4K hat seinen Preis: 10 Gründe gegen billige Ultra HD-Fernseher

Inzwischen stehen 4K/UHD-Fernseher mit der vierfachen Full-HD-Auflösung hoch im Kurs. Von verlockend günstigen Geräten sollte man allerdings die Finger lassen. Seit geraumer Zeit drängen vor allem chinesische TV-Hersteller auf den europäischen Markt, die mit niedrigen Preisen um die Gunst der Käufer buhlen. Wie wäre es zum Beispiel mit einem 50 Zoll großen 4K-Fernseher für knapp 700 Euro? Ein 39-Zöller liegt sogar bei nur 400 Euro. Eigentlich klingen die Angebote unvorstellbar, wenn man bedenkt, dass Full-HD-Markengeräte mindestens genauso viel kosten. Nach einem ausführlichen Test der Geräte können wir Ihnen jedoch nicht weniger als zehn triftige Gründe nennen, warum Sie Ihr Geld besser nicht in einen Billig-UHD-TV stecken sollten.

Grund 1: schlechter Bedienkomfort

Man könnte fast von Mogelpackungen sprechen: Optisch machen durchweg alle Probanden – vom Changhong UHD 55 B 6000 IS (1.400 Euro) über den Blaupunkt B50 A401 TC-UHD (Preisempfehlung: 1.200 Euro) bis hin zum Hisense LTDN 58 XT 880 (3.000 Euro) – eine solide Figur. Nach der Inbetriebnahme fangen die Probleme aber an. Sind manche Übersetzungsfehler wie das als „Einheimischer“ statt „Nativ“ bezeichnete 3D-Anzeigeformat (Changhong) noch zum Schmunzeln, dürften die meisten Nutzer bei ganzen fremdsprachigen Textpassagen, ruckeliger Navigation oder willkürlich ausgegrauten Menüs keinen Spaß verstehen. Ob hier jemals eine korrigierte Firmware erscheint, wagen wir zu bezweifeln (siehe auch Punkt 10). Die Reaktion auf Befehle der Fernbedienung erfolgt nicht selten stark verzögert – ein steinzeitlich wirkendes Problem, das die großen Markenhersteller schon längst beseitigt haben. Außerdem lässt die Haptik der Signalgeber aufgrund ihrer schwammigen und/oder zu harten Tastendruckpunkte zu wünschen übrig.

Spanischer Text im deutschen Hisense-Menü
Einige Menübereiche wie hier beim Hisense wurden nicht ins Deutsche übersetzt (rot eingekreist).

Grund 2: dürftige Einstellmöglichkeiten

Was selbst bei den preiswerten Full-HD-Modellen aus renommierten Häusern zur Standardausstattung gehört, sucht man bei 4K-Billig-Fernsehern vergeblich – die Rede ist von detaillierten Bildreglern. Hisense, Changhong und Co. spendieren ihren Geräten dürftige Einstelloptionen, die – wenn überhaupt – bloß oberflächliche Korrekturen gestatten. So sind in der Praxis weder Anpassungen einzelner Farbtöne noch ein manueller Weißabgleich möglich. Blaupunkt schlägt dem Fass sogar den Boden aus, da dem Nutzer unbrauchbare Presets aufgezwungen werden. Je nach Auswahl sperrt der B50 A 401 TC-UHD nämlich einen oder mehrere Bildregler, wovon nicht einmal der benutzerdefinierte Modus („Persönlich“) verschont bleibt. Immerhin lässt sich die ab Werk zu hoch eingestellte Schärfe problemlos auf ein normales Niveau absenken.

Gesperrter Bildregler im Blaupunkt-Menü
Kein Zugriff: Obwohl sich der Blaupunkt im benutzerdefinierten Bildmodus „Persönlich“ befindet, wird der Farbton-Regler gesperrt.

Grund 3: lückenhafte TV-Ausstattung

Fernsehen ohne Set-Top-Box wird heute als selbstverständlich erachtet. Wer das TV-Programm via Satellit empfängt, blickt bei ein paar Geräten aber buchstäblich in die Röhre. Der Blaupunkt beispielsweise ist so ein Kandidat: Sein eingebauter Dual-Tuner bringt lediglich Antennen- (DVB-T) und Kabelsender (DVB-C) auf den Bildschirm. Dass trotz des niedrigen Preises ein Dreifach- respektive Triple-Tuner zur Ausstattung gehören kann, beweisen Hisense und Changhong. Letzterer hat sogar einen bis zu zwölf Monate im Voraus programmierbaren USB-Recorder an Bord, wobei sich der Timer nicht gerade einfach handhaben lässt.
Leider sind die Kanäle bei allen drei Probanden unpraktisch vorsortiert, so dass man mit einem externen Receiver in jedem Fall besser bedient wäre. Außerdem gibt es keine doppelten Empfangsteile (Twin-Tuner) zur simultanen Wiedergabe und Aufnahme mehrerer Sendungen; vom zweiten CI-Plus-Slot natürlich ganz zu schweigen. An das Streaming von TV-Signalen auf ein Smartphone oder Tablet à la Panasonic ist ebenfalls nicht zu denken.

