Ratgeber: Musikformate – von MP3 bis WAV und DSD

Die entscheidende Frage: Welches Format wählt man am besten beim Rippen von CDs?
Die entscheidende Frage: Welches Format wählt man am besten beim Rippen von CDs?

MP3, WAV, AIFF oder doch lieber ein anderes Musikformat? Vor dieser Frage steht jeder, der seine Musik archivieren möchte oder Musik aus dem Internet lädt. Wir erklären, welche Formate welche Vor- und Nachteile haben und wie viel Speicherplatz sie verbrauchen. Eine Übersicht: Let’s rip!

Zunächst müssen wir zwischen verlustbehafteten und nicht verlustbehafteten Musikformaten unterscheiden. Zu Ersteren gehören alle MP3-Spielarten, zu Letzteren zum Beispiel WAV oder AIFF, die sich auf CD-Niveau bewegen. Und dann gibt es ja auch noch besonders hochauflösende Formate wie zum Beispiel DSD, die die Qualität von SACDs (Super-Audio-CDs) erreichen, dafür aber auch besonders viel Speicherplatz in Anspruch nehmen.

Verlustbehaftete Musikformate: MP3 & Co.

Hier lautet das Zauberwort MP3. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, bei dem digital gespeicherte Audiosignale komprimiert werden (auch Datenkompression genannt) – mit dem Ziel, auf diese Weise Speicherplatz zu sparen. Die Ersparnis beträgt 80 bis 90 Prozent. Dies ist vor allem bei Geräten mit wenig Speicherplatz sinnvoll, zum Beispiel bei Smartphones oder Tablets. Deshalb hat sich MP3 auch auf breiter Linie durchgesetzt – in iTunes und anderen Abspielprogrammen läuft hauptsächlich MP3-Musik. Beim Aussortieren relevanter und irrelevanter Daten nutzt das Verfahren Kenntnisse der Psychoakustik. Für den Menschen hörbare Elemente werden dabei beibehalten, andere eliminiert. Anders ausgedrückt: Nicht hörbare Frequenzen fliegen raus.

Das funktioniert für viele Gelegenheitshörer, die zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit Musik hören, sehr gut. Sind jedoch hochwertige, teure Abspielgeräte, Verstärker, Lautsprecher oder Kopfhörer im Spiel, stoßen MP3-Stücke an ihre Grenzen: Auf teuren Stereoanlagen hört das geschulte Ohr einen deutlichen Unterschied zwischen CD-Qualität und verlustbehafteten MP3-Dateien – die Musik klingt nicht so weiträumig, präzise und entspannt, wie sie sein könnte, sondern gepresst und unnatürlich.

Wie gut oder schlecht eine MP3-Datei klingt, hängt maßgeblich von ihrer Bitrate ab. Bei Raten von unter 128 kBit/s nehmen Sie bitte sofort Reißaus, das Ganze erinnert an ein mit Gangster-Rap brüllendes Smartphone pickelübersäter Pennäler in der Straßenbahn. Einigermaßen genießbar wird es erst ab 128 kBit/s, was ungefähr Radioqualität entspricht. MP3-Dateien mit 320 kBit/s kommen fast an CD-Qualität heran, bei guten Aufnahmen merkt man den Unterschied auch auf teueren Anlagen kaum oder gar nicht.

Es gibt neben MP3 noch weitere datenreduzierte Musikformate wie AAC (auch als MP4 bekannt), WMA (Windows Media Audio) oder OGG. Wirklich verbreitet ist davon nur MP4, ein Format, das auch Videos, Bilder oder Textdateien transportieren kann.

Weit verbreitet: FLAC (Free Lossless Audio Codec)

FLAC-Dateien erfreuen sich großer Beliebtheit, weil sie Speicherplatz sparen, gleichzeitig aber keine Qualitätseinbußen hinzunehmen sind. Anders ausgedrückt: FLAC-Dateien entsprechen in puncto Qualität dem CD-Original. Diesen Vorteil kann in dieser Form aktuell kein anderes Audioformat bieten. Der Audio-Codec, den auch viele audiophile Hörer akzeptieren, existiert seit rund 15 Jahren. Bei FLAC kommt nicht Psychoakustik bei der Komprimierung zum Einsatz, sondern mathematische Methoden. So gut wie jeder HiFi-Streamer akzeptiert FLAC, es gibt aber auch einen großen Nachteil: iTunes unterstützt keine FLAC-Musikdateien. Über Plug-ins lässt sich das Problem jedoch umgehen.

FLAC eignet sich hervorragend, um Tausende CDs auf Festplatte zu archivieren, da es nicht so viel Speicherplatz benötigt.
FLAC eignet sich hervorragend, um Tausende CDs auf Festplatte zu archivieren, da es nicht so viel Speicherplatz benötigt.

