OLED ist noch nicht perfekt: Das Gelb/Weiss-Problem

Der Fortschritt von OLED ist beachtlich. Die Technologie wird Generation für Generation erschwinglicher und qualitativ besser. Insbesondere Spitzenhelligkeit und Schwarzwert verleiten viele zur Formulierung von Superlativen wie „bester Fernseher“ und „perfekte Bildtechnologie“. Wie so häufig bei neuen interessanten Technologien, lässt man sich jedoch gerne von den Vorzügen blenden, ohne bei den Nachteilen genauer hinzusehen. Wir haben es getan und beleuchten anhand des LG55EG9609 einen deutlich sichtbaren Nachteil der Technik im Vergleich zu LCD. Nennen wir es einfach mal das „Gelb/Weiss-Problem“.

Hintergrund

Während bei LCD-Fernsehern eine separate Hintergundbeleuchtung für die Helligkeit im Bild sorgt, leuchtet bei OLED jeder Pixel selbst. Es ist wirklich erstaunlich, dass diese Technik der selbstleuchtenden Pixel mittlerweile sogar schon bei 4K-Auflösung funktioniert.

Im Falle der OLED-Technik von LG, die derzeit zumindest im TV-Bereich fast konkurrenzlos ist, verwendet man vier weiße Subpixel je Bildpunkt und setzt dreien davon eine Farbfilterfolie vor. Das ergibt dann die RGBW-Subpixelstruktur, die LG auch als Vorteil propagiert.

Wohl aufgrund von Problemen bei der Wärmeentwicklung und Ansteuerung ist es aktuell nicht möglich, alle Pixel gleichzeitig mit voller Helligkeit anzusteuern. Volle Helligkeit erreicht man deshalb aktuell nur bei kleinen Bildflächen. Abhängig von der durchschnittlichen Helligkeit im Bild (APL=Average Power Level) reduziert sich deshalb auch die maximale Lichtausbeute. In vielen Fällen merkt man das gar nicht (einige schlaue Leute haben die durchschnittliche Bildhelligkeit in regulärem Programmmaterial einmal auf 18% festgelegt). Bei wirklich hellen Bildern wie beispielsweise einem Schirennen sieht man die Einschränkung jedoch sofort.

Störfaktor

Bei unseren Tests ist uns häufiger als erwartet ein fahler Bildeindruck aufgefallen, der nicht zu den sonst so extrem herauspoppenden Bildern in vielen Szenen gepasst hat. Um der Sache auf den Grund zu gehen, suchten wir zunächst nach aussagekräftigem Content. Das Video „eat fruits“, das auf vimeo auch zum Download in UHD-Auflösung zur Verfügung steht (http://www.vimeo.com/florianfriedrich/eatfruits -> unter der Beschreibung auf „herunterladen“ klicken), erwies sich als gutes Beispiel. Ein ebenfalls gerade bei uns befindlicher LCD-Fernseher von B&O mit ähnlicher maximaler Bildhelligkeit und gleicher Diagonale diente als Vergleichsobjekt.

Das Ergebnis ist deutlich: Helle Bilder oder solche mit viel Gelbanteil wirken entweder fahl gräulich oder bekommen einen unappetitlichen Grünstich. Sehen Sie selbst: Das Video wurde von der Kamera heruntergeladen und direkt auf Youtube gestellt:

Technisch nachvollziehbar

Doch wie kann es sein, dass sich solche deutlichen Farbunterschiede ergeben, wenn bei den normalen Farbmessungen und bei den Tests in den Fachzeitschriften sehr gute Ergebnisse herauskommen? Auch die Bildkalibrierung gelingt -von vielen Fachleuten bestätigt- sehr gut.

Die Erklärung dafür ist in der Tatsache zu suchen, dass schon früher gewisse APL-Abhängigkeiten aus der Plasma-Technik bekannt waren und man sich für Tests auf ein Standard-Messfenster von 25% geeinigt hat. Das ist zum Beispiel auch die Standardeinstellung in der Messsoftware Spectracal Calman (erhältlich unter Avtop.eu).

Sehen wir uns also zunächst die üblichen 25%-Messungen an:

LG 55EM960
LG 55EM9609, gemessen mit 25%-Messfenster im isf-Modus mit OLED-Licht Einstellung auf 100: Die Spitzenhelligkeit beträgt knapp 350 cd/m². Auch ein 2%-Messfenster erhöht diese nicht mehr deutlich (353 cd/m²). Die Farbgenauigkeit ist sehr gut, die DeltaE-Abweichungen liegen durchweg unter 3. Der B&O-Vergleichsfernseher aus dem Video erreicht ebenfalls etwa 350 cd/m².
LG_OLED_55EG9609_Mischfarben
Auch die detaillierte Analyse der Mischfarben im 25%-Fenster ist sehr überzeugend und überschreitet fast nie die für sichtbare Abweichungen kritische Marke von DeltaE 3.

Alles gut, so wie man es aus den Tests kennt! Doch woher kommt dann der Unterschied bei hellen Bildern?

Dafür haben wir im zweiten Schritt auf vollflächige Messung umgestellt:

LG 55EM960, gemessen im isf-Modus mit OLED-Licht Einstellung auf 100: Die Spitzenhelligkeit beträgt knapp 350 cd/m². Auch ein 2%-Messfenster erhöht diese nicht mehr deutlich (353 cd/m²). Die Farbgenauigkeit ist sehr gut, die DeltaE-Abweichungen liegen durchweg unter 3. Der B&O-Vergleichsfernseher aus dem Video erreicht ebenfalls etwa 350 cd/m².
LG 55EM960, gemessen mit 100% Messfenster (vollflächig) im isf-Modus mit OLED-Licht Einstellung auf 100: Die Spitzenhelligkeit reduziert sich auf deutlich weniger als die Hälfte (133 cd/m²). Die Farbgenauigkeit ist sehr gut, die DeltaE-Abweichungen liegen jetzt höher. Insbesondere die Farbe Gelb weicht mit DeltaE 7 deutlich vom Ideal ab.
Detaillierte Farbanalyse mit 100%-Messfenster, also vollflächiger Darstellung der Testfarben.
Detaillierte Farbanalyse mit 100%-Messfenster, also vollflächiger Darstellung der Testfarben. Der Unterschied erklärt sich durch diese Messwerte eindeutig.

Damit ist es erklärt: Besonders helle Bilder führen aktuell bei OLED zu Farb- und Helligkeitsabweichungen. Das Gesehene ist also auch messtechnisch nachvollziehbar.

PLAYER.de meint: Bei genauerem Hinsehen hat auch die hochmoderne und viel gelobte OLED-Technologie aktuell noch ihre Nachteile, die sicherlich von LG oder einem anderen Hersteller in Zukunft überwunden werden können. Bis dahin bleiben wir weiter auf der Suche nach dem perfekten Display. Wer übrigens das Maximum an Bildqualität aus seinem Full HD- oder UHD-TV herausholen möchte, findet auf www.Quality.TV die geeigneten Testbilder.