PLAYER.de-Ratgeber für Zeitraffervideos in 4k

Das Kolosseum bei Nacht, ein ideales Objekt für das Zeitraffervideo.

Wenn die Welt buchstäblich an einem vorbeizieht oder Tage zu Sekunden werden, befindet man sich nicht etwa im Vollrausch, sondern bestaunt wohl vielmehr ein Zeitraffervideo. Besonders beeindruckend wirkt dieses in der vierfachen Full-HD-Auflösung. PLAYER.de verrät, wie es gemacht wird.

Schon längst reichen alltägliche Filme und jene ohne Spezialeffekte nicht mehr aus, um den Zuschauer ins Staunen zu bringen. Gleiches gilt natürlich für selbstgedrehte Urlaubsvideos, die keiner klaren Linie folgen oder denen einfach nur der Pep fehlt. Gerade aus diesen Gründen erfreuen sich Zeitrafferaufnahmen großer, zunehmender Beliebtheit, setzen sie doch selbst langweilige Motive perfekt in Szene – angefangen beim Gartenzwerg, der die Nacht durchmacht und im Sonnenaufgang einen langen Schatten wirft, über die verwelkende Blume auf der Fensterbank bis hin zum rastlosen Stadtleben zwischen morgendlichem und abendlichem Berufsverkehr. Die 4k-Auflösung bringt einen zusätzlichen Reiz, von der phänomenalen Schärfe und Detailtreue mal abgesehen.

Völlig hochaufgelöst

Die Nikon D800(E) gestattet perfekte Zeitrafferaufnahmen

Topkandidat: Dank des 36-Megapixel-Sensors im Vollformat und der Intervallfunktion sind Zeitrafferaufnahmen für die Nikon D800 respektive D800E ein leichtes Spiel.

Das Full-HD-Format bietet ungefähr zwei Megapixel. Beim 4k-Standard, welcher sich im Heimbereich nach und nach durchsetzt, sind es 3.840 x 2.160 Bildpunkte – also fast 8,3 Megapixel. Theoretisch können demnach alle aktuellen Digicams Einzelbilder in 4k-Qualität generieren. Praktisch hingegen kommen primär gehobene DSLRs wie die Canon EOS 5D Mark III mit 22,3 oder besser noch ihre Konkurrentin, die D800(E) mit sage und schreibe 36,3 Millionen Bildpunkten infrage.

Das deutliche Oversampling – sprich der Pixelüberschuss – hat allerdings einen großen Vorteil: Die bei der digitalen Fotografie und Videoaufzeichnungen üblichen Auflösungsverluste durch das Bayer-Pattern des Bildsensors können vollständig ausgeglichen werden. Auf diese Weise lassen sich Bilder erzeugen, die selbst modernster Display-Technik überlegen sind.

Gut für Zeitrafferaufnahmen geeignet: Die Canon EOS 5D Mark III

Gute Voraussetzungen: Die Canon EOS 5D Mark III bietet zwar keine Time-Lapse-Funktion, ist dank ihres Vollformatsensors mit 22,3 Megapixeln aber dennoch für Zeitrafferaufnahmen in 4k-Qualität geeignet.

Ein weiterer Vorteil gehobener System- und Spiegelreflexkameras ist, dass sie einen höheren Dynamikbereich abdecken, als es die UHDTV-Norm (Ultra High Definition Television) überhaupt erfordert: Statt zehn Bit bieten die Sensoren entsprechender Digicams eine RAW-Farbtiefe von zwölf oder gar 14 Bit.

Hinzu kommt eine effektive Bilddynamik von meist mehr als zehn Blendenstufen, so dass Spitzlichter und Tiefen gleichermaßen präzise erfasst werden. Alle Informationen zur 4k-Auflösung findest Du hier.

Einzelbild aus dem Zeitraffervideo der Spanischen Treppe

Belebte Plätze wie die Spanische Treppe in Rom eignen sich ideal für detailreiche Zeitrafferaufnahmen. Hier sehen Sie übrigens ein Einzelbild aus dem fertigen Video – aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark III.

Kolosseum bei Tag

Am Wasser (auf)gebaut: Auch dieses Foto des Kolosseums in Rom stammt aus der Zeitrafferaufnahme von PLAYER.de.

Alles an Bord?

Die Nikon D800(E) beherrscht Intervall-Aufnahmen

Praktisch: Die Nikon D800 bietet sowohl eine Zeitraffer- als auch eine Intervallfunktion – erstere fügt die Einzelbilder jedoch gleich zu einem Full-HD-Video zusammen. Die Anzahl der Fotos und die Aufnahmedauer lassen sich flexibel einstellen.

