Sony Triluminos und xvcolor

Sony Triluminos und xvcolor

Fast zeitgleich mit der Einführung von 4k-Fernsehern schickt Sony auch eine Reihe von Technologien zur Verbesserung der Bildqualität auf den Markt. Mit Triluminos, Quantum Dot sowie Blu-ray Filmen “Mastered in 4k” sorgt der japanische Elektronikkonzern augenblicklich für Euphorie im Fachhandel und positive Schlagzeilen in der Fachpresse. Quantum Dot ist dabei eine Technologie von QD Vision, die Sony nicht aktiv bewirbt. Sie ist aber einer der Grundpfeiler von Triluminos und sorgt aktuell für die besonders reinen Grundfarben und das ausgewogne Farbspektrum der Geräte.

Wer sich tiefgreifender informieren möchte, wird aber selbst nach intensivem Studium von Pressemeldungen und Produktinformationsblättern nicht viel Hintergrundinformationen dazu finden. Sony setzt offensichtlich bewusst auf den Überraschungseffekt knallbunter Farben und hebt sich die technischen Details für später auf. Warum auch ins Detail gehen – bunter ist doch immer besser, oder? Eben nicht, meinen wir!

Zusammen mit dem Testlabor AV T.O.P. Messtechnik GmbH konnte die Redaktion von PLAYER.de einige aktuelle Fragen zu den Sony-Technologien klären. Dazu testeten wir einen aktuellen Fernseher aus der W9-Serie (Sony KDL-55W905A), sprachen mit Sony-Produktmanagern, Sony-Entwicklern und besuchten Sony Pictures Entertainment sowie die von Sony engagierten Spezialisten für digitales Mastering von Filmen bei Colorworks in Hollywood. Fragen, die wir zu den neuen Technologien hatten, konnten wir auf diese Weise klären und stellen sie mit den entsprechenden Antworten an dieser Stelle vor.

Colorworks bei Sony Pictures in Hollywood

Bei Colorworks auf dem Gelände der Sony Pictures Entertainment Studios in Hollywood werden digitale Fassungen von Kinofilmen farbkorrigiert und für verschiedene Medien ausgeliefert. Wir sprachen mit den Experten dort über Farbräume.

Was genau verbirgt sich hinter Sony Triluminos?

Triluminos (wird auch gerne Triluminus genannt, denn weniger Vokale sprechen sich wohl einfach leichter) ist der von Sony erfundene Oberbegriff für eine Reihe von Technologien zur Erweiterung des Farbraums von HDTV (ITU Rec. 709) oder sRGB bei Fotos. Ein erweiterter Farbraum bedeutet dabei stets intensivere Farben und wird von den meisten Betrachtern auf den ersten Blick als lebendiger, satter und natürlicher empfunden. Triluminos steht aber auch für einen erweiterten Farbraum ohne klaren Standard, besitzt also aktuell keine definierten Farbkoordinaten wie bei unabhängigen Standards.

Zwar lässt sich diese Farbraumerweiterung auch abschalten, so dass nahezu perfekte Grundfarben erreicht werden können – die Standardeinstellung der Fernseher ist aber auf bunte Farben ausgelegt. Weitgehend korrekte Farben findet nur, wer entweder die Voreinstellung “Kino 1″ wählt (zugänglich über das Options- und nicht das Bildmenü) oder wer den Regler “Farbbrillanz”, “aus” stellt.

Ganz nach dem Motto “viel hilft viel” wird also standardmäßig ein Farbraum gezeigt, der einfach größer ist als das was man aktuell kennt. Problematisch am Farbraum ohne klaren Standard: Ein Triluminos-Fernseher von heute kann im Vergleich zu künftigen Modellen oder den Modellen anderer Serien stärker oder weniger stark gesättigt aussehen – echte, herstellerübergreifende Standards sind uns da lieber. Das gilt zwar bei Fernsehern generell auch für andere Werte wie etwa Helligkeit und Kontrast, die sich von Modell zu Modell unterscheiden – diese Werte kann man jedoch im Gegensatz zu erweiterten Farbräumen (wo sich beispielsweise der Farbton von Grün deutlich unterscheiden kann) einfach anpassen.

