Hör mal, wer da wummert: Das war die High End 2016

In den Messehallen herrschte reges Treiben.
In den Messehallen herrscht reges Treiben.

Die Füße protestieren, der Rücken schmerzt, die Ohren glühen – klare Symptome, die zeigen: Es war mal wieder High End, die weltweit größte Messe der Audio- und High-End-Branche. Ein Rückblick auf tolle Vorführungen, neue Geräte, kuriose Kabel und andere grenzwertige Erfahrungen.

Die Messe wächst und wächst. Als wir am Samstag gegen 10.30 Uhr ankommen, trauen wir unseren Augen kaum: So voll haben wir es hier noch nie erlebt – trotz Sonnenschein, blauem Himmel und 25 Grad. Um alles auf der High End zu erkunden, müsste man alle vier Tage acht Stunden nonstop rumlaufen – inklusive Sackkarre für Prospekte, Physiotherapeut und persönlichem Fußpfleger. Deshalb beschränken wir uns hier auf ein paar – selbstverständlich subjektive – Messehighlights. Denn was der eine gut findet, verursacht im anderen vielleicht Fluchtreflexe und umgekehrt. Generell gab es in den letzten Jahren immer wieder Kritik an den Vorführungen – wie bescheiden doch teure Anlagen klingen können, wenn die Raumakustik nicht stimmt oder bei der Aufstellung der Lautsprecher geschludert wird.

Exzellenter Klang bei Ayon Audio aus Österreich.
Exzellenter Klang bei Ayon Audio aus Österreich.

Die erste Vorführung findet gleich in der Nähe des Eingangs statt – hier hat Ayon Audio einen Raum gemietet. Schon im Vorjahr begeisterten die Österreicher mit einem sensationellen Klangspektakel. Auch dieses Jahr spielt die Kette der Röhrenspezialisten auf allerhöchstem Niveau. Selten haben wir Johnny Cash so authentisch und mitreißend wahrgenommen – Respekt. Andere Vorführungen sind allerdings deutlich besser besucht, beim deutschen Boxenbauer Canton war es zum Beispiel immer so voll, dass wir keine Lust hatten, uns da reinzuquetschen. Auch bei Burmester brummt es – und zwar gleich im doppelten Sinne. Denn die Berliner High-End-Schmiede setzt seit Jahren auch auf hochwertigen Sound im Auto.

Edle Schlitten bei Burmester – inklusive Burmester Soundsystem.
Edle Schlitten bei Burmester – natürlich inklusive Burmester-Soundsystem.

Ein großes Thema sind auch 2016 Kopfhörer. Deshalb gibt es in diesem Jahr erstmals die „Hörbar“, wo zwar nichts Hochprozentiges ausgeschenkt wird, wohl aber Hochpegeliges, wenn man möchte. In Reih und Glied stehen Kopfhörer-Fans und probieren Modelle aller möglichen Hersteller aus – wenn sie denn einen freien Platz ergattern.

Großer Andrang beim Kopfhörer-Vergleich an der „Hörbar“.
Großer Andrang beim Kopfhörer-Vergleich an der „Hörbar“.

Per iPad lässt sich die Musik frei wählen, am Kopfhörerverstärker geht alles von ganz leise bis brüllend laut. Eine prima Idee, wie nicht nur wir finden. Exzellent klingt hier übrigens der Obravo HAMT-1, ein Hörer mit Air-Motion-Treiber. Mit 1.499 Euro Listenpreis ist der Spaß allerdings nicht ganz billig.

So sieht eine Station an der „Hörbar“ aus – mit iPad und Kopfhörerverstärker.
So sieht eine Station an der „Hörbar“ aus – mit iPad und Kopfhörerverstärker.

Andere Wege geht der japanische Kopfhörer-Spezialist Stax, der beim deutschen Vertrieb Audio Trade einen eigenen kleinen Hörraum spendiert bekam. In jeder Ecke steht ein spezieller Stax-Kopfhörerverstärker, der die Elektrostaten antreibt. Leider ist die Musikauswahl, auf die der Hörer keinen Einfluss hat, zum Davonlaufen: Musikstücke, die sich nach ausgepeitschen Ziegen anhört, oder Männer, die Affenlaute von sich geben, grenzen an Körperverletzung, auch wenn man das in audiophilen Kreisen vielleicht anders sieht.

