Amazon Fire TV im Test: Mach deinem Fernseher Feuer!

Amazon bläst mit Fire TV zum Angriff auf Apple TV und bringt eine eigene Streaming Box auf den Markt. Wie gut ist das kleine Schwarze vom Versandriesen?

Amazon Fire TV im Praxistest
Amazon Fire TV im Praxistest.

Videodienste im Internet (Video on Demand, kurz VOD) sind eine tolle Sache. Für vergleichbar schmales Geld liefern Dienste wie iTunes, Maxdome, Watchever und neuerdings Netflix ein reichhaltiges Angebot an Spielfilmen und TV-Serien. In den VOD-Anfängen mussten Filme
komplett auf einen Rechner geladen werden, heute wird direkt aus dem Internet und in Echtzeit übertragen – Streaming heißt das Zauberwort. Je nach Dienst funktioniert das auch am (smarten) Fernseher, per Spielkonsole und via Handy oder Tablet.
Die bis dato beste und einfachste Lösung kommt aus dem Hause Apple und hört auf den Namen Apple TV. Das unscheinbare schwarze Kästchen wird einfach per HDMI mit dem Fernseher und wahlweise mit oder ohne Kabel mit dem Netzwerk verbunden und schon steht die Tür zur grenzenlosen Unterhaltung weit offen. In der aktuellen Bauform gibt es Apple TV seit vier Jahren. Jetzt, Ende September 2014 betritt der Konkurrent von Amazon die Bühne und will Vieles besser machen.

Angriff des geklonten Kriegers?

Bei der Vorstellung von Fire TV kurz vor der IFA in Berlin mussten die anwesenden Journalisten schon hin und wieder schmunzeln.
Die Amazon-Box gleicht dem Apple-Vorbild in vielen Belangen:
Kleines schwarzes Gehäuse, HDMI-Ausgang, Full-HD-Videoausgabe, WLAN und Ethernet und eine sehr reduzierte Fernbedienung. Soweit so identisch.

Auf der Angebotsseite hat Amazon mit seinem Premium-Dienst Prime mehr zu bieten als Apple. Während die iPhone-Macher sich auf den Verkauf und Verleih von Inhalten beschränken, bietet der Versender mit Prime zusätzlich ein günstiges Abomodell. Amazon vereint quasi Flatrates à la Watchever und Netflix mit einem
normalen Kauf- und Leihshop – alles aus einer Hand. Apple-TV-Nutzer mögen da müde lächeln, schließlich bietet ihre Box mit Netflix und Watchever Zugang zu zwei der populärsten Abo-Anbieter.

Im Prinzip herrscht hier also Gleichstand.

Hardware? Hat Power…

Anders sieht es bei der Hardware aus. Hier macht Amazon das gleiche wie bei den hauseigenen Tablets und nutzt High-End-Komponenten.
Quadcore-Prozessor und zwei Gigabyte RAM sorgen für eine absolut ruckelfreie Bedienung. Nur in Ausnahmefällen sieht man mal eine nachladende Grafik. Sogar Filme starten meist sofort oder nach nur ein bis zwei Sekunden. Dieser Punkt geht eindeutig an Amazon – hier flutscht alles!

Die Rückseite mit den Anschlüssen des Amazon Fire TV.
Die Rückseite mit den Anschlüssen des Amazon Fire TV.

Die potenten Zutaten bringen dem Amazon-Winzling weitere Vorteile. Man kann nicht nur Filme und Serien anschauen, sondern auch erstaunlich gut spielen. Ein Ersatz für Xbox oder Playstation ist Fire TV sicherlich nicht, aber Gelegenheitsspieler dürften sich über die Gaming-Fähigkeiten freuen. Insbesondere, weil Titel wie auf Tablets und Smartphones sehr günstig sind. Für Action-Spiele empfiehlt sich der optionale Gamecontroller für faire 40 Euro.