Sony Triluminos Farbraum

Der Triluminos-Farbraum ist deutlich größer als ITU 709 oder sRGB, einen klaren Standard dazu gibt es aber nicht. Die perfekte Reproduktion von Farbstandards aus den Bereichen Kino oder Foto ist demnach nicht das erklärte Ziel – schade!

Welche Vorteile bietet Triluminos?

Der im digitalen Kino übliche Farbraum gemäß DCI-Spezifikationen ist deutlich größer als der seit Jahrzehnten etablierte Farbraum REC 709, der auch heute noch auf den Limitationen damaliger Technik (verfügbare Phosphore) basiert. Für viele Anwendungen und nach heutigem Stand der Technik ist REC 709 deshalb nicht das Maß der Dinge. Sony geht mit Triluminos nun den Weg, diesen alten, vergleichsweise entsättigt wirkenden Farben einen neuen Look zu verpassen. In vielen Fällen sieht das auch richtig gut aus, insbesondere im Direktvergleich mit Displays, die “nur” BT 709 beherrschen. Triluminos geht zudem insofern intelligent vor, als dass nicht alle Farben stark gesättigt werden. Hauttöne und andere wichtige Mischfarben bleiben nahezu unverändert. Laut Sony greift die Triluminos-Farberweiterung erst ab etwa 40-50% Farbsättigung. Ganz klar: Die Zukunft der Displaytechnik gehört Geräten mit erweiterten Farbräumen! Einfach deshalb, weil mehr und mehr Geräte (insbesondere Fotoapparate und Videokameras) eine direkte Unterstützung erweiterter Farbräume mitbringen.

Nach unserer Erfahrung ist Triluminos besonders dann gut, wenn man den Regler Farbbrillanz auf “niedrig” einstellt. Wer die Farbraumerweiterung abschaltet oder den Kino1-Bildmodus wählt, sieht 709-Quellen naturgetreu abgebildet. Dabei profitiert man zusätzlich vom reineren Spektrum der Farben und einer gesteigerten Energieeffizienz.

Auch wenn der Farbbrillanz-Regler auf “aus” steht, schaltet der Fernseher automatisch Triluminos zu, wenn eine entsprechende Quelle (etwa eine Blu-ray “mastered in 4k”) mit einem modernem Blu-ray Player zugespielt wird. Bei ohnehin bunten Animationsfilmen wirkt die Triluminos-Farberweiterung meist uneingeschränkt vorteilhaft.

Quellen für 4k und Triluminos: Zu den geeigneten Triluminos-Quellen gehören zahlreiche Kameras von Sony. Erweiterte Farbräume anderer Hersteller, beispielsweise im Farbraum Adobe RGB werden leider nicht automatisch erkannt.

Quellen für 4k und Triluminos: Zu den geeigneten Triluminos-Quellen gehören zahlreiche Kameras von Sony. Erweiterte Farbräume anderer Hersteller, beispielsweise im Farbraum Adobe RGB werden leider nicht automatisch erkannt.

Welche Nachteile hat Triluminos?

Ausgehend von der Standard-Einstellung der Fernseher mit hoher Farbbrillanz: Wenn es Ihnen gefällt, dass auch zarte Farbtöne häufig knallbunt aussehen und wenn Sie die Intention der Filmemacher mit deutlich intensiveren Farben “verschönern” wollen, dann hat Triluminos keine Nachteile. Von Chefköchen in Gourmet-Restaurants hört man auch immer wieder, dass bei Gerichten mit besonders ausgefeilter Sauce gerne eine Flasche Ketchup dazu bestellt wird – über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten.

Also: In der Standard-Einstellung des Fernsehers oder bei hoher Einstellung des Triluminos-Reglers “Farbbrillanz” werden Sie ein sehr buntes und kontrastreiches Bilderlebnis erzielen und im Wettbewerb um die sattesten Farben sicher eine ganze Weile mit Ihrem Fernseher beeindrucken können. Aber: Bitte nennen Sie dieses Bild nicht neutral oder natürlich.