Mittlerweile gibt es zwar durchaus 4k-fähige Kameras wie die Canon EOS-1D C oder die Sony NEX-FS700 speziell für den Filmbereich, doch zeichnen diese Modelle das Motiv in Echtzeit mit mindestens 24 Bildern pro Sekunde auf. Zeitraffervideos setzen sich vielmehr aus einzelnen Fotos zusammen, die in bestimmten Abständen geknipst und anschließend zusammengefügt werden.

Die Nikon D800 beispielsweise verfügt ab Werk über eine einfach zu bedienende Zeitrafferfunktion, die entweder ein fertiges (Full-HD-)Video oder eben die Einzelbilder in voller 36-Megapixel-Auflösung ausgibt. Darüber hinaus bieten auch absolute Spitzenmodelle wie die des US-amerikanischen Herstellers Red entsprechend programmierbare Intervallaufnahmen an. Gelegentlich sind solche Features unter dem englischen Namen „Time Lapse“ im Menü zu finden.

Ausschnitt aus der Bedienungsanleitung einer Red One

Selbst im Profisegment bieten Kameras wie die Red One eine programmierbare Intervallaufnahme. Im Bild: Der Ausschnitt aus der Bedienungsanleitung, in der die Funktion erklärt wird.

Externe Kamerasteuerung

Der Zeitraffervideo-Aufbau von PLAYER.de am Kolosseum

Vollautomatisch: Der MX 2 Motion Controller von Dynamic Perception steuert neben Motoren auch die Kamera selbst. Hier unser Aufbau mit einer Canon EOS 5D Mark III am Kolosseum in Rom.

Funktionen für Intervall- respektive Zeitrafferaufnahmen gehören bedauerlicherweise nicht zur Standardausstattung einer Digicam. Falls kein entsprechendes Feature an Bord ist, bleibt aber noch die Möglichkeit der externen Steuerung. Im einfachsten Fall übernimmt dies ein programmierbarer Funk- oder Kabelfernauslöser, wie es ihn für nahezu alle Kameramodelle gibt.

Die Produktauswahl ist riesig, wobei im Internet die Marken Siocore, JJC und Aputure stark vertreten sind. Der Einstiegspreis liegt bei 25 Euro. Für anspruchsvolle Videofreunde empfehlen sich flexible Steuergeräte wie der MX2 Motion Controller von Dynamic Perception. Er kann nämlich nicht nur auslösen, sondern zusätzlich zwei Motoren oder einen sogenannten Moving Head steuern.

Auf diese Weise lässt sich die Kamera zwischen den einzelnen Aufnahmen in eine vorab festgelegte Richtung fahren, um mehr Dynamik ins Motiv zu bringen. Abgestimmt mit anderen Bewegungen im Bild (zum Beispiel langsam durch einen Fluss treibende Objekte, der wandernde Mond am Himmel oder sogar der Übergang vom Winter zum Frühling) entstehen so besonders eindrucksvolle Zeitraffervideos. Allerdings sollte hier einiges beachtet werden – siehe nachfolgenden Punkt.

Screenshot von www.kids-of-all-ages.de

Der deutsche Online-Shop www.kids-of-all-ages.de bietet für knapp 920 Euro ein Set aus dem Stage Zero Dolly, dem MX2 Motion Controller und einem 180 Zentimeter langen Schlitten für die Kamera. Alle Komponenten kommen aus dem Hause Dynamic Perception.

Schwierigkeiten bei der Aufnahme

Zeitrafferaufnahmen in 4k-Auflösung stellen eine doppelte Herausforderung dar. Vor allem muss dafür gesorgt werden, dass Belichtung und Fokus nicht von Foto zu Foto variieren, was mit automatischen Motivprogrammen praktisch nicht realisiert werden kann – es bleibt also nur das Fotografieren im manuellen Modus.

Richtig kompliziert wird die Aufnahme unter sich ändernden Lichtsituationen, wie sie in der Natur häufig auftreten. So sollte man etwa bei Sonnenauf- und -untergängen oder bei bewölktem Himmel idealerweise eine Belichtungseinstellung vornehmen, die über den gesamten Zeitraum korrekt bleibt.

