Apple EarPods im Test

Ohrhörer: Apple EarPods im Test

Ohren sind schon was komisches – der Ansicht ist zumindest Apple in seinem aktuellen TV-Werbespot zum iPhone 5. Um der besonderen Form des Hörorgans gerecht zu werden, hat der kalifornische Kultunternehmen die bisherigen Ohrhörer maßgeblich überarbeitet. Neben dem seltsamen Design weisen die neuen EarPods aber noch weitere Eigenarten auf, wie der große Test von PLAYER.de zeigt.


 
Kam der große Design-Umbruch beim iPhone schon vor mehr als zwei Jahren mit der Einführung der vierten Generation, hat Apple die Ohrhörer erst jetzt in Angriff genommen. Das ist insofern merkwürdig, als dass die menschlichen Ohren seit Urzeiten gleich aussehen. Schließlich führt der Hersteller genau deren Form als eigentlichen Grund für die neuen EarPads an. So sollen die Ohrhörer einerseits einen besseren Sitz beziehungsweise Tragekomfort bieten und andererseits optimal vor Schweiß sowie Wasser geschützt sein. Darüber hinaus sind die eingebauten Schallwandler laut Apple so konstruiert, dass sie “Klangverluste minimieren” und die “Klangausgabe maximieren”.

Vorteile der Apple EarPods im Überblick:
+ originalgetreue Tonqualität mit ausgewogenen Mitten

+ hohe Klangtreue
+ erstklassige Verarbeitung und verbesserter Sitz
+
Transportbox im Lieferumfang enthalten

Nachteile der Apple EarPods im Überblick:
- schlechter Tiefbass
- hauptsächlich für iPad, iPhone und iPod geeignet

Apple EarPods | Ausstattung und Design

Alles neu macht der Herbst: Nicht nur, dass das iPhone 5 und die aktuellen iPod-Modelle nun den sogenannten, kleineren Lightning-Anschluss statt des bisherigen 30-poligen Docking-Ports besitzen (was viele Nutzer verärgert), sondern liegen den Apple-Geräten auch die von Grund auf überarbeiteten EarPads bei. Anders als das asymmetrische Design zunächst erwarten lässt, handelt es sich hierbei nach wie vor um klassische Ohrhörer und nicht um eine In-Ear-Variante, welche für gewöhnlich direkt am Gehörgang anliegt – dazu aber später mehr.

Ebenso wie bei den Vorgängern, ist im Kabel des rechten Hörers eine Fernbedienung samt Mikrofon integriert – lediglich bei den Apple EarPods des iPod nano muss man auf diese verzichten. Mit der Fernbedienung können per Knopfdruck die Lautstärke angepasst, die Wiedergabe von Liedern und Videos gesteuert sowie eingehende Telefonate angenommen oder beendet werden, so dass die Ohrhörer in Verbindung mit einem iPhone auch als Headset eine gute Figur machen. An der Sprachverständlichkeit gibt es im Großen und Ganzen nichts auszusetzen. Die Auslieferung erfolgt in einer transparenten Kunststoffbox, wobei es recht schwer fällt, das Kabel wieder darin zu verstauen, wenn es nicht sauber zusammengerollt wurde.

Detailaufnahme der Apple EarPods

Akustische Öffnungen wie der Schlitz auf der Rückseite der EarPods sollen die Klangqualität verbessern.

Das Design basiert laut Hersteller auf der Geometrie des menschlichen Ohres. So sind die EarPods im Gegensatz zu ihren Vorgängern nicht mehr rund, sondern – um es mit den Worten aus dem Apple-Werbespot auszudrücken – “ohrförmig, Du weißt schon!”. Auf den ersten Blick kann man zwar keine wirkliche Ähnlichkeit feststellen, zumal die Ohrhörer vielmehr einem Mini-Haartrockner ähneln, doch ist das Gehäuse oval geformt, so dass der vordere Teil minimal in den Gehörgang ragt.

Ach ja: Die EarPods sind nicht nur kompatibel mit den neuesten iDevices, sondern unterstützen außerdem alle iPhone-Modelle ab 3GS, den iPod touch ab der zweiten Generation, die 120- und 160-Gigabyte-Version des iPod Classic, den iPod nano und iPod shuffle ab der vierten Generation sowie sämtliche iPad-Modelle. Natürlich können sie auch an jedes andere Abspielgerät mit Miniklinkenbuchse angeschlossen werden, was aber mit diversen Einschränkungen verbunden ist.

