Fotografie-Workshop: 10 Tipps für spannende Fotos von Blitzen

PLAYER.de-Workshop zur Blitzfotografie
Besser fotografieren: 10 Tipps für spannende Fotos von Blitzen (Bild: -© Falk Blümel / PIXELIO)

Potz Blitz und Donnerwetter! Der Sommer bringt uns nicht nur Sonne satt und hohe Temperaturen, sondern auch heftige Gewitter. Besonders faszinieren uns dabei Blitze: Für manche Menschen sind sie furchteinflößend, für ambitionierte Naturfotografen aber ein gefundenes Fressen. Doch wie fängt man diesen extrem kurzen Moment der grellen Funkenentladung mit der Kamera ein? PLAYER.de verrät Dir zehn praktische Tipps, worauf es wirklich ankommt.
 
 
 
 

1. Equipment zusammenstellen

Bei einem aufziehenden Gewitter sollte man die Fotoausrüstung sofort zur Hand haben. Das Wichtigste ist natürlich die Kamera: Zum Bedauern vieler Einsteiger kommen hier ausschließlich Modelle mit manuellen Einstellmöglichkeiten infrage. Als Objektiv genügt ein flexibles Standardzoom, dessen Kleinbild-Brennweitenbereich zwischen 24 und 100 Millimetern liegt. Eine große Speicherkarte, ein stabiles Stativ und ein Fernauslöser gehören ebenfalls zum Equipment. Nicht unbedingt erforderlich, aber vorteilhaft sind ein wetterfester Schutzüberzug für die Kamera sowie eine Uhr zum Stoppen der Belichtungszeit.

2. Fotosession vorbereiten

Wann, wo und wie sich der nächste Blitz entlädt, lässt sich trotz genauester Wetterprognosen niemals vorhersagen. Das Shooting kann man allerdings sehr wohl vorbereiten: Erkundige Dich zum Beispiel im Internet oder beim Wetterdienst über aufziehende Gewitter und deren Zugrichtung. Die besten Fotos gelingen in der Nacht oder in der Dämmerung, da die Verschlusszeit bei taghellem Licht zu kurz ausfallen oder zur Überbelichtung führen würde (mehr unter „Richtig belichten“). Zudem wirken Funkenentladungen vor einem dunklen Hintergrund viel intensiver.

3. Passenden Standort suchen

Die Standortwahl spielt bei der Gewitterfotografie eine entscheidende Rolle. Welches Motiv passt am besten vor die blitzdurchzuckte Wolkenfront? Diese Frage sollte sich der Fotograf zuerst stellen. Schließlich sieht ein schlichter Blitz am Nachthimmel oft langweiliger aus als beispielsweise eine von Lichtbögen erleuchtete Stadtkulisse oder Landschaft. Achten Sie aber darauf, dass keine Bäume, Straßenlaternen oder andere Objekte die Sicht versperren. Wichtig ist, dass der Aufnahmeort schnell erreicht werden kann, um die besten Momente nicht zu verpassen.

Vorder- und Hintergrund spielen bei der Blitzfotografie eine große Rolle
Nicht gerade ideal: Für ein gelungenes Blitzfoto sind ein schöner Vorder- und Hintergrund entscheidend.

4. Keine Risiken eingehen

So faszinierend Blitze auch aussehen, bleiben sie ein unberechenbares, gefährliches Naturereignis. Fotografiere also nur aus sicherer Entfernung oder zumindest aus dem Auto heraus („Faraday-Käfig“). Die bekannte Faustregel lautet: Die Zeit in Sekunden, die zwischen Blitz und Donner vergeht, geteilt durch drei – das ergibt die Entfernung des Gewitters in Kilometern. Außerdem solltest Du Deine Kamera vor dem meist gewitterbegleitenden Regen schützen, damit die Fotosession nicht wortwörtlich ins Wasser fällt.

Die „DSLR Plus Regenhaube“ von Petrol Bags schützt die Kamera vor Nässe – fotografiere dennoch lieber von einem sicheren Standort aus.

5. Manuellen Modus aktivieren

Hat man den richtigen Standort vor der Gewitterfront gefunden, ist es an der Zeit, die Kamera samt Stativ und Fernauslöser aufzustellen. Die Automatikmodi des Geräts sind für das Fotografieren von Blitzen fast komplett ungeeignet, da die Aufnahmeparameter optimal aufeinander abgestimmt sein müssen. Aktiviere deshalb die manuelle Betriebsart sowie den RAW-Modus. Letzterer eröffnet Dir viele wichtige Nachbearbeitungsmöglichkeiten.