Anschlüsse des Blaupunkt-4K-TVs
Kein Sat-Empfang: Blaupunkt stattet seinen Ultra-HD-TV lediglich mit einem Dual-Tuner fürs digitale Antennen- und Kabelfernsehen aus.

Grund 4: abgespecktes Smart-TV

Für manche Nutzer stellt der Verzicht auf die sogenannten Smart-TV-Funktionen sicherlich kein Manko dar. De facto bieten sie jedoch einen praktischen Mehrwert, um etwa in YouTube nach Videos zu einem Sendungsthema zu suchen oder sich in Werbepausen mit Freunden auszutauschen. Das erlauben die günstigen UHD-Fernseher entweder gar nicht (Blaupunkt) oder zumindest nur in abgespeckter Form; Skype-Videotelefonate zum Beispiel sind mangels Kamera nicht möglich. Zudem nutzen viele Anwendungen maximal ein Viertel der Display-Auflösung aus.
Als wäre das nicht genug, erschwert die teils sehr träge Bedienung zusätzlich die Navigation im Multimedia-Betrieb und durch Webseiten. Eine App zum Steuern des Fernsehers über Smartphone respektive Tablet haben die Billig-Hersteller – anders als die namhafte Konkurrenz – ebenso wenig im Angebot wie die Sprach- oder Gestensteuerung.

Smart-TV-Angebot von Hisense
Abgespeckt: Zwar sind auch die günstigen UHD-Fernseher Smart-TV-fähig, die Auswahl an Apps und deren Darstellung lässt aber zu wünschen übrig.

Grund 5: Mediaplayer ohne 4K-Unterstützung

Eigentlich sollten moderne 4K-Fernseher die Auflösung von 3.840 x 2.160 Pixeln uneingeschränkt unterstützen. Das ist erschreckenderweise bei keinem günstigen Modell der Fall! Während die jüngsten UHD-Vertreter der großen Marken Videos von entsprechenden Camcordern wie dem Sony FDR-AX 100 oder brandneuen spiegellosen Systemkameras à la Panasonics Lumix DMC-GH4 direkt abspielen können, verweigern die Billig-Geräte sämtliche 4K-Aufnahmen. Auch bei bereits existierenden Download-Angeboten für UHD-Clips wie auf UHDcontent.de hat man keine Chance auf eine direkte Wiedergabe mit dem Fernseher.
Selbst mit Fotos sieht es nicht besser aus, keines der Geräte beherrscht mit der jeweils Anfang Juli aktuellen Firmware die Wiedergabe von Fotos in 4K-Auflösung. Zwar werden die Dateien geöffnet, aber nur in Full HD-Auflösung dargestellt. Hinzu kommen störende Interferenzen entlang feiner Linien und Muster. So machen Diaschaus mit professionell geschossenen Bildern jedenfalls keinen Spaß. Kleiner Trost: Zumindest einzelne andere UHD-Modelle von Hisense sollen nach unseren Informationen die Darstellung von 4K-Fotos unterstützen.

Vom Blaupunk dargestelltes 4K-Testbild
Durchgefallen: Selbst Fotos erscheinen auf den günstigen UHD-TVs (hier: Blaupunkt) nicht in 4K-Auflösung und zeigen zudem unschöne Interferenzen.

Grund 6: verfälschte Farben

Rosen sind Rot, Veilchen sind Blau – die Billig-Fernseher stellen sie jedoch falsch zur Schau! Vom Blaupunkt über den Changhong bis hin zum Hisense weisen alle Probanden eine mangelhafte Farbabstimmung auf. Das gilt zum Teil sogar für die Grundfarben, die nicht einmal den günstigsten Markengeräten mit Full-HD-Panel nennenswerte Schwierigkeiten bereiten. Besonders die Wiedergabe komplexerer Nuancen wie etwa von Hauttönen lässt zu wünschen übrig. Die Farbtemperatur ist dabei gnadenlos zu kühl eingestellt, so dass weiße Bildbereiche sichtbar ins Bläuliche abdriften. Leider werden auch die Graustufen schlecht reproduziert, was deutliche Einfärbungen in Schwarz-Weiß-Klassikern à la „Casablanca“ zur Folge hat.

Schlechte Farbreproduktion des Changhong
Völlig daneben: Der Changhong trifft nicht einmal die Grundfarben präzise und driftet bei den Nuancen weit vom Sollwert ab – auch die anderen Billig-4K-TVs bekleckern sich hier nicht gerade mit Ruhm.

Grund 7: niedrige Kontraste

Da die meisten aktuellen LCD-Fernseher über ein Edge-LED-Backlight verfügen, lassen sich Aufhellungen in den Ecken praktisch nicht vermeiden. Allerdings sind diese bei den günstigen UHD-Modellen besonders ausgeprägt, was nicht nur den subjektiven Bildeindruck trübt, sondern tatsächlich zulasten des Kontrasts geht. Sichtbar wird dieses Manko vor allem in dunklen Filmen wie dem Science-Fiction-Thriller „Gravity“, der fast ausschließlich aus finsteren Weltraum-Szenen besteht. So schimmert durch den schwarzen Nachthimmel etwas Restlicht durch, während sich die Astronauten besser vom Hintergrund abheben könnten. Zudem kommen gelegentlich unschöne Clouding-Effekte sowie Wolken in den Letterbox-Balken zum Vorschein.

