Branchenkenner Ulrich von Loehneysen klärt auf: Die Gerüchte um den Apple iTV mit Ultra-HDTV / 4k sind derzeit noch nicht ernst zu nehmen, anders das Gerücht um den Kauf von Loewe.

Apple iTV und Loewe

Apple-TV? Gibt es längst, zum Beispiel im Hotel Doubletree in Amsterdam. Dort wird ein iMac mit Front-Row-Oberfläche verwendet, für TV, Filme und mehr.

„Apple bereitet mit Foxconn Fernseher mit Ultra-HDTV-Auflösung vor.“ So meldete es Ende März 2013 Digitimes, und wieder schreiben alle Technik-Blogs das ab. Dabei ist das Gerücht weder neu noch irgendwie stichhaltig, auch wenn diesmal sogar Namen von Panel-Lieferanten genannt werden. Falls Apple tatsächlich einen Fernseher bauen wollte, dass wäre die 4k-Auflösung (3.840 x 2.160 oder 4.096 x 2.160) natürlich eine Option, wenn auch längst nicht genug, um ihn dadurch zu etwas Besonderem zu machen – ultra-hochauflösende Panels bei AUO oder Innolux kaufen, das können auch Hisense, Toshiba oder Philips.
Digitimes meldet allerdings, Apple würde LG Display als Lieferant bevorzugen, nicht zuletzt weil andere Hersteller nicht genügen Stückzahlen liefern könnten. Unterstellen wir auch hier, dass etwas daran wahr ist: Dann ist aber wahrscheinlich, dass es sich wieder einmal um neue Monitore handelt, mit denen die Thunderbolt-Display-Serie von Apple nach oben ergänzt werden soll. Solche Monitore mit 32 oder vielleicht sogar 37 Zoll braucht Apple für den kommenden Mac-Pro-Nachfolger; er soll noch im ersten Halbjahr 2013 auf den Markt kommen. Denn der muss natürlich 4k-Videos bearbeiten können, eventuell sogar mit 6k, schließlich arbeiten nicht wenige Hollywood-Produzenten mit Kameras von Sony oder RED, die solche Auflösungen produzieren. Mit dem Thunderbolt-Anschluss auf Displayport-Basis hat Apple schon die Weichen in dieser Richtung gestellt.
Und LG Display kommt höchstwahrscheinlich deswegen ins Spiel, weil Sharp immer noch nicht die versprochende Massenproduktion auf IGZO-Basis ans Laufen bekommen hat; der 4k-Monitor PN-K321 wird nun von Sharp selbst vermarktet, allerdings in sparsamer Dosierung. Technisch gesehen wäre IGZO für die TFT-Schaltung natürlich überlegen, aber es geht auch ohne. Weshalb als Lieferant für die 4k-Thunderbolt-Displays nun wohl Korea statt Japan zum Zuge kommt.
Dass dieser Apple iTV daher wie ein „großes Cinema-Display“ aussieht, wie Golem meldet, ist nur logisch: Er ist ein großes Cinema-Display.

Apple und Foxconn

„Foxconn bereitet sich auf Apple-TV-Produktion vor.“ Foxconn-Chef Terry Gou wurde schon im Mai 2012 mit der Aussage zitiert, seine Firma stelle sich auf die Produktion eine Apple-Fernsehers ein. Wer, so die Schlussfolgerung in vielen Web-Postings, wenn nicht der Chef vom Apple-Hoflieferanten müsste das am besten wissen? Dabei ist diese Aussage, auch wenn sie schwach dementiert wurde, der Beweis des Gegenteils: Denn wenn Apple tatsächlich einen derartigen Produktionsauftrag an Foxconn vergeben hätte, dann würde sich Herr Gou eher die Zunge abbeißen, also eine solche Aussage zu treffen. Gemeint hat er offenbar: Wir würden es sehr begrüßen, wenn Apple ein solches Produkt in Auftrag geben würde und wären bereit dafür.
Was kein Wunder ist: Als TV-Hersteller hängt Foxconn immer noch hinter dem Konkurrenten TPV zurück, dem größen OEM-Produzenten der Welt. Zu allem Überfluss hat auch Hauptauftraggeber Sony seine Stückzahlen bei Foxconn drastisch heruntergefahren – da wäre ein Apple-Kontingent natürlich die perfekte Ergänzung.

Apple und Loewe

„Apple will Loewe übernehmen.“ Was um Gottes willen sollte der Gigant aus Cupertino mit einem Zwerg aus Kronach? Braucht man die Produktionsanlagen in Oberfranken? Kann man das Design nicht selber? Alles gute Fragen, aber dennoch ist das eines der wenigen Gerüchte, die Sinn ergeben – für den Fall, dass Apple wirklich ins TV-Geschäft einsteigen würde. Für einen geschätzten Kaufpreis von rund 50 Millionen Euro (inklusive Aufschlag auf den aktuellen Börsenkurs) könnte niemand eine komplette Smart-TV-Software entwickeln, die weltweit einsetzbar ist, bereits sauber funktioniert und gut zu bedienen ist. Wie zum Beispiel muss man programmieren, wenn ein TV-Tuner ein DVB-T2-Signal empfängt, damit man die noch laufende Aufzeichnung im Wohnzimmer bereits während dessen im Schlafzimmer zu Ende anschauen kann? Wie verbindet man HbbTV mit einer App fürs Tablet? Was macht man mit CI+-Aufzeichnungen auf USB-Festplatte? In USA wird man wohl kaum freie Software-Entwickler finden, die sich damit schon auseinandergesetzt haben, genauso wenig in Taiwan.
Aber man findet sie im Kronach. Dass Marke, Werk und Design von Loewe dann nicht weiter benötigt werden, kümmert das jemanden in Kalifornien?

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