Nicht ganz so weit verbreitet: ALAC (Apple Lossless Audio Codec)

ALAC lässt sich als Apples Alternative zum FLAC-Format bezeichnen. Obwohl FLAC weiter verbreitet ist, spielt ALAC vor allem bei Besitzern von Apple-Rechnern, -Smartphones und -Tablets eine wichtige Rolle. Denn der Apple Lossless Audio Codec wird – im Gegensatz zu FLAC – von Apple-Geräten akzeptiert. Wie auch im Fall von FLAC handelt es sich um ein verlustfreies Tonformat, das mit Datenkompression arbeitet. Es hat also den Vorteil, dass es Speicherplatz spart, durchschnittlich 30 bis 50 Prozent im Vergleich mit dem CD-Original. Es kann Metadaten verwalten und eignet sich darüber hinaus zum unterbrechungsfreien Streamen. Mittlerweile kommen viele Streamer mit ALAC zurecht. Der Nachteil dieses Tonformats liegt auf der Hand: Windows unterstützt es nicht nativ.

1:1-Kopie: WAV (Waveform Audio File)

Beim WAV-Format handelt es sich um Containerformat für Audiofiles, das von Microsoft und IBM entwickelt wurde. Es zählt zu den hochauflösenden Audioformaten, bei denen keine Verluste entstehen. Klang und Dateigröße entsprechen eins zu eins dem CD-Original. WAV kann aber auch noch hochauflösendere Datenraten übertragen – bis hin zu 384 Kilohertz und 32 Bit. Zudem ist WAV in der gesamten Computerwelt verbreitet und wird von allen Wandlern und Netzwerk-Playern (Streamern) akzeptiert. Das macht es zu einem guten Universalformat, mit dem es keinerlei Verbreitungs- und Kompatibilitätsprobleme gibt. Die Schattenseiten von WAV lassen sich nicht verschweigen: Das Format nimmt viel Speicherplatz in Anspruch und kommt beim Streamen nicht ohne Unterbrechungen aus. Und: WAV kann nicht mit Metadaten umgehen. Konkret bedeutet dies, dass beispielsweise in iTunes die Cover-Abbildung des jeweiligen Albums fehlt.

Im Studio führend: AIFF (Audio Interchange File Format)

Auch AIFF wurde – wie ALAC – von Apple auf den Markt gebracht, in erster Linie für den Einsatz im Tonstudio. Es avancierte schnell zum Studio-Format Nummer eins. Im Gegensatz zu ALAC liegt hier jedoch keine Datenkompression vor, sodass die Dateien den gleichen Speicherplatz wie das CD-Original benötigen. AIFF muss mit einem weiteren Nachteil auskommen: Nicht alle Streamer unterstützen derzeit dieses Tonformat. Natürlich hat es auch Sonnenseiten: Es kann Metadaten (Cover) transportieren und verhält sich beim Streamen vorbildlich.

Hochauflösende DSD-Files gibt es beispielsweise bei www.highresaudio.com.
Hochauflösende DSD-Files gibt es beispielsweise bei www.highresaudio.com.

Extrem hochauflösend: DSD (Direct Stream Digital)

Hierbei handelt es sich um das native Tonformat der SACD, die sich nie auf breiter Front durchsetzen konnte. Deshalb wurde es vor gut zehn Jahren von Sony wieder fallengelassen, seit 2013 erlebt es im Rahmen des Streaming-Booms aber ein Revival, da es sich originalgetreu auf den Rechner ziehen lässt. Dieses reine HD-Tonformat erlaubt zwar extrem viele Klanginformationen, benötigt aber auch entsprechend viel Speicherplatz. Im HiFi-Segment können mittlerweile nicht nur teure Streamer und D/A-Wandler mit DSD umgehen, auch immer mehr preiswerte Geräte kommen damit klar. Bei der Unterstützung von Metadaten herrscht keine Einheitlichkeit: Die Dateiendung .dff signalisiert, dass sich keine Metadaten an Bord befinden, während bei der Endung .dsf Metadaten dabei sind. Wir unterscheiden zudem zwischen DSD 64 (mit 2,8 MHz) und DSD 128 mit 5,6 MHz. Mittlerweile existieren bereits DSD 256 und DSD 512, diese kommen in der Praxis auf High-Resolution-Download-Plattformen aber nur sehr selten vor. Ob die SACD und DSD-Dateien tatsächlich wahrnehmbare Vorteile bringen, gilt als umstritten und kann an dieser Stelle nicht aufgelöst werden. Hier gilt: Am besten selber ausprobieren, falls eine entsprechend gute Musikanlage vorhanden ist.

PLAYER.de meint: Alle hier vorgestellten Musikformate haben Vor- und Nachteile. Welches für Sie das richtige ist, hängt von mehreren Faktoren ab – von der Qualität Ihrer Musikanlage, von Ihren Ansprüchen bei der Klangqualität, vom Speicherplatz, vom Speichermedium (Apple oder Windows-PC) und – bei Downloads – auch von der Brieftasche. Denn Dateien auf dem Niveau von CD-Qualität oder darüber kosten mehr als datenreduzierte MP3s. Rip, rip, hurra!