Ratgeber: Klangqualität bei Bluetooth – was bringt aptX wirklich?

Bluetooth kann auch Musikdateien übertragen.
Bluetooth kann auch Musikdateien übertragen.

Bluetooth boomt. Das liegt in erster Linie am Siegeszug des Smartphones, mit dem man auch drahtlos Musik zur HiFi-Anlage übertragen kann. Bisher galt Bluetooth jedoch als klanglich bescheiden, da verlustbehaftet. Dank aptX soll sich das nun geändert haben. Wirklich?

Wie praktisch: Einfach ein Smartphone, Tablet oder Notebook per Bluetooth kabellos mit der Stereoanlage oder einem Bluetooth-Speaker verbinden und Musik schnell und unkompliziert genießen. Bluetoothfähige Geräte erscheinen automatisch auf dem Smartphone-Display, ein einfaches Antippen genügt, um beide Geräte miteinander zu koppeln. Der Haken an der Sache: Die Klangqualität wird höheren Ansprüchen nicht gerecht, da die Musik mit der sogenannten A2DP-Technologie (A2DP steht für „Advanced Audio Distribution Profile“) bei der Übertragung komprimiert wird. Die zum Beispiel als MP3s oder AACs vorliegenden Musikstücke werden von der Quelle also umgewandelt, ein weiteres Mal komprimiert und an den Empfänger gesendet. Dabei gehen wichtige Klanginformationen verloren, weshalb Bluetooth bei Klangbesessenen bisher nicht den besten Ruf hatte. Bisher. Denn mit aptX (manchmal auch apt-x oder apt-X geschrieben) steht mittlerweile eine Technologie zur Verfügung, die bei drahtlosen Bluetooth-Übertragungen CD-Qualität verspricht.

Aktive Bluetooth-Devices tauchen in einer Liste auf, aus der man zu verbindende Gerät auswählen kann – hier auf einem iMac.
Aktive Bluetooth-Devices tauchen in einer Liste auf, aus der man zu verbindende Gerät auswählen kann – hier auf einem iMac.

Die Geschichte von Bluetooth

Bevor wir uns in Praxis und Theorie mit aptX und dem tatsächlichen Nutzen beschäftigen, werfen wir erst mal einen kurzen Blick in die Vergangenheit. Bluetooth wurde in den neunziger Jahren von der Bluetooth Special Interest Group (SIG) ins Leben gerufen, um in erster Linie das Kabelgewirr am und um den PC herum in den Griff zu bekommen – die Kabel sollten verschwinden oder zumindest reduziert werden. Der SIG gehörten zum Beispiel die Firmen Ericsson, Nokia, IBM und Intel an. Interessant ist die Namensgebung, die auf den dänischen König Harald Blauzahn zurückgeht, der sich als Friedensvermittler zwischen Dänemark und Norwegen einsetzte. Im Bluetooth-Logo tauchen deshalb die beiden altnordischen Runen für H und B auf.

Wer genau hinsieht, erkennt die Buchstaben H und B.
Wer genau hinsieht, erkennt die Buchstaben H und B.

 

Da mit Nokia und Ericsson zwei skandinavische Firmen maßgeblich an der Bluetooth-Entwicklung beteiligt waren, verwundert diese Namensgebung nicht. Seit 1999 sind verschiedene Bluetooth-Versionen auf den Markt gekommen, angefangen von Version 1.0 bis hin zur aktuellen Entwicklungsstufe 4. Im Laufe der Jahre stiegen die Datenraten, während der Stromverbrauch geringer und die Features wesentlich üppiger wurden. Heute findet sich Bluetooth in vielen Lebensbereichen – Smartphone und Freisprecheinrichtung im Auto werden beispielsweise darüber verbunden, Maus und Tastatur mit dem PC – und, und, und. Bluetooth dient also nicht nur der Übertragung von Musik, sondern bedient zahlreiche weitere moderne Bedürfnisse. Dies erklärt auch, warum die Klangqualität doch eher bescheiden ausfiel – in erster Line wurde Bluetooth für Headsets und eher unterirdisch klingende Bluetooth-Kopfhörer und Minimusikanlagen eingesetzt. Doch dies ändert sich in letzter Zeit drastisch: Immer mehr hochpreisige High-End-Geräte bekommen den Funkstandard spendiert. In diesem Zusammenhang fällt fast immer das gar nicht so leicht auszusprechende Zauberwort „aptX“, das per Bluetooth verlustlose CD-Qualität erreichen soll.

Auch hochwertige Geräte wie Naims Wireless-Musiksystem mit dem Namen „Mu-so“ beherrschen mittlerweile aptX.
Auch hochwertige Geräte wie Naims Wireless-Musiksystem mit dem Namen „Mu-so“ beherrschen mittlerweile aptX.