Bei Stax stand auch das Topmodell SR-009 bereit, das bescheidene 5.000 Euro kostet, aber phänomenal luftig klingt.
Bei Stax stand auch das Topmodell SR-009 bereit (auf dem Kopf der Dame), das bescheidene 5.000 Euro kostet, aber phänomenal luftig klingt.

Auch die neuen Stax-Modelle SR-L300, SR-L500 Pro und SR-L700 Pro sind griffbereit. Sie lösen die bisherige Lambda-Serie ab, liegen im Preis allerdings ein gutes Stück hörer.

Die neuen Modelle von Stax: der SR-L500 Pro und SR-L700 für 900 Euro beziehungsweise 1.700 Euro.
Die neuen Modelle von Stax: der SR-L700 Pro (links) und SR-L500 für 1.700 Euro beziehungsweise 900 Euro.

Apropos Elektrostaten: Auch Martin Logan, der Weltmarktführer bei elektrostatischen Lautsprechern, ist da. Mit im Gepäck und in der Vorführung: die brandneue Renaissance ESL 15A. Der neue Toplautsprecher der Amerikaner ist in Deutschland ab sofort erhältlich, schlägt einen Krater von 30.000 Euro ins Konto und spielt an zwei massiven Endstufen von Nelson Pass. Was sollen wir sagen: Ein Klang zum Abheben – luftig, druckvoll, extrem hochaufgelöst, aber nie zu analytisch oder gar nervig. Eine der besten Performances der gesamten Messe.

Die neue Martin Logan Renaissance ESL 15A überzeugt auf ganzer Linie.
Die neue Martin Logan Renaissance ESL 15A überzeugt auf ganzer Linie.

Noch interessanter finden nicht nur wir allerdings die beiden brandneuen Martin-Logan-Modelle, die unauffällig im Vorraum stehen: die Expression ESL 13A sowie die Impression ESL 11A. Von beiden wusste man in Deutschland bislang nichts. Ein Plausch mit Sales Manager Peter Soderberg bringt Licht ins Dunkel: Die beiden ausgestellten Modelle ersetzen im August/September 2016 die Martin Logan Montis und die Summit X. Laut Soderberg werden sie preislich leicht überhalb der Montis und der Summit X liegen.

Ab Herbst in Deutschland erhältlich: Die Martin Logan Impression ESL 11A, die die Montis ersetzt.
Ab Herbst in Deutschland erhältlich: Die Martin Logan Impression ESL 11A, die die Montis ersetzt.

Beide ähneln optisch stark der neuen Renaissance ESL 15A, vor allem das Gehäuse mit der Aktivelektronik ragt bei allen sehr weit nach hinten heraus. Außerdem an Bord: eine Einmessfunktion zur Raumanpassung samt Mikrofon. Die Martin Logan Ethos soll ebenfalls einen Nachfolger erhalten, allerdings ohne aktiven Bass, wie uns Peter Soderberg verriet, um den Preis halten zu können.

Rückseite der Martin Logan Impression ESL 11A, die um 15.000 Euro kosten wird.
Rückseite der Martin Logan Impression ESL 11A, die vermutlich um 15.000 Euro kosten wird.

Kommen wir zu einer weiteren gelungenen Vorführung, ebenfalls vom deutschen Vertrieb Audio Components: McIntosh-Elektronik an Wilson-Audio-Lautsprechern. Die Wärme einer McIntosh-Kette in Kombination mit der Präzision der Wilson Audio Sasha Serie 2 sorgt für offene Münder.

McIntosh + Wilson Audio = Traumkombination.
McIntosh + Wilson Audio = Traumkombination.

Die gute Raumakustik besorgt den Rest – hier wurden nicht nur einfach hochpreisige Geräte aufgestellt, sondern auch akustisch optimiert. Das fällt uns 2016 generell auf: Das Niveau der Vorführung steigt, weil sich immer mehr Hersteller/Vertriebe Gedanken über die Raumakustik machen.

