Amazon plant noch 2015 HDR-Streaming für Amazon Prime

Nachdem Netflix bereits auf der CES in Las Vegas Anfang des Jahres das Streaming von Videos in HDR-Qualität (High Dynamic Range) angekündigt hatte, zieht Amazon jetzt nach und will seinen Nutzern von Amazon Prime und Amazon Instant Video noch 2015 ebenfalls Videos mit hohem Kontrastumfang bieten.

Damit geht der Konkurrenzkampf zwischen Amazon und Netflix im Streaming- und Video-on-Demand-Markt in die nächste Runde, erst seit Kurzem bieten beide Plattformen ausgewählte Inhalte auch in der 4K-Auflösung (Ultra HD) von 3.840×2.160 Pixeln. Konkurrenten wie Maxdome oder Watchever können da momentan noch nicht mithalten und streamen lediglich in HD-Qualität (1280 x 720 Pixel, Watchever auf der Xbox One auch in Full HD mit 1980 x 1080 Pixel). Maxdome allerdings hatte bereits Mitte 2014 ein 4K-Angebot für 2015 angekündigt, zu dem es bislang aber keine weiteren Informationen oder gar ein Startdatum gibt.

High Dynamic Range als logisch nächster Schritt nach 4K UHD

Für Michael Paull, Vice President Digital Video bei Amazon, stellt High Dynamic Range nach 4K UHD jedenfalls einen „weiteren logischen Schritt“ hin zu einer besseren Bildqualität dar. Die lebendigere und natürlichere Wiedergabequalität wird also nicht mehr nur über eine immer höhere Anzahl und Dichte an Bildpunkten gesucht, so die klare Botschaft, sondern über einen höheren Kontrastumfang dank HDR.

High Dynamic Range bietet wesentlich größere Dynamikreserven bei der Bildwiedergabe als herkömmliche Video-Inhalte und verspricht so höhere Kontrastwerte, mehr Details vor allem in dunklen Bildbereichen und insgesamt sattere Farben. Durch den höheren Kontrastumfang sollen Videos und Bilder somit wesentlich natürlicher wirken als bisher. Für Streaming und Wiedergabe von HDR-Inhalten müssen allerdings auch die Fernsehgeräte beziehungsweise Bildschirme HDR unterstützen, bei der Wiedergabe von externen Quellen wie 4K-Bluray-Playern ist zudem HDMI 2.0a zwingende Voraussetzung.

HEVC und Leuchtdichte als technische Hürde für HDR

Der größere Kontrastraum wird hardwareseitig letztlich durch eine stärkere Hintergrundbeleuchtung der verwendeten Panels realisiert. Während heutige Fernseher und Bildschirme eine Leuchtdichte von ca. 300 bis 400 cd/qm (Candela pro Quadratmeter) erreichen, gilt für High Dynamic Range eine Leuchtdichte von zumindest 1.000 cd/qm als Voraussetzung, manche Geräte abseits des Konsumer-Markts bieten sogar 4.000 cd/m² und mehr, müssen dafür aber aufwändig gekühlt werden und sind längst nicht so dünn wie normale Fernseher. Die Panels werden zudem nicht mehr gleichmäßig über die gesamte Fläche beleuchtet, sondern punktuell (local Dimming), je nachdem wo mehr oder weniger helles Licht benötigt wird.

Softwareseitig ist für das Streamen von HDR-Inhalten der HEVC-Codec (High Efficiency Video Coding) verantwortlich. HEVC wird für die Komprimierung von 4K-UHD-Inhalten zur Übertragung über das Internet verwendet und kann bereits seit Anfang 2015 in Version 2.0 mit den Metadaten für High Dynamic Range umgehen. Derzeit gehören Samsungs SUHD-TVs der JS9- und JS8-Serie zu den ersten Geräten, die HDR-Inhalte wiedergeben können. Vor allem auf der CES Anfang dieses Jahres wurden aber auch von anderen großen TV-Herstellern wie LG oder Sony neue Geräte angekündigt, die HDR-Unterstützung bieten sollen. Wer in den Genuss von HDR-Inhalten kommen will, wird also an einem Neukauf nicht vorbei kommen.

Amazon will noch bis spätestens 2015 erste HDR-Inhalte in sein Streaming-Angebot für Deutschland, Österreich, die USA und Großbritannien aufnehmen. Den Anfang werden dabei Eigenproduktionen der Amazon Originals machen, die zum Teil bereits in HDR-Qualität aufgenommen wurden und somit nicht aufwendig nachbearbeitet werden müssen. Zusätzlich will Amazon aber nach eigenen Angaben mit Hollywood-Studios und anderen Technologieanbietern zusammenarbeiten, um das Angebot an HDR-Inhalten kontinuierlich zu erweitern. Abrufbar sind die Inhalte dann entweder über das Abo-Modell Amazon Prime für 49,- Euro pro Jahr oder als Kauf oder Ausleihe über Amazon Instant Video.

Player.de meint:
Es ist wie so oft: Die Industrie ist dem Durchschnittsnutzer um Meilen voraus. Selbst Full HD ist bei Weitem noch nicht in allen deutschen Wohnzimmern angekommen und die erste Welle an 4K-Inhalten und –Wiedergabegeräten rollt gerade erst an. Da wird auch HDR trotz der wesentlich verbesserten Bildqualität zumindest mittelfristig abseits von Technik-Enthusiasten kaum eine Rolle spielen, weil es momentan noch an kompatiblen und erschwinglichen Endgeräten sowie an HDR-Inhalten fehlt.

Und trotzdem ist es richtig, dass die ersten Schritte in Richtung HDR gemacht werden. Vorreiter wie Netflix und Amazon können sich bereits jetzt die Gunst der Early Adopter sichern und entfalten möglicherweise eine Sogwirkung, die bereits in einigen Jahren zu einer großflächigen Verbreitung von 4K-HDR-Inhalten führen könnte. Den Vorteil von HDR im Vergleich zu normalem Dynamikumfängen erkennt man übrigens auch bei größeren Sitzabständen leicht.