Sony α99 im Test

SLT-Kamera: Sony α99 im Test

Sony hat ein neues Alphatier – buchstäblich: Die α99 ist die erste Vollformatkamera mit teildurchlässigem Spiegel. Wie gut schlägt sich das rund 2.800 Euro teure Flaggschiff ohne optischen Sucher, aber mit neuem AF-System sowie verbessertem Full-HD-Videomodus im professionellen Einsatz?

Wohin man auf bedeutenden Sportveranstaltungen, professionellen Fotoshootings oder glamourösen Festlichkeiten auch blickt: In aller Regel knipsen die Fotografen mit Spiegelreflexkameras von Canon oder Nikon. Das könnte sich aber bald ändern. Schließlich hat Sony mit der brandneuen und ersten Vollformat-SLT α99 eine ernstzunehmende Konkurrenz zur EOS 5D Mark III beziehungsweise D800 auf den Markt gebracht – günstiger als die beiden Platzhirsche ist sie allemal. Der eigens für das Flaggschiff entwickelte 24-Megapixel-Sensor garantiert im Zusammenspiel mit dem BIONZ-Prozessor eine bislang unerreichte Bildqualität sowie bis zu sechs Serienbilder pro Sekunde. Auf knackscharfe Full-HD-Videos muss man nicht verzichten, zumal der Autofokus kontinuierlich nachgeführt werden kann.

Teildurchlässiger Spiegel der Sony α99

Kompromissbereit? Durch den teildurchlässigen Spiegel der Sony-SLTs gelangen 20 bis 30 Prozent weniger Licht zum Bildsensor als bei einer DSLR oder einer spiegellosen Systemkamera.


 
 
Vorgestelltes Produkt:
Sony SLT-A99V SLR-Digitalkamera (24,3 Megapixel, 7,6 cm (3 Zoll) Display, Full HD-Video-Funktion, Live View) schwarz
Aktueller Amazon-Preis: EUR 1.899,00


 

Vorteile der Sony SLT-A99 (α99) im Überblick:
+ exzellente Bildqualität mit geringem Rauschen
+ schneller Autofokus
+ Full-HD-Videos in 1080/60p
+ scharfes Sucherbild
+ viele Einstellmöglichkeiten
+ robustes Gehäuse

Nachteile der Sony SLT-A99 (α99) im Überblick:
- hohes Gewicht
- kein interner Aufhellblitz
- umständliche Auswahl der Fokuspunkte

Sony SLT-A99 (α99) | Technik

Galt Sonys SLT-Technologie (Single-Lens Translucent) die letzten zwei Jahre noch als Trenderscheinung, ist sie spätestens mit Einführung der gehobenen Modelle α65 und α77 zu einer authentischen Spiegelreflex-Alternative geworden. Die erste Vollformatkamera mit teildurchlässigem Spiegel unterstreicht diesen Anspruch noch einmal: Mit ihrem 35,8 x 23,9 Millimeter großen Bildsensor sowie dem brandneuen AF-System richtet sich die α99 primär an Profis.

Letzteres kombiniert das bereits in der kleineren Schwester eingesetzte Phasendetektionsmodul (19 Messpunkte, wovon elf als Kreuzsensoren fungieren) mit einem zusätzlichen Phasendetektionssensor, dessen 102 Messpunkte direkt auf dem CMOS-Chip sitzen. Insgesamt gewährleisten also 121 Messfelder sowohl beim Fotografieren als auch beim Filmen eine präzise Scharfstellung.

Magnesiumgehäuse der Sony α99

Auf Profi-Niveau: Die Technik der α99 wird – wie in der Preisklasse üblich – von einem Magnesiumgehäuse geschützt.

Für den Test wurde übrigens das Carl Zeiss Vario-Sonnar 2,8/24-70 ZA verwendet. Dank der größeren Transistordichte des Bildsensors soll einerseits die Signalverarbeitung beschleunigt werden, andererseits erhöht sich der Empfindlichkeitsumfang, der nun von ISO 50 bis ISO 25.600 reicht. Im Vergleich zur Canon EOS 5D Mark III fällt der Einstellbereich aber immer noch ziemlich moderat aus, zumal diese bei Bedarf ISO 102.400 schafft – doch wann benötigt man schon einen so hohen Wert?

