VoD: Video on Demand – was ist das und wie funktioniert es?

Amazon Primie Instant Video: VoD kostenlos mit der Prime-Mitgliedschaft.
Amazon Primie Instant Video: VoD kostenlos mit der Prime-Mitgliedschaft.

Die (gute, alte?) Videothek hat schon seit vielen Jahren ausgedient, heute werden Filme und auch Serien sehr viel bequemer über Video on Demand-Dienste in das eigene Wohnzimmer gestreamt. In diesem Artikel klären wir, was das überhaupt ist, welche Vorteile der Zuschauer dadurch erhält – und nicht zuletzt, ob VOD-Anbieter günstiger sind als die eingangs erwähnten Verleihdienste.

Wie funktionieren VOD-Dienste?

In Deutschland ist wohl jeder Internetnutzer schon einmal über die Begriffe Maxdome, Netflix oder Watchever gestolpert: Hinter diesen Namen verbergen sich Unternehmen, welche eine mehr oder weniger große Auswahl aus möglichst aktuellen Filmen und Serien für das Streaming über das Internet bereitstellen. Um in den Genuss dieses Angebots zu kommen, müssen Mitglieder der Seiten einen monatlichen Beitrag entrichten. Das allein garantiert aber nicht bei allen Anbietern einen wirklich unbegrenzten Zugriff auf das Portfolio: Amazon Prime beispielsweise erhebt ebenfalls eine Mitgliedsgebühr, doch für nicht wenige Filme wird trotzdem noch einmal ein kleiner Kaufpreis fällig – und Amazon steht mit dieser Praxis nicht alleine da.

Die Inhalte können nach der Auswahl auf jedem kompatiblen Gerät wiedergegeben werden. Ganz klassisch sind dafür natürlich Computer oder Notebooks geeignet, die Wiedergabe auf Smartphones oder Tablets ist jedoch kein Problem, sofern sich die entsprechenden Plug-ins auf den Geräten installieren lassen (und in diesem Rahmen vertrauen viele Anbieter auf Microsofts Silverlight, welches einst als Konkurrent zu Adobe Flash ins Leben gerufen wurde). Auch funktioniert die Weiterleitung auf Fernsehgeräte beispielsweise durch kleine Gadgets wie Googles Chromestick oder auch Microsofts Pendant, den Wireless Display Adapter, reibungslos. Auswählen auf dem Tablet, anschauen auf dem HD-Fernseher – eine sehr elegante und bequeme Lösung.

Der größte Vorteil der Video on Demand-Technik

Offensichtlich zählt zu den wichtigsten Pluspunkten der Technik, dass Filme – wie der Begriff schon vermuten lässt – dann zur Verfügung stehen, wenn sie der Zuschauer sehen möchte. Wartezeiten entfallen komplett: auf die Kinovorführung, das TV-Programm, den Kauf in (Online-)Versandhäusern oder den Weg zur Videothek. Lineares Fernsehen, wie es der Fachmann nennt, ist im Jahr 2015 (und damit auch in Zukunft) gerade unter den jüngeren Zuschauern kaum mehr gefragt. Wer eine Alternative sucht, welche Inhalte zu jeder beliebigen Uhrzeit zeigt, ist mit den VOD-Diensten derzeit recht gut beraten – aber trifft das auch auf die technische Seite dieses Angebots zu?

Der Video on Demand Service von Netflix ist nicht nur in den USA ein absolutes Highlight, auch hierzulande gehört der Anbieter zu den beliebtesten.
Der Video on Demand Service von Netflix ist nicht nur in den USA ein absolutes Highlight, auch hierzulande gehört der Anbieter zu den beliebtesten.

DVD, BD oder VOD?

Auch VOD-Anbieter á la Zattoo und Watchever stellen ihre Inhalte in sogenannter HD-Qualität zur Verfügung. Dieser Begriff wird im Rahmen des Marketings jedoch munter durch die Gegend geworfen, ohne sich dabei auf einen wirklichen Standard eignen zu können. Wer beispielsweise an Bildsignale in HD von einer Blu-ray-Disc denkt, hat eine Auflösung von 1.920 * 1.080 Pixel und eine je nach Film leicht variierende, aber hohe Bitrate für die Übertragung von sowohl Bild- als auch Tonsignalen im Kopf. Ungefähr 54 Megabit pro Sekunde kann eine BD nach den derzeitigen Spezifikationen an das TV-Gerät weiterleiten – und das ist ein Wert, welcher die Downloadgeschwindigkeit der meisten deutschen Internetverbindungen deutlich übersteigt. Es ist also technisch gar nicht möglich (beziehungsweise rentabel aus Sicht der VOD-Dienste), ein ähnlich imposantes Erlebnis wie von einer Blu-ray-Disc auch über Internet-Streaming im Wohnzimmer zu realisieren.

