Ratgeber: Der Computer als Audioquelle – alles über D/A-Wandler, USB-Kabel & Co.

So sieht es auf vielen Rechnern aus: In iTunes sind Hunderte Songs gespeichert. Doch wie verbindet man den Rechner mit der Stereoanlage?
So sieht es auf vielen Rechnern aus: In iTunes sind Hunderte Songs gespeichert. Doch wie verbindet man den Rechner mit der Stereoanlage?

Computer und Musikwiedergabe, damit stehen viele auf Kriegsfuß. Rechner haben in der Stereoanlage nichts zu suchen, so das Vorurteil. Dabei können Laptop & Co. exzellente Digitalquellen sein. Player.de erklärt den einfachsten Weg (per Laptop, USB-Kabel und D/A-Wandler) und was es dabei zu beachten gibt.

Es gibt nicht den einen Königsweg bei der Wiedergabe von digitalen Musikdaten – es bestehen viele Möglichkeiten, Musik von der Festplatte oder dem Handyspeicher auf die Stereoanlage zu bringen. Sie alle haben jedoch eines gemeinsam: Sie sind bei Menschen, die sich nicht oder nur wenig mit PCs und Netzwerktechnik auskennen, unbeliebt und mit Angst besetzt – zu kompliziert und zu störanfällig, so die häufigsten Aussagen. Anstatt alle möglichen Übertragungswege (Streamer im Heimnetzwerk, Airplay, Bluetooth etc.) vorzustellen, beschränken wir uns in diesem Ratgeberartikel auf eine klassische Methode von Computer-Audio: die Verbindung vom Rechner per USB-Kabel mit einem USB-fähigen D/A-Wandler, der die Daten anschließend an einen Verstärker weitergibt. Stimmen in dieser Kette alle Parameter, liegt die Klanqualität oft über der Qualität von CDs, sofern keine datenreduzierten MP3-Musikstücke zum Einsatz kommen. Die Musikqualität lässt sich darüber hinaus durch hochauflösende Downloads steigern, die die CD-Auflösung von 16 Bit und 44,1 kHz übertreffen und so mehr Klanginformationen vermitteln. Für diesen guten Klang muss jedoch einiges getan werden – was genau, verrät dieser Artikel.

Gute D/A-Wandler müssen keine Unsummen kosten, den hier abgebildeten Musical Fidelity V90 DAC gibt es für rund 250 Euro.
Gute D/A-Wandler müssen keine Unsummen kosten, den hier abgebildeten Musical Fidelity V90 DAC gibt es für rund 250 Euro.

Wenn man es genau nimmt, handelt es sich bei der Verbindung zwischen Computer und D/A-Wandler gar nicht um eine Form des Streamings, da beim Streamen Musikdaten über ein Netzwerk übertragen werden. Bei der Verbindung Computer-Wandler ist kein Netzwerk nötig, denn der Rechner überträgt seine Musikdaten per USB von seiner (externen) Festplatte an den Wandler. Eine Internetverbindung ist trotzdem nötig, um an die entsprechenden Metadaten (Interpret, Titel, Cover) der gerippten CD zu kommen – oder um Musik aus dem Netz zu laden. Anders ausgedrückt: Bei Computer-Audio wird der D/A-Wandler zur externen Soundkarte des Rechners. Nachteil an der Sache: Der Rechner muss angeschaltet sein, um als Datenlieferant dienen zu können.

Und so geht’s: Wahl des Rechners

Zunächst benötigen wir ein Speichermedium für Musik: einen Rechner oder Laptop. Alternativ stehen mittlerweile auch spezielle Audioserver zur Verfügung, auf die Musikfans ihre Daten speichern können. Doch diese sind in der Regel wesentlich teurer als ein PC oder Mac und auch nicht unbedingt leichter zu bedienen, deshalb lassen wir sie an dieser Stelle weg. Neben einem einigermaßen schnellen Prozessor spielen besonders die Größe des Arbeitsspeichers und die Festplattengröße eine wichtige Rolle. Beim Arbeitsspeicher sollten es mindestens vier GB sein, acht wären optimal. Bei der Festplatte lässt sich kaum ein Mindestwert festlegen – kommt immer darauf an, wie viel Musik gespeichert werden soll und welche Daten sich sonst noch auf dem Computer befinden. Wem die Speicherkapazität seines Rechners nicht ausreicht, hängt über die USB-Schnittstelle eine externe Festplatte an den Computer, schon vergrößert oder vervielfacht sich die Aufnahmefähigkeit. Vergessen Sie dabei niemals, dass Festplatten irgendwann das Zeitliche segnen und betreiben Sie deshalb Datensicherung in regelmäßigen Intervallen.

