20:15 Uhr auf ZDF HD

Heute am Montag, den 28. November 2011 zeigt-  das ZDF als Fernsehfim der Woche um 20:15 Uhr den Krimi „Das dunkle Nest“ in HD-Auflösung. Der Film, in dem es um Missbrauchsvorwürfe gegen einen Priester geht, dauert 90 Minuten und wird im 720p-Standard ausgestrahlt

Das ZDF schreibt:

Der Jesuitenpriester Dr. Gabriel Reinberg hat in einem kleinen Dorf eine neue Stelle als Pfarrer angetreten. Doch den ehemaligen Gefängnisseelsorger belasten Geschehnisse aus der Vergangenheit: Aufgrund seines positiven Gutachtens ist ein Sexualstraftäter auf freien Fuß gekommen und hat ein Mädchen ermordet.

Als jetzt in Reinbergs Dorf die 12-jährige Enkelin des einflussreichen Sägewerksbesitzers Pfänder tot aufgefunden wird, wenden sich die Einwohner geschlossen gegen den neuen Pfarrer. Ein ungeheuerlicher Verdacht steht im Raum, denn das Mädchen war Ministrantin und hatte eine besonders enge Beziehung zu Reinberg.

Einzig die ermittelnde Kommissarin Esther Fromm, die Reinberg aus seiner Zeit als Gefängnisseelsorger kennt, glaubt nicht an die Schuld des Priesters – ganz im Gegensatz zu ihrem Kollegen Peter Etzer. Als die Beweislage immer diffuser wird, soll ein DANN-Test aller männlichen Dorfbewohner die Wahrheit ans Licht bringen. Das Ergebnis bringt den Pfarrer noch in viel schlimmere Erklärungsnot.

Interview mit Hauptdarsteller Christian Berkel:

Christian Berkel, der katholisch aufgewachsen ist und eine Laufbahn als Messdiener hinter sich hat, spielt in diesem Drama die Hauptrolle des Jesuitenpriesters Dr. Gabriel Reinberg. Über das Thema sexueller Missbrauch und sein Verhältnis zur katholischen Kirche spricht der Schauspieler im Folgenden.

ZDF: Erinnern Sie sich an Ihre erste Reaktion, als Ihnen die Rolle des Pfarrers Reinberg angeboten wurde?

Christian Berkel: Ich hatte das Buch gelesen und war einfach gespannt auf das Projekt. Ich habe mit Gabriela Sperl ja schon einen sehr schönen anderen Film gemacht: „Helen, Fred und Ted“. Und ich war sehr gespannt auf die Arbeit mit der Regisseurin Christine Hartmann. Und der Film behandelt ja ein sehr aktuelles, viel besprochenes Thema.

ZDF: Ein Thema, das polarisiert. Hatten Sie keine Bedenken?

Berkel: Polarisierung finde ich grundsätzlich gut, meiner Meinung nach scheuen wir das viel zu oft im Fernsehen und auch im Kino. Polarisierung hat den Vorteil, dass sie die Zuschauer dazu einlädt, Position zu beziehen, und das tut einem Film immer gut.

ZDF: Wie hat es sich angefühlt, zum ersten Mal in ein Chorgewand zu schlüpfen?

Berkel: Ich hatte ja selbst eine gewisse Erfahrung damit. Ich wurde katholisch erzogen, habe auch die ganze Messdienerlaufbahn absolviert. Mir hat das damals eigentlich viel Spaß gemacht. Ich fand, die katholische Kirche hat viele theatralische Momente, und das wirkt natürlich enorm anziehend auf jemanden, der Schauspieler werden will.

ZDF: Sie haben ein Gymnasium besucht, das von Jesuiten geleitet wurde. Gab es Fälle sexuellen Missbrauchs an Ihrer Schule?

Berkel: Ich glaube, einzelne sexuelle Übergriffe hat es auch an meiner Schule gegeben, zumindest redeten wir Schüler untereinander davon. Jeder wusste, mit welchem Lehrer man besser nicht alleine war.

ZDF: Pfarrer Reinberg wird Opfer genau jenen Generalverdachts, der heutzutage in unserer Gesellschaft weit verbreitet ist. Haben Sie Verständnis für diese öffentliche Meinung?

Berkel: Für diese Art von Stimmung habe ich grundsätzlich wenig Verständnis. Ein Generalverdacht ist immer problematisch, man kann vom Verhalten Einzelner nie auf die ganze Gruppe schließen. Gerade in Deutschland sollte man für die Gefahren, die das birgt, eigentlich sensibilisiert sein. Andererseits hat sich die katholische Kirche zu diesem Problem, das sie zweifellos hat, zu wenig geäußert – und vor allem zu spät. Schon im Interesse daran, die positiven Teile kirchlicher Arbeit zu schützen, müsste sie viel eindeutiger Stellung beziehen. Das ist mein großes Problem mit der katholischen Kirche.

ZDF: Reinberg, der ja auch Psychologe ist, hat in der Vergangenheit mit seinem Gutachten einem sexuellen Straftäter zur Freiheit verholfen. Darauf angesprochen, dass der Mann rückfällig wurde, sagt er: „Jeder hat eine zweite Chance verdient“. Sind Sie auch dieser Meinung?

Berkel: Das ist ein verdammt schwieriges Thema. Grundsätzlich gilt der Satz mit der zweiten Chance. Das Problem bei sexuellen Straftätern ist, dass man extrem genau untersuchen muss, wie weit die Gefahr eines Rückfalls besteht. Beim geringsten Verdacht darf man das auf keinen Fall riskieren. Psychologische Gutachten werden aber von Menschen gemacht, und Menschen irren sich, das ist ja nicht wie Pulsmessen, da gibt es logischerweise eine Fehlerquote. In anderen Bereichen kann man das akzeptieren, hier nicht.

ZDF: Sie haben selbst zwei Kinder (neun und zwölf Jahre alt). Wie schützen Sie die beiden vor sexuellem Missbrauch?

Berkel: Wir sprechen mit beiden offen darüber, dass es diese Gefahr gibt. Beide sind aufgeklärt. Der beste Schutz ist noch immer der: die Kinder zu wachen, selbstbewussten Menschen zu erziehen. Sie sollten lernen, auf ihre Gefühle zu hören, und sie müssen wissen, dass sie ein Recht auf diese haben. Dann sind sie auch in der Lage, Widerstand zu leisten.

Das Interview führte Christine Strohm

Hotline für Missbrauchsopfer

0800 – 120 1000 (kostenfrei, anonym, 24 Std.)
0800 – 111 0222 (Telefonseelsorge katholisch)
0800 – 111 0111 (Telefonseelsorge evangelisch)

player.de meint:

Der player.de HDTV-Programmtipp: "Das dunkle Nest" am 28.11.2011 um 20:15 Uhr im ZDF HD

Ein schwieriger und spannender Versuch, Aktualitäten aufzuarbeiten – für Betroffene und deren Angehörige sicher nicht leicht. Vielleicht hilft der Film für den nötigen Mut, die obig angegebenen Telefonnummern zu wählen um Hilfe zu bekommen.