Watchever gehört zu den Big Playern, wenn es um das Streaming von Filmen und Serien aus dem Internet geht.
Watchever gehört zu den Big Playern, wenn es um das Streaming von Filmen und Serien aus dem Internet geht.

Die Anbieter helfen sich also mit einem Trick: Beispielsweise wird häufig gar nicht auf 1080p zurückgegriffen, stattdessen kommt ein 1080i-Bildsignal zum Einsatz. Die horizontale Auflösung wird bei diesem Verfahren auf die Hälfte reduziert und anschließend durch Skalierung wieder verdoppelt – fertig ist das „HD-Fernsehen“. In der Praxis ist es jedoch vor allem die deutlich reduzierte Datenrate, welche bei genauem Hinsehen zu sichtbaren Artefakten auf dem Bildschirm führt. Die typischen Pixelblöcke verzieren das Bild, wenn es der Anwender etwas genauer unter die Lupe nimmt. Es stellt sich natürlich die Frage, wer auf „Pixeljagd“ geht, wenn eigentlich der Genuss des Films im Vordergrund steht. Der durchschnittliche TV-Zuschauer wird daher wohl nur einen kleinen Unterschied bemerken oder den Qualitätsunterschied einfach als „egal“ hinnehmen. Enthusiasten werden mit dem derzeitigen Stand der Technik aber wenig anfangen können.

Kann die Qualität im Nachhinein verbessert werden?

Da die Inhalte auf den Servern des VOD-Anbieters gelagert sind und dieses Unternehmen auch die Parameter hinsichtlich Auflösung, Datenrate oder Audioqualität festlegt, stehen dem Anwender letztendlich fast keine Optionen für eine Verbesserung der Qualität zur Verfügung. Die offensichtlichste Möglichkeit ist die Anschaffung einer schnelleren Internetverbindung, wenn die derzeitige Bandbreite nicht für die Übertragung der besten Qualität von Seiten der VOD-Betreiber ausreicht. Darüber hinaus gestaltet sich die Sachlage wie folgt:

  • Bildqualität

Dieser Aspekt wird von den meisten Anbietern inzwischen automatisch durch eine kurze Ermittlung der Internetgeschwindigkeit geregelt. Wenn die Bandbreite ausreicht, wird also auch das bestmögliche Signal nach Hause gestreamt. Helfen kann es in diesem Zusammenhang natürlich, Downloads oder andere Streams für die Dauer der Nutzung des VOD-Dienstes zu deaktivieren (und dazu können auch Verfahren wie IPTV zählen!). Falls die automatische Erkennung der Dienste versagt, sollte die Qualität außerdem manuell auf die höchstmögliche Einstellung festgelegt werden – was selbstverständlich ist, aber im Eifer des Gefechts hin und wieder vergessen wird.

  • Tonqualität

Als audiophiler Filmfan bleibt nur die Möglichkeit, sich im Vorfeld über die tontechnischen Eigenschaften der Video on Demand-Anbieter zu informieren. Beispielsweise stellt Amazon Prime viele Filme und Serien auch in hinreichend gutem 5.1-Surround-Sound zur Verfügung – während Watchever die allermeisten Inhalte nur in im Stereoformat ausgibt. Soundbars oder ähnliche Wiedergabegeräte, welche die Emulation von Raumklang erlauben, können in diesem Fall ein wenig Abhilfe schaffen, doch gegen ein echtes 5.1-Signal kommt diese Lösung natürlich nicht an. Wer sichergehen möchte, sollte im Vorfeld also unbedingt die entsprechenden technischen Informationen einholen, um seinen Mitgliedsbeitrag nicht umsonst zu verpulvern.