 

Die Gegenwart: aptX

Der Codec aptX ist gar nicht so neu, wie es scheint, schließlich wurde er bereits in den Achtzigern und Neunzigern entwickelt. Als Einsatzgebiete galt ISDN in der Telekommunikation, aptX verbesserte damals die Sprachqualität. Bei aptX wird das Audiosignal zwar komprimiert, aber anschließend wieder dekomprimiert. Die Signale werden in einem Container gepackt, der mithilfe von ADPCM (Adaptive Differenzieller Pulse Code Modulation) funktioniert. Durch diesen Kniff gelingt es, mehr Daten zu übertragen. Dadurch halten sich die Verluste im Vergleich mit dem Ausgangssignal in Grenzen. Verluste treten dennoch auf, die Rede ist immer von „CD-ähnlicher Qualität“. Ob sich das klanglich heraushören lässt, beleuchten wir später.

Durch Bluetooth erlebte aptX auf jeden Fall ein Revival. Wichtig: Beide beteiligten Geräte müssen aptX beherrschen, sonst wird es nichts mit dem Klanggewinn. Unter www.aptx.com kann man nachsehen, welche Geräte derzeit aptX unterstützen. Wer ein Gerät ohne aptX besitzt, muss den Kopf nicht in den Sand stecken: Im Handel gibt es für ein paar Euro Dongles, die einen konventionellen Bluetooth-Sender in eine Quelle verwandeln, die mit aptX sendet. Einer der großen Vorteile von aptX liegt in der hohen Geschwindigkeit des Codecs – er codiert schnell, was eine entscheidende Rolle spielt. Denn der bisherige Standard-Codec SBC ist langsam und benötigt mehr Strom. In Kombination mit Bluetooth ist aptX dazu in der Lage, mit Auflösungen von bis zu 16 Bit/48 kHz umzugehen. Es existieren jedoch noch weitere aptX-Varianten, zum Beispiel aptX Losless, das Auflösungen von bis zu 24 Bit und 96 kHz verarbeiten kann, also in den extrem hochauflösenden Bereich vordringt. Hier liegt die Betonung abermals bei „nahezu verlustfrei“.

Neu: aptX HD mit bis zu 24 Bit/48 kHz über Bluetooth.
Neu: aptX HD mit bis zu 24 Bit/48 kHz über Bluetooth.

Mittlerweile hat die Firma Qualcomm aptX Losless jedoch aufgegeben und auf der CES 2016 ein anderes Format vorgestellt: aptX HD. Dieses soll 24 Bit/48 kHz über Bluetooth verbreiten können. Haken an der Sache: Dabei treten Verluste auf – wie beim konventionellen aptX. Ob sich aptX HD durchsetzen kann, steht noch in den Sternen.

Hörtest: So klingt aptX wirklich

Um herauszufinden, ob es tatsächlich Unterschiede zwischen Bluetooth mit und ohne aptX gibt, haben wir eine hochwertige Testanlage benutzt. Diese bestand aus dem D/A-Wandler und Kopfhörerverstärker Oppo HA-1 (1.500 Euro), der aptX beherrscht. Als Abhörgerät diente der Edelkopfhörer Ultrasone Edition 8 Palladium (1.300 Euro), der selbst kleinste Details in der Musik offenbart.

Unsere Testanlage: Ultrasone-Kopfhörer Edition 8 Palladium am Oppo-Kopfhörerverstärker HA-1.
Unsere Testanlage: Ultrasone-Kopfhörer Edition 8 Palladium am Oppo-Kopfhörerverstärker HA-1.

Und ja: Es war sofort ein kleiner, aber deutlicher Unterschied zwischen beiden Varianten hörbar. Keine Welten, aber mit aptX wirkte die Übertragung via Bluetooth detailreicher, klarer und voller. Je nach Qualität der Abhöranlage werden sie mal stärker, mal schwächer wahrnehmbar sein. Dass es trotzdem nicht ganz ohne Verluste geht, macht der Vergleich mit einer kabelgebundenen Übertragung klar: Hier klingt die Variante mit Kabel einen Hauch besser und klarer.

PLAYER.de meint: Ja, aptX bringt tatsächlich etwas – der Unterschied ist nicht riesig, aber wahrnehmbar. Wenn Sie oft Musik über Bluetooth hören, dann achten Sie bei einer Neuanschaffung darauf, dass das Gerät aptX beherrscht. Bereits vorhandene Geräte lassen sich nachträglich mit einem entsprechenden Dongle fit für aptX machen.