Immerhin lassen sich kleinere Unterschiede mittels Software ausgleichen. Nichtsdestotrotz gelingt das Filmen in Echtzeit wesentlich einfacher, da die Automatiken der Kamera dort auf Video ausgelegt sind und die Aufnahme sanft nachregeln.

Ebenfalls kritisch ist die Zeit, die ein Zeitraffervideo in Anspruch nimmt. Insbesondere bei Kamerafahrten muss auf einen festen, nicht nachgebenden Untergrund an einem einigermaßen geschützten Ort geachtet werden: Trotz teilweise stundenlang aktiver Aufbauten können selbst kleinste Verwacklungen oder Verschiebungen von Kamera, motorisiertem Kopf und Dolly zu einem riesigen Mehraufwand in der Bildbearbeitung führen oder die Aufnahme gar komplett ruinieren.

Bei Verwendung von Blitzgeräten muss außerdem die Auslösung für jedes einzelne Foto zuverlässig funktionieren. Das Gleiche gilt für die externe Steuerung von Kamera und Motoren einschließlich deren Stromversorgung.

Das perfekte Bild

Die Nachbearbeitung und Fotoretusche sind feste Bestandteile der Digitalfotografie – bei Profis sogar eher als bei Amateuren. Den größten Spielraum in Adobe Lightroom, Photoshop und Co. bietet natürlich das Rohdatenformat. In der Videopraxis werden RAW-Fotos allerdings trotz immenser Qualitätsvorteile relativ selten verwendet, da einerseits ein extrem hoher Speicherbedarf entsteht und andererseits dem PC beziehungsweise Notebook zum Umwandeln der Einzelbilder in ein Video einiges an Rechenleistung abverlangt wird.

Zumindest etwas Abhilfe schafft hier ein SSD-Speicherlaufwerk, worauf wir in einem separaten Ratgeber explizit eingehen. Da für wenige Sekunden Video schier unzählige Einzelbilder erforderlich sind, empfiehlt sich eine Software mit Stapelverarbeitungsfunktion: Sie erleichtert das Abarbeiten großer Datenmengen und sorgt gleichzeitig dafür, dass alle Bilder einer Aufnahmesequenz den gleichen Look haben, in derselben Weise beschnitten sowie auf das gewünschte Videoformat skaliert werden.

Ein bewährtes Bearbeitungsprogramm für RAW-Fotos ist Adobe Lightroom, worauf insbesondere Profis vertrauen. Es wird aktuell in Version 4.2 angeboten und verfügt über alle wichtigen Werkzeuge. Zum Beispiel lassen sich die Einstellungen speichern und mit wenigen Mausklicks auf alle ausgewählten Aufnahmen anwenden – im Fachjargon spricht man hier vom „Synchronisieren“.

Außerdem erlaubt die Software präzise Farbkorrekturen (Color Grading), welche den Möglichkeiten einer modernen Videoschnittanwendung praktisch in nichts nachstehen. Selbstverständlich gibt es noch weitere Programme für die Bildnachbearbeitung. Eine günstige Alternative zu Lightroom ist beispielsweise CyberLinks PhotoDirector.

Ambitionierte Filmer können die Bilder allerdings ebenso gut direkt als Bildsequenz in ihre Videoschnittsoftware wie Apple Final Cut (Pro) oder Adobe Premiere importieren, wie es oft praktiziert wird. Entsprechende Anleitungen sind mühelos im Internet zu finden.

Ein sehr hilfreiches Werkzeug bei der Nachbearbeitung von Zeitraffervideos ist auch die vom deutschen Fotografen Gunther Wegner entwickelte Software „LRTimelapse“. Konkret handelt es sich dabei um eine Erweiterung für Adobe Lightroom, welche vor allem die Rohdatenentwicklung optimiert und dadurch den allgemeinen Workflow beschleunigt. Anders ausgedrückt: Die Bildbearbeitungsparameter können zeitlich so gesteuert werden, dass das Programm unter anderem Belichtungsschwankungen in den Aufnahmereihen ausgleicht.

Programmoberfläche von LRTimelapse

Das LRTimelapse-Programm zeichnet sich durch eine aufgeräumte Oberfläche mit hoher Benutzerfreundlichkeit aus. Ferner vereinfacht die Software die Bildbearbeitung, zumal sich Belichtungsschwankungen schnell ausgleichen lassen.

Der bewegte Moment

Ist man mit der Nachbearbeitung fertig, geht es an den lang ersehnten finalen Schritt: Die einzelnen Fotos in bewegte Bilder umwandeln. Mit der richtigen Software gelingt das kinderleicht! So bietet – um beim letzten Beispiel zu bleiben – LRTimelapse praktische Export-Voreinstellungen, welche die Direktausgabe des Zeitraffervideos über die Diashow-Funktion von Adobe Lightroom ermöglichen.

