Blu-ray-Review: „The Hateful 8“

Seit Ende Mai erhältlich: die Blu-ray des achten Tarantino-Streifens „The Hateful 8“.
Seit Ende Mai erhältlich: die Blu-ray des achten Tarantino-Streifens „The Hateful 8“.

Wenn Quentin Tarantino einen Film ins (Heim-)Kino bringt, ist die Aufregung groß: Der 53-jährige Amerikaner gilt als Kultregisseur, der längst Filmgeschichte geschrieben hat. „The Hateful 8“ wird als sein langweiligster Streifen in die Annalen eingehen.

Reden wir nicht lange rum: „The Hateful 8“ polarisiert. Für die eine Fraktion handelt es sich um ein weiteres geniales Tarantino-Meisterwerk, die andere flucht, für so einen Schund Geld ausgegeben zu haben. Der Autor dieser Zeilen – eigentlich Tarantino-Fan – gehört zur zweiten Fraktion. Warum? Weil der Film stinklangweilig und viel zu lang ist. Von den 167 Minuten Spielzeit (also fast drei Stunden) passiert in den ersten 100 so gut wie gar nichts – von einigen coolen, derben Sprüchen vielleicht mal abgesehen. Konkret ausgedrückt: Die Frau Gemahlin ist im Sessel nach einer Dreiviertelstunde eingenickt und gab 15 Minuten später erst leise, später immer lautere Schnarchgeräusche von sich. Der Autor überlegte sich derweil, die selbst gekaufte Disc aus dem Player zu holen und sie umgehend auf Ebay zu verkloppen oder gegen einen Red Bull zu tauschen. Wie gesagt: Wir sprechen hier nicht von einer Rosamunde-Pilcher-Verfilmung, sondern von einem Quentin-Tarantino-Film! Viel zu spät nimmt der Streifen Tempo auf, viel zu spät fliegen Gehirn, Galle und Genitalien durch die Gegend. Mit 90 Minuten Spielzeit wäre diese Mischung aus Western und Krimi ein kurzweiliger Spaß gewesen, den man sich auch ein zweites oder drittes Mal angesehen hätte. Tipp: Erst bei der Hälfte des Streifens einsteigen, dann drohen keine Müdigkeitsattacken.

In einer der Hauptrollen: Samuel L. Jackson als Major Marquis Warren.
In einer der Hauptrollen: Samuel L. Jackson als Major Marquis Warren.

Noch ein paar Worte zur Technik, die bei keiner Filmkritik fehlen dürfen: Das Bild sieht super aus. Die Schärfe liegt fast durchgehend auf einem sehr hohen Niveau, obwohl sich 90 Prozent des Films in der dunklen Hütte abspielen. Manchmal saufen kleine Details in der Dunkelheit ein wenig ab, aber das sind Peanuts. Toll sehen die feinen Schneeflocken aus, die immer wieder durch die undichte Hütte ins Innere dringen. Erwähnenswert ist auf jeden Fall noch die Tatsache, dass der Meister bei „The Hateful 8“ das ungewöhnliche Bildformat von 2,76:1 gewählt hat. Dieses Format, auch „Super Panavision 70“ genannt, gilt als äußerst exotisch und wurde insgesamt nur in zehn Filmen eingesetzt. In der Praxis fallen die schwarzen Balken oben und unten wesentlich fetter als normalerweise aus, wodurch noch weniger echtes Bild bleibt. Dafür wirkt es besonders breit, wie eine Panorama-Aufnahme. Der Ton geht in Ordnung, wenn sich kurz die Hüttentür öffnet, zuckt man angesichts des tobenden Schneesturms zusammen und kuschelt sich in den Sessel. Das Bonusmaterial enttäuscht hingegen: zwei Kinotrailer, ein fünfminütiger Blick hinter die Kulissen und ein siebenminütiges Special über das unkonventionelle Format – das war’s.

 

Vorgestelltes Produkt:
The Hateful 8 [Blu-ray]
Aktueller Amazon-Preis: EUR 5,40


 

Player.de meint: Was bringen eine erstklassige Bildqualität und tolle Surround-Effekte, wenn der Film langatmig und ermüdend ist? Nicht viel. Sehen wir’s positiv: Wer unter Schlafstörungen leidet, findet hier vielleicht das perfekte Heilmittel.