E-Ink-Handys auf dem Vormarsch?

Yotaphone 2 mit e-INK-Display auf der Rückseite.
Yotaphone 2 mit e-INK-Display auf der Rückseite.

Bereits mit dem ersten Yotaphone lieferte Yota Devices ein überaus fortschrittliches und bis dato ungelogen einzigartiges Smartphone der Oberklasse: Dank eines, auf der Hinterseite des Handys integrierten, E-Ink-Bildschirms lässt sich das Yotaphone auch als E-Book-Reader nutzen. Zudem bietet das Smartphone den Vorzug, die Kraftzellen zu schonen, da sich Statusmeldungen und Benachrichtigungen ebenfalls auf dem, zwar nur zweifarbigen, dafür aber stromsparsamen E-Ink-Bildschirm einblenden lassen. Hierzulande konnte das Yotaphone allerdings nur eine kleine Anhängerschaft finden und einige wenige Tausend Mal verkauft werden. Zu stark schien noch die Konkurrenz aus südöstlichen Handywelten à la Samsung & Co. Dies könnte sich jetzt jedoch ändern: Mit dem Yotaphone 2 will der russische Handytüftler nun auch in Europa Fuß fassen. Nicht zuletzt die offizielle Seite des Handys mit angepasster Sprache für den jeweiligen Absatzmarkt soll ab sofort nämlich für den Durchbruch sorgen: Auch die technischen Besonderheiten wurden gründlich überarbeitet und geben Anhängern von E-Books nun allen Grund zur Freude. Was das Modell im Einzelnen auf dem Kasten – oder angesichts der Tiefe von gerade einmal 9 Millimetern besser gesagt auf der Scheibe hat – verrät der folgende Produktcheck.

Bildschirm im Doppelpack

Den offensichtlich größten Fortschritt und die zugleich interessanteste Errungenschaft machen die zwei Bildschirme des zweiten Yotaphones aus. Beide Bildschirme können nun nämlich mit einer Touchfunktion aufwarten, lassen sich also per Finger- oder gar Stylusberührung bedienen. Beim ersten Yotaphone war die Touch-Funktion lediglich mit dem Hauptbildschirm zu nutzen. Sobald der Frontbildschirm, ein „klassisches“ AMOLED-Display genutzt wird, erfolgt übrigens automatisch eine Sperrung des hinterseitigen E-Ink-Bildschirms. Das macht Sinn, denn so darf das Yotaphone 2 bei Bedarf wie ein ganz normales Smartphone genutzt werden. Doch das Russen-Buch-Handy ist eben keineswegs als normal zu bezeichnen: Über den E-Ink-Bildschirm auf der Rückseite lassen sich E-Books wirklich sehr gut ablesen, was dank einer optionalen Hintergrundbeleuchtung übrigens auch im Dunkeln klappt. „Schuld“ daran ist die besondere Oberflächenstruktur des „Electronic Paper Displays“, die im Gegensatz zu regulären LED- und LCD-Anzeigen eine weitaus angenehmere, weil nicht dauerhaft unter Strom stehende, Lesefläche aufweist.
Die Auflösung des Zweit-Displays beträgt übrigens satte 960 x 540 Bildpunkte, was auf der Bildschirmdiagonale von 4,7 Zoll eine Pixeldichte von 441 ppi ausmacht. Buchstaben sind demnach sehr fein gezeichnet und auch Animationen werden detailgetreu dargestellt. Letztere können allerdings nur bedingt genossen werden: Jedes Mal, wenn der Bildschirm seine Oberfläche verändert, also ein neues Bild projiziert, wie es etwa beim Umblättern einer Seite im E-Book-Modus der Fall ist, erfolgt ein kleines „Aufblitzen“. Pluspunkte gibt es für die Funktion, bewegte Bildinhalte anzuzeigen, dennoch, denn das Vorgängermodell konnte mit dieser Technik noch nicht aufwarten. Neben der Möglichkeit, elektronische Schmöker, Zeitschriften und Magazine mit dem Zweitbildschirm des Yotaphones 2 sehr schonend lesen zu können, bietet dieser übrigens auch die Option, eingehende Nachrichten und Statusmeldungen anzuzeigen. Vorteil: Durch den kaum vorhandenen Stromverbrauch bietet das Yotaphone 2 eine weitaus längere Laufzeit, welche sich im reinen Lesemodus über den E-Ink-Bildschirm auf gut 220 Stunden beläuft! Und auch bei der klassischen Nutzung über das AMOLED-Display offenbart das Yotaphone 2 überaus gute Ausdauerwerte: Satte 17 Stunden hält das Modell im „Normalbetrieb“ durch.
Apropos Normalbetrieb: Nicht nur dem löblichen E-Ink-Bildschirm, sondern auch dem Hauptdisplay ist ein wirklich gutes Bildschirmvergnügen zu attestieren. Die Farben wirken auf der 5 Zoll großen Anzeige nämlich sehr kräftig und auch die Helligkeitswerte fallen im wahrsten Sinne des Wortes positiv ins Auge. Die eigentliche Pixelrate beträgt zudem 1.920 x 1.080 Bildpunkte, sodass das Yotaphone 2 – von vorn betrachtet – in Full-HD-Qualität erstrahlt.