Sony α99 mit Batteriegriff VG-C99AM

Mehr Saft: Mithilfe des optional erhältlichen Vertikalgriffs VG-C99AM (399 Euro) lässt sich die Betriebszeit der α99 deutlich verlängern.

Um dem Bildrauschen entgegenzuwirken, kommt der BIONZ-Bildprozessor zum Einsatz. Mit seiner Hilfe knipst das SLT-Flaggschiff bis zu sechs Fotos pro Sekunde bei vollen 24,3 Megapixeln. In der „Tele-Zoom Serienbild AE-Priorität“ sind sogar zehn Aufnahmen pro Sekunde möglich, dann allerdings mit reduzierter Auflösung (kleinerer Sensorbereich), fest eingestelltem Fokus sowie automatischer Belichtungssteuerung und nur im JPEG-Format.

Praktischerweise verfügt die α99 über zwei SD-Slots, so dass sich RAWs und JPEGs respektive Fotos und Videos getrennt voneinander speichern lassen, beide Medien simultan beschrieben werden können oder eine Speicherkarte als Reserve dient. Ein integriertes GPS-Modul versieht die Aufnahmen dabei mit Standortinformationen.

Auf einen Ausklappblitz hat Sony wohl oder übel verzichtet, doch besitzt das Flaggschiff dafür erstmals einen universellen Zubehörschuh statt des herstellereigenen.

Dadurch sind zum Beispiel auch Blitzgeräte von Fremdherstellern verwendbar. Ein Adapter für Sony-Komponenten liegt bei. Außerdem hält die Kamera auf ihrer linken Seite je eine Blitzsynchronisations- und Fernauslöserbuchse, einen Stromversorgungsanschluss (DC IN), eine USB-Schnittstelle, einen HDMI-Port, einen Kopfhörerausgang sowie einen Mikrofoneingang (Miniklinke) bereit.

Verschlusseinheit der Sony α99

Die Verschlusseinheit der α99 hält laut Sony mindestens 200.000 Auslösungen stand. Mit anderen Worten: Der Fotograf kann zum Beispiel 139 Tage lang jede Minute ein Foto schießen.

Mithilfe des optionalen XLR-K1M-Kits lassen sich sogar professionelle Tonaufnahmegeräte beziehungsweise PCM-Recorder mit XLR-Stecker einsetzen, was insbesondere ambitionierte Filmer erfreuen dürfte. Der Videomodus zeichnet in progressiver Full-HD-Qualität bei 24, 25, 50 oder 60 Hertz auf, wobei die Kamera ausschließlich das AVCHD-Format nutzt. MP4-Videos sind mit maximal 1.440 x 1.080 Pixeln oder in VGA-Auflösung möglich. Der 720p-Standard bleibt auf der Strecke.

Zum Schutz vor Verwacklungen ist der SteadyShot-Bildstabilisator an Bord (beweglicher Sensor). Die Motivkontrolle erfolgt über das drei Zoll große Klappdisplay oder den elektronischen OLED-Sucher, der fast doppelt so hoch auflöst (2,36 statt 1,23 Millionen Bildpunkte). Der auf 200.000 Auslösungen ausgelegte Verschluss bleibt je nach Einstellung zwischen einer Achttausendstelsekunde und einer halben Minute geöffnet – beim Filmen maximal eine Viertelsekunde.

Sony SLT-A99 (α99) | Bedienung

Ein vermeintlich kleiner Schritt für die digitale Fotografie, aber ein großer für all jene, die ein Werkzeug suchen, das professionelle Ansprüche erfüllt – oder mit unseren Worten ausgedrückt: Die α99 stellt de facto keinen technologischen Quantensprung dar, doch genügt sie aus bedientechnischer Sicht selbst höchsten Anforderungen.

So kann die Kamera dank frei belegbarer Tasten und Bildschirmeinblendungen exakt an die persönlichen Bedürfnisse angepasst werden, wobei man aufgrund der unzähligen Einstelloptionen nicht weit ohne das Benutzerhandbuch kommen dürfte. Das fängt schon bei der Wahl eines bestimmten Fokuspunkts an. Dieser lässt sich nämlich nur im AF-Modus „Lokal“ festlegen, was insofern ein Nachteil darstellt, dass der Autofokus in detailreichen Motiven nicht immer den gewünschten Bereich anvisiert.

