Kameras im Outdoor-Einsatz

Outdoor-Ratgeber zum Fotografieren und Filmen bei jedem Wetter (Bild: Ewa-Marine).

Eines haben Fotografen und Filmer gemeinsam: Sie fürchten unter widrigen Umgebungsbedingungen gleichermaßen um ihr Heiligtum, die Kamera. Wie sich die Ausrüstung vor schlechtem Wetter oder Beschädigungen in unwegsamem Gelände schützen lässt, verrät der Outdoor-Ratgeber von PLAYER.de.

Wasser und Technik vertragen sich bekanntlich nicht besonders gut: Ein Tropfen an die falsche Stelle und der Schaden geht in die Hunderte – das gilt für die Kamera genauso wie für das mit Elektronik ausgestattete Zubehör. Deshalb ist gerade in der aktuellen Jahreszeit spezielle Vorsicht beim Fotografieren respektive Filmen geboten.

Nicht zuletzt, weil bei feuchtem Laub, überfrorener Nässe und Schnee auch erhöhte Rutschgefahr besteht. Welche Auswirkungen ein Sturz etwa auf das Objektiv haben kann, muss wohl nicht gesagt werden. Glücklicherweise gibt es relativ günstiges Outdoor-Equipment zum Nachrüsten sowie ein paar Tricks, mit denen Du Deine Gerätschaft nach einem kleinen Malheur wieder auf Vordermann bringst.

Vom Regen in die Traufe

Kata E-705 PL

Katas Regenschutzhülle E-705 PL bietet Platz für eine gehobene DSLR inklusive Blitzgerät, wobei das Sichtfenster für Durchblick sorgt. Dank zuziehbarer Handeingriffe wird die Bedienung nicht eingeschränkt.

Kurz vor einem Gewitter erhalten insbesondere Landschaftsmotive eine völlig andere Wirkung als bei strahlendem Sonnenschein – professionelle Fotografen wissen das, weshalb sie auspacken, wenn andere einpacken. Damit das Shooting oder der Dreh nicht buchstäblich ins Wasser fällt, sollte man sowohl sich als auch die Kamera vor Regen schützen.

Für letztere empfehlen wir spezielle Hüllen, die einfach übergestülpt werden und in der Regel universell einsetzbar sind. Hier spielt es eine wichtige Rolle, dass die Hülle großzügig geschnitten ist, genügend Spielraum für das Objektiv bietet und die Bedienung so wenig wie möglich einschränkt. Als Beispiele seien die E-702 PL von Kata oder die für Teleoptiken mit bis zu 650 Millimetern Baulänge geeignete E-704 PL aus gleichem Hause genannt, wobei diese beiden Modelle hauptsächlich für Systemkameras gedacht sind.

Kata E-704 PL

Die Kata E-704 PL ist eine aus zwei Teilen bestehende Regenschutzhülle für Teleobjektive bis 650 Millimeter. Als Hülle für die Kamera kann man wahlweise auf die E-702 oder E-705 zurückgreifen.

Ebenso hat der Hersteller Camcorder-Schutzhüllen wie die RC-1 PL oder die relativ kompakte CRC-13 PL im Portfolio. Natürlich lohnt sich auch ein Blick auf die Produkte anderer namhafter Marken wie Quenox, Matin und Ewa-Marine.

Kata RC-1 PL

Trocken drehen: Laut Kata kann die RC-1 PL sowohl für größere Camcorder als auch für (digitale) Spiegelreflexkameras inklusive Rig und externem Videosucher verwendet werden.

Kata CRC-12 PL

Für anspruchsvolle Hobbyfilmer hat Kata die Regenschutzhülle CRC-12 PL im Portfolio, welche beispielsweise auf die Sony PMW-EX3 oder die XL-Camcorder von Canon passen soll.

Als teurere, aber deutlich robustere Alternative zu Nylon- und Folienhauben kommen kameraspezifische Unterwassergehäuse aus Kunststoff oder Aluminium infrage. Sie schließen die Digicam beziehungsweise den Camcorder mittels Gummidichtungen wasser- und luftdicht ein, haben jedoch den Nachteil, dass die Objektivwahl stark eingeschränkt wird.

Wer also hauptsächlich mit Standardzooms oder kürzeren Festbrennweiten (bezogen auf die Tubuslänge) arbeitet, muss weder Wolkenbrüche noch Hochwasser fürchten – es sei denn, man kann nicht schwimmen.

