Ultra-HD-Streaming: Amazon Instant Video und Netflix im Vergleich

UHD-Vergleich: Amazon Instant Video gegen Netflix
Amazon Instant Video oder Netflix: Welche Online-Videothek bietet den besseren UHD-Stream?

Fast monatlich kommen neue UHD-Fernseher auf den Markt, mit entsprechend ultrahochaufgelösten Inhalten sieht es aber immer noch mau aus. Wer nicht länger auf die Ultra HD Blu-ray warten möchte und/oder Democlips wie das „Ultra Definition Showcase“ in- und auswendig kennt, sollte einen Blick auf Amazon Instant Video respektive Netflix werfen. Beide Online-Videotheken streamen ab sofort Serien und teilweise sogar Filme mit 3.840 x 2.160 Pixeln – doch welcher Dienst lohnt sich mehr?

 

Amazon Instant Video vs. Netflix: Voraussetzungen

Amazon Fire TV nicht für UHD geeignet
Nicht für UHD geeignet: Amazons Streaming-Box Fire TV gibt maximal 1080p-Signale mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde aus.

Anmelden und losstreamen – so einfach kann’s gehen, wenn man ein paar Voraussetzungen erfüllt. Die wichtigste ist natürlich, dass das Wiedergabegerät beziehungsweise die entsprechende App überhaupt das 4K-Streaming unterstützt. Während uns Netflix bei den zum Test verwendeten Fernsehern Samsung UE40HU6900, Panasonic TX-85XW944 und Sony KD-65X8505B auf Anhieb eine Ultra-HD-Kategorie offerierte, bekamen wir Amazons UHD-Angebot nur beim letzten Probanden zu Gesicht. Das verwundert insofern, als alle Modelle die vierfache Full-HD-Auflösung sowie das HEVC-Format beherrschen und generell auf dem aktuellsten Stand sind. Eine nach Herstellern sortierte Übersicht der unterstützten Geräte hat sowohl Amazon Instant Video (USA) als auch Netflix veröffentlicht. Übrigens: Amazons Streaming-Box „Fire TV“ (zum Test) gibt maximal 1080/60p aus, kann also leider nicht als Zuspieler verwendet werden.

Da 4K- beziehungsweise UHD-Inhalte eine wesentlich größere Bandbreite erfordern als Full-HD-Material, spielt die Internetverbindung eine entscheidende Rolle. Netflix empfiehlt eine Leitung mit mindestens 25 Megabit pro Sekunde, für Amazon Instant Video hingegen genügt eigenen Angaben zufolge eine Geschwindigkeit ab 15 Megabit. Dieses Mindestmaß wurde im Test durchaus ausgenutzt, so dass Nutzer in gut ausgebauten Ballungsräumen oder Glasfaser-Gebieten einen klaren Vorteil haben.

Amazon Instant Video vs. Netflix: Preise und Bedienkomfort

Übersicht Amazon Instant Video
Die Benutzeroberfläche von Amazon Instant Video ist übersichtlich, allerdings reagiert die App manchmal recht träge.

Groß war der Aufschrei, als der Handelsgigant Amazon den Preis für die Prime-Mitgliedschaft von 29 auf 49 Euro pro Jahr erhöht hat (PLAYER.de berichtete). Für damalige Lovefilm-Kunden hingegen, die mindestens 6,99 Euro im Monat für das Film-Streaming zahlen mussten, bedeutete das eine große Ersparnis. Auch 4K-Freunde profitieren von dem aktuellen Paket aus kostenlosem Premiumversand und riesigem Video-on-Demand-Angebot: Sie erhalten einen kleinen Vorgeschmack auf das UHD-Streaming, ohne in ein teureres Abonnement wechseln zu müssen – wie gesagt, es ist nur ein Vorgeschmack! Der Großteil der ultrahochaufgelösten Filme und Serien bei Amazon Instant Video schlägt nämlich mit 7,99 Euro (48 Stunden leihen) oder gar 29,99 Euro (kaufen) pro Video zu Buche, was unter dem Strich ganz schön teuer werden kann.

Fehlermeldung von Amazon Instant Video
Neben teilweise langen Ladezeiten sorgen bei Amazon Instant Video auch Fehlermeldungen wie diese für Verärgerung.

Angesichts dieser nicht sofort ersichtlichen Zusatzkosten finden wir Netflix interessanter – auch wegen der besseren Gerätekompatibilität. Zwar sind die UHD-Inhalte hier nur im nicht gearde günstigen Premium-Paket für 11,99 statt 7,99 Euro pro Monat inbegriffen (ergibt stattliche 144 Euro im Jahr), dafür bekommt der Kunde aber uneingeschränkten Zugriff auf hochkarätige Serien in deutscher Sprache (mehr dazu unter dem nächsten Punkt). Obwohl die Benutzeroberfläche nicht ganz so aufgeräumt wirkt wie beim Rivalen, findet man sich in der Netflix-App dank kürzerer Reaktions- und Ladezeiten sofort zurecht. Gelegentlich schien das Ladesymbol in Amazon Instant Video trotz Breitband-Internetverbindung gar nicht verschwinden zu wollen.

Benutzeroberfläche von Netflix
Obwohl Netflix‘ UHD-Angebot derzeit nur vier Serien umfasst, kommen mit „Better Call Saul“, „House Of Cards“, „Breaking Bad“ und „Marco Polo“ mehr als 70 Stunden Videomaterial zusammen.