Die EOS 5D Mark III von Canon beispielsweise gestattet einen deutlich schnelleren Eingriff, da sie hierfür eine eigene Taste besitzt. Immerhin ein wenig Abhilfe bei der Sony schafft der Multiregler auf der Vorderseite, über den verschiedene Fokusmodi und weitere Funktionen wie die Belichtungskorrektur direkt zugänglich sind.

Das Besondere an diesem neuen Bedienelement ist allerdings, dass es im Gegensatz zu den beiden Rändelrädern sowie dem Modus-Wahlrad keine Geräusche verursacht und so eine lautlose Anpassung der Aufnahmeparameter im Videobetrieb ermöglicht. Der Filmer kann Blende, Verschlusszeit und Co. jedoch nur dann einstellen, wenn er den manuellen Fokus aktiviert hat – das AF-System funktioniert ausschließlich in der Automatik.

Seitenansichten der Sony α99

Alles im Griff: Die α99 liegt sehr angenehm und sicher in der Hand. Hinter den Gummiabdeckungen auf der linken Seite befinden sich die Anschlüsse. Der Multiregler sitzt unter dem Objektiv-Entriegelungsknopf.

Startet man die Videoaufnahme aus einem Fotomodus heraus, ändert die Kamera den Bildausschnitt erst nach Betätigen der „MOVIE“-Taste von 3:2 auf 16:9. Für ambitionierte Fotografen hingegen hält die α99 erfreulicherweise keine negativen Überraschungen bereit – einzig der Lichtverlust von knapp 30 Prozent durch den teildurchlässigen Spiegel hinterlässt einen etwas faden Beigeschmack, da die Verschlusszeit unter identischen Bedingungen stets länger ist als bei vergleichbaren Spiegelreflexmodellen.

Ansonsten besticht das SLT-Flaggschiff durch ein sehr hohes Arbeitstempo sowie einen brillanten, hellen OLED-Sucher. Der duale Autofokus findet im Live-View-Modus sogar deutlich schneller die Schärfe als das AF-System einer DSLR, muss sich letzterem im optischen Sucherbetrieb allerdings geschlagen geben.

Das Display kann flexibel geschwenkt und gedreht werden, lässt sich bei direkter Sonneneinstrahlung jedoch schwer ablesen. Ganz schön schwer ist übrigens auch die Kamera selbst. Zwar wiegt sie gut 20 Prozent weniger als die Nikon D800, doch hat der Body trotzdem ein stolzes Gewicht von 800 Gramm – das Kitobjektiv bringt sogar ein ganzes Kilogramm auf die Waage.

Schwenkdisplay der Sony α99

Individuell: Der Nutzer kann nicht nur zahlreiche Tasten der α99 selbst belegen, sondern sogar die mittels DISP-Taste einblendbaren Infos für Display und Sucher getrennt einstellen.

Dafür befinden sich die optischen Elemente in einem ausgesprochen soliden Metalltubus. Damit dem Innenleben der α99 weder Staub noch Spritzwasser etwas anhaben kann, hat Sony das Magnesiumgehäuse versiegelt. Der gummierte Griff mit Einkerbung für den Mittelfinger erlaubt dabei einen festen und sicheren Halt. Einzig die Scharniere des Klappmonitors stören ein wenig, da diese unangenehm in den Bauch stechen, wenn man die Kamera mit dem mitgelieferten Tragegurt um den Hals hängt.

Angesichts des aufgeräumten und durchdachten Bedienkonzepts ist das kleine Manko durchaus verschmerzbar (im wahrsten Sinne des Wortes). Alle Tasten haben nämlich eine andere Form beziehungsweise Oberfläche, so dass die Bedienung nach etwas Übung blind gelingt. Die Navigation durch das strukturierte Registerkarten-Menü erfolgt über den Joystick („Multi-Wahlschalter“) und/oder die beiden Rändelräder.

Oberseite der Sony α99

Das Modus-Wahlrad auf der Oberseite der α99 bietet drei benutzerdefinierte Modi, die mit häufig genutzten Kameraeinstellungen belegt werden können. Zudem setzt Sony erstmals auf einen universellen Blitzschuh.

Übersichtsbildschirm der Sony α99

Fotografen-Cockpit: Je nach Konfiguration blendet die α99 bei Betätigung der DISP-Taste zahlreiche Informationen ein – unter anderem auch eine digitale Wasserwaage sowie ein Echtzeit-Histogramm.