Die Live-Inhalte von Sky per Satellit sind qualitativ auf sehr annehmbarem Heimkino-Niveau. Kann die Streaming-Qualität da irgendwann mithalten?
Die Live-Inhalte von Sky per Satellit sind qualitativ auf sehr annehmbarem Heimkino-Niveau. Kann die Streaming-Qualität da irgendwann mithalten?

Der eine, große Makel:

Von den erwähnten Einschränkungen abgesehen, sind VOD-Dienste natürlich eine bequeme Möglichkeit, Filme und Serien nach Belieben zu sehen – wenn da nicht das Angebot selbst wäre, welches die Freude versauern kann. Bislang schafft es im deutschsprachigen Raum nämlich kein Anbieter, ein wirklich umfassendes Programm auf die Beine zu stellen, welches Kinobesuche oder eben doch den Gang zu einer Videothek komplett überflüssig macht. Vielleicht hat Amazon bestimmte aktuelle Blockbuster nicht im Angebot, welche dafür aber Netflix bereitstellt – aber die eigene Lieblingsserie findet dann eben doch nur bei Maxdome statt. Ein wirklich übergreifender All-in-One-Anbieter fehlt der deutschen VOD-Landschaft bislang. Das liegt allerdings nicht an den Diensten selbst, sondern an Lizenzstreitigkeiten mit den Rechteinhabern der entsprechenden Filme und Serien – und Meinungsverschiedenheiten dieser Art können sich bekanntlich sehr lange hinziehen:

Videoload ist der VoD-Service der Telekom.
Videoload ist der VoD-Service der Telekom.

Wie teuer sind VOD-Dienste?

Nicht zuletzt kommt es auf die eigene Nutzung an: Als Basisbeitrag scheinen sich in Deutschland Kosten von etwa 10 Euro pro Monat etabliert zu haben. Dadurch erhält der Zuschauer Zugriff auf die allermeisten Inhalte. Da jedoch ausgewählte Filme oder Serien noch einmal einen kleinen Betrag kosten können (und dieser wiederum dadurch variiert, dass die Inhalte entweder geliehen oder gekauft werden können), lässt sich ein letztendlicher Betrag nicht pauschal festlegen. Insgesamt kommen Filmfans aber wohl auf keinem anderen Weg an eine vergleichbare Flut aus Filmen pro investiertem Euro. Ob jene Filme dann auch den eigenen Geschmack treffen, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

Was bringt die Zukunft?

„Demnächst“ – wobei dieser Begriff durchaus die kommenden Jahre meinen kann – wird 4K bzw. UHD nicht nur auf physischen Datenträgern, sondern auch bei Streaming-Diensten Einzug halten. Wie wir bereits berichtet haben, sind einige Anbieter bereits jetzt dabei, ausgewählte Inhalte in 3.840 * 2.160 Pixel auf den Bildschirm zu senden – und in Zukunft wird diese Zahl weiter steigen. Die Probleme der Technik selbst – also die Limitierung der Datenraten durch die Bandbreite der Internetanschlüsse – werden dadurch jedoch nicht aus dem Weg geräumt. In einigen Monaten oder Jahren wird also auch 4K vom VOD-Dienst nicht mit 4K von einer entsprechenden Blu-ray-Disc (oder ähnlichen Medien) mithalten können. Der sprunghafte Anstieg hinsichtlich der Bild- und auch Tonqualität ist deutlich sichtbar – aber er fällt eben nicht so gravierend aus, wie man es sich vielleicht wünschen könnte.

Player.de meint: Wir können uns gut vorstellen, dass Video on Demand die absolute Zukunft ist und physische Datenträger über kurz oder lang ausgespielt haben. Gerade der durchschnittliche Filmfan wird durch die VOD-Dienste gut bedient. Für die Zukunft wünschen wir uns jedoch eine deutlich breitere Filmauswahl bei allen Anbietern und die Möglichkeit, einen „Enthusiasten-Modus“ einzuschalten, um die maximale Bild- und Tonqualität auch über das Streaming zu realisieren. Der könnte beispielsweise so funktionieren, dass die Inhalte in hoher Qualität auf eine kopiergeschützte Festplatte geladen werden und von dort dann einmal oder mehrmals agbespielt werden. Ein genüsslicher Filmabend lässt sich ja schließlich mehrere Stunden im Voraus planen und dann klappt es auch mit einer langsameren Internet-Verbindung ohne Probleme.