UHD, Ultra HD, 4k, QFHD – oder was?

Ulrich von Loehneysen ist seit 1985 als Fachjournalist im Bereich AV tätig und kommentiert auf PLAYER.de aktuelle Entwicklungen der Unterhaltungselektronik.
Ulrich von Loehneysen ist seit 1985 als Fachjournalist im Bereich AV tätig und kommentiert auf PLAYER.de aktuelle Entwicklungen der Unterhaltungselektronik.

Um die nächste Generation von TV-Signalen gibt es wieder mal oder noch immer viel Verwirung. Und das liegt an den unterschiedlichen Namen, die dafür verwendet werden. Da wäre zum Beispiel UHD, mit vollem Namen Ultra High Definition. Gemeinsam ist allen Namen, dass es sich um Systeme mit vierfacher Pixelzahl gegenüber Full HD handelt. Dann aber hört es schon auf.

Es kommen vor:

UHD, Ultra HD – Die sozusagen offizielle Bezeichnung nach Standard der Broadcaster und internationaler Organisationen; aufgeteilt in UHD-1 und UHD-2. Siehe auch nächster Punkt. Ultra HD ist im Grunde nur eine andere Schreibweise für UHD, die sich in ihrer Erscheinung an Full HD anlehnt.

4k, 8k – Standard aus der Kinotechnik, vor allem unter amerikanischem Einfluss. Das kleine K steht dabei wie in km, kg oder Kilo-Kalorien für ungefähr 1.000. Dabei ist die Zahl der Pixel pro Zeile gemeint, so wie auch die heutige Auflösung im digitalen Kino bei 2.048 x 1.080 Pixeln liegt (siehe DCI-Norm). Diese Zahl wird vervielfacht, etwa auf 4.096 oder sogar 8.192 (wobei 8k im Kino aber auch mit etwas weniger als 8000 Pixeln auskommen kann). Die Bezeichnungen lauten dann 2k, 4k oder 8k. Gelegentlich wird der Buchstabe auf als K geschrieben. 2k, 4k und auch 8k werden bevorzugt von Sony eingesetzt, dem Marktführer bei Kinoprojektoren mit Ultra-Pixelzahl.

Super HiVision – Standards nach Vorgaben des japanischen Senders NHK, dem Vorreiter schon bei HDTV, zentral auf der Webseite des Labors.

2.160p – Einfache Bezeichnung für die Verdoppelung der horizontalen Linien gegenüber 1.080, dem einfachen HDTV; enthält noch das kleine P als Kennung für Progressive Scan, also Abtastung aller Zeilen auf einmal. Für alle UHD-Standards ist progressive vorgesehen. Interlace (kleines i) gibt es in Zukunft höchstens noch bei 1080i, also HDTV mit Zwischenzeilen. Bandbreitenersparnisse der analogen Übertragung im Halbbildverfahren zogen schon immer Nachteile mit sich, die in der Digitaltechnik heute nicht mehr akzeptiert werden.

Immerhin ist eindeutig, dass es sich bei UHD immer um Progressive Scan handelt, nur bei HDTV gibt es mit 1080i noch eine Interlaced-Norm. Soweit so klar. Doch dann fängt die Verwirrung schon an.

Verwirrende Elemente

Die Pixelzahl zum Beispiel ist nicht immer eindeutig. Meistens handelt es sich um ein Vielfaches der Full-HD-Norm von 1.920 x 1.080 Bildpunkten, also QFHD in Kurzform; gelegentlich wird auch die kleinere HD-Auflösung herangezogen und 720 x 480 Pixel verviefacht – das heißt dann QHD und ist eigentlich nur bei PC-Monitoren üblich. Häufiger wird das digitale Kinoformat als Basis genommen, also 2.048 x 1.080 Bildpunkte. Sony hat viele Geschäftszweige – im Profi-Bereich, also bei Kino- und Kameratechnik versteht man unter 4k das vierfache von 2k (doppelt so viele horizontale und vertikale Bildpunkte), also 4.096 x 2.160 Pixel. Der Genauigkeit halber nennt man das manchmal auch Cinema 4k. Wichtig wäre es aus Kundensicht stets, dass man erfahren kann, ob die native Pixelzahl überhaupt dargestellt wird oder ob das Signal skaliert oder beschnitten wird.