Automatikmodi der Sony α99

Kein Einfluss auf die Aufnahmeparameter: Anders als in der Profiklasse gewohnt, bietet Sony α99 gleich zwei Automatikmodi, in denen sie sämtliche Einstellungen selbstständig vornimmt und anpasst.

Multiregler-Menü der Sony α99

Auf den Dreh gekommen: Der Multiregler auf der Vorderseite der α99 erlaubt ein schnelles Auswählen diverser Funktionen und eine nahezu lautlose Bedienung, was vor allem Filmer zu schätzen wissen.

Kartenbelegung für die Sony α99

Gemeinsame oder getrennte Wege: Den beiden SD-Kartenslots der Sony α99 können im Menü unterschiedliche Betriebsarten wie zum Beispiel die separate Speicherung von RAW und JPEG zugewiesen werden.

Videoauflösungen der Sony α99

Hin- und her: Das 24p-Kinoformat steht nur im NTSC-Videosystem zur Verfügung. Wer mit 25 oder 50 Vollbildern pro Sekunde filmen möchte, muss wieder in den (ab Werk eingestellten) PAL-Modus zurück.

Diaschau-Menü der Sony α99

Ironie? Obwohl die α99 im Gegensatz zu ihren kleineren Schwestern keine 3D-Aufnahmen beherrscht, kann sie diese in einer Diaschau ausgeben. Interne Bildbearbeitungsfunktionen sucht man vergebens.

Sony SLT-A99 (α99) | Kreativprogramme

Wurden der Vollformatsensor mit speziellem Tiefpassfilter und das duale AF-System eigens für die α99 entwickelt, haben es sich die Japaner bei den Kreativprogrammen ganz schön leicht gemacht: Abgesehen von der 3D-Aufnahme (diese fiel dem Rotstift zum Opfer), bietet das Flaggschiff exakt die gleichen Features wie die bisherigen SLT-Modelle oder die bereits etwas ältere Sony-DSLR α580.

Den Anfang macht der Szenenmodus (SCN) mit seinen acht Programmen „Porträt“, „Sportaktion“, „Makro“, „Landschaft“, „Sonnenuntergang“, „Nachtszene“, „Handgehalten bei Dämmerung“ und „Nachtaufnahme“ – hier werden die Aufnahmeparameter automatisch an die jeweilige Motivsituation angepasst, was für die eigentliche Zielgruppe der α99 aber wohl genauso wenig infrage kommt wie die beiden Vollautomatiken.

Etwas mehr gestalterische Freiheit bietet der Kreativmodus: Er stellt eine umfangreiche Palette an Farbcharakteristiken wie „Lebhaft“, „Neutral“ oder „Klar“ sowie eine Schwarz-Weiß- und Sepia-Tönung zur Auswahl, wobei sich der Fotograf selbst um die Belichtung kümmert. Kontrast, Sättigung und Schärfe sind für jeden Punkt separat einstellbar.

Allerdings sollte man die Modi nur mit Bedacht einsetzen, zumal Sony im Gegensatz zu Canon und Nikon weder Bildbearbeitungswerkzeuge noch einen RAW-Konverter spendiert hat. Nachträgliche Retuschen und Änderungen der Farbcharakteristik oder des Weißabgleichs direkt auf der Kamera sind demnach tabu – gespeicherte Fotos können allenfalls gedreht werden. Immerhin ist eine digitale Objektivkorrektur an Bord, die auf Wunsch Vignettierungen, Farbabweichungen und Verzeichnungen reduziert.

Wer sich mit JPEG-Dateien zufriedengibt, kann darüber hinaus auf die HDR-Automatik (High Dynamic Range), die Dynamikbereichsoptimierung sowie die Schwenkpanorama-Funktion zurückgreifen. Ebenso hält die α99 elf Bildeffekte mit insgesamt 24 Variationsmöglichkeiten bereit, für die der RAW-Modus aber deaktiviert werden muss. Zur Auswahl stehen neben „Spielzeugkamera“ und „Miniatur“ unter anderem auch ein in drei Stufen anpassbares „HDR-Gemälde“, ein Retro-Stil, diverse Farbfilter sowie eine Schwarz-Weiß- und Farbton-Trennung.

