Test: Harman Kardon BDT 30 – verwöhntes Einzelkind

Harman Kardon BDT 30 im Test
3D Blu-ray Player: Harman Kardon BDT 30 im Test

The American Way of Life? Von wegen! Der amerikanische Hersteller Harman Kardon lässt seine Blu-ray Player – wie viele Konkurrenten – in China fertigen. Das gilt auch für den ersten und bislang einzigen 3D-taugliche Spieler aus dem Hause: den BDT 30. PLAYER.de wollte wissen, was der Erstling auf dem Kasten hat.

Wurden die 3D-fähigen BDS-Heimkinosysteme von Harman Kardon teils intensiv im Fernsehen beworben, schwappte der 3D Blu-ray Player BDT 30 mehr oder weniger unbemerkt auf den europäischen Markt. Das große Gehäuse lässt Parallelen zu manchem High-End-Konkurrenten erkennen und macht auf den ersten Blick einen sehr hochwertigen Eindruck. Doch auch technisch soll das Modell einiges bieten, erfüllt er laut Produktseite doch „mit einem überwältigenden 3D-Erlebnis selbst höchste Leistungsanforderungen“. Der Preis von rund 400 Euro unterstreicht dieses Versprechen dezent, obgleich die Ausstattung und Multimedia-Fähigkeiten weniger überzeugen.

Frontansicht des Harman Kardon BDT 30
Der Harman Kardon BDT 30 besitzt ein relativ großes Gehäuse, obwohl die eingebauten Komponenten sehr platzsparend sind.
 

Vorgestelltes Produkt:
Harman Kardon BDT 30 3D-Blu-ray Player (HDMI, Upscaler 1080p, DivX Ultra-zertifiziert, USB 2.0) anthrazit
Aktueller Amazon-Preis:


 

Vorteile des- Harman Kardon BDT 30 im Überblick:
+ überzeugende Bildqualität bei Blu-ray (in 2D und 3D)
+ nützliche Bildregler
+ Unterstützung zahlreicher Multimedia-Formate
+ leises Betriebsgeräusch

Nachteile des Harman Kardon BDT 30 im Überblick:
– fehlerhafte Farben im RGB-Modus
– hochskalierte DVDs wirken weich
– Videos in 60 Hertz ruckeln leicht
– keine Internet- und Netzwerkfunktionen

Harman Kardon BDT 30- | Bildqualität Blu-ray

Entgegen der hohen Erwartungen erlaubt sich der BDT 30 in der Hauptdisziplin einige Schwächen, die wertvolle Punkte kosten. Anzuführen sind hier vor allem die groben Farbfehler im RGB-Modus: Grün wird viel zu stark gesättigt, während rote Farben zu blass wirken. Abhilfe schafft hier die manuelle Umschaltung auf „YUV“. In diesem HDMI-Farbmodus zeigt der Blu-ray Player korrekte Farben und Kontraste. Dabei werden auch ultraschwarze und ultraweiße Kontraste von Clips im AVCHD-Format nicht gekappt.

Die Auflösung hingegen ist einwandfrei: Filme von Blu-ray erscheinen gestochen scharf und flimmerfrei. Allenfalls in HDTV-Videos mit 60 Hertz treten in unregelmäßigen Abständen kurzzeitige Ruckler auf, die den Gesamteindruck ein wenig trüben. Dreidimensionale Streifen wie etwa „Mumien 3D“ überzeugen ebenfalls auf ganzer Linie, wenn auch der BDT 30 im Gegensatz zu vielen günstigeren Konkurrenten keine 2D-zu-3D-Konvertierung beherrscht. Zudem funktionieren die Bildregler ausschließlich im 2D-Betrieb.

Videofrequenzgang des Harman Kardon BDT 30
Der Videofrequenzgang des Harman Kardon BDT 30 verläuft zwar linear, doch leistet sich der Player Schwächen im RGB-Farbmodus, beim DVD-Upscaling und bei 60-Hertz-Videos.

Harman Kardon BDT 30 | Bildqualität DVD

DVDs gehören nicht unbedingt zur Lieblingsspeise des BDT 30. Er schluckt diese zwar ohne Murren, doch wirkt das Bild relativ weich. Das ist darauf zurückzuführen, dass feine horizontale und vertikale Muster lediglich den halben Kontrast zeigen. Der Schärferegler schafft dabei nur bedingt Abhilfe. So erscheinen die Bilder durchaus knackiger, jedoch treten bereits nach dem Anheben um eine Stufe leichte Säume an horizontalen Motivkanten auf. Nichtsdestotrotz gelingt die Vollbildwandlung einwandfrei.

Die oft zitierte Rummelplatzszene aus „Space Cowboys“ wird – bis auf wenige, nicht erwähnenswerte Ausnahmen – ohne Flimmereffekte abgespielt. Einziges Manko ist die etwas kontrastschwache Darstellung der Maserungen im Bauzaun. Um exakte Korrekturen vornehmen zu können, wäre ein feiner gestufter Regelbereich für die Helligkeits- und Kontrasteinstellung wünschenswert.