Neutralität im Bild folgt herstellerübergreifenden Standards – Neutralität bedeutet, dass Sie genau das sehen, was die Produzenten des Films gesehen haben, als sie Lichtstimmungen im Film mit viel Aufwand angepasst haben. Post-Processing Studios wie Colorworks nutzen bei der Erstellung der Inhalte für Blu-ray Monitore, die den REC 709 Farbstandard beherrschen. Nur so wird das Ergebnis reproduzierbar. Selbiges gilt für HDTV-Produktionen der deutschen Fernsehsender. Dort sitzt man vor (im Idealfall kalibrierten) Studiomonitoren, die aktuell bestimmt keine deutlich erweiterten Farbräume anzeigen. Wenn der Fernseher etwas anderes daraus macht, kommen einige Farben vielleicht denen im digitalen Kino näher und sehen satter aus, aber bestimmt gibt es auch Szenen, die unerwartet anders aussehen als das, was die Post-Production-Studios im Sinn haben oder während Ihrer Arbeit sahen.

Beispiel: Der in Demonstrationen von Sony für Triluminos gerne eingesetzte Film “Casino Royale” zeigt im vierten Kapitel eine unnatürlich wirkende Küstenlinie, bei der das türkisfarbene Wasser eine zu intensive Grüntönung erhält. Etwas später im Film leuchten die Augen von Daniel Craig unnatürlich bunt – eine für uns etwas irretierende Nebenwirkung der Farberweiterung.

Unser größter Kritikpunkt an Sony lautet daher: Die Möglichkeiten des erweiterten Farbraums sind nicht intelligent genug umgesetzt! Eine der bedeutendsten Möglichkeiten von erweiterten Farbräumen besteht nämlich darin, kleinere Farbräume exakt abzubilden. Dafür muss man den Grundfarben nur – richtig dosiert – ihre Komplementärfarben zumischen. Genau das passiert aber nur dann, wenn sich der Besitzer des TVs wirklich aktiv darum bemüht und die etwas verklausulierten Bildoptionen anpasst.

Vergleich von Farbräumen

Das gelbe Dreieck zeigt den Triluminos-Farbraum des Sony KDL-55W905 im Vergleich zu Standardfarbräumen und dem eines aktuellen Plasma-TVs (TX-P55VTW60 von Panasonic). Fazit: Triluminos passt zu keinem aktuellen Farbraum, ein uneingeschränkt natürliches Farbergebnis erfordert deshalb die Deaktivierung der Farbbrillanz oder die -etwas versteckte- Auswahl des Bildmodus Kino1.

Bietet Triluminos Vorteile für digitale Kinofilme?

Ja und nein. Der Farbraum von Produktionen gemäß DCI-Spezifikationen (Digital Cinema Initiatives) für digitales Kino ist im Vergleich zu HDTV tatsächlich deutlich größer und natürlich kann man kleinere Farbräume künstlich aufblasen, um so zumindest bei gesättigten Farben näher an das Original zu kommen. Das sieht dann auch farbenfroher aus. Aber: Die ursprüngliche Farbdifferenzierung geht dabei verloren und es wird weder der HDTV-Standard noch der DCI-Standard erfüllt. Deshalb nennt Sony die Technik wohl auch Triluminos und nicht DCI.

Hinzu kommt, dass DCI-Farbinformationen auf der Blu-ray schlicht und einfach nicht zu finden sind – auch nicht bei den Discs von Sonys “Mastered in 4k”-Reihe. Der Blu-ray Standard sieht für HDTV-Inhalte Rec. 709 als Farbstandard vor. Davon kann man nicht einfach abweichen, sonst würden unzählige Player und Fernseher auf einmal Falschfarben zeigen. Entgegen anfänglicher Behauptungen weichen auch Blu-ray Filme “Mastered in 4k” davon nicht ab, was uns bei Colorworks bestätigt wurde.

Die Blu-ray Versionen der Filme bieten also keinen erweiterten Farbraum auf der Disc. Vielmehr wird eine Möglichkeit von AVCHD genutzt: Eine spezielle Kennzeichnung im Datenstrom (xvYCC-flag) weist darauf hin, dass der Farbraum des Originals größer ist und anschließend für die Blu-ray beschränkt wurde. Der Player liest diese Information aus und gibt sie zusammen mit dem Kommando zur Triluminos-Erweiterung des Farbraums per HDMI CEC an den Fernseher weiter. Einige Farben sehen so tatsächlich besser und prächtiger aus als auf einem Wiedergabesystem, das REC709 entspricht.