Der Game-Controller für Amazon Fire TV.
Der Game-Controller für Amazon Fire TV.

Den wohl größten Vorteil gegenüber der Konkurrenz bietet Amazon bei der Titelsuche.

Sprachsteuerung? Hört aufs Wort…

Amazon Fire TV Sprachsteuerung
Amazon Fire TV Sprachsteuerung

Bei Sprachsteuerung winken viele aufgrund mäßiger Erfolge in der Vergangenheit pauschal ab.
Bei Fire TV funktioniert die Suche über das in der Fernbedienung integrierte Mikrofon jedoch absolut fantastisch. Titel wie „House of Cards“, „Die Bourne Verschwörung“ und sogar „Der Hunderjährige der aus dem Fenster stieg und verschwand“ hat die Kiste auf Anhieb verstanden
und die entsprechenden Treffer nach knapp drei Sekunden präsentiert. Wer nicht nur im Angebot stöbern, sondern nach speziellen Titeln, Darstellern oder Regisseuren suchen will, kommt dank der nahezu perfekten Spracherkennung rasend schnell ans gewünschte Ziel. Nahezu perfekt? Mit
französischen Darstellern und Regisseuren tut sich die Spracherkennung etwas schwer. Filme von Luc Besson gibt es zu Hauf, per Sprachsuche konnten wir seine Werke jedoch nicht aufspüren.

Auch sind nicht alle Verknüpfungen vorhanden – „Das Boot“ kann man finden, dass „Herbert Grönemeyer“ in diesem Film mitwirkt, weiß das System nicht. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass Suchen nirgendwo sonst so komfortabel und schnell ist.

Wartezeiten? Spielt sofort…

Sie wählen einen Film aus, drücken auf Start und : er startet. Meist sofort, in unserem Test aber allerspätestens nach drei Sekunden. Laut Amazon sind die schnellen Startzeiten der hauseigenen ASAP-Technik zu verdanken, die anhand des Nutzerverhaltens etliche Filme in den Pufferspeicher ablegt, noch bevor der Kunde eine Auswahl getroffen hat. Das mag durchaus so sein, wir glauben aber, dass Amazon noch einen weiteren Trick nutzt und Filme schon im Huntergrund lädt, sobald er in der aktuellen Suchansicht erscheint. Wie genau Amazon es anstellt, kann uns Kunden ja auch herzlich egal sein – Hauptsache, es funktioniert. Und das tut es!

Sie wollen das mit eigenen Augen sehen? Hier das Beweisvideo:

Florian Weidhase von Player.de meint: Als Apple-TV-Nutzer der ersten Stunde muss ich zugeben: Amazon macht (aktuell) vieles besser!
Die Suche per Sprachbefehl ist mein persönliches Highlight. Auch die Verknüpfung von klassischen Kauf- und Leihoptionen mit dem Abodienst Amazon Prime Instant Video überzeugt.
Zwar ist es auch mit Fire TV möglich, Fotos vom Smartphone oder Tablet zu übertragen, Streaming vom Rechner oder Mobilgerät wie per Air Play gibt es jedoch nicht. Das dürfte aber allenfalls iUsern negativ auffallen. Die von Amazon proklamierte Offenheit kann ich momentan nur bedingt nachvollziehen. Während mein Apple TV auch Zugang zu Watchever und Netflix bietet, fehlen Alternativen zum Amazon-Angebot derzeit noch komplett auf Fire TV. Wer ohnehin Amazon-Prime-Kunde ist, darf beim Fire TV ebenso bedenkenlos zuschlagen wie VOD-Neulinge. Wenn es um Filme und Serien auf dem heimischen Flachbildfernseher geht, ist die Amazon-Hardware eine Wucht. Für Mac-, iPhone- und iPad-Nutzer ist Apple TV dennoch unersetzbar, ich für meinen Teil nutze fortan zwei kleine schwarze Kisten an meinem Fernseher. Schließlich ist meine Frau Prime-Abonnentin.