Bildregler des Harman Kardon BDT 30
Der BDT 30 verfügt über sechs Bildregler, doch lassen sich diese nur im Stop-Modus abrufen, weshalb die Einstellung mehr oder weniger blind erfolgt.

Harman Kardon BDT 30- | Tonqualität

Das umfassende Know-how im HiFi-Bereich von Harman Kardon kommt auch beim BDT 30 zum Tragen. Seine analogen Stereoausgänge klingen nämlich absolut neutral und bescheren dem Player im Testlabor makellose Messwerte. Nützliche Extras wie Klangprogramme oder eine Lip-Sync-Funktion zur Tonverzögerung sucht man jedoch vergeblich. Immerhin tröstet eine Dynamikkompression etwas darüber hinweg.

Audiofrequenzgang des Harman Kardon BDT 30
An der Tonqualität des Harman Kardon BDT 30 gibt es nichts auszusetzen. Sein Audiofrequenzgang verläuft perfekt.

Über HDMI gibt der BDT 30 wahlweise Bitstreamton oder intern decodierten PCM-Ton aus. Außerdem ist über S/PDIF eine DTS-Neucodierung der beiden Hochbitformate Dolby TrueHD und Dolby Digital Plus möglich. Die letztendliche Klangqualität hängt allerdings vom Gerät ab, an welchem der Player angeschlossen wird – in der Regel also vom AV-Receiver. Um dreidimensionale Filme mit hochauflösendem Sound genießen zu können, sollte dieser übrigens 3D unterstützen. Anders als zum Beispiel der Pioneer BDP-LX55, verfügt der Harman-Kardon-Player nämlich über keinen zweiten HDMI-Port.

Harman Kardon BDT 30- | Features und Bedienung

Fernbedienung des Harman Kardon BDT 30
Aufgrund der ähnlichen Größe und Form der Fernbedienungstasten ist die Steuerung des BDT 30 nicht wirklich komfortabel. Zudem fallen die Beschriftungen recht klein aus.

So hochwertig das Gehäuse auch aussieht, entpuppt es sich schnell als Mogelpackung – vor allem im Hinblick auf die 38 Zentimeter Bautiefe. Der Großteil des vorhandenen Platzes bleibt nämlich ungenutzt. Das hat allerdings den Vorteil, dass kein Hitzestau innerhalb des Players entsteht und der eingebaute Lüfter in der Praxis de facto gar nicht benötigt wird. Dadurch sinkt natürlich auch der Stromverbrauch: Überschaubare zwölf Watt zieht der BDT 30 im Betrieb aus der Steckdose. Die Startzeit aus dem Standby-Modus heraus beträgt etwa 21 Sekunden. Betriebsgeräusche sind nicht zu hören.

Die Benutzeroberfläche ähnelt der einiger Konkurrenzmodelle aus Fernost, was darauf schließen lässt, dass diese in der gleichen Produktionsstätte vom Band rollen. Der Bedienfreundlichkeit tut dies aber keinen Abbruch – ganz im Gegenteil: Das Menü wirkt aufgeräumt und man findet schnell zurecht, was angesichts der mageren Ausstattung wenig verwundert. Im Bildmenü stehen sechs Bildregler zur Verfügung, welche sich jedoch nur bei gestoppter Wiedergabe nutzen lassen. Im 3D-Modus sind diese – wie bereits erwähnt – nicht verwendbar. Auf spezifische 3D-Einstellungen und -Effekte hat Harman Kardon ebenfalls verzichtet.

Der BDT 30 merkt sich beim Stoppen eines Films übrigens die letzte Abspielstelle und setzt die Wiedergabe auf Wunsch zu einem späteren Zeitpunkt fort. Einen internen Speicher für BD-Live-Downloads bringt er leider nicht mit – hierfür muss man etwa ein USB-Stick anschließen. Das Laufwerk arbeitet relativ flott und benötigt zum Einlesen von DVDs akzeptable zwölf Sekunden. Blu-rays werden nach 21 Sekunden angespielt.

Anzeigeeinstellungen beim Harman Kardon BDT 30
Anders als im „YUV“-Modus, verfälscht der Harman Kardon die Farben in „RGB“. Besondere 3D-Einstellungen und -Effekte sucht man vergeblich.
Netzwerkeinstellungen beim Harman Kardon BDT 30
Der Harman Kardon BDT 30 lässt sich einfach ins Netzwerk einbinden, kann aber nicht auf darin verfügbare Multimedia-Dateien zugreifen.
MP3-Wiedergabe beim Harman Kardon BDT 30
Tags einer MP3-Datei werden im Wiedergabefenster des Harman Kardon BDT 30 sauber aufgelistet. Mit Covern kann der Player aber nichts anfangen.