Sony F65 Gamut

Digitale Kinokameras wie die qualitativ führende Sony F65 sind in der Lage, deutlich erweiterte Farbräume aufzuzeichnen. Uneingeschränkt dafür geeignete Wiedergabesysteme gibt es aber noch nicht.

Ist die Triluminos-Farberweiterung in aktuellen Fernseherm von Sony immer aktiv?

Nein, der Regler “Farbbrillanz” im Bildschirmmenü steuert die Stärke des Triluminos-Effekts überall dort, wo keine automatische Erweiterung stattfindet. Auch im Bildmodus “Kino1″ wird die Farbraumerweiterung zugunsten einer ordnungsgemäßen Abbildung des Standardfarbraums REC709 abgeschaltet. Wenn aber ein im erweiterten Farbraum aufgenommenes Foto einer aktuellen Sony-Kamera wiedergegeben wird oder ein Blu-ray Film “Mastered in 4k” abgespielt wird, dann greift die Automatik der neuen, mit Triluminos ausgestatteten Bravia-Fernseher von Sony.

Mastered in 4k: Entsprechende Blu-rays von Sony werden mit einer Kennzeichnung im Videostream versehen, die - bei entsprechend geeignetem Blu-ray Player und Fernseher - für eine buntere Farbwiedergabe sorgt. Auf der Blu-ray selbst befindet sich aber entgegen anfänglicher Behauptungen kein erweiterter Farbraum (das wäre inkompatibel zu bestehenden Systemen). Wer den bei der Produktionsseite existierenden erweiterten Farbraum exakt nachgebildet sehen möchte, muss ins Kino gehen oder auf entsprechende 4k-Player warten, die für Deutschland aktuell noch nicht angekündigt sind. Die automatische Erweiterung des Farbraums lässt sich aber im Bildschirmmenü deaktivieren.

Mastered in 4k: Entsprechende Blu-rays von Sony werden mit einer Kennzeichnung im Videostream versehen, die – bei entsprechend geeignetem Blu-ray Player und Fernseher – für eine buntere Farbwiedergabe sorgt. Auf der Blu-ray selbst befindet sich aber entgegen anfänglicher Behauptungen kein erweiterter Farbraum (das wäre inkompatibel zu bestehenden Systemen). Wer den bei der Produktionsseite existierenden erweiterten Farbraum exakt nachgebildet sehen möchte, muss ins Kino gehen oder auf entsprechende 4k-Player warten, die für Deutschland aktuell noch nicht angekündigt sind. Die automatische Erweiterung des Farbraums lässt sich aber im Bildschirmmenü des Blu-ray Players deaktivieren.

Was steckt hinter Blu-ray Discs “Mastered in 4k”?

Im Prinzip steht diese Kennzeichnung von einigen neuen oder neu aufgelegten Blu-ray Filmen aus dem Hause Sony dafür, dass als Quelle für die Disc ein digitales Master mit 4k-Auflösung diente. Bei älteren Streifen wurde das analoge Filmmaterial mit entsprechenden Scannern abgetastet, die mindestens 4k-Auflösung bieten. Vereinfacht gesagt hat das den Vorteil, dass bei anschließender Auflösungreduktion für Blu-ray die Grenzen von Full HD ausgereizt werden, was bei adäquaten 2k- beziehungsweise 1080p-Produktionen fast nie der Fall ist.

Ein Qualitätsmerkmal ist “Mastered in 4k” daher schon, mit 4k von Blu-ray hat das aber nichts zu tun. Wie bereits weiter oben erwähnt, befindet sich auf den Discs auch kein erweiterter Farbraum, da dieser zu bestehenden Systemen inkompatibel wäre – stattdessen befindet sich eine Kennzeichnung (xvYCC flag) im Video, die dem Triluminos-Fernseher das Kommando gibt, den Farbraum künstlich zu erweitern.

Schematischer Ablauf der 4k-Verarbeitung in einer Sony-Kette: Das 4k-Original mit erweitertem Farbraum und hoher Auflösung wird passend zu den BD-Spezifikationen herunterskaliert (1920x1080p AVCHD mit xvcolor-flag) und anschließend vom geeigneten Player per HDMI-CEC als besonders hochwertige Quelle mit ursprünglichem 4k-Master gekennzeichnet. Der Triluminos-Fernseher passt daraufhin automatisch seine Bildverbesserungsschaltungen so an, dass ein besonders farbenfrohes Bild entsteht. Der Triluminos-Effekt lässt sich alternativ auch per "Farbbrillanz"-Regler manuell zufügen.