Das dürfte mit einer professionellen Foto- und Video-DSLR wie Canons EOS 5D Mark III aufgrund ihres hohen Gewichts ohnehin schwer fallen, zumal das NA-5DMKIII Housing von Nauticam zusätzlich rund 2,8 Kilogramm auf die Waage bringt.

Nauticam NA-RX100 mit NA-DP4

Professioneller Amateur: Nauticam bietet auch für Sonys Premium-Kompaktkamera Cyber-shot RX100 ein passendes Unterwassergehäuse an. Dieses kann sogar mit dem für externe Live-View-Monitore konzipierten NA-DP4 verbunden werden.

Mit 3.229 Euro kostet es außerdem fast genauso viel wie die Kamera. Dafür bleiben sämtliche Funktionen und Einstellungen selbst bei Tauchgängen bis 100 Meter weiterhin zugänglich. Ach ja: Ende vergangenen Jahres hat der Hersteller auch Gehäuse für die EOS-1D X sowie das 4k-fähige Modell EOS-1D C heraus, wobei man dafür umgerechnet rund 4.000 Euro pro Stück hinblättern muss.

Sollte trotz aller Bemühungen und Investitionen mal Nässe in die Kamera gelangen, gilt es, wie für alle elektronischen Geräte, diese unverzüglich auszuschalten und den Akku zu entfernen – selbstverständlich außerhalb der Gefahrenzone. Anschließend legt man die Kamera am besten in Kiesel- beziehungsweise Silikagel oder alternativ in rohen Reis, damit die Feuchtigkeit vollständig herausgesogen (absorbiert) wird.

Bei Objektiven, die mit Wasser in Kontakt gekommen sind, hilft meist nur noch die Reparatur durch einen Fachmann, da sich auf den Linsen Ablagerungen und Flecken bilden können, welche die Abbildungsleistung massiv beeinträchtigen. Leider stellt dies in der Regel keinen Garantiefall dar. Gleiches gilt für die Digicam sowie den Camcorder, die nicht selten mit Nässeindikatoren ausgestattet sind.

Nauticam NA-D4 und NA-5DMKIII

Reporter auf Tauchgang: Nicht nur für die Canon EOS 5D Mark III, sondern auch für die Nikon D4 sind wasserdichte Gehäuse erhältlich. Der Auslöser lässt sich direkt über den rechten Handgriff betätigen.

Stürze, Schläge, Stöße

Einmal nicht aufgepasst und schon ist es passiert: Die Kamera rutscht aus der Hand, rast gen Boden und man sieht nach der vergeblichen Tat, sie aufzufangen, hilflos zu, wie die Einzelteile in alle Richtungen fliegen. Mit etwas Glück handelt es sich dabei nur um die Streulichtblende, den Objektivdeckel und die Abdeckung des Karten- oder Akkufachs – schlimmstenfalls um einen irreparablen Totalschaden. Den effektivsten Schutz vor einem solchen Schreckensszenario bietet natürlich ein ordnungsgemäß angebrachter Tragegurt, der die Kamera am Körper hält.

Um dennoch auf Nummer sicher zu gehen, helfen stoßhemmende Silikonhüllen und bruchfeste Displaygläser. Erstere sind unter anderem maßgefertigt für gängige Kameramodelle wie die Profi-DSLRs der 5D-Reihe von Canon oder die Nikon D800(E), aber auch für diverse Kompaktknipsen erhältlich. Dank präziser Aussparungen und Ausstülpungen für alle wichtigen Schalter, Schnittstellen sowie den Monitor dürfte der Bedienkomfort wenig bis gar nicht eingeschränkt werden – höchstens durch einen härteren Druckpunkt der Tasten.

EasyCover-Schutzhülle für die Nikon D800(E)

Zweite Haut: Obwohl bereits von einem Magnesiumgehäuse geschützt, kann die Nikon D800(E) zur Vermeidung von Dellen und Kratzern auch in eine passgenaue Silikonhülle gesteckt werden.

Selbstredend müssen ambitionierte Outdoor-Filmer nicht auf adäquates Zubehör für ihre Camcorder verzichten. So bietet Kata mit der HDV-Guard-Serie Schutzhüllen aus halbfestem Schaumstoff an, welche sich exakt an das Gehäuse anpassen. Die DVG-51 zum Beispiel ist speziell für den Panasonic HVX200 konzipiert, während die 59er am Sony PMW-EX3 angebracht werden kann.