Harman Kardon BDT 30 | Multimedia-Fähigkeiten

Ebenso wie bei den Steuergeräten der BDS-Heimkinosysteme, beschränken sich die Multimedia-Fähigkeiten des BDT 30 vorwiegend auf die USB-Wiedergabe. Das ist zwar nicht mehr zeitgemäß, doch entschädigt das Modell dafür mit einer breiten Formatunterstützung und hohen Flexibilität. Zum Beispiel stellt er (JPEG-)Fotos gestochen scharf dar und spielt sie auf Wunsch inklusive Begleitmusik (MP3) als Diashow ab. Die Anzeigedauer beträgt fünf, 15 oder 30 Sekunden. Ferner kann der Nutzer zwischen verschieden Überblendeffekten wählen. Hochformate werden automatisch erkannt.

An Videoformaten unterstützt der Player AVCHD, DivX HD, MKV, MP4 XviD und MOV, also alle gängigen Codecs. Wie bei der Wiedergabe von Blu-ray Scheiben, erscheinen auch bei USB-Zuspielung beispielsweise der Kurzfilm „Big Buck Bunny“ oder der Kinotrailer von „I am Legend“-  mit originalgetreuen 24 Vollbildern pro Sekunde auf dem Fernseher respektive der Leinwand. Dennoch schade, dass der BDT 30 kein DLNA-Streaming beherrscht – die LAN-Buchse dient ausschließlich dem Zugriff auf BD-Live-Inhalte. Internetdienste à la YouTube und Facebook bleiben demnach ebenfalls auf der Strecke.

Rückseite des Harman Kardon BDT 30
Energiesparend: Der Harman Kardon BDT 30 verfügt zwar über einen Lüfter, doch läuft dieser in der Praxis nicht an. Mittels Schalter lässt sich der Player ganz vom Stromnetz trennen.

PLAYER.de-Testurteil: GutPLAYER.de meint:
Dafür, dass der Hersteller aus dem „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ stammt, sind die Fähigkeiten des Harman Kardon BDT 30 doch ziemlich eingeschränkt. Diese konzentrieren sich hauptsächlich auf die Wiedergabe von Blu-rays, DVDs und CDs sowie von USB-Speichermedien. Abgesehen vom recht weichen DVD-Upscaling und den Rucklern bei 60-Hertz-Videos gibt es an der Bildqualität nichts auszusetzen – die Farbfehler gehören im „YUV“-Modus der Vergangenheit an. Aktuelle Kinofilme werden sowohl in 2D als auch in 3D originalgetreu abgespielt. Ebenso überzeugen die praktischen Videoregler sowie die breite Formatunterstützung. Der Preis von rund 400 Euro ist jedoch nicht gerechtfertigt, zumal die Ausstattung vor allem im Hinblick auf die Multimedia-Features sehr mager ausfällt. Trotzdem bekommt der Harman Kardon BDT 30 unter dem Strich das PLAYER.de-Qualitätssiegel „Gut“.

Harman Kardon BDT 30- | Testergebnisse

AUSSTATTUNG

Allgemein
Preis (UVP): 399,- Euro
Abmessungen: 6,6 x 44 x 35,2 cm (H x B x T)
Stromverbrauch aus: 0 Watt
Stromverbrauch Standby: 0,2 Watt
Stromverbrauch Betrieb: 12,5 Watt

Anschlüsse
HDMI: 1x
Component (YUV): 1x (Cinch)
Scart: nicht vorhanden
S-Video: nicht vorhanden
F-BAS: 1x (Cinch)
Digital-Ton: 1x HDMI, 1x Koaxial
Analog-Ton: 1x Cinch (2.0)
LAN: 1x
USB: 1x
Sonstige: keine

Wiedergabe
DVD-Medien: alle, außer DVD-RAM
Blu-ray-Medien: -R/-RE
Disc-Formate: Blu-ray, DVD-Video, CD
Andere Formate: MP3, JPEG, DivX HD, AVCHD, MKV, MP4, XviD
Info über Datenrate: ja
24p-Ausgabe: ja
3D-Wiedergabe: ja
2D-zu-3D-Konvertierung: nein
BD-Profile 1.1 (Bild-in-Bild): ja
BD-Profile 2.0 (BD-Live): ja
Internet: nein
DLNA: nein
HD-Ton als Bitstream über HDMI: ja
HD-Ton Mehrkanaldecoder: Dolby TrueHD, DTS-HD

BEWERTUNG
Sehtest: Blu-ray: Sehr gut
DVD: Gut
HDMI-Bildauflösung: 100 %
HDMI-Neutralität: Sehr gut
BILDQUALITÄT Gut
Hörtest: Sehr gut
Qualität Digitalton (Jitter): 2,7 %
Analogton Klangtreue: 0,1 dB
Rauschabstand (S/N): 99 dB
TONQUALITÄT Sehr gut
Ausstattung: Ausreichend
Bedienung: Gut
Menü: Gut
Material + Verarbeitung Gut
Startzeit aus Standby 21 Sekunden
Einlesezeit DVD / Blu-ray 21 / 12 Sekunden
PLAYER.de GESAMTWERTUNG Gut