Test: Harman Kardon BDS 870 – Heimkino auf amerikanische Art

Harman Kardon BDS 870 im Test
Heimkino-Set: Harman Kardon BDS 870 im Test

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen: Um das Wohnzimmer zu einem echten Heimkino zu machen, sind zahlreiche einzelne Komponenten notwendig. Deutlich praktischer erscheint hier das Komplettsystem BDS 870 von Harman Kardon, das bereits alles mitbringt, um „jeden TV-Abend in ein echtes Kinoerlebnis“ zu verwandeln. PLAYER.de hat die 1.650 Euro teure Anlage getestet.

Werbepausen im Fernsehen sind – sofern man kein Pay-TV-Angebot besitzt oder nicht ausschließlich die öffentlich-rechtlichen Programme einschaltet – selbstverständlich. Von Nahrungsmitteln über Mobilfunktarife bis hin zur Technik wird praktisch alles beworben. Auch Harman Kardon nutzt als einer der wenigen HiFi-Hersteller diesen Weg, um auf die Vorzüge der aktuellen BDS-Heimkinosysteme hinzuweisen. Zitat: „Sie können einen schönen Raum vervollkommen oder ihn einfach kreieren.“ Schick sieht die von uns getestete Top-Variante BDS 870 im schwarzen Hochglanzfinish allemal aus, doch soll die neue Komplettanlage vielmehr trotz sehr kompakter Maße durch überraschende Leistung bestechen. Diese scheint auch Jennifer Lopez zu gefallen, die dem Hersteller in der globalen Werbekampagne ihr Gesicht leiht.

Jennifer Lopez auf der Produktseite des Harman Kardon BDS 870
Schön anzusehen: Jennifer Lopez hat dem stylishen BDS-Komplettsystem ihr Gesicht für die Werbekampagne geliehen.
 

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Vorteile des Harman Kardon BDS 870 im Überblick:
+ überzeugende Bildqualität bei Blu-ray
+ authentischer und neutraler Rundumklang
+ einfache Bedienung und 3D-Unterstützung
+ Wandhalterungen im Lieferumfang enthalten

Nachteile des Harman Kardon BDS 870 im Überblick:
– RGB-Ausgabe über HDMI mit Farbfehler
– eingeschränkter Tiefbass
– gelegentlich hörbarer Lüfter

Harman Kardon BDS 870 | Features und Bedienung

Fernbedienung des Harman Kardon BDS 870
Harman Kardon legt dem BDS 870 eine kompakte und flache Fernbedienung bei, doch fallen ihre Tasten sowie Beschriftungen ziemlich klein aus.

Harman Kardon ist vor allem ambitionierten HiFi-Fans ein – im wahrsten Sinne des Wortes – wohlklingender Name. Doch auch die anspruchsvolle Heimkino-Fraktion konnte sich bereits mit diversen Komplettanlagen einen Eindruck vom Können des US-amerikanischen Herstellers machen. Die jüngste, luxuriös anmutende BDS-Modellreihe unterstützt erstmals 3D-Inhalte und bietet zudem mehr Anschlüsse als die Vorgängerinnen. Das Spitzensystem BDS 870 verfügt neben einem HDMI-Ausgang inklusive Audio-Rückkanal (ARC), der den TV-Ton entgegennimmt, über vier Video-Eingänge (YUV und dreimal HDMI) sowie einen analogen Stereo-Ausgang.

Das Set selbst besteht aus einem Steuergerät beziehungsweise dem 3D Blu-ray Receiver, dem Aktiv-Subwoofer HKTS 210SUB mit 20 Zentimeter großem Downfire-Treiber und angeblichen 200 Watt Verstärkerleistung, dem Center CEN-TS60 sowie vier baugleichen Surround-Lautsprechern des Typs SAT-TS60. Letztere verfügen über je zwei 75-Millimeter-Flachmembrantreiber, zwischen denen eine Keramik-Metall-Kalotte für den Hochton sitzt. Diese befindet sich hinter einem verstärkend wirkenden Hornmund und misst im Durchmesser 19 respektive 25 Millimeter beim Center. Die kompakten, ovalen Boxen lassen sich entweder ins Regal stellen oder mit den mitgelieferten Halterungen schwenkbar an den Wänden befestigen.

