Nikon D600 im Test

DSLR-Kamera: Nikon D600 im Test

Angefangen, wo das DX-Format aufhört: Nikon hat mit der D600 seine kleinste und leichteste digitale Spiegelreflexkamera mit Vollformatsensor auf den Markt gebracht. Macht sie der Preis von 2.149 Euro zu einer günstigen Alternative zur D800 oder muss man schwerwiegende Abstriche hinnehmen?

Bildete bislang die D7000 die Speerspitze von Nikons Consumer-Reihe, übernimmt nun die D600 die Führung. Zu Recht! Schließlich verfügt sie nicht nur über einen Vollformatsensor mit stattlichen 24,3 Millionen Bildpunkten, sondern hat zudem die aus den Profimodellen bekannte Bildverarbeitungs-Engine „Expeed 3“ und den Full-HD-Videomodus mit anpassbarem Sensorfeld spendiert bekommen.

Stefan Schmitt, Produktmanager für SLR-Systeme bei Nikon ist überzeugt: „Viele ambitionierte Hobbyfotografen haben genau darauf gewartet. Die Tatsache, dass die Kamera einige der neuesten Technologien von unseren Profikameras geerbt hat, bedeutet, dass sie in ihrem Segment wirklich neue Maßstäbe setzt.“

Magnesiumgehäuse der Nikon D600 mit Batteriegriff

Sowohl die Kamera als auch der Batteriegriff verfügen über ein robustes Gehäuse aus Magnesiumlegierung – perfekt für Outdoor-Einsätze.


 
 
Vorgestelltes Produkt:
Nikon D600 SLR-Digitalkamera (24,3 Megapixel, 8,1 cm (3,2 Zoll) Display, Full HD, Live View) nur Gehäuse schwarz
Aktueller Amazon-Preis: EUR 1.349,95


 

Vorteile der Nikon D600 im Überblick:
+ exzellente Bildqualität mit geringem Rauschen
+ flotter Autofokus (optischer Sucher)
+ viele Einstelloptionen
+ integrierter Blitz
+ einfache Bedienung
+ hochwertige Verarbeitung

Nachteile der Nikon D600 im Überblick:
- keine Blendeneinstellung in Videoaufnahmen
- teilweise verzögerte Bedienung
- träger Autofokus im Live-View

Nikon D600 | Technik

Bildsensor der Nikon D600

Die Nikon D600 löst genauso hoch auf wie das Einstiegsmodell D3200, doch verteilen sich die 24,3 Megapixel auf einem 35,9 x 24 Millimeter großen Sensor.

Letztere Aussage trifft buchstäblich auf den CMOS-Chip zu: Zwar bietet er in etwa die gleiche Auflösung wie die deutlich günstigere Einsteiger-DSLR D3200, doch liegt seine wahre Stärke – man kann es nicht oft genug sagen – im Voll- beziehungsweise FX-Format. Die große Sensorfläche von 35,9 x 24,0 Millimetern ermöglicht dabei ein beeindruckendes Spiel mit der Schärfentiefe bei gleichzeitig reduziertem Rauschen.

Hier steht der eingangs erwähnte Expeed-3-Prozessor dem Bildsensor über den gesamten ISO-Empfindlichkeitsbereich von 50 bis 25.600 (erweitert; regulär von 100 bis 6.400) unterstützend zur Seite. Seine 16-Bit-Bildverarbeitung garantiert darüber hinaus einen extrem großen Detailreichtum sowie Tonwert- und Farbumfang – laut Nikon selbst bei Aufnahmen im JPEG-Modus. Für RAW-Fotos (NEF-Datei) lässt sich wahlweise eine Farbtiefe von zwölf oder 14 Bit einstellen.

Im Serienbildmodus knipst die D600 bis zu fünfeinhalb Bilder pro Sekunde. Zum Vergleich: Die übergeordnete D800 schafft maximal vier, was aber der gut 50 Prozent höheren Auflösung zu schulden ist. Hinzu kommt, dass der Verschluss der großen Schwester 200.000 statt 150.000 Auslösungen überlebt. Ebenso öffnet und schließt dieser binnen einer Achttausendstelsekunde, während die Belichtungszeit beim kleineren Modell nur von einer Viertausendstelsekunde bis zu einer halben Minute reguliert werden kann.