Schematischer Ablauf der 4k-Verarbeitung in einer Sony-Kette: Das 4k-Original mit erweitertem Farbraum und hoher Auflösung wird passend zu den BD-Spezifikationen herunterskaliert (1920x1080p AVCHD mit xvcolor-flag) und anschließend vom geeigneten Player per HDMI-CEC als besonders hochwertige Quelle mit ursprünglichem 4k-Master gekennzeichnet. Der Triluminos-Fernseher passt daraufhin automatisch seine Bildverbesserungsschaltungen so an, dass ein besonders farbenfrohes Bild entsteht. Der Triluminos-Effekt lässt sich alternativ auch per “Farbbrillanz”-Regler manuell zufügen.

Gibt es echte Quellen für Filme mit erweitertem Farbraum?

Ja. Bei Colorworks beispielsweise produziert man bewusst 4k-Fassungen mit dem erweiterten xvYCC-Farbraum. Diese werden für spätere 4k-Distributionswege verwendet – beispielsweise beim Download von 4k-Filmen auf den Mediaplayer Sony FMP-X1. Dieser wird allerdings zunächst nur in den USA und nicht in Europa eingeführt. Bei einer Neufassung des Blu-ray Standards für 4k-Auflösungen kann man ebenfalls davon ausgehen, dass erweiterte Farbräume unterstützt werden. An dieser Stelle bringt Triluminos dann natürlich echte Vorteile.

Was ist Quantum Dot?

Science-Fiction oder Realität? Quantum Dot ist eine sehr interessante Technologie zur Umwandlung von Wellenlängen des Lichts. Aus dem Licht einer blauen LED kann durch speziell angepasste Quantum-Dot-Nanokristalle beispielsweise rotes, grünes oder weißes Licht gemacht werden. Das klingt sehr futuristisch, wird aber tatsächlich bereits in einigen verfügbaren Produkten angewendet. Im Extremfall lassen sich damit auch aus Laserlicht mit nur einer Wellenlänge alle Farben generieren. Weitere Infos gibt es zum Beispiel bei der Herstellerfirma QD Vision.  Die von Sony und QD Vision eingesetzte Technologie ist allerdings ökologisch umstritten – die eingesetzten LEDs enthalten das giftige und als Krebserreger in Verdacht stehende Cadmium. Die neue Schadstoffverordnung ROHS 2 der EU verbietet sogar den Einsatz von cadmiumhaltigen Quantum Dot LEDs ab Juli 2014. Sony merkt hierzu zwar zurecht an, dass geltende Grenzwerte aktuell eingehalten werden und die Konzentration von Cadmium in Millionen von Batterien oder anderen Produkten höher ist. Im Gegensatz zur Hintergrundbeleuchtung besteht bei Batterien auch die Gefahr eines direkten Hautkontakts. Andererseits ist es so, dass andere Hersteller auch deshalb noch nicht mit ähnlichen Technologien auf den Markt gekommen sind, weil die Cadmium-Probleme bestehen.

Der Einsatz von Cadmium in LEDs ist nach der Europäischen Schadstoffverordnung ROHS2 verboten. Eine Ausnahmeregel für farbumwandelende LEDs gilt nur noch bis Juli 2014. Quelle: DIRECTIVE 2011/65/EU OF THE EUROPEAN PARLIAMENT AND OF THE COUNCIL

Der Einsatz von Cadmium in LEDs ist nach der Europäischen Schadstoffverordnung ROHS2 verboten. Eine Ausnahmeregel für farbumwandelende LEDs gilt nur noch bis Juli 2014. Quelle: DIRECTIVE 2011/65/EU OF THE EUROPEAN PARLIAMENT AND OF THE COUNCIL

