Neue Digitalkamera: Leica setzt überraschend auf Videoaufnahmen in Full-HD

Leica stellt neue Leica M vor
Leica hat auf der Photokina 2012 die neue Leica M mit Full-HD-Videofunktion vorgestellt

Setzte der traditionsreiche deutsche Kamerahersteller Leica bislang auf Purismus, gehen die Entwickler jetzt offensichtlich neue Wege. So wurde im Rahmen der aktuell stattfindenden Fotomesse „Photokina“ die Leica M vorgestellt, die als erstes Modell der M-Serie nicht nur einen CMOS-Bildsensor besitzt, sondern auch Videos in voller HD-Auflösung (Full-HD) aufzeichnet.

Der Hersteller selbst spricht sogar von einem „zukunftsweisenden Meilenstein im Leica-Messsuchersystem“. Konkret soll die Leica M die Möglichkeiten innovativer Digitaltechnologie mit der kontinuierlich weiterentwickelten Messsuchertechnik vereinen. Hierfür ist sie als erstes Leica-Modell ihrer Art nicht mit einem herkömmlichen CCD-Chip, sondern einem Leica-Max-CMOS-Bildsensor im 36 x 24 Millimeter großen Kleinbildformat ausgestattet.

Bildsensor der Leica M
Die Leica M besitzt als erste Kamera der M-Serie einen CMOS- statt CCD-Sensor. Auf 36 x 24 Millimetern sind 24 Megapixel untergebracht.

Dieser löst 24 Megapixel auf und wurde gemeinsam mit dem Kooperationspartner CMOSIS speziell für die Kamera sowie den Einsatz von M- und R-Objektiven entwickelt. Der aus dem Leica-S-System stammende Maestro-Prozessor verspricht dabei maximale Bildqualität und Geschwindigkeit. Laut technischer Daten knipst die Leica M bis zu drei Bilder pro Sekunde und legt diese auf Wunsch sowohl im JPEG- als auch im RAW-Format (DNG) ab. Die ISO-Empfindlichkeit reicht von ISO 200 bis ISO 6.400.

Zur präzisen Beurteilung von Schärfe, Belichtung und Farbe verfügt die Kamera über einen Drei-Zoll-Monitor mit 920.000 Pixeln. Das Deckglas besteht aus dem robusten, kratzunempfindlichen Gorilla-Glass von Corning. Mit der neuen Live-View-Funktion erhält der Fotograf nun sogar zusätzliche Anwendungsmöglichkeiten, die über die klassische Messucherfotografie hinausgehen. Beispielsweise erfolgt die Fokussierung direkt über das Display, was vor allem bei Makro- und Teleaufnahmen von Vorteil ist.

Rückseite der Leica M
Der Monitor der Leica M löst 920.000 Bildpunkte auf und kann nun auch als Live-View-Display sowie zur Fokussierung verwendet werden.

Der neue „Live-View-Zoom“ erlaubt eine bis zu zehnfache Vergrößerung des Motivs für die volle Kontrolle der Detailschärfe sowie der Naheinstellgrenze. Hinzu kommt die Funktion „Live-View-Fokus-Peaking“, welche die Kanten automatisch mit roten Linien markiert. Laut Hersteller lässt sich die Fokussierung auf diese Weise besonders exakt beurteilen. Die Auswahl der beiden Fokusmethoden erfolgt über die eigens hinzugefügte Fokustaste. Selbstverständlich bietet die Leica M manuelle Einstelloptionen. Das Menü wurde ebenfalls überarbeitet und verspricht so jederzeit einen klaren Überblick über die Kameraeinstellungen.

Oberseite der Leica M
Neue Technik im alten Design: Das Metallgehäuse der Leica M besitzt nach wie vor ein puristisches Erscheinungsbild und ist dank spezieller Gummidichtungen vor Staub und Spritzwasser geschützt.

Als Videoauflösungen stehen 1080p, 720p und VGA (640 x 480 Pixel) zur Verfügung, wobei die Aufnahme entweder mit 24 oder 25 Bildern pro Sekunde erfolgt – in VGA-Qualität sind zusätzlich 30 Hertz möglich. Die Clips werden wahlweise im Motion-JPEG-Format oder als MOV-Datei auf einer SD-Karte gespeichert. Für die Tonaufzeichnung ist ein Monomikrofon an Bord, wobei Leica ein Stereo-Adapter-Set optional anbietet.

Ebenfalls optional erhältlich sind der „Leica R-Adapter M“ für den Anschluss von R-Objektiven, der elektronische Sucher „Leica EVF2“ sowie der „Multifunktionshandgriff-M“ mit integriertem GPS-Modul.

Die Kamera selbst ist herstellertypisch auf Robustheit und Langlebigkeit ausgerichtet, was unter anderem die aus massiven Messingblöcken gefräste Deckklappe und der auf die gleiche Weise gefertigte Bodendeckel nochmals unterstreichen. Zusätzlich verfügt das Metallgehäuse über eine Magnesiumlegierung sowie spezielle Gummidichtungen, die optimalen Schutz vor Staub und Spritzwasser garantieren.

Die Leica M soll Anfang 2013 in eienr schwarz lackierten und einer silbern verhromten Ausführung auf den Markt kommen. Der empfohlene Verkaufspreis leigt bei 6.200 Euro.

PLAYER.de meint:
Für den puristisch angehauchten deutschen Hersteller ist die Leica M eine unerwartete Trendwende und ein guter Beweis dafür, dass man sich auch als Traditionsunternehmen neue Techniken aneignen sollte. Schließlich verfügen mittlerweile fast alle Digicams über eine Full-HD-Videofunktion, die man selbst als eingefleischter Fotograf in manchen Situationen nicht missen möchte. Ebenso erfreulich finden wir, dass sich das Motiv über den Monitor scharf stellen lässt. Schließlich erfordert die Messsuchertechnik einige Übung, wie ausführlich im Test der Leica M9-P zu lesen ist. Mit einem Preis von über 6.000 Euro bleibt die Leica M allerdings ein Werkzeug für klassische Fotopuristen.