Verschlusseinheit der Nikon D600

Die Verschlusseinheit der D600 ist laut Nikon auf 150.000 Auslösungen ausgelegt.

Die Scharfstellung übernimmt das Multi-CAM 4800 genannte Autofokus-System mit 39 Messfeldern. Zur Reduzierung von Verwacklungsunschärfen benötigt die Kamera ein bildstabilisierendes Objektiv, welches in der Regel mit der Abkürzung „VR“ (Vibration Reduction) gekennzeichnet ist.

Der Anschluss von Wechseloptiken erfolgt über das hauseigene F-Bajonett, wobei im Test zwei verschiedene Linsensysteme zum Einsatz kamen: Einmal das im 2.699 Euro teuren Kit enthaltene Standardzoom AF-S Nikkor 24-85mm 1:3.5-4.5G ED VR sowie die aktuelle Festbrennweite AF-S Nikkor 85mm 1:1.8G, die dank ihrer hohen Lichtstärke ein „perfektes Gleichgewicht aus Schärfe und Bokeh“ verspricht.

Für die Motivkontrolle steht neben dem optischen Sucher mit kompletter Bildfeldabdeckung ein 921.000 Pixel auflösendes 3,2-Zoll-Display bereit. Ambitionierte Filmer haben die Möglichkeit, das Live-View-Signal über den HDMI-Ausgang unkomprimiert mit 1080p an ein externes Aufnahmegerät auszugeben. Auch sonst macht die Videofunktion einen professionellen Eindruck.

Nikon D600 mit externem Stereomikrofon ME-1

Tonaufnahmen in Perfektion: Wer seine Videos nicht in Mono hören will, kann zum Beispiel das externe Stereomikrofon Nikon ME-1 an die D600 anschließen.

Anders als bei der ebenfalls von uns getesteten Sony α99 lassen sich Full-HD-Clips zwar mit maximal 30 (statt 60) Vollbildern pro Sekunde aufzeichnen, doch kann man dafür entweder im vollen FX- oder im APS-C-ähnlichen DX-Format (1,5-fache Vergrößerung) filmen, was eine große gestalterische Freiheit eröffnet – zum Beispiel sind auf diese Weise FX-inkompatible Objektive verwendbar.

Um die Tonaufnahme kümmert sich das eingebaute Monomikrofon, doch ist über den Audioeingang auch ein Stereomikrofon oder ein PCM-Recorder anschließbar. Der Pegel kann sogar manuell justiert werden, wobei der Kopfhörerausgang eine besonders präzise Abstimmung erlaubt.

Eine Stromversorgungsschnittstelle, je eine Blitzsynchron- und Fernauslöserbuchse sowie ein USB-Port komplettieren die Anschlussmöglichkeiten der D600. Letzterer ermöglicht unter anderem die Fernsteuerung der Kamera mittels Smartphones oder Tablet-PC (siehe Praxistest des Nikon WU-1b am Ende dieses Artikels).

Anschlüsse der Nikon D600

Neben je einem Audio-Ein- und -Ausgang verfügt die D600 auch über eine USB-Schnittstellen, einen HDMI-Port sowie eine Buchse für den optionalen GPS-Empfänger GP-1.

Expeed-3-Bildprozessor der Nikon D600

Der Bildprozessor „Expeed 3“ kommt auch in Nikons Spitzenmodell D4 zum Einsatz, wobei die D600 nur bis zu fünfeinhalb statt elf Serienbilder pro Sekunde schafft.

Nikon D600 | Bedienung

Im Gegensatz zu den Nikon-DSLRs der Professional-Reihe verfügt die D600 über ein klassisches Modus-Wahlrad, so dass das gewünschte Belichtungsprogramm direkt ausgewählt werden kann. Darauf findet sich sogar eine Vollautomatik, in welcher die Kamera sämtliche Einstellungen selbstständig vornimmt – ein für die Zielgruppe eher uninteressantes Feature.

