Portfolio: Instagram – mit Retro-Fotos zur Milliarde

Mit Instagram bearbeitetes Foto
Mit Instagram lassen sich 18 Filter auf Fotos anwenden.

Smartphones sind mittlerweile in aller Munde oder besser gesagt in aller Hände. Wer für die Feiertage noch einen netten Zeitvertreib sucht, sollte sich die Instagram-App ansehen: Eine Foto-Software, die ihren Entwicklern in nicht mal zwei Jahren eine Milliarde Dollar eingespielt hat – was steckt dahinter?

Digitalkameras in Smartphones haben zumindest die Welt der digitalen Fotografie nachhaltig beeinflusst, denn inzwischen kann jeder Besitzer eines halbwegs aktuellen Mobiltelefons qualitativ recht ansprechende Schnappschüsse produzieren. Statistisch gesehen ist das iPhone sogar der am weitesten verbreitete digitale Fotoapparat der Welt.

Schlagwortsuche in der Instagram-App
Bereits veröffentlichte Bilder anderer Nutzer findet man schnell über die Schlagwortsuche.

Kein Wunder also, dass sich ganze Firmen mit spezieller Software auf diesen großen Kundenstamm stürzen – wie etwa Instragram, das in letzter Zeit insbesondere durch die Übernahme durch Facebook in aller Munde war und noch immer ist. Im Grunde funktioniert Instagram ähnlich wie Twitter, nur eben mit Fotos und ein paar rudimentären Bildbearbeitungsfunktionen für den vom digital perfekten Allerlei abweichenden Retro-Look.

Instagram erblickt das Licht der Welt

Gegründet wurde Instagram im Oktober 2010 von Kevin Systrom und Mike Krieger. Beide trafen sich, wie es heute in der Welt der IT-Unternehmen scheinbar unumgänglich ist, beim Studium an der US-amerikanischen Universität Stanford. Dort arbeiteten beide an diversen Projekten, wovon zumindest Instagram es auch zur Marktreife brachte.

Anfangs war Instagram als App zwar ausschließlich in Apples hauseigenem App-Store zu finden und somit exklusiv für Nutzer des iPhones zu erwerben, doch im Frühjahr 2012 kam auch eine Android-Variante dazu. Inzwischen kann Instagram auf mehrere hundert Millionen Nutzer blicken – eine Zahl, die auch den exorbitanten Verkaufspreis vielleicht etwas verdaulicher macht.

Polaroid-Look von Instagram
Zurück in die 80er-Jahre: Farbige Polaroid-Fotos dominierten bei den Schnappschüssen. Instagram holt diesen Retro-Look auf aktuelle Smartphones.

1.000.000.000 US-Dollar

Im April 2012, zum Höhepunkt der Popularität von Instagram, wurden sowohl Unternehmen als auch Software von Facebook gekauft – zu einem stolzen Preis von etwa einer Milliarde US-Dollar, die teils in bar und teils in Aktien bezahlt wurde. Anders als bei vielen anderen Akquisitionen versprach Facebook jedoch, Instagram nicht einfach in das gewaltige Social Network einzubinden, sondern das Unternehmen größtenteils unabhängig weiteragieren zu lassen.

Ob dieser Deal für Facebook sinnvoll war, wird sich zeigen müssen. Insbesondere im Vergleich zum Aufkauf von Flickr durch Yahoo! – seinerzeit haben 35 Millionen US-Dollar gereicht, und auch Flickr zählt mit mehreren Millionen Fotografen sicherlich nicht zu den kleineren Fotoportalen – scheint die bezahlte Summe, wovon allein 400 Millionen US-Dollar an Kevin Systrom wanderten, stark überteuert.

Was kann Instagram?

Stöbern in der Instagram-App
Instagram lässt sich entweder anhand der Bilder oder eingegebener Schlagworte durchsuchen.

Um einen solchen Kaufpreis irgendwie zu rechtfertigen, muss natürlich ein gewisser Funktionsumfang gegeben sein. Neue Bildbearbeitungsfunktionen findet man allerdings nicht. Bilder, die mit Instagram aufgenommen wurden, können mit wenigen Buttons mit diversen Filtern versehen werden. Ein immer wiederkehrendes Merkmal der Instagram-Schnappschüsse ist dabei die Ähnlichkeit zu älteren Polaroid-Aufnahmen.