Kata DVG-51 an Panasonic HVX200

Wie angegossen: Der halbfeste Schaumstoff der Kata-Schutzhülle DVG-51 schmiegt sich optimal an das Gehäuse an und macht den Panasonic HVX200 zum echten Outdoor-Camcorder.

Detailaufnahme der Kata DVG-51

Natürlich sind die Anschlüsse des Camcorders trotz Schutzhülle problemlos zugänglich.

Ebenso bedarf das Objektiv einer besonderen Obhut. Hier kommt zum Beispiel der US-amerikanische Hersteller DeluxGear mit der Lens-Guard-Objektivkappe ins Spiel: Sie wird einfach aufgesteckt und bewahrt die Frontlinse beim Transport vor äußeren Einflüssen wie Kratzern oder Stößen. Dafür sorgt in erster Linie die strapazierfähige, elastische Kunststoffhülle (Santoprene) mit weichem Neoprenpolster auf der Innenseite.

Die Lens Guard ist dabei in sieben Größen verfügbar und mit praktisch allen Objektivmarken kompatibel. Kleiner Surftipp: Als wahre Fundgrube für Schutzzubehör und Fotografenausrüstung im Allgemeinen entpuppt sich der Online-Shop enjoyyourcamera.com – ein Besuch lohnt sich!

DeluxGear Lens Guard

Kratzer, Stöße, Schläge und Nässe: Die DeluxGear Lens Guard schützt das Objektiv beim Transport vor sämtlichen äußeren Einflüssen.

Kalt erwischt

Wilde Schneeballschlachten, rasante Schlittenfahrten, der einsame Schneemann im Sonnenuntergang oder das Tal von der Berghütte aus betrachtet – der Winter bietet viele imposante Motive. Er kann sich aber auch von seiner kalten Seite zeigen, im wahrsten Sinne des Wortes. Schließlich machen tiefe Temperaturen und sibirische Wetterverhältnisse nicht nur dem Menschen, sondern auch der Technik zu schaffen.

Das fängt schon beim Akku ein, der bei Kälte deutlich weniger Leistung bringt. Die Profi-DSLR Canon EOS-1D X zum Beispiel schießt laut Hersteller bei normaler Zimmertemperatur rund 1.120 Fotos, um den Gefrierpunkt herum schafft sie bloß noch 860. Ergo: In der aktuellen Jahreszeit gehören sowohl bei Filmern als auch bei Fotografen mindestens zwei Energiespender ins Outdoor-Gepäck, damit der Kamera nicht mitten im Dreh respektive Shooting der Saft ausgeht.

Zeigt das Thermometer 20 oder mehr Grad unter null an, sollte die Ausrüstung in einer isolierten Tasche oder besser noch direkt am Körper transportiert und nur bei Bedarf herausgeholt werden. Ohnehin empfehlen die meisten Hersteller eine Umgebungstemperatur zwischen null und 40 Grad Celsius. Eine Ausnahme bilden hier die Pentax K-5 sowie ihre kürzlich herausgebrachte Nachfolgerin K-5 II(s), die eine Wetterfestigkeit bis zu minus zehn Grad Celsius versprechen.

Semiprofessionelle Outdoor-DSLR: Pentax K-5 im Schnee

Winterfest: Der Pentax K-5 und ihren beiden kürzlich vorgestellten Nachfolgemodellen machen Minustemperaturen bis zehn Grad schon ab Werk nichts aus.

Fingerhandschuhe mit feinen Kuppen erleichtern die Bedienung deutlich und wärmen zudem die Hände. Wer nicht an der tiefgefrorenen Kamera festkleben möchte, sollte seine Begeisterung über gelungene Aufnahmen in Form von Küssen zurückhalten. So sehr man sich nach der kalten Foto- und Videotour auch auf das warme Zuhause freut, sind extreme Temperaturunterschiede bei elektronischen Geräten generell zu vermeiden.

Hierbei kann nämlich Kondenswasser im Inneren des Gehäuses entstehen, das schlimmstenfalls einen Kurzschluss an den Platinen verursacht. Um dem entgegenzuwirken, empfiehlt es sich, die Digicam oder den Camcorder vor dem Betreten der Haustüre ausgeschaltet in eine Plastiktüte zu stecken und sie fest zu verschließen, damit die Feuchtigkeit der warmen Luft an dieser kondensiert. Abhilfe schaffen ebenso mit Silikagel gefüllte Beutel in der Transporttasche, da diese – wie bereits unter dem Punkt „Vom Regen in die Traufe“ beschrieben – die Feuchtigkeit absorbieren.