Die „Individualfunktionen“ hingegen sind ein gefundenes Fressen, lassen sich darüber doch unter anderem der Autofokus und das Blitzgerät konfigurieren sowie einige Bedienelemente persönlich belegen. Allerdings vermissen wir ein wenig die Grafiken wie bei der D800, welche die Position der jeweiligen Taste zeigen.

Speicherkartenslots der Nikon D600

Doppelter Speicher: Die Nikon D600 legt JPEGs und RAWs auf Wunsch separat auf zwei SD-Karten ab. Alternativ lässt sich die zweite als Reserve oder für Sicherungskopien verwenden.

Im Vergleich zur Sony α99 fehlen außerdem zusätzliche Betriebsarten für die SD-Kartenslots. So ist das zweite Fach wahlweise als Reserve, für Sicherungskopien oder zur separaten Speicherung der JPEGs nutzbar, während die Konkurrentin auf Wunsch auch Fotos und Videos getrennt ablegt. Das gleicht sich aber insofern aus, als dass die D600 automatisch erkennt, in welchen der beiden Slots man eine Karte steckt.

Diese sowie weitere wichtige Informationen – zum Beispiel die Anzahl der verbleibenden Bilder, die festgelegten Aufnahmeparameter und der Fokusmodus – werden in der oberen LCD-Anzeige und bei Betätigen der Info-Taste zusätzlich im Live-View-Display eingeblendet. Der Monitor selbst liefert ein angenehm helles sowie scharfes Bild, könnte jedoch etwas schneller reagieren.

Nikon D600 mit Batteriegriff MB-D14

Höhere Ausdauer: Für längere Shootings empfiehlt sich der optionale Batteriegriff MB-D14, welcher die Akkulaufzeit der D600 mindestens verdoppelt – entweder mit einem zusätzlichen Akku oder sechs AA-Batterien.

Die träge Schaltzeit stört vor allem beim manuellen Fokussieren, da der Nutzer den Schärfepunkt nicht selten erst nach mehreren Anläufen findet. Der HDMI-Stream ist sogar nochmals verzögert, was sich angesichts der scharfen 1080p-Ausgabe verschmerzen lässt.

Abgesehen davon brilliert die D600 mit einem hohen Arbeitstempo: Angefangen bei der flüssigen Navigation durch das Menü über die schnelle Fokussierung bis hin zur kurzen Auslöseverzögerung. Wertvolle Zeit verlieren allenfalls Filmer, zumal sie erst den Wählschalter auf das Videokamera-Symbol stellen und anschließend den Live-View-Modus aktivieren müssen, bevor die Aufnahme mit Betätigen der roten Taste auf der Oberseite beginnt.

Immerhin stellen die beiden getesteten Nikkor-Objektive dank ihres Ultraschallmotors relativ leise scharf, was aber nicht heißt, dass sie auf der Tonspur unhörbar sind. Sowieso sollte man lieber von Hand fokussieren, da der während des Filmens aktive Kontrast-AF oftmals pumpt.

Ferner empfiehlt sich eine Optik mit Blendenring, da die Blende im Videomodus nicht über die DSLR festgelegt werden kann – einzig die Belichtungskorrektur steht in der Programmautomatik sowie der Zeit- und Blendenvorwahl weiterhin zur Verfügung. Verschlusszeit und ISO-Wert hingegen sind ausschließlich im manuellen Programm einstellbar. Der Mikrofonpegel und der Weißabgleich wiederum lassen sich mit wenigen Handgriffen anpassen.

Oberseite der Nikon D600

Anders als die Nikon D800, verfügt die D600 über ein klassisches Modus-Wahlrad, welches sogar eine Vollautomatik bietet. Darunter befindet sich der „Aufnahmebetriebsartenwähler“, über den zum Beispiel die Spiegelvorauslösung oder die Serienbildfunktion aktiviert werden kann.