Die Bilder haben daher häufig ein quadratisches Seitenverhältnis, was bei Smartphones unüblich ist, die sonst wie herkömmliche Fotoapparate im Format 3:2 fotografieren. Außerdem können schwarze Randabdunkelungen sowie Filmkorn hinzugefügt oder auch Farben mit deutlich veränderten Kontrast versehen werden – so dass schnell der Eindruck entsteht, dass das Foto mit einer älteren Kamera und eben nicht mit einem hochmodernen Stück Technik in Form eines Smartphones entstanden ist.

Der Retro-Look ist offensichtlich in und lenkt von der Tatsache ab, dass nicht extra ein Fotoapparat bemüht wurde. Die Anmeldung bei Instagram ist verpflichtend – wer kein Nutzerprofil anlegt, kann die Software auch nicht verwenden. Nach dem Upload haben alle Nutzer der Instagram-Software auch die Möglichkeit, die Inhalte zu sehen (sofern man nicht extra auf privat stellt). Durch das Einfügen von Stichworten (Tags) zur besseren Auffindbarkeit wachsen digitale Alben zu gewissen Themen.

Mit Instagram positionierter Schärfekreis
Ein in der Größe veränderbarer und frei positionierbarer Schärfekreis ist das schon das anspruchsvollste, was Instagram zu bieten hat.

Ist Instagram ein Ersatz für den professionellen Einsatz?

Weiterverarbeitung in der Instagram-App
Die bearbeiteten Fotos können im Instagram-Netzwerk veröffentlicht, per email versendet oder auf andere Plattformen wie Flickr, Twitter und Facebook übertragen werden.

Kurz und knapp: nein. Dazu fehlt es dem Programm und seinen Filtern schlichtweg an Funktionalität und Individualität. Auch sehr unbedarfte Nutzer können zwar dank der diversen Filter schnell Fotos erstellen, die einen professionellen oder sogar künstlerischen Anspruch erfüllen – doch natürlich greift jeder Nutzer auf dieselben Filter zu. Wirkliche Kreativität wird so nicht erreicht, da sich alle Fotografen derselben Technik bedienen.

Geeignet hingegen ist Instagram für Personen, die einfach nur Bilder teilen wollen und diese ohne viel Nachbearbeitung dennoch ein wenig anders aussehen lassen möchten. Die Software ist schnell installiert und sehr einfach zu verstehen, besondere Technik- oder Fotografiekenntnisse sind nicht notwendig. Auch Bilder, die man von einer anderen Kamera auf iPhone, iPad oder Android-Gerät importiert hat, lassen sich verarbeiten und veröffentlichen.
 
 
 
 
 

PLAYER.de meint:
Wirklich neu ist an Instagram nichts, aber: Für Erfolg muss man die Welt nicht neu erfinden, sondern nur neu kombinieren. Doch wenn sich mit 18 eher simplen Filtern eine Milliarde Dollar machen lassen, dann wird es Zeit, dass einige weitere Smartphone-Apps entwickelt werden. Nachfolgend ein paar Vorschläge. Bei erfolgreicher Entwicklung dieser Apps und Verkauf an Facebook gehen übrigens zehn Prozent an die Redaktion! ;-)

  • Eine Software, die Smartphone-Videos den Look von Super-8-Aufnahmen verpasst. Wichtig dabei: Jede Szene wird nach zehn Sekunden gekappt. Film war schließlich teuer.
  • Eine App, die automatisch auf Bildern Köpfe vertauscht – aus anderen Fotos auf der Speicherkarte.
  • Eine Spracherkennung à la Siri, die es erlaubt, Bildern Texte hinzuzufügen, etwa als Notiz zur Erinnerung in den Metadaten oder als eingeblendete Bildzeile. Auf Wunsch auch im Dialekt.
  • Filter für Bildfehler, von der Überbelichtung über Doppelbelichtung bis hin zum Finger vor dem Objektiv. Dabei wird natürlich die Originaldatei gelöscht.
  • Eine VHS-Simulation für Videos, einschließlich Bandriss, falschem Insertschnitt und wegkippenden oberen Bildzeilen. Für jüngere Zuschauer wird auf Wunsch eine Erklärung eingeblendet.