Kleiner Hitzkopf

Ob im von Scheinwerfern erleuchteten Studio oder während der Sommermonate in der Natur: Die Hitze bringt Fotografen und Filmer gleichermaßen ins Schwitzen, stellt aber auch für Kameras ein großes Problem dar. Durch die meist schwarzen Gehäuse wärmt sich das Innenleben bei direkter Sonneneinstrahlung stark auf, was einerseits einen Ausfall der Technik zur Folge haben kann (automatische Abschaltung) und andererseits die Bildqualität beeinträchtigt.

Konkret weist der Bildsensor ein erhöhtes Rauschverhalten auf, so dass die Störungen im Endeffekt bei einem niedrigeren ISO-Wert als sonst auftreten. Um den unliebsamen Körnungen und kunterbunten Pixeln entgegenzuwirken, hilft nur, die Digicam beziehungsweise den Camcorder zu kühlen. Das gelingt zum Beispiel an einem schattigen Platz oder durch einfache Modifikation des Gehäuses mit reflektierender Folie. Selbiges gilt für das Objektiv, dessen Linsen sich infolge höherer Temperatur ausdehnen und so Unschärfen hervorrufen können. Canon etwa lackiert nicht zuletzt deshalb viele seiner professionellen L-Optiken weiß.

Canon EOS-1D X mit professionellem L-Objektiv

Speziell die in den Telebereich vordringenden L-Objektive von Canon sind weiß lackiert, damit sie weniger Wärme absorbieren. Im Bild: Die Canon EOS-1D X mit dem EF 70-200mm f/2.8L IS II USM.

Übrigens: Auf einer Wüstensafari sowie in generell staubigen Umgebungen empfiehlt es sich, die Fugen an Kamera und Objektiv penibel mit Tesafilm zu verkleben, damit keine Fremdkörper ins Gehäuseinnere gelangen. Diese können nämlich ebenfalls die Abbildungsleistung verschlechtern oder Schäden an der Technik verursachen.

Gelegenheit macht Diebe

Pacsafe-Diebstahlschutz für Taschen und Rucksäcke

Gefangen, aber sicher: Pacsafe bietet das Stahlnetz und Sicherungsseil auch separat an, so dass praktisch jede Tasche vor Langfingern geschützt werden kann.

Profiausrüstungen für Foto und Video haben nicht selten einen Wert von zigtausend Euro. Grund genug, diese vor Langfingern zu schützen. Am günstigsten kommt man natürlich davon, wenn Kamera und Zubehör direkt am Körper transportiert werden – eine eher unkomfortable Lösung. Besser geeignet sind diebstahlsichere Taschen, die sich zum Beispiel im Portfolio von Pacsafe finden. Diese besitzen ein eingearbeitetes Stahlnetz, das ein Aufschneiden verhindert, und können ferner mit einem Edelstahl-Sicherungsseil angeleint werden.

Eine praktischere Lösung bietet Gary Fong mit dem Gear Guard Pro Kit. Hierbei handelt es sich um ein Set aus Stativgewindeplatten, die sich verriegeln und mittels Zahlenschlössern mit dem Stahlseil verbinden lassen. Alle erforderlichen Komponenten sind im Lieferumfang enthalten, können allerdings auch einzeln gekauft werden. Der Deutschlandvertrieb erfolgt über die HapaTeam GmbH.

PLAYER.de meint:
Wie lästig es manchmal sein kann, die Kamera nicht parat zu haben, weiß wohl jeder ambitionierte Filmer und Fotograf – vor allem in der Natur. Andererseits möchte man sich auch nicht darüber ärgern, wenn sie doch mitgenommen wurde und durch eine kleine Unvorsichtigkeit irgendwelche Schäden nimmt. Mit dem Outdoor-Ratgeber von PLAYER.de ist letzteres bei normaler Handhabung eher unwahrscheinlich! Die Tipps beruhen teils auf eigenen Erfahrungen und verdeutlichen auch Einsteigern, worauf es beim Videodreh oder Fotoshooting unter harten äußeren Bedingungen ankommt. Einen hundertprozentigen Schutz gibt es allerdings nicht. Wer also hohe finanzielle Belastungen durch Beschädigung oder Verlust (Diebstahl) der Ausrüstung gänzlich ausschließen möchte, sollte über eine spezielle Versicherung nachdenken. Die jährlichen Prämien liegen in etwa zwischen anderthalb und sechs Prozent des Neuwertes, wobei günstigere Policen oftmals mit einer recht hohen Selbstbeteiligung verbunden sind.

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