Die D600 ist mit Abmessungen von 141 x 113 x 82 Millimetern (B x H x T) zwar nur unwesentlich kompakter als ihre große Schwester, wiegt allerdings beachtliche 150 Gramm weniger (rund 850 Gramm inklusive Akku sowie zwei SD-Karten) und bietet dank der ausgeprägten, gummierten Griffwulst einen ebenso hohen Tragekomfort.

Als Energiespender kommt – wie in der D800(E) – das Lithium-Ionen-Modell EN-EL15 zum Einsatz, wobei die Laufzeit mithilfe des Batteriegriffs MB-D14 (bestückt mit einem weiteren Akku oder sechs AA-Batterien) deutlich verlängert werden kann.

Rückseite der Nikon D600

Das 3,2-Zoll-Display der D600 löst 921.000 Pixel auf und blendet bei Betätigen der Info-Taste eine Übersicht der Kameraeinstellungen ein. Diverse Funktionen können dabei sogar direkt angepasst werden.

Szenenmodus der Nikon D600

Neben der Vollautomatik ist auch ein Szenenmodus an Bord, in dem die Nikon D600 passende Aufnahmeparameter für diverse Motivsituationen bereithält. Die Wahl erfolgt über das hintere Rändelrad.

Auswahl des Bildfeldes im Menü der Nikon D600

Vollformat oder Halbformat? Obwohl die D600 über einen CMOS-Chip im FX-Format verfügt, lässt sich die Sensorfläche bei Bedarf auf 24 x 16 Millimeter verkleinern (1,5-facher Crop-Faktor).

RAW-Einstellungen bei der Nikon D600

Ebenso wie ihre große Schwester, schießt die D600 die RAW-Fotos wahlweise mit einer Farbtiefe von zwölf oder 14 Bit. Unabhängig davon werden die Bilder als NEF-Datei abgespeichert.

Von der Nikon D600 unterstützte HDMI-Auflösungen

Gespeicherte Aufnahmen der D600 erscheinen höchstens in 1080i-Qualität auf einem Fernseher oder der Leinwand. Das Live-View-Signal hingegen gibt die Kamera unkomprimiert mit 1080p aus.

"Eigenes Menü" der Nikon D600

Um schnellen Zugriff auf oft genutzte Funktionen zu erhalten, können diese in einem Menü zusammengefasst werden – leider klappt dies nicht bei Belichtungsreihen und Blitzeinstellungen.

Von der Nikon D600 unterstützte Aufnahmeraten im Videomodus

Full-HD-Videos lassen sich mit maximal 30 Vollbildern pro Sekunde aufzeichnen. Filmt man im 720p-Standard (1.280 x 720 Pixel), schafft die Nikon D600 eine doppelt so hohe Bildfrequenz.

Nikon D600 | Kreativprogramme

In puncto Kreativität lehnt sich die D600 vielmehr an ihre kleineren Schwestern wie die D7000 oder D5100 als an die Spitzenmodelle der Professional-Reihe an. Das unterstreicht beispielsweise die bereits angesprochene Vollautomatik, die sämtliche Einstellungen selbstständig vornimmt und bei Bedarf sogar den internen Aufhellblitz (Leitzahl zwölf) ausklappt.

Ausklappblitz der Nikon D600

Im Gegensatz zu den Profimodellen des Erzrivalen Canon, verfügen sowohl die Nikon D800 als auch die kleinere Schwester über einen ausklappbaren Aufhellblitz mit Leitzahl 12. Das FX-Symbol rechts unten weist auf den Vollformatsensor hin.

Ebenfalls auf Einsteiger zielt der Szenenmodus mit gleich 19 Motivprogrammen ab: Angefangen beim obligatorischen Trio „Porträt“, „Sport“ und „Landschaft“ über diverse Modi für Aufnahmen in der Dämmerung oder bei Nacht bis hin zu kreativen Effekten wie „Silhouette“, „High Key“ und „Low Key“ hält die Kamera für nahezu jede Motivsituation die richtigen Aufnahmeparameter bereit.