Aufnahme mit der Schwenkpanorama-Funktion der Sony α99

Abstufungen: Die Schwenkpanorama-Funktion der α99 fügt die Einzelbilder sehr präzise zusammen, hat jedoch Probleme bei sich ändernden Lichtverhältnissen. Zudem spuckt sie hier nur JPEG-Fotos aus. (zum Vergrößern das Bild anklicken)

Sony SLT-A99 (α99) | Bildqualität

Mit der SLT-A99 übertreten auch ambitionierte Hobbyfotografen die Schwelle zur professionellen Fotokunst. Dafür bürgt allein ein einziges Wort: Vollformat – hier können wir Sonys Aussage voll zustimmen. Der große Bildsensor erschwert aufgrund des kleinen Schärfentiefebereichs zwar die Fokussierung, hat man aber erst einmal das etwas eigensinnige AF-System im Griff, kommen sowohl am Tag als auch in der Nacht tolle Fotos zustande.

Herbstlaub-Foto der Sony α99

Mit ihren 24,3 Megapixeln sorgt die α99 für ein erstklassiges Auflösungsvermögen, wodurch detailreiche Motive besonders gut zur Geltung kommen – jedoch benötigt der Autofokus gelegentlich Nachhilfe.

Das ist vor allem der vergleichsweise kleinen Pixeldichte zu verdanken, da die α99 auf ihrem CMOS-Chip genauso viele Bildpunkte hortet wie die untergeordneten APS-C-Modelle α77 und α65. Daraus resultiert eine äußerst geringe Rauschanfälligkeit, so dass bis einschließlich ISO 3.200 ohne nennenswerte Qualitätseinbußen fotografiert werden kann. Selbst höhere Empfindlichkeitsstufen stellen im Notfall kein Problem dar, zumal die Artefakte nur sukzessive zunehmen.

Obwohl das ISO-Maximum von 25.600 deutliche Körnungen, Farbabweichungen und Detailverluste hervorruft, besitzt das Bild noch eine gute Auflösung. Für eine absolut makellose, scharfe Durchzeichnung sollte der ISO-Wert dennoch möglichst unter 800 bleiben, wobei hier die systembedingt längeren Verschlusszeiten unter schlechten Lichtbedingungen einen Strich durch die Rechnung machen könnten.

Am Dynamikumfang gibt es dank des 14-Bit-RAW-Modus kaum etwas auszusetzen, wobei die kamerainterne Signalaufbereitung zurückhaltend arbeitet und in den Tiefen (dunkle Bildbereiche) ein wenig schwächelt. Nichtsdestotrotz trifft das Flaggschiff alle Farben sehr genau, neigt – wie für Sony-Kameras mittlerweile typisch – allerdings zu einer leichten Übersättigung von Rot- und Hauttönen. Andererseits kommen dadurch Sonnenuntergänge sowie Portraits besonders schön zur Geltung.

Die Sony α99 neigt zu längeren Verschlusszeiten

Licht- und Schattenseiten: Die α99 stellt dank ihres dualen AF-Systems sehr schnell scharf und gibt Farben originalgetreu wieder, doch schluckt der teildurchlässige Spiegel in schattigen Bereichen wertvolles Licht.

Der automatische Weißabgleich leistet ebenfalls gute Dienste, wenn auch die JPEG-Verarbeitung eher weniger auf professionellem Niveau liegt.

Videotechnisch gibt es an der α99 kaum etwas auszusetzen. Zwar setzt die sehr geringe Schärfentiefe auch beim Filmen fundierte fotografische Kenntnisse voraus, entschädigt dafür aber mit beeindruckenden Unschärfe-Effekten.

Dabei sollte man das manuelle Fokussieren perfekt beherrschen, da das AF-System – wie bereits bemängelt – ausschließlich im Automatikmodus zur Verfügung steht. Immerhin bleibt der „SteadyShot“-Bildstabilisator in jedem Belichtungsprogramm aktiv und vermindert so die in Videos besonders nervigen Vibrationen.

Das eigentliche Highlight ist jedoch die große Auswahl an Bildfrequenzen. Anders als die Canon EOS 5D Mark III oder die Nikon D800, filmt das Sony-Flaggschiff in der höchsten Auflösung (1.920 x 1.080 Pixel) nicht mit maximal 30 Vollbildern pro Sekunde, sondern zeichnet auf Wunsch sogar mit 50 oder 60 Hertz auf. Und trotzdem: In Sachen Video muss sich die α99 der Rivalin aus dem Hause Canon geschlagen geben.