Der QD Vision-Mitbewerber Nanoco stellt Quantum Dot LEDs mit anderem Herstellungsprozess (crystal seeding statt injection) und ohne Cadmium her und gilt in Analystenkreisen des Börsengeschehens als vielversprechender. Hier ein Referenz-Artikel der Börsennews von ADVFN.  Auch die Financial Times berichtete bereits über Cadmium in den Quantum Dot LEDs.  Ob Sony auf die Nanoco-Technik umschwenkt und was Sony ab Juli 2014 mit aktuellen und neuen TV-Modellen macht, ist indes fraglich. Die möglichen Produktionsmengen bei Quantum Dot sind so gering, dass nur wenige Hersteller und Modellreihen bedient werden können. Sharp, LG und Samsung sowie Philips Lightning werden als Kunden für Nanoco gesehen. QD Vision scheint zwar schneller am Markt zu sein, aber der produktionsbedingte Cadmiumgehalt verbunden mit der Schadstoffverordnung ROHS2 wird die Frima möglicherweise schnell ins Aus spielen. Ist das vielleicht einer der Gründe, warum Triluminos noch keinen klar definierten und kommunizierten Farbraum aufweist?

Wo und wie wird Quantum Dot in aktuellen Sony-Fernsehern eingesetzt?

Wohl aufgrund fehlender Detailinfos ging man anfangs davon aus, dass die Quantum-Dot-Technologie in der RGB-Farbfilterfolie sitzt. Technisch wäre das auch sehr sinnvoll, da aktuell bei jedem Subpixel etwa zwei Drittel des Lichts verloren gehen (zum Beispiel werden für den roten Subpixel grüne und blaue Spektralanteile ausgefiltert). De facto wird Quantum Dot aber aktuell dazu genutzt, das Licht von blauen Leuchtdioden direkt in der LED in weißes Licht mit ausgeglichenem Spektrum umzuwandeln. Dafür sitzt eine kleine Glasscheibe mit den Nanopartikeln direkt vor den seitlich angebrachten LEDs. Das gewandelte Licht beleuchtet dann eine diffuse Scheibe hinter dem eigentlichen LCD-Panel.

Für die Farbqualität und Energieeffizienz dieser Einsatzort der Quantum-Dot Nanopartikel zwar vorteilhaft, ganz so revolutionär und energiesparend wie der Einsatz in der Filterfolie (von der nach den initialen Präsentationen zunächst viele Händler und Fachmagazine ausgingen) ist das aber nicht. Offensichtlich sind die Fertigungsmethoden noch nicht weit genug fortgeschritten beziehungsweise sind die Kosten noch zu hoch, um die Technik direkt in der Farbfilterfolie einzusetzen.

PLAYER.de meint:
Sony bringt im Augenblick viele interessante Technologien zusammen: 4k, erweiterte Farbräume (die wir bei richtiger Umsetzung sehr begrüßen) und innovative Lichterzeugung. Ganz ausgereift ist das Zusammenspiel aber noch nicht und wir verzichten in vielen Fällen lieber auf die Farbraumerweiterung. Für einige der bei Händlern sowie gegenüber der Fachpresse vorgeführten Filmbeispiele für positive Effekte lassen sich ebenso viele Negativbeispiele finden. Sicher werden in naher Zukunft auch andere Hersteller mit erweiterten Farbräumen und innovativen Technologien zur Lichterzeugung auf sich aufmerksam machen und erkennen dabei hoffentlich das verbleibende Potenzial. Zum großen Glück für Heimkino-Fans mit neutralem Bildanspruch lässt sich Triluminos für reguläre HDTV-Quellen über den Farbbrillanz-Regler auch deaktivieren. So kann sich nach einigen Filmen mit und ohne Triluminos jeder selbst sein eigenes Urteil bilden. Wir wünschen uns von Sony (wie von allen anderen Herstellern) eine leicht zugängliche neutrale Voreinstellung, bei der alle Regler auf die neutrale Reproduktion von Bildinhalten gemäß aktueller Sendenormen ausgerichtet sind. Vorbildlich ist in dieser Hinsicht beispielsweise die ZT60-Serie von Panasonic, die einen neutralen EBU-Modus bietet und sich zudem dank erweiterter Anbindung an das Farbkalibriersystem CalMAN exakt einstellen lässt. 

Weiterführende Links:

Beispiel für eine übermäßig positive Darstellung von Sony Triluminos auf Youtube

 

Ähnliche Artikel




Tags