Für dezente Farbanpassungen in den PSAM-Modi stehen neben dem werksseitig voreingestellten „Standard“ fünf weitere Picture-Control-Konfigurationen zur Verfügung („Landschaft“, „Porträt“, „Monochrom“, „Brillant“ und „Neutral“), wobei jede davon unter anderem in der Scharfzeichnung, der Helligkeit und der Sättigung modifizieren werden kann.

Das „Active D-Lighting“-Feature zur Kontrastoptimierung sowie die HDR-Automatik, die zwei unterschiedlich belichtete Fotos zu einem Bild mit höherem Dynamikumfang kombiniert, sind ebenfalls an Bord. Funktionen für Intervall- und Zeitrafferaufnahmen, die in einem vorher definierten Zeitraum einzelne Bilder schießen beziehungsweise diese danach in einer Filmdatei zusammenfassen, runden die Kreativoptionen ab.

Mit der Nikon D600 fotografierte Stadtkulisse

Stadtkulisse im Alpenvorland: Die Nikon D600 punktet mit hohem Dynamikumfang und sauberer Kontrastwiedergabe, während sich das Rauschen in Grenzen hält.

Das ist aber noch nicht alles: Die D600 verfügt – wie alle aktuellen DSLRs von Nikon – über ein Bildbearbeitungsmenü. Dieses umfasst verschiedene Korrekturfunktionen wie eine Rote-Augen-, Verzeichnungs- und Perspektivenkorrektur, selektive Farbfilter sowie je ein Schneidewerkzeug für Fotos und Videos, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Ebenso lassen sich Bilder ausrichten, zwei Fotos zu einem kombinieren und Farbanpassungen vornehmen.

Wer kein Tilt-Shift- und Fisheye-Objektiv besitzt, kann auf einen digitalen Miniatur- beziehungsweise Fischaugeneffekt zurückgreifen, wobei diese nur auf das JPEG-Foto angewendet werden. Das gilt übrigens für alle Optionen außer „Bildmontage“ und „NEF-(RAW-)Verarbeitung“. Letztere fungiert als interner RAW-Konverter und ermöglicht so eine schnelle Bearbeitung der Rohdaten direkt auf der Kamera. Nichtsdestotrotz ist im Lieferumfang auch die Software „ViewNX 2“ mit den wichtigsten Foto- und Video-Werkzeugen enthalten.

Nikon D600 | Bildqualität

Wildert die D800(E) mit ihren 36 Millionen Bildpunkten schon teilweise im Revier der Mittelformatkameras, hält sich die kleine Schwester in dieser Disziplin eher zurück – sofern man 24,3 Megapixel überhaupt als zurückhaltend bezeichnen kann. Zwar fällt dadurch jeder einzelne Pixel größer aus, was einerseits Abstriche bei der Detailtreue und dem allgemeinen Auflösungsvermögen bedeutet, andererseits aber ein besseres Rauschverhalten erwarten lässt.

Die Nikon D600 punktet mit einem guten Rauschverhalten

Aus Katzensicht: Selbst in dunkler Umgebung und mit hohen ISO-Werten (hier: 5.600) schießt die D600 noch helle, saubere Fotos.

De facto sind bis ISO 6.400 keine nennenswerten Störungen festzustellen, so dass die D600 qualitätstechnisch auf Augenhöhe mit der Canon EOS 5D Mark III liegt. Zum Vergleich: Die D800 zeigte bereits bei ISO 3.200 leichte Körnungen. Selbst die erste ISO-Erweiterungsstufe, die einem Wert von 12.800 entspricht, gestattet noch einigermaßen saubere Ausdrucke.

Der Dank hierfür gebührt nicht zuletzt dem leistungsfähigen Expeed-Bildprozessor, der mittels 16-Bit-Bildverarbeitung zusätzlich für einen tollen Dynamikumfang sorgt. Allenfalls JPEGs mit starken Kontrastunterschieden weisen leichte Detailverluste auf. In 14-Bit-RAWs ist davon rein gar nichts zu sehen. So werden selbst feine Farb- und Helligkeitsabstufungen perfekt differenziert. Die Farbwiedergabe an sich gelingt sehr gut, wenn auch Blau- und Grüntöne aus unserer Sicht etwas flau wirken.

