Benq W 2000: DLP-Projektor für 1.300 Euro im Test

Für 1.300 Euro Listenpreis ein echtes Schnäppchen: der Benq W 2000.
Für 1.300 Euro Listenpreis ein echtes Schnäppchen: der Benq W 2000.

Eigentlich richtet sich Benqs Heimkino-Beamer W 2000 eher an Anfänger. Doch seine professionelle Farbdarstellung macht ihn in Kombination mit seiner hohen Bildqualität auch für fortgeschrittene Anwender attraktiv.

Beim Benq W 2000 handelt es sich um keinen „normalen“ DLP-Projektor aus dem Einsteigerbereich. Das merken wir schnell, als wir ihn zum Test bitten. Denn preiswerte DLPs konzentrieren sich normalerweise auf eine möglichst hohe Helligkeit. Benq legt den Schwerpunkt beim W 2000 anders: Dank „Cinematic Color“ soll dieser korrekte Farben nach dem HDTV-Standard Rec. 709 liefern.

Funktionen und Praxistauglichkeit

Bei der Ausstattung braucht sich der Benq W 2000 nicht zu verstecken: Mit 3D-Funktion, vertikalem Lens-Shift oder MHL-Funktionalität zählt er zu den üppiger ausgestatteten Projektoren in seiner Preisklasse. Doch der Reihe nach: Hinter einer kleinen Schiebetür auf der Oberseite finden wir die manuellen Zoom- und Fokusringe der 1,3-fach-Zoomoptik. Auch das Rändelrad zur vertikalen Bildverschiebung (Lens-Shift) befindet sich hier. Schiefe Unterlagen in vertikaler Richtung gleicht der Projektor durch einen Gyrosensor aus, die Trapezverzeichnung korrigiert er automatisch.

Am Benq W 2000 können zwei HDMI-Quellen andocken, hinzu kommen analoge Eingänge, die heutzutage nur noch selten anzutreffen sind.
Am Benq W 2000 können zwei HDMI-Quellen andocken, hinzu kommen analoge Eingänge, die heutzutage nur noch selten anzutreffen sind.

Obwohl es auf der beleuchteten Fernbedienung eine PIP-Taste gibt, erfüllt diese keine Funktion. Direkt-Tasten für die Quellen fehlen leider auch. Dafür führt die Input-Taste zu den analogen Quellen und zu den HDMI-Schnittstellen. Unter dem oben bereits erwähnten Gehäusedeckel sitzt ein dritter HDMI-Port für WLAN- oder MHL-Optionen sowie eine Mini-USB-Stromversorgung. Hier kann man zum Beispiel einen WLAN-FHD-Empfänger oder – über einen Adapter – ein MHL-Dongle von Benq anschließen. Außerdem wird es mit dem optionalen Wireless-FHD-Kit für rund 400 Euro möglich, sogar hochaufgelöste 3D-Videos aus bis zu 30 Metern in Echtzeit zu senden. Hinzu kommen dann noch rund 60 Euro pro 3D-Brille.

Bei der Fernbedienung vermissen wir Direkt-Tasten für die Quellen und Farbsättigungs-Regler für HDMI-Quellen.
Bei der Fernbedienung vermissen wir Direkt-Tasten für die Quellen und Farbsättigungs-Regler für HDMI-Quellen.

In zwei eigenen Resonanzkammern sitzen zwei Lautsprecher, die für einen überraschend guten Ton sorgen. Die Bässe fallen zwar eher schlank aus, doch Musik und Stimmen klingen unverfärbt. Wer sich näher mit dem Ton befassen möchte, findet fünf Klangmodi plus einen Fünf-Band-Equalizer. Gut gefällt uns die Möglichkeit, HDMI-Ton und die Signale zweier analoger Quellen per analoger Miniklinke an Stereoverstärker weiterreichen zu können. Obwohl der Benq W 2000 einen recht großen Lüfter besitzt, hält sich sein Betriebsgeräusch in Grenzen. Bei voller Leistung erhöht sich sein Geräusch um lediglich ein Dezibel. Die aufladbare 3D-Brille wiegt nicht viel und glänzt mit einem weiten Blickfeld.

Farbe, Licht und Kontrast

Bereits bei der ersten Inbetriebnahme offenbart der Benq W 2000 im „Cinema (Rec. 709)“-Preset sehr gute Farben. Lediglich die Farbe Rot tendiert bisweilen ein bisschen zu stark in Richtung Orange, während Weiß etwas zu grünlich wirkt. Die Orange-Verschiebung macht sich vor allem in der Lampensparstufe bemerkbar, da diese mit einem schwächeren Rot-Spektrum einhergeht. Aber das sind Peanuts, wenn man sich den Preis des Projektors vor Augen hält.

