Wissen: Echtes und unechtes 4K

Eine der ersten 4K-Discs auf dem deutschen Markt, die auf einem 2K-Intermediate basiert: „Der Marsianer“ von Ridley Scott.
Eine der ersten 4K-Discs auf dem deutschen Markt, die auf einem 2K-Intermediate basiert: „Der Marsianer“ von Ridley Scott.

Seit Einführung der Ultra-HD-Blu-ray mit 4K-Auflösung tauchen immer wieder Begriffe wie „echtes 4K“, „unechtes 4K“, „HDR“ und „2K-Intermediate“ auf. Wir erklären in diesem Artikel, was hinter diesen Schlagwörtern steckt.

Es klingt im ersten Moment so verdammt gut: Ultra-HD-Blu-rays bieten die vierfache Auflösung der konventionellen Blu-ray, also rund acht Millionen Bildpunkte (3.840 x 2.160) statt zwei Millionen (1.920 x 1.080). Dennoch sind manche Heimkinofans enttäuscht, wenn sie die ersten Ultra-HD-Blu-rays in den eigenen vier Wänden zu Gesicht bekommen und viel Geld in einen entsprechenden Player und Fernseher investiert haben. Dies kann mehrere Gründe haben. Erstens ist die konventionelle Blu-ray bereits ein hochauflösendes Medium, das – je nach Film – eine hervorragende Bildqualität liefern kann. Deshalb empfinden viele den Sprung von der Blu-ray auf die Ultra-HD-Blu-ray als nicht so spektakulär wie damals von der DVD auf die Blu-ray. Zweitens kann es sein, dass der Fernseher kein HDR beherrscht. Erst Ultra-HD-TV-Modelle des Jahrgangs 2016 und manche aus dem Jahr 2015 sind dazu in der Lage, HDR-Inhalte („High Dynamic Range“) anzuzeigen. Bei HDR handelt es sich um eine Technik, die einen erweiterten Farbraum sowie einen größeren Helligkeitsumfang ermöglicht. Die Vorteile von HDR (knalligere Farben, mehr Durchzeichnung in hellen und dunklen Bildbereichen, höherer räumlicher Eindruck) sind nicht zu übersehen, weshalb Fernseher ohne HDR hinter den Erwartungen zurückbleiben. Mehr über die HDR-Technik, die als das große Ding des Jahres 2016 gilt, erfahren Sie hier.

Höherwertige 4K-Fernseher des Modelljahrgangs 2016 wie zum Beispiel der Panasonic TX-65DXW904 können HDR-Inhalte darstellen.
Höherwertige 4K-Fernseher des Modelljahrgangs 2016 wie zum Beispiel der Panasonic TX-65DXW904 können HDR-Inhalte darstellen.

Drittens: Viele 4K-Discs basierten zur deutschen Markteinführung im Frühjahr 2016 auf sogenannten „2K-Intermediates“, auch „2K-Zwischenmaster“ oder „2K-Master“ genannt. Darunter versteht man eine digitale Zwischenstufe, die die Filmstudios als Fundament ihrer 4K-Disc-Veröffentlichungen benutzen. Diese Zwischenstufe kommt nicht auf acht Millionen Bildpunkte, sondern „nur“ auf vier Millionen. Deshalb sprechen manche auch von „unechtem 4K“, weil Material von 2K-Zwischenmastern auf 4K hochskaliert werden muss. Als „echtes 4K“ wird hingegen Bildmaterial bezeichnet, bei dem auch ein 4K-Master zum Einsatz kam. Aber warum verwerden die Studios eigentlich 2K-Master, wenn der Spielfilm in 4K oder mehr gedreht wurde? Antwort: Um Kosten und Zeit zu sparen – bei 4K-Aufnahmen kommen riesige Datenmengen zusammen, die gebändigt werden wollen.

Basiert ebenfalls auf einem digitalen 2K-Intermediate und bietet kaum Auflösungsvorteile im Vergleich mit der Blu-ray: die 4K-Version von „Kingsman“.
Basiert ebenfalls auf einem digitalen 2K-Intermediate und bietet kaum Auflösungsvorteile im Vergleich mit der Blu-ray: die 4K-Version von „Kingsman“.

Dennoch – das wollen wir hier klar ausdrücken – sind die Unterschiede zwischen echtem und unechtem 4K oft nicht so groß, wie viele denken. 4K-Discs, die auf einem 2K-Zwischenmaster basieren, können trotzdem hervorragend aussehen und sich auflösungstechnisch ein gutes Stück von der konventionellen Blu-ray-Version absetzen. Auf der anderen Seite gibt es auch 2K-Master-Filme, die sich nur geringfügig von der Blu-ray abheben können, beispielsweise „Kingsman“ oder „San Andreas“. Es kommt also auch immer auf die Qualität des Filmmaterials an – „echtes 4K“ von einem suboptimal aufgezeichneten Streifen bringt herzlich wenig auf lotet die Vorzüge des neuen Mediums kaum aus. Dann lieber „unechtes 4K“ von einem sehr gut aufgezeichneten Film, das sieht dann besser aus. Entscheidend beim Eindruck der Bildqualität ist auch die Tatsache, ob die 4K-Disc über HDR verfügt oder nicht. Denn HDR hinterlässt meist mehr Eindruck als die höhere Auflösung.

PLAYER.de meint: Man sollte sich an den Begriffen „echtes 4K“ und „unechtes 4K“ nicht zu sehr aufhängen. Discs, die auf einem 2K-Zwischenmaster basieren, sind zwar irgendwie Etikettenschwindel, können aber trotzdem hervorragend aussehen.