Schuld daran ist die relativ magere Bitrate von maximal 28 Megabit pro Sekunde. Zum Vergleich: Canons Profi-DSLR zeichnet Videos mit bis zu 90 Megabit pro Sekunde auf. Ferner sind in detailreichen Motiven hin und wieder Moirés zu sehen – die Rolling-Shutter-Effekte (diagonale Verzerrungen) hingegen halten sich stark in Grenzen. Allgemein bestechen die Videoclips durch ihre erstklassige Schärfe und hohe Farbbrillanz.

Ebenso gefällt die glasklare Tonaufnahme des Stereomikrofons, zumal der Pegel manuell justiert und über den Kopfhörerausgang kontrolliert werden kann. Mithilfe eines externen Mikrofons lässt sich eine noch bessere Klangqualität erzielen. Das Carl-Zeiss-Kitobjektiv zeigt im Weitwinkel eine leichte tonnenförmige Verzeichnung und neigt bei Offenblende zu Randunschärfen, bietet ansonsten aber eine sehr überzeugende Abbildungsleistung.

Die Sony α99 besticht durch eine scharfe Durchzeichnung

Verlockend: Das Sony-Flaggschiff glänzt mit einer scharfen Durchzeichnung, so dass in der 100-Prozent-Ansicht dieses Fotos sogar die einzelnen Haare des Schaffells zu sehen sind. Um die Auflösung aber voll auszuschöpfen, empfiehlt sich eine professionelle Festbrennweite.

Mit der Sony α99 fotografierter Wasserfall

Aufgrund ihres teiltransparenten Spiegels wählt die Sony α99 unter gleichen Aufnahmebedingungen stets etwas längere Verschlusszeiten als eine DSLR. Das muss aber nicht immer von Nachteil sein, wie dieser Wasserfall zeigt.

PLAYER.de-Testurteil: Sehr gutPLAYER.de meint:
Aus dem Hintertreffen an die Spitze: Ganz so weit ist Sony zwar noch nicht, doch hat sich der japanische Elektronikkonzern de facto von einem kleinen Spieler auf dem Kameramarkt zu einem harten Konkurrenten für Canon und Nikon gemausert. Einen großen Teil dazu trägt die α99 bei, schafft sie doch einen glänzenden Einstand in der Profiklasse. Der 24-Megapixel-Vollformatsensor liefert im Zusammenspiel mit dem BIONZ-Bildprozessor eine von SLT-Kameras bislang unerreichte Bildqualität, die vor allem angesichts des Rauschverhaltens keine Wünsche offen lässt. Gleiches gilt für die Videofunktion, zumal sie Full-HD-Clips mit bis zu 60p aufzeichnet. Ambitionierte Filmer kommen also durchaus auf ihre Kosten – nicht zuletzt, weil sich am Blitzschuh erstmals Fremdzubehör anschließen lässt. Der Autofokus arbeitet extrem schnell, doch gibt es bei der Bedienung ein paar Unzulänglichkeiten. Nichtsdestotrotz erhält die Sony α99 das PLAYER.de-Qualitätssiegel „Sehr gut“.

Sony SLT-A99 (α99)

Preis lt. Hersteller: 2.799,- Euro (nur Gehäuse)
AUSSTATTUNG
Sensor/Auflösung: CMOS mit 24,3 Megapixeln
Objektiv (fest eingebaut): A-Bajonett; getestet mit Carl Zeiss Vario-Sonnar 2,8/24-70 ZA, Brennweite: 24 – 70 mm (KB)
ISO: 50 bis 25.600
Verschlusszeiten: 1/8.000 bis 30 Sekunden (+ Bulb-Modus)
LC-Display: 3 Zoll (1.227.800 Pixel)
Besonderheiten: Vollformatsensor mit 24,3 Megapixeln, GPS, duales AF-System, zwei SD-Kartenslots, Full-HD-Videos mit bis zu 60p, Magnesiumgehäuse
BEWERTUNG
Technik: 5 von 5 Punkten
Bedienung: 4 von 5 Punkten
Kreativprogramme: 5 von 5 Punkten
Fotoqualität: 5 von 5 Punkten
Videoqualität: 4,5 von 5 Punkten
PLAYER.de GESAMTWERTUNG Sehr gut

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