Im Bildmodus „Cinema (Rec. 709)“ zeigt der Benq fast alle Farben perfekt an.
Im Bildmodus „Cinema (Rec. 709)“ zeigt der Benq fast alle Farben perfekt an.

 

Beifall setzt es auch für die Helligkeit von 1.172 Lumen beziehungsweise 741 Lumen im Eco-Modus. In helleren Farbvoreinstellungen wie „Game“, „User“ oder „Vivid“ zeigt er ebenfalls kaum Schwächen. Weitere Bildfeineinstellungen sind mithilfe von Reglern für RGB, Gamma, Farbtemperatur und Farbmanagement möglich. Wir vermissen allerdings globale Regler für Sättigung und Farbton via HDMI. Farbdecodierungsfehler mit allen HDMI-Farbmodi (YCbCr 4:2:2, YCbCr 4:4:4, RGB 4:4:4) treten dafür nicht auf. Der Daumen geht auch beim Im-Bild-Kontrast hoch, der sich zwischen 970:1 (EBU-Testbild) und 550:1 (ANSI-Schachbrett) bewegt. Beim nativen Bildkontrast messen wir 1.650:1, in den helleren Bildmodi mit aktiver Briliant-Color-Schaltung liegt der Wert sogar bei 2.200:1. Negativ fallen jedoch dezente blaugrüne Aufhellungen in den Bildecken auf.

Videoverarbeitung und Schärfeeindruck

Eine „Frame Interpolation“-Schaltung, die Bewegungen glättet, suchen wir vergeblich. Benq setzt sie erst beim größeren Bruder W 3000 ein, der 400 Euro mehr kostet, also 1.700 Euro. Folge: Autos, die schnell durchs Bild rasen, verschmieren stärker als beim großen Bruder, fiese RGB-Kanten treten dabei aber kaum auf. Tadellos funktioniert die Vollbildwandlung des Videoprozessors – sie erzielt exzellente Resultate bei allen SDTV-Videos (576i) und beseitigt auch das Flimmern in HDTV-Kinofilmen mit 1080i zuverlässig.

Im Full-HD-Testbild zeigt der Benq W 2000 feine Linienpaare knackig und ohne Farbsäume.
Im Full-HD-Testbild zeigt der Benq W 2000 feine Linienpaare knackig und ohne Farbsäume.

Zur Beurteilung der Bildqualität bei Blu-rays ziehen wir den Bond-Klassiker „Casino Royale“ aus dem Regal, mit dem wir gern und oft testen. Das in Schwarz-Weiß gehaltene Intro des Streifens sieht super aus und glänzt mit einem tollen Kontrast und hoher Schärfe. Ebenfalls positiv: An den hellen Metallstangen im dunklen Büro fallen kaum Farbblitzer auf. Der rote Vorhang in der folgenden Animation wirkt im „Cinema“-Preset zu blass, in den Modi „Vivid“ und „Game“ erstrahlt er hingegen in einem knalligen Rot. In diesen kontraststarken Modi kommen auch die Strandszenen auf der Bond-Blu-ray sehr gut rüber, weil die Farben immer noch natürlich und nicht zu übertrieben wirken. Der besonders neutrale Bildmodus „Cinema (Rec. 709)“ bleibt dennoch die erste Wahl der Profis, da sich die leichten Rotschwächen dank des Farbmanagements korrigieren lassen.

Unter dem Strich überrascht der Benq W 2000 mit tollen Farben, hoher Detailschärfe und einem filmischen Gesamtlook. In dieser Kombination nehmen wir kaum einen Unterschied zu den allerbesten D-ILA- oder SXRD-Projektoren wahr. Unterschiede zu absoluten Top-Beamern fallen nur schwarzen Szenen beim nativen Kontrast auf. Im Weltraumabenteuer „Gravity“ erscheinen die Sterne zwar scharf und hell, aber im Weltall schimmert leichtes Restlicht durch.

 

Vorgestelltes Produkt:
BenQ W2000 3D Heimkino DLP-Projektor (Full HD Beamer, 1920x1080 Pixel, Cinematic Color REC. 709, 2.000 Ansi Lumen, Kontrast 15.000:1) weiß
Aktueller Amazon-Preis: EUR 892,26


 

PLAYER.de meint: Ein toller Projektor, der mit 1.300 Euro erstaunlich erschwinglich ist. Durchschnittlich fällt lediglich die Bewegungsschärfe aus, in puncto Schärfe, Im-Bild-Kontrast, Bildhomogenität und Farben erzielt der Benq W 2000 Topergebnisse. Da auch der Ton prima klingt und der Lüfter nicht wahrnehmbar ist, geht dieser Beamer als dicker Preis- und Geheimtipp durch.