Das Steuergerät selbst unterstützt alle wichtigen Tonformate, beherrscht jedoch nicht die unbearbeiteten Wiedergabe von Stereomusik über die Front- und Surround-Lautsprecher („Disko-Modus“). An den Einstellmöglichkeiten gibt es zwar nichts auszusetzen, doch fallen diese verständlicherweise nicht so umfangreich wie bei einem vollwertigen AV-Receiver aus. So sind die Schrittweiten für Pegel und Entfernung mit einem Dezibel beziehungsweise 0,3 Metern recht grob.

Zudem stehen für die Klangregelung lediglich Bass- und Höhenfilter zur Verfügung. Dafür kümmern sich effiziente Digitalendstufen um die Signalverstärkung und ermöglichen so einen Stromverbrauch von lediglich 40 Watt bei Zimmerlautstärke. Die Bedienung gelingt dank strukturierter Menüs und überschaubarer Einstelloptionen problemlos.

Nichtsdestotrotz hält der Subwoofer auf der Rückseite einen praktischen Schiebeschalter bereit, mit dem man die Klangcharakteristik verändern kann. Konkret verschiebt eine sanfte elektronische Entzerrung die Basswiedergabe weiter gen Keller, wodurch der HKTS 210SUB seine Lieblingsfrequenz bei 60 statt bei 85 Hertz anlegt. Die sogenannte Boost-Funktion macht insofern Sinn, als dass sie für subjektiv mehr Druck und Tiefgang sorgt, ohne den maximalen Pegel zu verschlechtern.

Der Übertragungsbereich wird dabei kaum beeinflusst: Er liegt regulär zwischen 52 und 115 Hertz, mit eingeschaltetem Boost reicht er 48 bis 102 Hertz. Ob der Nutzer den LFE- oder Stereo-Eingang zum Anschluss verwendet spielt keine Rolle, zumal hinter beiden eine Tiefpass-Filterung stattfindet. Diese bedämpft Frequenzen über 140 Hertz mit einer Flanke von 24 Dezibel pro Oktave.

Rückseite des Blu-ray Receivers des Harman Kardon BDS 870
Der Blu-ray Receiver der Spitzenanlage von Harman Kardon verfügt über massive Schraubterminals und hält auch sonst alle wichtigen AV-Anschlüsse bereit.
Hauptmenü des Harman Kardon BDS 870
Harman Kardon legt beim BDS 870 großen Wert auf ein strukturiertes und aufgeräumtes Menü. Der Player bietet drei HDMI-Eingänge.
Eingeblendete Display-Informationen des Harman Kardon BDS 870
Der Blu-ray Receiver des Harman Kardon BDS 870 blendet auf Wunsch alle wichtigen Informationen – zum Beispiel die verwendeten Audiocodecs – ins Bild ein.
Bildmenü des Harman Kardon BDS 870
Bei RGB-Ausgabe über das Harman Kardon BDS 870 leuchtet sattes Grün zu hell (Farbpegelfehler). Das natürlichste Bild erhält man in der HDMI-Farbmatriv „YCbCr“.
Lautsprecher-Setup des Harman Kardon BDS 870
Das Harman Kardon BDS 870 bietet umfassende Lautsprecher-Einstellungen, doch fallen die Schrittweiten für Pegel und Entfernung ziemlich groß aus.
Netzwerk-Einstellungen beim Harman Kardon BDS 870
Harman Kardon hält offenbar nicht viel von Internetdiensten: Die Netzwerkbuchse ermöglicht ausschließlich den Zugriff auf Zusatzinhalte von Blu-rays (BD-Live).
MP3-Wiedergabe beim Harman Kardon BDS 870
Verlustfreie Musikstücke lassen sich beim 870 ausschließlich über USB abspielen – bei der Disc-Wiedergabe werden Lieder nur im MP3-Format unterstützt..

Harman Kardon BDS 870 | Multimedia-Fähigkeiten

Rückseite des Subwoofers Harman Kardon HKTS 210SUB
Der Harman-Kardon-Subwoofer HKTS 210SUB spielt klanglich perfekt mit den BDS-870-Satelliten zusammen, so dass kein Crossover-Regler erforderlich ist.

Dass 3D-Unterstützung und Netzwerkfunktionen keinesfalls selbstverständlich für hochpreisige Geräte sind, hat jüngst der Blu-ray Player Arcam FMJ BDP100 bewiesen. Ganz so konservativ ist der Receiver der BDS 870 zum Glück nicht, doch muss man wohl oder übel dennoch auf DLNA-Streaming und sämtliche Internetdienste verzichten. Die Ethernet-Buchse auf der Rückseite dient nämlich einzig dem Abruf von BD-Live-Inhalten – YouTube, Facebook und Co. bleiben unerreichbar.