Ähnlich viele Optionen sind unklar, wenn es um die Frequenzen oder Bildraten geht. Da ist vor allem zu klären, woher das Material kommt. Denn in Europa und oft auch in Südostasien sind 50 Hertz üblich. einschließlich der Verdoppelung oder Vervierfachung bei TV-Geräten. 60 Bilder pro Sekunde sind in Amerika und Japan üblich, weshalb bei UHD auch 120 Hertz vorgesehen ist – aber nicht 100 und so weiter. Kommt ein Film aus dem Kino, ist er meist mit 24 Bildern pro Sekunde (fps) entstanden, auch wenn dort der Trend zu 48 fps geht. Daher sollte die Bezeichnung stets auch den Bildwechsel angeben.

Das alles gilt erst recht für die Ausstrahlung und anderweitige Verbreitung. Speziell bei HDMI kommt es darauf an, dass beide Seiten dem neuesten Standard entsprechen. Denn nur dann ist sichergestellt, dass wirklich der volle Datenumfang ankommt. Selbst der einfache Farbumfang von acht Bit pro Pixel wird bei der Übertragung zwischen Geräten nicht immer eingehalten, oft wird aktuell auf YUV mit 4:2:0 oder 4:2:2 reduziert.

Genausowenig ist klar, was ein TV-Gerät oder eine Settop-Box überhaupt empfangen kann. Hier gibt es jede Menge Standards, etwa DVB-T2 oder DVB-SX; aber derzeit wird UHD sogar über bisherige Normen gesendet. Die Frage ist hier, was die jeweilige Norm beinhaltet; ihre Angabe allein sagt noch nichts.

Das gleiche gilt für Codierung und Decodierung, wo aktuell HEVC als besonders effektive Kompressionsvariante der absolute Favorit ist. Aber es existiert auch VP9, das ähnliche Vorteile bieten soll. Immerhin steht dahinter kein geringerer als Google und hat die Nutzung von Gebühren befreit.

Es werden wohl noch etliche Gerätegenerationen mit verwirrender oder sogar inkompatibler Technik leben müssen.

Wir wünschen uns von den TV- und Geräteherstellern etwas mehr Transparenz, vor allem bei den Fragen:

– Was kann konkret über die HDMI-Schnittstellen der Geräte übertragen werden?

– Welche Auflösung hat das Gerät und (wie) kann sie 1:1 dargestellt werden?

– Welche Decoder sind an Bord?

– Welche Bittiefen, Farbräume und Framerates werden unterstützt?

– Welche Updates sind für das jeweilige Gerät möglich?

Stellen Sie diese Fragen doch mal beim nächsten Verkaufsgespräch oder Kontakt mit dem Service und schreiben Sie Ihr Erlebnis als Kommentar unter diesen Artikel! Wir sind gespannt!

 

Interessante Links

Wikipedia-Eintrag zu UHD – http://de.wikipedia.org/wiki/Ultra_High_Definition_Television

Sony Professional – http://www.sony.de/pro/hub/home

NHK (japanisches TV-Labor) und Super Hi-Vision – http://www.nhk.or.jp/strl/english/index.html (zentral http://www.nhk.or.jp/strl/english/aboutstrl1/r1-1-1.htm)

Youtube-Videos mit Ultra-Auflösung – https://www.youtube.com/watch?v=LFAtY6mHXDg

Deutsche TV-Plattform – http://www.tvplattform.de/de/digitalesfernsehen/technik.html

HDMI mit den neuesten Normen – http://www.hdmi.org/manufacturer/hdmi_2_0/