Rest-Hardware im Überblick

Neben den zwei Bildschirmen offenbaren auch die sonstigen Hardware-Komponenten gute Werte. So taktet im Herzen des zweiten Yotaphones zum Beispiel ein Vierkernprozessor mit einer Taktrate von 2,2 GHz. Dank der Unterstützung durch den 2 GB dicken Arbeitsspeicher ergibt sich somit eine sehr flüssige Bedienung – rein leistungstechnisch, also gemessen an Benchmark-Wert & Co., kommt das Modell allerdings nicht an aktuelle Spitzen-Smartphones wie dem Samsung Galaxy S6 oder iPhone 6 aus dem Hause Apple heran. Der reine Speicher zwecks Datensammlung beträgt übrigens 32 GB, sodass das Yotaphone 2 zwar einiges an Stauraum für Apps, Fotos, Musik und Videos mit sich bringt, aufgrund eines fehlenden Speicherkartenschachts allerdings nur bedingt für Liebhaber großer Mediatheken zu gebrauchen ist.
Ähnlich wenig alltagstauglich zeigen sich die beiden Kameras des Yotaphone 2: Sowohl die 2 Megapixel starke Front- als auch die 8 Megapixel starke Hauptkamera bringen nur unter wirklich guten Lichtbedingungen ansehnliche Aufnahmen hervor. Auch das LED-Blitzlicht sorgt unter Schummerlicht nur in einem geringen Ausmaß für ein gesteigertes Kameraerlebnis.
Funktechnisch betrachtet weiß sich das Yotaphone 2 wiederum sowohl im UMTS- als auch im LTE-Bereich zu behaupten. Maximale Raten von bis zu 40 MB pro Sekunde werden nämlich ebenfalls unterstützt. Die Sprachqualität fällt zudem sehr klar aus. Einen letzten Punktabzug gibt es jedoch für das veraltete – und bisweilen leider nicht aktualisierbare – Betriebssystem Android 4.4.3. Hier wäre ein Update auf die Version 5.0 durchaus angebracht.

Alternativen

Wie bereits erwähnt, gelten sowohl das Yotaphone als auch das Yotaphone 2 als absolute Unikate auf dem hiesigen Handysektor. Dies soll sich jedoch schon in absehbarer Zeit ändern – zumindest, wenn man den Meldungen aus dem Hause Siswoo Glauben schenkt. Der chinesische Technikkonzern hat mit seinem gleichnamigen „R9 Darkmoon“ nun nämlich ebenfalls ein Smartphone mit einer Technik der Oberklasse sowie einem E-Ink-Bildschirm angekündigt. Im Großen und Ganzen bietet das Siswoo R9 Darkmoon sogar bessere Werte als das Yotaphone 2! Die Bildschirmdiagonale des Hauptdisplays beispielsweise beträgt 5,5 Zoll, die des E-Ink-Bildschirms 5 Zoll. Hinzu kommen ein Achtkernprozessor, der sogar 64-Bit-Anwendungen unterstützt, sowie ein 3 GB dicker Arbeitsspeicher. Ferner bietet das Siswoo R9 Darkmoon zwei ansehnliche Kameras mit einer Auflösung von 13 beziehungsweise 8 Megapixeln. Außerdem ist Android 5.0 mit an Bord und der Akku bietet mit einer Kapazität von 3.000 mAh zumindest rein rechnerisch gesehen mehr Potenzial. Dennoch bleibt die Frage, wie sich die Bedienung des E-Ink-Bildschirms auf das Gesamtkonzept des R9 Darkmoon auswirkt, denn offizielle Testergebnisse liegen in dieser Beziehung leider noch nicht vor. Angesichts des angekündigten Preises von rund 520 Dollar, also umgerechnet etwa 450 Euro, stellt dieses Smartphone allerdings zumindest preistechnisch gesehen eine interessante Alternative dar. Fürs Konkurrenzmodell von Yota Devices muss der Käufer derweil schließlich noch gut 200 Euro mehr bezahlen! Aber: Das Siswoo R9 Darkmoon ist bis jetzt lediglich für den chinesischen sowie amerikanischen Markt vorgesehen. Ob und wann das Handy auch in Europa zu haben ist, verschweigt Siswoo bisweilen.

Player.de meint
Mit dem Yotaphone 2 hält der Besitzer ein wirklich sehr innovatives Smartphone in den Händen. Wer dem 08/15-Bedienkonzept abschwören will, ist mit diesem Modell gut beraten, wobei nicht nur der leserfreundliche und Strom sparende Rückbildschirm Anlass zum Loben bietet. Auch Prozessor, Arbeitsspeicher, Akku und nicht zuletzt der Hauptbildschirm überzeugen. Weniger gut fallen jedoch die Kameras aus und auch die Software ist nicht mehr auf dem neuesten Stand. Dennoch: Wer das nötige Kleingeld hat – das Yotaphone kostet aktuell rund 650 Euro – wird mit dem zweiten Yotaphone nicht nur viel Lesespaß haben.