Immerhin hat Harman Kardon einen Mediaplayer spendiert, der von Discs und USB-Medien verschiedene Multimedia-Dateien wiedergibt. Dabei gibt er sogar Auskunft über den verwendeten Audio- und Videocodec sowie deren Datenrate. Musikfreunde dürften zudem von der Möglichkeit begeistert sein, Lieder per USB im verlustfreien WAV- und FLAC-Format abspielen zu können. Ein FM-Radiotuner mit 30 Senderspeichern und RDS-Anzeige komplettiert die Ausstattung. Für den Zugriff auf iPhone und iPod ist die optionale Dockingstation Bridge IIIP (99 Euro) erforderlich.

Harman Kardon BDS 870 | Bildqualität

Rein optisch macht die Komplettanlage in jedem Fall eine gute Figur. Umso erfreulicher, dass dies auch auf die Technik zutrifft – zumindest weitestgehend: Während es bei Verwendung der HDMI-Farbmatrix YCbCr nichts am Bild auszusetzen gibt, tritt bei RGB-Ausgabe ein störender Farbpegelfehler auf. Dieser macht sich darin bemerkbar, dass satte Grüntöne zu hell leuchten – das gilt sowohl für Filme von DVDs als auch von Blu-rays. Die Vollbildwandlung wiederum gelingt perfekt. So erscheinen typische DVD-Streifen und Camcorder-Videos sauber skaliert, ohne zu flimmern. Ebenso überzeugend ist die HD-Bildqualität. Für die Bildjustage stehen sechs Regler zur Verfügung, auf die der Nutzer allerdings nur im Menü zurückgreifen kann.

Videofrequenzgang des Harman Kardon BDS 870
Der Videofrequenzgang bescheinigt dem Harman Kardon BDS 870 auch im Testlabor ein sauberes und scharfes Bild.

Über den Component-Anschluss zugespielte Videos werden in HDMI-Signale mit wählbaren Ausgangsauflösungen bis 1080p umgewandelt. Während das Upscaling bei SD-Inhalten problemlos funktioniert, bereitet HD-Material der Anlage offenbar Schwierigkeiten. Hier kommt es zu Schärfeverlusten und reduzierter Farbauflösung, wodurch Treppenstufen an farbigen Motiven entstehen. Eingehende HDMI-Signale wiederum leitet der Receiver ohne Bearbeitung zum Ausgang – eine Pass-Through-Funktion zur Weiterleitung im Standby-Modus fehlt ihm allerdings. Aus diesem Grund muss die Anlage stets eingeschaltet sein, wenn man zum Beispiel TV-Programme inklusive Surround-Sound genießen möchte.

Harman Kardon BDS 870 | Tonqualität

Boost-Funktion des Subwoofers Harman Kardon HKTS 210SUB
Über den Schiebeschalter auf der Subwoofer-Rückseite kann die Basswiedergabe des Harman Kardon BDS 870 verbessert werden (rote Linie mit, blaue Linie ohne Boost-Funktion)

Kommen wir nun zur letzten und mitunter wichtigsten Frage: Wie klingt das Harman Kardon BDS 870? Um es kurz und bündig zu sagen: Gut! Klar, mit einem deutlich teureren Boxenset wie dem Nubert nuBox-Ensemble oder dem Teufel System 7 THX Select 2 kann die Anlage nicht mithalten, doch hat sie dafür ihre ganz persönlichen Vorzüge. Dazu gehört in erster Linie der – angesichts der Boxengröße – extrem neutraler Klangcharakter, wovon wir uns auch messtechnisch im Testlabor von AVTOP überzeugen konnten.

Um dies anhand eines Beispiels zu erklären: Das Tango-Stück „Oblivion“ von Astor Piazolla kommt offen und transparent zu Gehör, wobei das BDS 870 obertonreichen Klängen viel Zeichnung verleiht, ohne spitz zu klingen. In Filmen besticht die Anlage durch eine hervorragende Sprachverständlichkeit.

Selbst wenn der Dialog in einer wilden Schießerei ausarten sollte, wie es in Hollywood-Streifen nicht selten der Fall ist, hat das BDS-Spitzensystem ein Ass im Ärmel: den Subwoofer. Der- HKTS 210SUB- punktet mit einer dröhnfreien Wiedergabe und verschmilzt förmlich mit den Satellitenlautsprechern, wobei man ihr für ein optimales Zusammenspiel in der Nähe der Frontboxen positionieren sollte. Andernfalls könnte er aufgrund der ziemlich hohen Übergangsfrequenz von 140 Hertz, die auf die verringerte Bassfähigkeit der Satelliten zurückzuführen ist, als eigene Klangquelle wahrgenommen werden.

