HDMI 2.0

Demonstration des Panasonic 65WT600 auf der IFA: Bilddarstellung basierend auf der HDMI 2.0-Spezifikation mit 60 Hz und 2160p-Auflösung.

HDMI ist die Steckverbindung schlechthin im digitalen Heimkino. Über diese Universalverbindung werden Bild, Ton, Kopierschutzinformationen (HDCP), Steuerinformationen (EDID) und mittlerweile sogar umfangreiche Datenpakete (Ethernet) übertragen. HDMI bekam im Laufe der Zeit verschiedenste Updates, um den Entwicklungen der Technik standzuhalten. Bei der jüngsten Entwicklung – Fernsehern in Ultra HD-Auflösung (4K oder 2160p) – hinkte HDMI zuletzt etwas hinterher. Zwar gab es mit HDMI 1.4 bereits ersten Support für die neue 4K-Auflösung, aber nur in eingeschränktem Umfang.

Mit HDMI 2.0, das Anfang September zur Funkausstellung (IFA in Berlin) veröffentlicht wurde, legte das HDMI-Forum nun den Grundstock für die AV-Schnittstelle der Zukunft und ermöglicht deutlich höhere Bandbreiten zur Übertragung von Audio und Video. In diesem Artikel beleuchten wir die aktuellen Fähigkeiten und Probleme der Schnittstelle näher und gehen auf die Kompatibilität der TV-Hersteller ein. Da sich die Fähigkeiten der Geräte aufgrund von Soft- und Hardware-Upgrades ändern können und werden, wurden alle beteiligten TV-Hersteller eingeladen, uns entsprechende Neuerungen mitzuteilen, so dass dieser Artikel basierend auf den Informationen der Hersteller aktualisiert wird.

Fähigkeiten von HDMI 2.0

Neue Fähigkeiten von HDMI 2.0
Taktrate bis 600 MHz (vorher 340 MHz)
Datenrate bis 18 GBit/s (vorher 10,2 GBit/s)
4K mit bis zu 50/60p (und bei Bedarf mit reduzierter 4:2:0 Farbabtastung)
4K 3D
1536 KHz Audio
1080p 3D HFR (z.B. für 3D mit 60 fps)
21:9 Cinemascope-Unterstützung (bei 21:9-Encoding gehen keine Pixel durch schwarze Balken verloren, anamorphes Bild)
Multi Stream Audio und Video (wichtig beispielsweise bei interaktiven Inhalten)

Probleme von HDMI 2.0

Wie wenig definiert die genauen Parameter von HDMI 2.0 aktuell sind, lässt sich an folgendem Aufruf von Arnold Brown, dem Aufsichtsratsvorsitzenden des HDMI-Forums anlässlich der IFA ablesen: “Mit der Veröffentlichung der HDMI 2.0-Spezifikation bitten wir gleichzeitig um Beiträge und Vorschläge von Mitgliedsunternehmen für die nächste HDMI Forum-Spezifikation. Wir ermutigen auch neue Mitglieder zum Beitritt und dazu, an der Entwicklung der nächsten HDMI-Spezifikation teilzunehmen.”

Sony auf der IFA 2013: Vorführung von 4K mit 60 Hz und 4:2:0 Farbabtastung gemäß der HDMI 2.0-Spezifikation.

Sony auf der IFA 2013: Vorführung von 4K mit 60 Hz und 4:2:0 Farbabtastung gemäß der HDMI 2.0-Spezifikation.