Giganten: die monumentalen McIntosh-Monoendstufen MC601AC.
Giganten: die monumentalen McIntosh-Monoendstufen MC601AC.

Negative Ausreißer gibt es auch dieses Jahr, aber hier breiten wir jetzt mal gnädig den Mantel des Schweigens aus. Nur eines: Wenn bereits am frühen Nachmittag die Stühle für Hörsessions weggepackt werden, sollten sich die Verantwortlichen vielleicht mal Gedanken über die Musikauswahl machen. Bei stundenlanger Kirchen- und Orgelmusik greift man nicht zum Scheckbuch, sondern zum Strick.

Pervers: Vergoldete Kabel, die an Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten sind.
Fast schon pervers: Vergoldete Kabel, die aus unserer Sicht an Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten sind.

Apropos Strick: Zufällig kommen wir an einem kleinen Raum vorbei, in dem golden und silbern schimmernde Kabel in der Ausgabe liegen. Dazu Champagner-Flaschen und ähnlicher Firlefanz. Nach den Preisen fragen wir erst gar nicht, möchten diese Kabel aber Multimillionären mit Suizidgedanken ans Herz legen.

Das Toplautsprecherkabel von Inakustik: das LS-2404.
Das Toplautsprecherkabel von Inakustik: das LS-2404.

Es sind aber auch seriöse Kabelhersteller wie Audioquest oder die deutsche Firma Inakustik vor Ort. Klar: Bei der Kabelfrage scheiden sich die Geister, aber hier können wir nur sagen: Selber ausprobieren und sehen/hören, ob teure Kabel etwas bringen oder nicht.

Kommen wir zu einem der wenigen TV-Hersteller auf der Messe: Panasonic. Hier kann man die neuen 4K-Fernseher der Japaner bewundern. Blickfang ist natürlich der 10.000 Euro teure OLED-Fernseher Panasonic TX-65CZW954, dessen Kontrast überwältigend ist.

Teurer, aber genialer Spaß: der Panasonic-OLED TX-65CZW954.
Teurer, aber genialer Spaß: der Panasonic-OLED TX-65CZW954.

Mit ähnlich viel Kontrast erfreut auch der Panasonic  TX-65DXW904, das Topmodell aller LED-Linien, das Auge. Mit 5.000 Euro kostet er jedoch nur die Hälfte. Nach all den Hörsessions tun so schöne Bilder in UHD-Qualität richtig gut.

Panasonics Top-LED-Modell: der TX-65DXW904.
Panasonics Top-LED-Modell: der TX-65DXW904.

Auch den DMP-UB900 entdecken wir, den ersten 4K-Player aus dem Hause Panasonic. Dieser taucht momentan zwar vereinzelt im Fachhandel auf, ist aber immer sofort wieder vergriffen.

Der Panasonic DMP-UB900 kostet 800 Euro und ist derzeit kaum zu bekommen.
Der Panasonic DMP-UB900 kostet 800 Euro und ist derzeit kaum zu bekommen.

Viel Aufmerksamkeit erregt auch der Messeauftritt der Firma Quadral. Unter dem Motto „R9VOLUTION“ präsentieren die Hannoveraner erstmals ihre komplett neue Aurum-R9-Baureihe. Diese wird mit den Worten „Das Beste, was wir je gebaut haben“ angekündigt, was natürlich neugierig macht. Und tatsächlich: Das neue Flaggschiff, die Titan, klingt in Verbindung mit der hauseigenen Aurum-Elektronik hervorragend.

In der Vorführung: die neue Titan – der Paarpreis liegt voraussichtlich bei 15.000 Euro für die Version mit Pianolack-Finish.
In der Vorführung: die neue Titan – der Paarpreis liegt voraussichtlich bei 15.000 Euro für die Version mit Pianolack-Finish.

Die Revoltion bei Quadral umfasst außerdem weitere Dauerbrenner wie die Vulkan, Montan oder die Rodan. Vor allem am Bändchen-Hochtöner haben die Deutschen nach eigener Aussage gearbeitet. Dieser soll einen extrem niedrigen Klirrfaktor aufweisen.