 

Eine externe Festplatte nimmt nicht viel Platz weg, momentan liegt der Preis bei rund 60 Euro für 1 TB Speicherplatz.
Eine externe Festplatte nimmt nicht viel Platz weg, momentan liegt der Preis bei rund 60 Euro für 1 TB Speicherplatz.

Die Software

Als Software (nicht nur für Musik) empfiehlt sich für den PC oder den Mac iTunes von Apple, ein Programm, mit dem man Musik kaufen (über den iTunes Store), speichern, abspielen, brennen, sortieren und konvertieren kann. Vor allem die Übersichtlichkeit, die Benutzerfreundlichkeit und die Sortiermöglichkeiten des Programms überzeugen. Es muss aber nicht iTunes sein, auch Programme wie Songbird (kostenlos für Mac und PC) oder MediaMonkey (nur PC) funktionieren sehr gut. Audiophile Hörer mit einem Hang zum Perfektionismus setzen jedoch eher auf spezielle, kostenpflichtige Audiosoftware wie zum Beispiel Audirvana, die beim Mac erste Wahl ist. Programme wie Audirvana sind auf Klangverbesserung ausgelegt und schalten auf Wunsch beispielsweise Hintergrunddienste wie Spotlight und Time Machine aus, was den Klang dezent optimieren kann. Außerdem bietet Audrivana diverse Filtermöglichkeiten und viel Spielraum für Tüftler. Wichtig: Man muss nicht auf den Komfort von iTunes verzichten, der Audirvana-Player kann quasi andocken und sich ausschließlich um die klangliche Optimierung kümmern.

Der im Design eines klassischen Audiogeräts gehaltene Audirvana-Player (oben) informiert über Dateityp und Bitrate, iTunes bleibt auf Wunsch als Sortier- und Übersichtsprogramm erhalten.
Der im Design eines klassischen Audiogeräts gehaltene Audirvana-Player (oben) informiert über Dateityp und Bitrate, iTunes bleibt auf Wunsch als Sortier- und Übersichtsprogramm erhalten.

Noch ein paar Worte zum USB-Kabel: Neben einer nicht zu überschreitenden Maximallänge (fünf Meter bei USB 2.0, drei Meter bei USB 3.0) sollten Sie auf die passenden Stecker achten – es gibt nämlich auch zum Beispiel USB-Lightning- oder Mini-USB-Kabel, die sich für unseren Zweck nicht eignen. Wir benötigen für die Verbindung von Computer und D/A-Wandler ein sogenanntes USB-AB-Kabel, also A-Stecker auf B-Stecker (siehe Bild). Entsprechende Kabel gibt es für wenige Euro, man kann aber auch mehrere Hundert Euro für so ein Kabel hinblättern. Bei der Frage, ob das sinnvoll ist und ob es Kabelklang gibt, enthalten wir uns an dieser Stelle – einfach selber ausprobieren und sich eine eigene Meinung bilden.

 

So sieht ein für unsere Zwecke geeignetes USB-Kabel mit A- und B-Stecker aus, im Bild das Audioquest Forest.
So sieht ein für unsere Zwecke geeignetes USB-Kabel mit A- und B-Stecker aus, im Bild das Audioquest Forest.