Vieles geht und wenig ist verpflichtend im neuen HDMI 2.0-Standard. So ist es beispielsweise sogar möglich, dass ein Gerät nur SDTV-Auflösung (480p/576p) unterstützt aber trotzdem eine HDMI 2.0-Schnittstelle besitzt und damit wirbt. Schließlich ist es zu Geräten mit HDMI 2.0 kompatibel und besitzt eventuell sogar die gleichen Transmitter- oder Receiver-Chips. HDMI ist eine universelle Schnittstelle und was darüber übertragen wird, ist Sache der Hersteller. Kein Wunder also, dass Sony und Panasonic auf der IFA bereits mit HDMI 2.0 warben, obwohl später Einschränkungen zu befürchten sind. Besonders im Fall Sony stellt sich die Frage, wie das reine Software-Update möglich sein soll, wo die neue Schnittstelle doch höhere Bandbreiten vorsieht. Auf Nachfrage bei Sony im Rahmen einer TV-Präsentation war die Antwort schnell gefunden: Nicht alle Möglichkeiten von HDMI 2.0 werden von den Geräten unterstützt. Wohl aber die wichtige Möglichkeit, 4K mit 60 Bildern pro Sekunde entgegenzunehmen, wie das beispielsweise für Sportübertragungen von Bedeutung ist. Bei 4K mit 60Hz wird zudem die neue Möglichkeit genutzt, Farbinformationen auch mit reduzierter Abtastung (4:2:0 Chromasubsampling) und somit halbierter horizontaler und vertikaler Auflösung zu übertragen. Dann reicht auch die Bandbreite früherer Übertragungschips. Für viele Videoübertragungen spielt dieser Umstand keine große Rolle, da aktuelle Übertragungsformate und auch die Blu-ray ohnehin mit reduzierter Farbauflösung arbeiten. Wenn aber ein PC mit voller Auflösung und 60Hz den Fernseher ansteuert oder wenn bessere Übertragungsstandards eingeführt werden, macht das sehr wohl einen Unterschied. Bis dahin wird aber schon die nächste TV-Generation verkauft, die dann die Probleme löst.

Bei Panasonic wird dank neuem Broadcom-Chipsatz gleich die volle Farbabtastung 4:4:4 unterstützt, die neben HDMI auch über DisplayPort (ein echtes Novum bei Fernsehern) zugespielt werden kann. Auch in Bezug auf das neue Verschlüsselungsverfahren HDCP 2.2, das für den digitalen Kopierschutz kommender 4K-Medien wie etwa dem Nachfolger der aktuellen Blu-ray entscheidend sein wird, ist Panasonic guter Dinge für eine Unterstützung in Zukunft.

Informationen zu Soft- und Hardware-Updates

Bei aktuellen und aktuell angekündigten UHD-Fernsehern steht noch in den Sternen, wie kompatibel die Geräte tatsächlich zu HDMI 2.0 sein werden. Basierend auf Pressemeldungen und Gesprächen mit den Herstellern hier ein aktueller Überblick über Geräte und Möglichkeiten in Bezug auf HDMI 2.0:

Hersteller
Modell(e)
HDMI-Version
4K 60Hz - Unterstützung
HDCP-Version
LG9er Serie (84LM960V /84LA9809, 65LA9709, 55LA9709) bislang keine offizielle Stellungnahme (aktuell 1.4, eventuell kein Upgrade auf 2.0 möglich)bislang keine offizielle Stellungnahme (möglicherweise kein Support für 2160p60)bislang keine offizielle Stellungnahme (eventuell kein Upgrade möglich)
PanasonicTX-L65WT600HDMI 2.0 ("basierend auf HDMI 2.0-Standard")voll (4:4:4)unklar, Update auf HDCP 2.2 sollte möglich sein (Herstellerangabe)
Philips9000er Serie (65PFL9708, 84PFL9708)aktuell HDMI 1.4, Hardware-Upgrade auf 2.0 (etwa Anfang 2014, Kosten unklar)nach Hardware-Upgrade (etwa Anfang 2014, Kosten unklar)bislang keine offizielle Stellungnahme (eventuell kein Upgrade möglich)
Samsungalle UHD-Modelle (UE85S9, UE 55F9090, UE65F9090)aktuell HDMI 1.4, Upgrade durch Austausch der One Connect-Box (verbindliche offizielle Aussagen fehlen noch)sollte nach Austausch der externen Anschlussbox möglich sein (verbindliche offizielle Aussagen fahlen noch)Update auf HDCP 2.2 nach Austausch der Anschlussbox denkbar, kann aber noch nicht final bestätigt werden
SonyBravia X9-Serie (neue Modelle, 55X9005, 65X9005) aktuell HDMI 1.4 (HDMI 2.0 nach kostenlosem Firmware-Upgrade möglich)nach Firmware-Update, aber beschränkt auf 4:2:0 Farbabtastungbislang keine offizielle Stellungnahme (eventuell kein Upgrade möglich)
SonyBravia 84X9005aktuell HDMI 1.4 (HDMI 2.0 nach Hardware-Upgrade durch Sony-Service möglich)nach Hardware-Upgrade, vermutlich beschränkt auf 4:2:0 Farbabtastungbislang keine offizielle Stellungnahme (eventuell kein Upgrade möglich)
Toshiba58M9363DGaktuell HDMI 1.4 (HDMI 2.0 nach kostenlosem Firmware-Upgrade möglich)Software-Update auf 4K 60Hz bis Anfang 2014 (mindestens 4:2:0-Unterstützung)bislang keine offizielle Stellungnahme (eventuell kein Upgrade möglich)