Fotografen, die das Potenzial von Nikons kleinster und leichtester Vollformatkamera ausschöpfen möchten, sei allerdings ein anderes Objektiv als die Kitoptik AF-S Nikkor 24-85mm 1:3.5-4.5G ED VR empfohlen. Sie liefert nämlich nur im Bildzentrum eine respektable Auflösung, während am Rand Unschärfen, Verzeichnungen und Vignettierungen zum Vorschein kommen. Die Festbrennweite AF-S Nikkor 85mm 1:1.8G hingegen punktet über den gesamten Bildbereich mit einer makellosen Abbildung.

Beispielfoto für das hohe Auflösungsvermögen der Nikon D600

Mit 24,3 Megapixeln bietet die D600 zwar ein kleineres Auflösungsvermögen als die D800, doch ist es für detailreiche und scharfe Fotos mehr als ausreichend – zum Beispiel sind in der 100-Prozent-Ansicht sogar einzelne Wassertropfen auf den Entenfedern zu sehen.

Ausschnittvergrößerung eines Fotos der Nikon D600

Auch für Ausschnittvergrößerungen verfügt die D600 noch über genügend Ressourcen. Ihre Durchzeichnung ist nahezu perfekt.

Beim Videomodus der D600 leistet sich Nikon – wie unter „Bedienung“ erklärt – einen schweren Fauxpas: Anders als bei der D800, ist die Blende während der Aufnahme nicht veränderbar. Das schränkt die gestalterischen Möglichkeiten ein, hat sonst jedoch keine Auswirkungen auf die Videoqualität. Konkret besticht diese durch eine erstklassige Schärfe mit 1080p und akkurate Farben.

Wen der im Vollformat übliche kleine Schärfentiefebereich stört, kann ihn mit der Umschaltung des Bildausschnitts vom FX- auf das DX-Format ein wenig erweitern, wobei dadurch auch das Bild um den Faktor 1,5 vergrößert wird (virtuelle Brennweitenverlängerung). Rolling-Shutter-Effekte beziehungsweise Verzerrungen treten kaum in Erscheinung.

Wie die große Schwester, neigt auch die D600 in sehr schnellen Motivbewegungen gelegentlich zu Rucklern, was unter anderem an der recht niedrigen Datenrate von 22 bis 24 Megabit liegt. Videoaufnahmen in der Dämmerung oder unter schlechten Lichtbedingungen gelingen dank der niedrigen Rauschanfälligkeit umso besser. So haben selbst hohe ISO-Werte keine nennenswerten Qualitätsverluste zur Folge.

Der Klang des internen Monomikrofons überzeugt weniger, doch schafft hier ein externes Stereomikrofon wie etwa das optional erhältliche Nikon ME-1 Abhilfe. Im Großen und Ganzen werden ambitionierte Filmer mit der DSLR also genauso glücklich wie Fotografen – nur eben, dass erstere auf weiteres Zubehör angewiesen sind.

Mit der Nikon D600 geschossenes Portrait

Das neben dem Kitobjektiv verwendete AF-S Nikkor 85mm 1:1.8G zeichnet sich dank der hohen Lichtstärke vor allem in Portraits durch eine originalgetreue Abbildung mit ansprechendem Bokeh aus.

Praxistest: Nikon WU-1b – und “App” geht’s!

Nikons Funkadapter WU-1b

Nikons Funkadapter WU-1b ist nur minimal größer als ein Fingernagel. Bei Nichtgebrauch kann man ihn in das mitgelieferte Etui stecken, das sich wiederum am Tragegurt der Kamera befestigen lässt.

Nikon macht den Verzicht auf GPS und WLAN insofern wieder gut, dass die D600 in Verbindung mit dem optionalen Funkadapter WU-1b über Smartphones oder Tablets ferngesteuert werden kann. Die Koppelung ist in der Bedienungsanleitung allerdings recht kompliziert beschrieben. Dabei muss auf dem mobilen Endgerät lediglich die App „Wireless Mobile Utility“ (kostenlos erhältlich im Apple App Store sowie Google Play Store für das Android-Betriebssystem) installiert und anschließend nach dem Kameranamen in den WLAN-Netzen gesucht werden – vorausgesetzt, man hat zuvor die WPS-Taste am Funkmodul betätigt. So gesehen fungiert die DSLR als eine Art Router.