Apple EarPods | Tonqualität

Wie von Apple gewohnt, ist es nicht nur bei einem Highlight geblieben. Die Entwickler haben nämlich sowohl am Design als auch an der Technik gefeilt, wodurch die EarPods bereits beim ersten Probehören klangtechnisch eine bessere Figur als ihre runden Vorgänger machen. Dies gilt allerdings nur im Zusammenspiel mit einem kompatiblen iPhone, iPod oder iPad: Schließt man die Ohrhörer beispielsweise am Smartphone respektive Media-Player eines Fremdherstellers an, sind vor allem in den Höhen deutliche Einbußen zu hören. Darüber hinaus schwächeln die EarPods konstruktionsbedingt in puncto Basswiedergabe, zumal die Mitstreiter aus dem In-Ear-Segment wie der Sennheiser CX 300-II Precision oder die schlicht genannten Bose In-Ear Headphones bedeutend tiefer spielen. Fairerweise muss allerdings gesagt werden, dass diese das Doppelte bis Dreifache der Apple-Ohrhörer kosten und Apple ebenfalls diverse In-Ear-Modelle anbietet.

Frequenzgang der Apple EarPods

Die Apple EarPods decken einen Frequenzbereich von 63 Hertz bis 20 Kilohertz ab. In Verbindung mit Abspielgeräten anderer Hersteller ist bereits bei zehn Kilohertz Schluss.

Impedanzmessung der Apple EarPods

Die Apple EarPods haben eine relativ hohe Impedanz von 41,2 Ohm und weichen über den gesamten Frequenzbereich um maximal drei Prozent ab.

Die Messungen im Testlabor bestätigen unseren allgemeinen Höreindruck: Der reguläre Frequenzbereich reicht von 63 Hertz bis zu ärmlichen 10 Kilohertz, während die EarPods erst an einem iDevice angeschlossen die standardmäßigen 20 Kilohertz erreichen. Woher diese Eigenart rührt, lässt sich zwar nicht ohne weiteres feststellen, doch vermuten wir eine interne Equalizer-Anpassung seitens des Apple-Geräts. Apropos: Wer den maximalen Schalldruck von 98,8 Dezibel erzielen möchte, muss sollte einerseits alle Equalizer und andererseits auch die Lautstärkebegrenzung im iPhone, iPod beziehungsweise iPad ausschalten. Letztere reduziert die höchstmögliche Lautstärke nämlich auf 83,7 Dezibel, obwohl die Europäische Union einen Grenzwert von 100 Dezibel vorgibt (EU-Richtlinie). Darunter leiden insbesondere Fans härterer Genres, aber auch die Dynamik in bestimmten Musikstücken aus dem Klassik- und Jazz-Bereich. Unsere Mindestforderung beim Schallpegel liegt übrigens bei 90 Dezibel.

Auf die Bassfrequenz hingegen hat der verwendete Player keine Auswirkungen, obgleich 63 Dezibel eine eher dürftige Tiefenwiedergabe bedeuten. Auffällig ist die relativ hohe Impedanz von 41,2 Ohm, die jedoch kein wirkliches Manko darstellt, zumal die Ausgangsstufe mobiler Endgeräte normalerweise für einen Widerstand bis 80 Ohm ausgelegt sind. Zusammengefasst kann man sagen: Die Apple EarPods eignen sich bestens für iDevices, liefern an Fremdgeräten aber eine etwas schlechere Klangqualität, die unter dem Strich dennoch mit der Note “Gut” zu bewerten ist.

Maximaler Schalldruck der Apple EarPods

Die Apple EarPods erreichen bei ausgeschalteten Equalizern einen maximalen Schalldruck von 98,9 Dezibel beziehungsweise 83,7 Dezibel bei eingeschalteter Lautstärkebegrenzung. Der Tiefbass lässt zu wünschen übrig.

