DVB-T2-Start in Österreich

In Österreich werden bald 40 TV-Sender über DVB-T2 verbreitet.

Rund zwei Jahre nach dem Start des DVB-T2-Testbetriebs (PLAYER.de berichtete), geht Österreich nun mit dem neuen Standard für das digitale Antennenfernsehen auf Sendung. Darüber sollen zu Beginn insgesamt 40 TV-Programme empfangbar sein, neun davon in HD-Auflösung.

Das HDTV-Angebot umfasst neben den – nach einer Registrierung frei empfangbaren – landeseigenen Sendern ORF 1 HD, ORF 2 HD und ServusTV HD auch Das Erste HD, ZDF HD, RTL HD, ProSieben HD, Sat.1 HD und VOX HD. Letztere werden jedoch verschlüsselt ausgestrahlt: Um in den Genuss der vollen Programmvielfalt zu kommen, ist eine Art Pay-TV-Abo erforderlich. Dieses vermarktet der Betreiber ORS (Österreichische Rundfunksender) unter dem Namen “simpliTV”. Der Preis soll Medienberichten zufolge bei etwa zehn Euro pro Monat liegen.

Logo der ORS (Österreichische Rundfunksender)

Das simpliTV-Angebot für den DVB-T2-Empfang wird von der ORS vertrieben.

Bei den restlichen 31 (SD-)Programmen handelt es sich in erster Linie ebenfalls um deutsche Privatsender, die übrigens zum Großteil kostenlos via Satellit empfangbar sind. Ob die Aufnahme von Sendungen mit Restriktionen wie die zeitlich begrenzte Wiedergabe oder dem Vorspulverbot verbunden ist, welche typischerweise vor allem die RTL-Mediengruppe für ihre HD-Kanäle fordert, steht derzeit nicht fest.

Wer das simpliTV-Angebot nutzen möchte, benötigt entweder eine spezielle Set-Top-Box oder ein CI+-Modul – etwa für den Einsatz in einem kompatiblen Fernseher oder Receiver. Zusätzlich wird eine Aktivantenne mit LTE-Filter angeboten, die direkt im Raum aufgestellt wird. Den Empfangsgeräten liegt ein Anmeldeformular für simpliTV bei. Deutsche Nutzer dürften davon jedoch kaum profitieren, zumal ORS hauptsächlich die Ballungsräume in Österreich mit DVB-T2-Signalen versorgt. Außerhalb der größeren Städte soll immerhin eine Abdeckung von knapp 89 Prozent erreicht werden.

Dr. Alfred Grinschgl

Dr. Alfred Grinschgl, Geschäftsfhürer der RTR-GmbH für den Fachbereich Medien, sieht im DVB-T2-Standard einen großen Nutzen für das Publikum. (Bild: © Christof Wagner / RTR)

Dr. Alfred Grinschgl, Geschäftsführer des Fachbereichs Medien der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR), erklärt: “Mit der Einführung von DVB-T2 in Österreich erfährt die terrestrische Verbreitung des Fernsehens eine dramatische Ausweitung an Programm- und Meinungsvielfalt, die für jedermann einfach über die Antenne zu empfangen ist. Ganz anders sieht es in Deutschland aus, wo die Terrestrik seit der Ankündigung der RTL-Gruppe, aus DVB-T auszusteigen, im wahrsten Sinne des Wortes auf der Kippe steht.”

Der offizielle Start des neuen digitalen Antennenfernsehens in Österreich erfolgt am 15. April 2013. Die bisherigen Betriebslizenzen für DVB-T sollen im Herbst 2016 auslaufen. Bei der Neuvergabe ist eine Erweiterung des DVB-T2-Angebots geplant. Dazu Dr. Susanne Lackner, Mitglied der Medienbehörde KommAustria: “Die Neuausschreibung der heute für DVB-T genutzten Übertragungskapazitäten ist vermutlich die größte Herausforderung an die terrestrische Digitalisierung des gegenwärtigen Jahrzehnts. Ihr Gelingen kann getrost als Überlebensfrage für die Terrestrik bezeichnet werden [...].”

Für die Zukunft des DVB-T2-Standards seien auch der Empfang auf Mobilgeräten, der HbbTV-Zugriff sowie diverse Video-on-Demand-Dienste nicht auszuschließen.

PLAYER.de meint:
Während hierzulande noch immer über DVB-T2 diskutiert wird und manche Sender die terrestrische Verbreitung ihrer Kanäle sogar komplett einstellen wollen, machen unsere Nachbarn bereits Nägel mit Köpfen – obwohl das in München ansäßige Institut für Rundfunktechnik (IRT) und die Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) vor der ORS entsprechende Testläufe gestartet haben. Mit zehn Euro pro Monat ist das simpliTV-Angebot preislich jedoch weniger attraktiv als die HD+-Plattform von Astra. Bleibt abzuwarten, ob der Betreiber tatsächlich an den überzogenen Gebühren festhält.

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