Neues gibt es auch bei Elac zu vermelden: Die Kieler haben mit der Concentro einen Superlautsprecher mitgebracht, dessen Design Großes verspricht. Gehört haben wir ihn nicht, aber wenn er halbwegs so klingt, wie er aussieht, freuen wir uns auch eine Hörsession. Leider war der Hörraum den ganzen Tag über restlos überfüllt.

Die Elac Concentro soll 60.000 Euro kosten und bringt 140 Kilo auf die Waage.
Die Elac Concentro soll 60.000 Euro kosten und bringt 140 Kilo auf die Waage.
Die Tieftöner sitzen auf der Seite.
Die Tieftöner sitzen auf der Seite.

Ebenfalls im Gepäck: der neue Plattenspieler Miracord 90 Anniversary. Mit diesem feiern die Kieler den 90. Geburtstag der Firma. In den fünfziger und sechziger Jahren war Elac vor allem für seine Plattenspieler bekannt, was heutzutage fast in Vergessenheit geraten ist. Aber auch sonst ist dies ein kluger Schachzug: Vinyl boomt seit Jahren.

Alarmstufe Rot: Elac bringt mit dem Miracord 90 Anniversary einen Plattenspieler heraus.
Alarmstufe Rot: Elac bringt mit dem Miracord 90 Anniversary einen Plattenspieler heraus.

Neuheiten hat auch Nubert im Gepäck. Der schwäbische Direktversender präsentiert auf der High End erstmals die superstarke Endstufe nuPower A, die im Monobetrieb auf 1.150 Watt an vier Ohm kommt. Im Stereobetrieb leistet sie laut Hersteller zweimal 540 Watt an vier Ohm – ungeheure Kraftreserven!

 

Kraftpaket: die Nubert-Endstufe nuPower A für 3.750 Euro pro Stück.
Kraftpaket: die Nubert-Endstufe nuPower A für 3.750 Euro pro Stück.

Auch bei den Aktivboxen tut sich etwas bei den Schwaben: Das High-End-Publikum bekommt die beiden taufrischen Aktivsäulen nuPro A-500 und A-700 zu Gesicht.

Eine Weltpremiere zeigt auch Marantz: den Vollverstärker PM-10. Dieser verfügt über eine voll symmetrische Analogschaltung sowie über separate Netzteile für Vorverstärker und Lautstärkeregler sowie für die einzelnen Endstufenkanäle. Einen Preis konnten wir nicht in Erfahrung bringen. Zum Verstärker präsentiert Marantz auch noch einen entsprechenden CD- und SACD-Player: den SA-10. Dieser kommt mit einem USB-Eingang für Laptop & Co.

Messeneuheit: der ab Herbst 2016 verfügbare Marantz-Vollverstärker PM-10.
Messeneuheit: der ab Herbst 2016 verfügbare Marantz-Vollverstärker PM-10.

Zum Abschluss die vielleicht edelste Anlage der gesamten Messe, die wir in den Räumlichkeiten des Hamburger Vertriebs Audio Reference (u. a. Krell, Meridian und Audio Research) entdecken: Elektronik von Dan D’Agostino an Sonus-Faber-Lautsprechern. Ab sofort spielen wir Lotto und hoffen auf einen Sechser. Und einen Fußpfleger.

Eine Augenweide: Dan D’Agostino-Elektronik im Steampunk-Look.
Eine Augenweide: Dan D’Agostino-Elektronik im Steampunk-Look.

 

PLAYER.de meint: Wir kommen nächstes Jahr wieder! Die Qualität der Vorführungen hat 2016 zugenommen, und das macht Lust auf mehr. Die High End 2016 war defintiv den Besuch wert – allein schon aufgrund der spektakulären Weltpremieren. Nur bei der Musikauswahl sollten manche Hersteller noch üben, nicht jeder Besucher steht auf audiophiles Gedudel, bei dem Haustiere mit dem Heulen beginnen. Nur mal so als Denkanstoß.