 

Das intelligente Anschlusskonzept von Samsung: Eine externe Box nimmt die Signale für den UHD-Fernseher entgegen. Sobald neue Standards relevant werden besteht die Chance auf einen (kostenpflichtigen) Tausch der Box. Das ist deutlich besser als Hardwaremodifikationen im Gerät, die einen Servicetechniker oder das Einschicken des Geräts erfordern.

Das intelligente Anschlusskonzept von Samsung: Eine externe Box nimmt die Signale für den UHD-Fernseher entgegen. Sobald neue Standards relevant werden besteht die Chance auf einen (kostenpflichtigen) Tausch der Box. Das ist deutlich besser als Hardwaremodifikationen im Gerät, die einen Servicetechniker oder das Einschicken des Fernsehers erfordern.

 

PLAYER.de meint: HDMI 2.0 ist da, aber der effektive Nutzen beschränkt sich augenblicklich auf 4K mit 60Hz und sehr wenige dafür in Frage kommende Quellen. Konkret gesagt gibt es Stand September 2013 noch gar keine Quelle für HDMI 2.0 in voller Ausbaustufe, die frei im Handel verfügbar wäre. Das Argument HDMI 2.0 zählt also wirklich erst dann, wenn entsprechende Signalquellen (etwa Mediaplayer mit 60p-Ausgabe) verfügbar werden. Doch dann werden die Karten neu gemischt und die Hersteller dürfen aufs Neue mitteilen, ob ihre TV-Geräte zu diesen Quellen kompatibel sind. Bis dahin sollte man sich eher auf Mehrwert-Funktionen der 4K UHD-TVs konzentrieren, wie zum Beispiel eine ordentliche Fotowiedergabe (bei allen aktuellen TVs zu schwerfällig), einen Webbrowser in 4K (wie beim Panasonic 65WT600), einen Mediaplayer für UHD-Inhalte in H.264 oder besser noch HEVC (angekündigt von LG). Auch sinnvolle Verbindungsmöglichkeiten zum PC (wie DisplayPort bei Panasonic WT600) bereichern Fernseher mit UHD-Auflösung enorm. Von allen Konzepten der Hersteller am vielversprechendsten ist aus unserer Sicht das von Samsung, bei dem die Anschlüsse in eine externe Box ausgelagert werden, die sich einfach austauschen lässt (One Connect Box). Bleibt zu hoffen, dass dieses Anschlusskonzept mit dem proprietären Kabel und verschlüsselter Verbindung auch allen Anforderungen an die Standards der Zukunft gerecht wird und möglichst viele andere Hersteller nachziehen. Einen Computermonitor muss man schließlich auch nicht jedesmal austauschen, wenn eine Komponente des PCs getauscht wird…

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