Ist die Verbindung hergestellt, lässt sich das Handy respektive Tablet wahlweise als externes Display oder als Fernauslöser mit Live-View-Bild und Touch-Fokussierung nutzen. Ebenso können Bilder von der Kamera übertragen sowie ins Internet geladen und mit Freunden geteilt werden. Die Signalstärke ist in unmittelbarer Nähe exzellent, lässt aber bereits aus wenigen Metern Entfernung nach, so dass etwa die Vorschau stark ruckelt.

Leider sind die Aufnahmeparameter nicht direkt über das Mobilgerät einstellbar. Bei sich ändernden Lichtverhältnissen kommen also primär automatische Belichtungsprogramme infrage. Zudem stehen die Funktionen nur im Fotomodus zur Verfügung – Videoaufnahmen werden nicht unterstützt.

Fazit: Das Funkmodul Nikon WU-1b ist eine einfache und mit 59 Euro relativ günstige Alternative zum mechanischen Fernauslöser – obendrein macht die Steuerung der D600 auf diese Weise viel Spaß. Etwas schade finden wir nur die eingeschränkte Funktionalität (keine Einstelloptionen und Videoaufzeichnung). Laut Hersteller kommt der Adapter übrigens auch mit der D3200 zurecht.

PLAYER.de-Testurteil: Sehr gutPLAYER.de meint:
Bei Nikon könnte ein hausinterner Konkurrenzkampf aufflammen. Schließlich liegt die D600 fast auf Augenhöhe mit der wesentlich teureren D800. Den Käufer dürfte es auf jeden Fall freuen, bekommt er für 2.149 Euro doch eine relativ handliche und solide verarbeitete Vollformatkamera mit erstklassiger Ausstattung. Die Bildqualität lässt in der Praxis keine Wünsche offen, wenn auch die große Schwester 50 Prozent mehr Auflösung und damit eine höhere Detailschärfe bietet. Das Bedienkonzept wurde von den kleineren Modellen übernommen, so dass Amateure und Profis gleichermaßen schnell zurechtfinden. Ambitionierte Videofilmer hingegen müssen ein paar Abstriche wie den etwas trägen Autofokus im Live-View sowie die fehlende Blendeneinstellung während der Aufnahme hinnehmen. Dafür können die Bildsignale unkomprimiert via HDMI ausgegeben werden. Alles in allem hat sich die Nikon D600 das PLAYER.de-Qualitätssiegel „Sehr gut“ also redlich verdient.

Nikon D600

Preis lt. Hersteller: 2.149,- Euro (nur Gehäuse)
AUSSTATTUNG
Sensor/Auflösung: CMOS mit 24,3 Megapixeln
Objektiv (fest eingebaut): F-Bajonett; getestet mit AF-S Nikkor 24-85mm 1:3.5-4.5G ED VR und AF-S Nikkor 85mm 1:1.8G, Brennweite: 24 – 85 mm bzw. 85 mm (KB)
ISO: 50 bis 25.600
Verschlusszeiten: 1/4.000 bis 30 Sekunden (+ Bulb-Modus)
LC-Display: 3,2 Zoll (921.000 Pixel)
Besonderheiten: Vollformatsensor mit 24,3 Megapixeln, verschiedene Bildformate bei Full-HD-Videos, Magnesiumgehäuse, zwei SD-Kartenslots, über Smartphone fernbedienbar (Adapter erforderlich)
BEWERTUNG
Technik: 5 von 5 Punkten
Bedienung: 3,5 von 5 Punkten
Kreativprogramme: 5 von 5 Punkten
Fotoqualität: 5 von 5 Punkten
Videoqualität: 4,5 von 5 Punkten
PLAYER.de GESAMTWERTUNG Sehr gut

Ähnliche Artikel




Tags