Der maximale Schalldruck des Subwoofers ist zwar erstaunlich hoch (103 dBSPL), doch komprimiert er im Grenzbereich stark und schafft es beispielsweise bei den Bassattacken im Katastrophenfilm „Cloverfield“ nicht, diese körperlich spürbar zu machen. Tiefste Bässe unterhalb von 40 Hertz bleiben auf der Strecke. Außerdem stößt die Komplettanlage in großen, bedämpften Räumen an ihre Grenzen, wenn es auf eine fundierte Tieftonwiedergabe und hohe Pegelreserven ankommt. Die Boxen selbst klingen dennoch ausgesprochen homogen und bauen eine authentische, präzise Surround-Kulisse auf.

Bei niedrigen Lautstärken und in leiser Umgebung ist übrigens ein leichtes Lüftergeräusch wahrnehmbar.

Audiofrequenzgang des Harman Kardon BDS 870
Glatt: Das Boxensystem des BDS 870 liefert einen ausgewogenen Klang. Alle Komponenten spielen perfekt zusammen – so gelingt etwa der Übergang zwischen Subwoofer und Satelliten lückenlos.

PLAYER.de-Testurteil: GutPLAYER.de meint:
Harman Kardon verspricht mit dem BDS 870 keinesfalls zu viel: Die Anlage ist ausgesprochen kompakt und damit platzsparend, liefert aber dennoch raumfüllenden, neutralen Surround-Sound. Als „Heimkino-Kraftpaket“ geht sie allenfalls in kleinen bis mittleren Räumen durch – bei großen Wohnzimmern oder gar Sälen stößt das Boxensystem an seine Grenzen. Zudem sollte man in Sachen Pegelfestigkeit und Tiefbass nicht allzu viel erwarten. Dem gegenüber stehen wiederum die allgemein überzeugende Bildqualität und die einfache Bedienung, so dass selbst Laien keine Probleme mit der Aufstellung haben dürften. Der Preis von rund 1.650 Euro ist fair, zumal bei gehobenen Ensembles allein der Subwoofer so viel kostet. Unter dem Strich hat sich das Harman Cardon BDS 870 das PLAYER.de-Qualitätssigel „Gut“ verdient. Ach ja: der geringe Stromverbrauch verdient angesichts der gebotenen Leistung ebenfalls Lob.

Weiterführende Links

Harman Kardon BDS 870 Produktseite

Harman Kardon BDS 870 | Testergebnisse

AUSSTATTUNG

Allgemein
Preis (UVP): 1.649,- Euro
Abmessungen: 10,1 x 40 x 27,7 cm (H x B x T)
Stromverbrauch aus: 0 Watt
Stromverbrauch Standby: 0,4 Watt
Stromverbrauch Betrieb: 38 Watt

Anschlüsse
HDMI: 4x (1x Ausgang)
Digital-Ton: 1x HDMI, 1x Optisch, 1x Cinch
Analog-Ton: 1x Cinch (2.0)
LAN: 1x
USB: 1x
Sonstige: Kopfhörer, Mikrofon, YUV, Dock, Trigger, Remote

Wiedergabe
DVD-Medien: alle, außer DVD-RAM
Blu-ray-Medien: -R/-RE
Disc-Formate: Blu-ray, DVD-Video, CD
Andere Formate: MP3, WAV, FLAC, JPEG (HD), DivX HD, AVCHD, H.264, MPEG2, PS/TS, MKV, M2TS
3D-Wiedergabe: ja
2D-zu-3D-Konvertierung: nein
Internet: nein
DLNA: nein
HD-Ton Mehrkanaldecoder: Dolby TrueHD, DTS-HD

BEWERTUNG
Sehtest: Blu-ray: Sehr gut
DVD: Gut
HDMI-Bildauflösung: 100 %
HDMI-Neutralität: Sehr gut
BILDQUALITÄT Gut
Hörtest: Gut
Klangtreue Front/Center: 4 dB
Max. Schalldruck Bass: 103 dBSPL
Untere Grenzfrequenz Front: 41 Hz (mit Sub)
TONQUALITÄT Sehr gut
Ausstattung: Befriedigend
Bedienung: Gut
Menü: Gut
Material + Verarbeitung Gut
Startzeit aus Standby 21 Sekunden
Einlesezeit DVD / Blu-ray 14 / 21 Sekunden
PLAYER.de GESAMTWERTUNG Gut