Amazon Instant Video vs. Netflix: UHD-Angebot

Beschränkt sich Netflix‘ UHD-Angebot auf gerade einmal vier Serien (Better Call Saul, Breaking Bad, House Of Cards, Marco Polo), stellt Amazon Instant Video gleich sieben Serien und – als einer der ersten Streaming-Dienste – 25 Filme in 4K-Auflösung zur Auswahl. Einziger Haken: Sie sind allesamt nur in englischer Originalsprache verfügbar, während man bei Netflix zwischen Deutsch, Englisch und teilweise sogar Französisch und/oder Spanisch wählen kann.

"Better Call Saul" bei Netflix
Zugpferd: Netflix wirbt aktuell massiv für „Better Call Saul“ – ein Prequel der Erfolgsserie „Breaking Bad“. Jeden Dienstag geht eine neue Folge online.

Nachfolgend eine Übersicht aller UHD-Inhalte von Amazon Instant Video:

SerienFilme
Alpha HouseA Few Good Men
BoschAfter Earth
Hand Of GodCaptain Phillips
Mozart in the JungleElysium
Orphan BlackFunny Girl
Red OaksGodzilla
TransparentGroundhog Day
Grown Ups 2
Hancock
Hard Times
Hitch
Julie & Julia
Moneyball
Philadelphia
Spider-Man 3
The Amazing Spider-Man 1
The Amazing Spider-Man 2
The Bridge On The River Kwai
The Da Vinci Code
This Is The End
The Mask Of Zorro
The Other Guys
The Patriot
The Way We Were
Think Like A Man Too
"Bosch" bei Amazon Instant Video
Amazon Instant Video bietet neben Hollywood-Blockbustern auch selbst produzierte Serien an. „Bosch“ handelt aber nicht vom gleichnamigen Unternehmer, sondern erzählt die Geschichte eines Detektivs des LAPD-Morddezernats.
"House Of Cards" bei Netflix
Die Politthriller-Serie „House Of Cards“ handelt von einem politischen Machtkampf in den USA und hat bereits zahlreiche Fans.
"Marco Polo" bei Netflix
Es war einmal in China: Die Serie „Marco Polo“ erinnert an den HBO-Hit „Game Of Thrones“. Netflix hat sich die Produktion der ersten Staffel übrigens 90 Millionen Dollar kosten lassen.

Amazon Instant Video vs. Netflix: Bild- und Tonqualität

Detailaufnahme aus der Netflix-Serie "Better Call Saul"
Better Call Saul: Netflix liefert eine Ultra-HD-würdige Bildqualität und sogar deutschen Ton. In dunklen Bereichen dieser Schwarz-Weiß-Szene tritt allerdings recht starkes Rauschen auf.

Praktisch sind Online-Videotheken allemal, in puncto Bildqualität können sie jedoch nicht immer mit optischen beziehungsweise physischen Medien mithalten. Diesen Eindruck vermittelt zumindest Amazon Instant Video: Trotz vermeintlicher 4K-Qualität sieht das Bild in unseren Augen keinesfalls besser aus als gut produziertes Full-HD-Material von Blu-rays und Co. Das scheint auch den Anbieter selbst zu verwirren, da zum Beispiel bei der Pilotfolge der hauseigenen Serie „Red Oaks“ – die eindeutig mit „Ultra HD“ deklariert ist – in der Wiedergabeleiste merkwürdigerweise „HD 1080p“ eingeblendet wird. Der Klang geht in Ordnung, wenn auch 5.1-Mehrkanal-Ton offenbar den kostenpflichtigen Inhalten vorbehalten bleibt.

Dass es durchaus besser geht, beweist Netflix. Sämtliche 4K-Serien wirken knackscharf und lassen die Vorzüge von UHD deutlich erkennen. Die restlichen Kriterien wie Farbreproduktion und Kontrast hängen natürlich maßgeblich vom Fernseher ab; im Test konnten wir jedenfalls auch hier nichts Negatives feststellen. Einzig dunkle Bildbereiche zeigen gelegentlich ein recht starkes Rauschen. Dafür liefert die App standardmäßig 5.1-Surround-Sound, der über HDMI-ARC oder den optischen Audioausgang des TV-Geräts an eine Heimkino-Anlage ausgegeben werden kann.

"Red Oaks" bei Amazon Instant Video
Die Bildqualität von Amazon Instant Video geht auf jeden Fall über normales HD-Material hinaus, kommt aber nicht an Netflix heran. Obwohl es sich um UHD-Material handelt, wird in der Wiedergabeleiste „HD 1080p“ eingeblendet.

PLAYER.de meint:
Wem normale HD-Videos nicht mehr genügen, der wird an den UHD-Inhalten der beiden Online-Videotheken sicherlich Gefallen finden. Allerdings ist die Auswahl derzeit noch recht überschaubar. Während Amazon Instant Video derzeit hauptsächlich eigene Serien und Hollywood-Blockbuster in der englischen Originalfassung anbietet, stehen bei Netflix gerade einmal vier Serien zur Auswahl – immerhin kommt bei „Better Call Saul“ jeden Dienstag eine neue Folge hinzu. Für uns ist Netflix wegen der überlegenen Bildqualität aber trotzdem der klare Gewinner! Für Neugierige, die hauptsächlich das Auflösungsvermögen ihres neuen Fernsehers bewundern möchten, gibt es aber auch günstigere Wege, an Content zu kommen; sei es über Videoportale à la Vimeo und YouTube, mit speziellen Democlips oder in Form von TV-Ausstrahlungen. Am Fernseher sollte man übrigens nicht sparen, was wir in diesem Ratgeber inklusive Video näher erläutern.