Apple EarPods | Tragekomfort und Verarbeitung

Ganze 124 Prototypen hat Apple eigenen Angaben zufolge entwickelt und an über 600 Personen getestet, ehe das Design für die neuen EarPods gefunden wurde. Im Zuge dessen mussten die Tester angeblich bei extremer Kälte und Hitze aufs Laufband, verschiedene Ausdauertrainings absolvieren sowie den Kopf in alle Richtungen schütteln. Zugegeben: Ganz so sportlich waren wir zwar nicht, doch konnten wir im alltäglichen Praxiseinsatz trotzdem ein klares Urteil fällen. So bieten die “ohrförmigen” Hörer tatsächlich einen festeren und bequemeren Sitz als ihre runden Pendants, passen aber nach wie vor nicht jedem. Vor allem Nutzer mit größeren Ohren müssen Abstriche beim Tragekomfort hinnehmen. Selbstredend hängt dieser auch von der Bewegungsart ab. Beim Joggen zum Beispiel fallen die EarPods ohne Frage häufiger heraus als beim gemächlichen Spaziergang. Wer also häufig Sport treibt, sollte auf Hörer mit Ohrbügeln oder auf ein In-Ear-Modell mit auswechselbaren Silikonpads zurückgreifen.

Gitter der Apple EarPods

Engmaschige Gitter schützen das Innenleben der Apple EarPods vor Staub und Schmutz, sind aber auch etwas schwer zu reinigen.

An der Verarbeitung gibt es Apple-typisch nichts auszusetzen: Das Gehäuse besteht zwar aus zwei Teilen, lässt aber keine Spaltmaße erkennen. Vielmehr wirken die EarPads wie aus einem Guss und fühlen sich auch dementsprechend robust an. Sämtliche Öffnungen sind mit winzigen, engmaschigen Gittern versehen, wodurch das Innenleben effektiv vor Schmutz und anderen Ablagerungen geschützt wird. Einzig die sterile weiße Hochglanzoptik dürfte nicht jedem gefallen – wie bei den Geräten selbst, könnte der Hersteller auch hier mehrere Farbvarianten anbieten. Die Kabel sind fest mit den Hörern verankert und besitzen eine gummiartige Ummantelung, die sich als sehr strapazierfähig erweist. Bei intensiver Nutzung sowie ungeschütztem Transport kommen allerdings leichte Verfärbungen zum Vorschein. Sind die Ohrhörer also gerade nicht in Verwendung, sollte man sie in der mitgelieferten Kunststoffbox verstauen.

PLAYER.de-Testurteil: GutPLAYER.de meint:
Auch wenn die menschlichen Ohren normalerweise nicht rund sind, der Klang der neuen Apple EarPods ist es in jedem Fall – vorausgesetzt, sie werden an einem kompatiblen iPhone, iPod oder iPad betrieben. Bei Smartphones und MP3-Playern von Fremdherstellern muss man insofern Abstriche hinnehmen, als dass die Ohrhörer nur bis 10 statt 20 Kilohertz hinaufspielen. Außerdem könnten die Bässe ruhig etwas satter und tiefer sein. Der allgemeinen Tonqualität tut dies allerdings keinen Abbruch, zumal die EarPods selbst leise Details originalgetreu wiedergeben. Die maximale Lautstärke beträgt 98,9 Dezibel (ohne Equalizer), wird dem EU-Grenzwert also durchweg gerecht. Der Tragekomfort ist deutlich besser als beim Vorgänger, obgleich Nutzer mit größeren Ohren immer noch mit einem etwas schlechten Sitz zu kämpfen haben. Unter dem Strich reicht es für das PLAYER.de-Qualitätssiegel “Gut”, in Verbindung mit einem Apple-Gerät sogar für die Bestnote.

Weiterführende Links

Apple EarPods Produktseite

Apple EarPods | Testergebnisse

MESSUNGEN
Klangtreue
(max. Pegelabweichung 20 Hz bis 20 kHz):
0,1 dB
Verzerrungen, frequenzabhängig
(Klirrgang über Frequenz bei 94 dB):
0,8 %
Minimale Impedanz
(20 Hz bis 20 kHz):
41,2 Ohm
Maximale Impedanzabweichung
(20 Hz bis 20 kHz):
3,0 %
Maximale Hörerlautstärke bei neutralem oder ausgeschaltetem Equalizer (IEC 60268-1): 98,9 dB
Maximale unverzerrte Hörerlautstärke
(1 kHz / 1% THD):
111,9 dB
TONQUALITÄT Gut
Preis (UVP): 29,- Euro
PLAYER.de GESAMTWERTUNG Gut

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