Auro-3D kommt nach Hause

Das Bild ist schon länger dreidimensional, auch wenn es wegen lästiger 3D-Brillen nur selten genutzt wird. Dieses Problem kennt der 3D-Ton nicht, denn zwei Ohren hat (fast) jeder Mensch im Kopf und Schallquellen lassen sich in nahezu beliebiger Anzahl aufstellen. Nun sind verschiedene Verfahren entwickelt worden, auch den Klang räumlich zu gestalten, ihm also eine neue Dimension zu erschließen.

Dafür gibt es diverse Optionen:

1) Zusätzliche Kanäle (auch in der Höhe), ergänzend zu den 5.1- oder 7.1-Soundtracks und mit dazu passenden Lautsprechern, oder
2) Virtualisierung dieser Kanäle durch intelligente Schaltungen, ähnlich den Surround-Effekten, die Raumklang aus zwei Kanälen erzeugen sollen.

Die erste Möglichkeit findet man bereits im Kino, wo Verfahren wie Dolby Atmos oder Auro-3D diese zusätzliche Dimension mitbringen, die Virtualisierung wiederum lässt sich in Systeme unterteilen, die Spezial-Boxen benötigen oder die den Extra-Klang mit zwei Schallwandlern möglich machen. Die letzte Option ist vor allem unter Kopfhörer-Fans beliebt, auch wenn hier eine spezielle Head-Transfer-Funktion benötigt wird, ebenso eine Fixierung der künstlichen Schallquellen im Raum – also etwa vorne, hinten oder oben – durch Head Tracking, also eine Anpassung an Kopfbewegungen, wozu ein Beschleunigungs-Sensor dienen kann.

Jetzt ist Auro-3D auf dem Weg zum Kino nach Hause. Statt den teuren Auro-Decoder von Datasat, der vor allem von Barco vertrieben wird, in luxuriäse Villen mit eigenem Kino zu verbauen, ist Auro 3D bereits in 11.1-Setups verfügbar und verbirgt sich hinter dem 11.1-Ton, wobei der Klang praktisch aus einem 5.1-Soundtrack besteht, auf dessen Kanäle jeweils ein weiterer draufgesetzt wird.

Auch die Tonkanäle enthalten beides, denn die Zusatztöne für oben werden in den normalen Spuren versteckt. Man nutzt dazu den Fähigkeit, Sound mit 24 Bit und 96 kHz wiederzugeben, die gar nicht in vollem Umfang benötigt wird. Ein Klang zum Beispiel mit 16 Bit – wie auf einer CD – kann zum Beispiel mit einem weiteren Bit versehen und dann den Zusatzkanälen zugeschlagen werden. Auf Anlagen, die den vollen Tonumfang verarbeiten können, geht so nichts verloren, da ein normales System die Daten einfach dem normalen Klang zuschlägt. Das hat den Vorteil, dass die Tracks geichermaßen auf gewöhnlichen Anlagen laufen, soweit die volle Dynamik beherrscht wird.

Das gilt natürlich auch für Blu-ray. Hier ist ein erster Titel zu notieren, nämlich „Red Tails” – ein ziemlich unsägliches WW2-Stück um farbige Jagdpiloten. Die US-Version der Scheibe trägt sogar das Auro-Logo.

Ein spezieller Decoder kann die Tracks auch entschlüsseln. Er kommt vom Hersteller Auriga und muss wahrscheinlich per PCM-Leitung angeschlossen werden – ob auch die anderen Soundtracks, also Dolby Digital und DTS, die Extra-Infos beinhalten können, ist derzeit nicht bekannt. Der Auriga besitzt natürlich elf Endstufen und benötigt für die Wiedergabe eine entsprechende Zahl von Lautsprechern. Er kostet, nach aktuellem Stand, rund 10.000 Euro oder Dollar plus Mehrwertsteuer.

Player.de meint: Auro-3D im Wohnzimmer steht also nichts mehr in Wege: Lässt man die weiteren Endstufen und eventuell die 11.1-Wandler und Anschlüsse weg, kann jeder AV-Receiver den Klang verarbeiten – ohne große Zusatzkosten. So wünschen wir uns neue Systeme: Voll abwärtskompatibel zu bestehender Technik.