Screenshot des Videoportals Vimeo

Neben YouTube ermöglicht auch Vimeo das Hochladen von 4k-Material, wobei man für die ruckelfreie, flüssige Wiedergabe schon eine einigermaßen schnelle Internetverbindung benötigt.

Die Auflösung lässt sich dabei flexibel bis 4k beziehungsweise Ultra HD einstellen. Alternativ importiert man die Standbilder (wie bereits unter dem vorigen Punkt erwähnt) einfach als Sequenz in Videoprogramme wie Adobe Premiere, Adobe After Effects, Apple Final Cut oder Apple Motion und exportiert dann von dort aus ein Video. Vorausgesetzt natürlich, es steht ausreichend Speicherplatz zur Verfügung.

Die beiden führenden Videoportale YouTube und Vimeo unterstützen übrigens den Upload von 4k-Aufnahmen. Unser – mit der Canon EOS 5D Mark III realisiertes – das Testvideo, auf dem dieser Ratgeber basiert, kannst Du Dir hier ansehen.

Florian Friedrich in Rom

Spanische Treppe: PLAYER.de-Chefredakteur Florian Friedrich war mit einer kompletten Zeitraffer-Ausrüstung in Rom unterwegs und musste teilweise einige Stunden vor der Kamera verharren.

INFO: Speicherbedarf von Zeitraffervideos

Kurze Mathestunde: Ein unkomprimiertes RAW-Foto der Nikon D800 (zum Testbericht) mit 36 Millionen Bildpunkten hat eine Dateigröße von 74,4 Megabyte. Angenommen, man entscheidet sich für eine Videofrequenz von 30 Bildern pro Sekunde, kommen hier mehr als zwei Gigabyte zusammen. Hochgerechnet auf eine Minute sind das bereits 130 Gigabyte.

Pro Stunde fallen also 7,6 Terabyte ein. Doch damit nicht genug: Für die Einzelbilder des finalen Zeitraffervideos in verschiedenen Auflösungen sowie die Codierung fällt zusätzlicher Speicherbedarf an, der bei einem mehrminütigen Clip aber auch schon egal sein dürfte. Wohl dem, der eine Serverfarm besitzt!

Allerdings spielt nicht nur die Festplatte eine bedeutende Rolle: Die Verarbeitung der Daten und die Umwandlung zu einem Video sind selbst auf einem High-End-Rechner enorm zeitaufwendig. Konkret geht die Wartezeit in die Stunden für wenige Minuten Film.

INFO: Lesestoff und Zubehör

 

E-Book von Gunther Wegner

Der Fotograf Gunther Wegner geht in seinem E-Book „Zeitraffer – Aufnehmen und bearbeiten“ detailliert auf das Thema ein und beschreibt zudem den Workflow mit Adobe Lightroom oder der Adobe Creative Suite.

Wer sich für Zeitraffervideos interessiert, sollte einen Blick auf die beiden Webseiten www.LRTimelapse.com und www.gwegner.de werfen. Hier stehen weiterführende Informationen zu diesem Thema bereit. Der Betreiber Gunther Wegner hat bereits selbst zahlreiche Zeitraffervideos produziert und teilt sein Wissen nicht nur in Form der Software LRTimelapse, sondern auch im E-Book „Zeitraffer – Aufnehmen und bearbeiten“. Der von uns verwendete Slider, Motorkopf und MX2 Motion Controller wird vom Online-Shop www.kids-of-all-ages.de angeboten. Letzterer kostet rund 280 Euro. Nach oben hin sind dem Preis aber wie so oft keine Grenzen gesetzt.
 
 
 
 
 
 
 
 
 

PLAYER.de meint:
So kurz das fertige Video auch ist, steckt sehr viel Arbeit dahinter. Zusammengefasst lässt sich sagen: Zeitrafferaufnahmen sind ein kostspieliges und aufwendiges Hobby, haben aber das Potenzial, professionelle Videoproduktionen qualitativ locker in den Schatten zu stellen. Außerdem sollte man nicht vergessen, dass gutes Material auch für die hochauflösende Zukunft des Videodrehs prädestiniert ist. Es dauert wohl nicht mehr lange, bis die 4k-Auflösung den Full-HD-Standard vollständig ablöst.

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