6. Geeignete Brennweite verwenden

Als Objektiv empfiehlt sich – wie bereits erwähnt – ein flexibles Standardzoom, wobei die Brennweite weder zu kurz noch zu lang eingestellt sein sollte: Während die Blitze in extremer Weitwinkelstellung einfach zu klein erscheinen, treten im Telebereich oft Farbsäume und -verfälschungen auf. Wir raten zu einer KB-Brennweite zwischen 24 und 100 Millimetern. Richte Deine Optik dorthin aus, woher die meisten Blitze kommen, anschließend fokussiere per Hand auf unendlich. Das AF-System hat nämlich häufig Schwierigkeiten damit, den dunklen Himmel scharf zu stellen.

7. ISO-Wert fest einstellen

Trotz der schlechten Lichtverhältnisse, die während des Gewitters beziehungsweise bei Nacht herrschen, sollte die Sensorempfindlichkeit auf einen niedrigen Wert von ISO 100 oder ISO 200 eingestellt werden, um das Bildrauschen möglichst gering zu halten. Schalte außerdem die Rauschunterdrückung und andere automatische Korrekturfunktionen aus, da die Bildspeicherung ansonsten zu lange dauern könnte. Die Kamera muss beim Fotografieren von Blitzen nonstop einsatzbereit sein.

8. Richtig belichten

Auch wenn es wie ein Widerspruch klingt: Blitze lassen sich wegen ihrer extrem kurzen Leuchtdauer von wenigen Millisekunden nur mittels Langzeitbelichtung einfangen – alles andere wären zufällige Schnappschüsse. Je nach Lichtverhältnis kommen Verschlusszeiten von ein paar Sekunden (vorhandenes Umgebungslicht) bis hin zu mehreren Minuten (völlige Dunkelheit) infrage. Nutze dabei am beten den Bulb-Modus in Verbindung mit dem Fernauslöser und beende die Aufnahme, sobald sich während der Belichtung ein Blitz gezeigt hat. Für ein gelungenes Bild benötigt man einige Anläufe. Hier gilt: Übung macht den Meister.

Etwas überbelichtetes Foto eines Gewitters
Schade: Ein schönes Motiv, aber leider war die Belichtungszeit zu lang (Bild: -© Udo Nowak / PIXELIO).

9. Abblenden

Blitze am Abend sowie in der Nacht sollten mit einem Blendenwert zwischen f/8 und f/11 fotografiert werden. Abhängig von der Aufnahmesituation darfst Du die Blende natürlich noch weiter öffnen, wenn zum Beispiel das Umgebungslicht zu schwach ist. Tagsüber hingegen empfiehlt sich zur Erhöhung der Verschlusszeit ein Wert von f/16. Blendet man übrigens weiter ab, verschlechtert sich die Bildqualität aufgrund zunehmender Beugungsunschärfe. Greife deshalb lieber auf einen Graufilter (oft auch als ND- beziehungsweise Neutraldichtefilter bezeichnet) zurück.

10. Dezent nachbearbeiten

Durch die lange Belichtungszeit erscheint der Niederschlag oft als eine Art grauer Schleier auf dem Foto, was einen niedrigen Kontrast zur Folge hat. Dieses Problem kann mit einer Bildbearbeitungssoftware behoben werden, indem man den Kontrast der helleren Bereiche über die Tonwertkurve erhöht. Übertreibe es allerdings nicht mit der Korrektur, da grobe Änderungen sofort auffallen und unnatürlich wirken.

PLAYER.de meint:
Fotografieren ist kein Hexenwerk. Mit ein wenig Geduld und Übung sollte jeder Digicam-Besitzer zu beeindruckenden Fotos kommen. In unserem Workshop findest Du zehn praktische Tipps, um diesem Ziel ein gutes Stück näher zu rücken. Die Blitzfotografie, also jene, die sich mit dem Einfangen von Funkenentladungen befasst, ist dennoch keine leichte Aufgabe. Vielmehr gehört dazu auch eine große Portion Glück. Wer hartnäckig bleibt, wird aber mit phänomenalen Fotos belohnt. Wir würden uns übrigens freuen, wenn Du ein – Deiner Meinung nach – besonders gelungenes Bild zu diesem Thema auf unsere Facebook-Pinnwand postest. Gerne geben wir dazu unsere Meinung ab!
Ach ja: Noch ein paar Blitzfotos findest Du im Testbericht zur Nikon D4!

Weiterführende Links:
Pixelio.de