Blickwinkelabhängigkeit des Blaupunkt B50 A 401 TC-UHD
Das geht auch besser: Die günstigen 4K-Fernseher hinken den Markengeräten in puncto Kontrast weit hinterher. Aus seitlicher Perspektive verschlechtert sich die Differenzierung weiter (gelb).

Grund 8: geringe Bewegungsschärfe

Gerade in Actionstreifen und Fußballübertragungen spielt die Bewegungsschärfe eine entscheidende Rolle. Leider sind die Billig-UHD-TVs in dieser Disziplin alles andere als Sportskanonen: Schnelle Motive verwischen leicht beziehungsweise verursachen Nachzieheffekte (Ghosting) und die Glättungsschaltungen rufen Artefakte hervor. Die vom Hersteller angegebene Bildwiederholfrequenz beträgt übrigens maximal 600 Hertz, während die Technologien aus renommierten Häusern teilweise locker die doppelte Rate schaffen. Diese Werte haben in der Praxis zwar wenig Aussagekraft, lassen aber zumindest auf eine effizientere Signalverarbeitung schließen. Der Kinolook bleibt aufgrund der dürftigen 24p-Wiedergabe ebenfalls auf der Strecke – zum Beispiel verwischen die Stege der Roulettekessel im Intro von „Casino Royale“.

Bildmenü des Changhong UHD 55 B 6000 IS
Keine Hilfe: Trotz dürftiger Bewegungsdarstellung sollte man die Filmglättung der Fernseher aufgrund von Artefakten ausschalten.

Grund 9: dürftige 3D-Wiedergabe

Obwohl die 3D-Unterstützung bei einigen Cineasten als Modeerscheinung oder unnötiges Extra verschrien ist, gehört sie heute bei nahezu allen Smart-TVs zum Standard. Hier bildet der Blaupunkt zwar die einzige Ausnahme, doch kann man angesichts der desolaten Bildqualität der anderen Billig-Fernseher ohnehin gleich auf die dreidimensionalen Fähigkeiten verzichten. Entweder erscheint der 3D-Film knackig scharf, dafür aber mit reduzierter Helligkeit oder Auflösung und Geisterbildern (Hisense), auch die Artefakte im 3D-Betrieb stören häufig. Mehr als SDTV-Niveau ist beim Changhong trotz Shutter-Technik jedenfalls nicht drin. Auch die mitgelieferten aktiven Brillen lassen in Sachen Haptik und Tragekomfort sehr zu wünschen übrig.

3D-Brillen des Changhong UHD 55 B 6000 IS
Klappe zu: Trotz Shutter-Technik können die günstigen 4K-Fernseher im 3D-Betrieb nur sehr bedingt überzeugen. Zudem sind die von Changhong mitgelieferten 3D-Brillen billig verarbeitet.

Grund 10: eingeschränkte Zukunftssicherheit

Können Sie sich vorstellen, wie Ihr PC-Monitor aussieht, wenn er mit nur 30 statt normalerweise mindestens 60 Bildern pro Sekunde angesteuert wird und darüber hinaus verzögerte sowie verwischte Bilder zeigt? Keine Frage – die 3.840 x 2.160 Pixel sehen bei statischen (unbewegten) Fotos vom Computer toll aus, aber wenn weder die Bewegungsdarstellung noch die Farbneutralität stimmt, sind die Billig-Fernseher nicht einmal als Monitor-Ersatz geeignet. Die Marken-UHD-TVs lassen sich wenigstens auf den HDMI-2.0-Standard aufrüsten (sofern nicht bereits ab Werk integriert) und gestatten so eine Ansteuerung mit 60 Hertz. Außerdem kann man bei den renommierten Herstellern mit Firmware-Updates rechnen, die Fehler beseitigen und/oder neue Funktionen nachrüsten.

Samsung setzt mit der One-Connect-Box Maßstäbe
So sieht die Zukunft aus: Samsung lagert die gesamte TV-Technik in die One-Connect-Box aus, die sich bei Bedarf einfach austauschen lässt. Bei den Billig-UHD-TVs kann man davon nur träumen.

PLAYER.de meint:
Wer sich einen günstigen oder besser gesagt billigen UHD-Fernseher kauft, investiert weder sinnvoll noch zukunftssicher. Vielmehr jagt der Käufer Pixeln hinterher, die ihm aufgrund der zahlreichen Nachteile einfach keinen Mehrwert bringen. Sogar Full-HD-Geräte der renommierten Hersteller beherrschen die Bildverarbeitung besser. Kommt es auf die 4K-Auflösung an, führt derzeit kein Weg an einem (teureren) Markengerät vorbei. Zehn triftige Gründe gegen billige UHD-Fernseher bedeuten für uns: Bei UHD sollte man in Qualität investieren oder die Finger davon lassen!