 

 

D/A-Wandler – Einzelgerät oder in Vollverstärker, Vorstufen oder Streamer integriert

Ein D/A-Wandler eignet sich für Computer-Audio nur dann, wenn er über eine USB-B-Schnittstelle verfügt, denn nur auf diese Weise kann der Rechner andocken. Auf dem Markt befinden sich zahlreiche Einzelgeräte, seit einigen Jahren geht der Trend jedoch dahin, USB-fähige D/A-Wandler in Vollverstäker, Vorverstärker und Streamer bereits zu integrieren. In diesem Fall ist keine Anschaffung eines externen Wandlers mehr nötig. Oft werden auch zahlreiche unterschiedliche Gerätegattungen in einer Komponente vereint, etwas beim unten abgebildeten Kopfhörerverstärker Oppo HA-1, der zugleich ein extern einsetzbarer D/A-Wandler ist und auch als reine Vorstufe mit einer Lautstärkeregelung agieren kann. Auf diese Weise lassen sich minimalistische Anlagenkonzepte realisieren – Aktivboxen dran und fertig. Besonders beliebt sind Vollverstärker mit eigener Wandlersektion, Notebook dranhängen und schon kann der Hörspaß beginnen. Auch Streamer in allen Preisklassen verfügen mittlerweile oft über eine entsprechende USB-Schnittstelle.

 

 

Der Oppo HA-1 ist D/A-Wandler, Vorverstärker und Kopfhörerverstärker in einem Gerät.
Der Oppo HA-1 ist D/A-Wandler, Vorverstärker und Kopfhörerverstärker in einem Gerät.

 

Wichtig: Der D/A-Wandler sollte dem Rechner den asynchronen Modus aufzwingen können, weil das Jitter (Taktzittern) deutlich reduziert. In diesem Fall steuert der Pufferspeicher des Wandlers den Datenfluss und degradiert den Computer somit zum reinen Datenlieferanten. Andres ausgedrückt: Der Wandler zwingt dem PC oder Mac seinen Takt auf.

Vor- und Nachteile der Kombination USB-DAC und Rechner
Einen Nachteil haben wir bereits kurz weiter oben angesprochen: Der PC/Mac muss eingeschaltet sein, um Dateien liefern zu können. Das kostet beim Hoch- und Runterfahren Zeit und Energie. Auch die Optik kann stören, wenn es sich um einen klobigen Windows-PC handelt, der äußerlich so gar nicht zur schicken Stereoanlage passen will. Da USB kabelgebunden ist, muss man darauf achten, bei USB 2.0 ein nicht zu langes USB-Kabel zu verwenden – mehr als fünf Meter Länge sollte es nicht aufweisen. Bei USB-3.0-Schnittstellen sollten es nicht mehr als drei Meter sein. Außerdem will so ein Kabel erst mal einigermaßen unsichtbar verlegt werden. Zudem sollte man sich darüber im Klaren sein, dass von Rechnern und Laptops eine gewisse Geräuschentwicklung durch Lüfter ausgehen kann.

Doch genug gemeckert, USB-Audio glänzt auf der anderen Seite mit vielen Vorteilen. Zum Beispiel mit der Tatsache, dass es nicht so anfällig für Störungen wie Netzwerk-Audio ist. Außerdem kann der Kunde zwischen vielen USB-Wandler-Modellen wählen – ganz nach Geschmack und Geldbeutel. Ein D/A-Wandler kann nur 100, aber auch viele Tausend Euro kosten. Dabei sollte sich das gute Stück klanglich und finanziell auf dem Niveau der vorhandenen Stereoanlage bewegen. Ein High-End-Wandler für eine preiswerte Anlange ergibt wenig Sinn. Zudem existiert seit einiger Zeit – siehe weiter oben – der Trend, eine Wandler-Sektion in andere Geräte (vor allem Verstärker) zu integrieren. Die Bedienung mit Maus, Tastatur und Monitor geht leicht und sicher von der Hand, außerdem erweist sich der Computer als zukunftssicher, da er mit neuer Software an zukünftige Trends angepasst werden kann. USB-Audio unterstützt darüber hinaus alle erdenklichen Tonformate auf Auflösungen, bis hin zum extrem hochauflösenden DSD-Format. Mehr über entsprechende Musikformate (von MP3 bis hin zu WAV und DSD) erfahren Sie hier.

PLAYER.de meint: Der Klassiker des Computer-Audio und nach wie vor eine relativ einfache, sichere und hervorragend klingende Methode, Musik von der Festplatte zur Stereoanlage zu bringen. Die große Auswahl an Rechnern, Audio-Software und Wandlern lässt viel Raum für verschiedene Geschmäcker und Geldbeutel.