Test: Nikon D4 – schnelle Nachtschwärmerin

Nikon D4 im Test
DSLR-Kamera: Nikon D4 im Test

Mit der D4 hat Nikon nicht nur seine aktuelle Professional-Riege auf fünf Modellreihen erweitert, sondern vielmehr eine DSLR herausgebracht, die sowohl beim Fotografieren als auch beim Filmen neue Maßstäbe in der Spiegelreflex-Klasse setzen soll – Geheimwaffen: EXPEED 3 und ISO 204.800. Reicht das wirklich für einen Meilenstein?

Gestatten: Die neue Königin aller Nikon-Kameras. Sie heißt schlicht D4, kostet rund 6.000 Euro und misst geradezu majestätische, um nicht zu sagen monströse 160 x 156,5 x 90,5 Millimeter (B x H x T). Wer jetzt aber zig Millionen Bildpunkte wie bei der D800 erwartet, dürfte enttäuscht sein: Ihr Vollformatsensor löst lediglich 16,2 Megapixel auf.

Dennoch verspricht der Hersteller eine kompromisslose Bildqualität und unterstreicht zudem die Geschwindigkeit sowie Präzision. Dazu Dirk Jasper, Produktmanager Professional Products bei Nikon Europa: „Spitzenfotografen benötigen eine Kamera, auf die sie sich hundertprozentig verlassen können – das ist die Nikon D4. Sie verschiebt die Grenzen in der Fotografie und wird den Fotografen dazu verhelfen, täglich neue Maßstäbe bei ihrer Arbeit zu setzen.“

Innenleben der Nikon D4
Die Technik der D4 sitzt in einem robusten Gehäuse aus Magnesiumlegierung. Der Verschlussmechanismus ist auf 400.000 Auslösungen ausgelegt, wobei eine Akkuladung für maximal 2.600 Bilder reicht.

Vorteile der Nikon D4 im Überblick:
+ hervorragende Foto- und Videoqualität mit extrem geringem Bildrauschen
+ sehr hohes Arbeitstempo
+ viele Einstellmöglichkeiten
+ interne RAW-Bearbeitung
+ robustes und abgedichtetes Magnesiumgehäuse

Nachteile der Nikon D4 im Überblick:
– sehr hohes Gewicht
—  mäßiger Kontrast-Autofokus (nur im Live-View-Modus aktiv)

Nikon D4 | Technik

Wurde der CMOS-Sensor der im Juni getesteten D800 förmlich mit Bildpunkten zugepflastert, zeigte sich Nikon bei der mehr als doppelt so teuren D4 weniger spendabel: Ihr 36 x 23,9 Millimeter großer FX- beziehungsweise Vollformat-Chip löst 16,2 statt 36,3 Megapixel auf und bietet damit ein weitaus niedrigeres Auflösungsvermögen – mehr dazu unter dem Punkt „Bildqualität“.

Das hat durchaus seinen Grund, zumal das Flaggschiff auf Schnelligkeit und Ausdauer getrimmt ist. So dürfte die hohe Serienbildgeschwindigkeit von bis zu elf Fotos pro Sekunde vor allem Reporter erfreuen, welche die Kamera beispielsweise auf Sportevents einsetzen. Um auch in der Dämmerung flotte Bewegungen einfrieren zu können, reicht die ISO-Empfindlichkeit von 100 bis 12.800, wobei sie sich bei Bedarf auf 204.800 erweitern lässt.

Neuer EXPEED3-Bildprozessor der Nikon D4
Bahnbrechend? Nikons neue Bildverarbeitungs-Engine „EXPEED 3“ soll der D4 nicht nur zu rauscharmen Fotos verhelfen, sondern auch Serienaufnahme mit bis zu elf Bildern pro Sekunde ermöglichen.

Der neue EXPEED-3-Prozessor soll für rauscharme Aufnahmen sorgen und selbst rechenintensive Aufgaben mühelos meistern. Zum Beispiel folgt auf die 14-Bit-A/D-Umwandlung eine 16-Bit-Bildverarbeitung, damit „JPEG-Dateien ohne weitere Nachbearbeitung an den Auftraggeber geliefert werden können.“ Dieses Feature dürfte für die Zielgruppe der D4 allerdings eine untergeordnete Rolle spielen, da Profifotografen fast ausschließlich auf das verlustfreie RAW-Format setzen.

Die Belichtungszeit lässt sich zwischen einer Achttausendstelsekunde und einer halben Minute einstellen. Auf den Bulb-Modus muss man selbstverständlich nicht verzichten. Der Verschlussmechanismus aus Kevlar-Kohlefaser-Verbundmaterial ist übrigens auf 400.000 Auslösungen ausgelegt – die D800 macht den Herstellerangaben zufolge bereits nach der Hälfte schlapp.

Auch bei der Akkulaufzeit zieht die kleine Schwester den Kürzeren: Die D4 beherbergt einen Energiespender mit 2.000 Milliamperestunden, der bis zu 2.600 Bilder pro Ladung ermöglichen soll. Das klingt nach viel, doch sind einige Klassenkameraden wie die D3S aus gleichem Hause de facto noch ausdauernder. Als Speichermedien werden CF- und/oder (erstmals von einer Kamera) die neuen XQD-Karten unterstützt.

Da das Flaggschiff Nikon-typisch keinen mechanischen Verwacklungsschutz besitzt, ist es auf bildstabilisierende Objektive (Linsenverschiebung) angewiesen, die mit der Abkürzung „VR“ für „Vibration Reduction“ gekennzeichnet sind. Das für unseren Test verwendete Standardzoom AF-S Nikkor 24-70mm 1:2,8G ED (unverbindlicher Verkaufspreis: 1.929 Euro) hat zwar keinen entsprechenden Mechanismus an Bord, erweist sich im Praxiseinsatz ob des moderaten Brennweitenumfangs und der gleichbleibenden Lichtstärke aber als relativ verwacklungsresistent. Der Anschluss von Wechseloptiken erfolgt über das F-Bajonett.

Nikon D4 mit externem Mikrofon ME-1
Da die Nikon D4 lediglich mit einem Monomikrofon ausgestattet ist, sollte man für ansprechenden Klang in Videos auf ein externes Stereomikrofon wie zum Beispiel das ME-1 zurückgreifen.

Die Scharfstellung des Motivs im Sucherbetrieb übernimmt das Autofokus-System Multi-CAM 3500 FX, welches über 51 Messfelder inklusive 15 Kreuzsensoren verfügt. Arbeitet man hingegen mit dem 3,2 Zoll großen und 921.000 Pixel auflösenden Live-View-Display, greift die Kamera auf einen langsameren Kontrast-Autofokus zurück. Dieser wird auch beim Filmen verwendet, wobei er gelegentlich zum Pumpen neigt – vor allem in Schwenks und detailreichen Motiven.

Um die Tonaufnahme kümmert sich standardmäßig ein internes Monomikrofon, welches schon in den Vorgängerinnen der D3-Reihe seinen Dienst verrichtete. Allerdings hält die D4 eine Buchse für ein externes Stereomikrofon oder einen PCM-Recorder bereit. Zur kontrollierten Feinabstimmung des Tonpegels – zum Beispiel mithilfe eines Kopfhörers – steht außerdem ein Audioausgang bereit.

Doch damit noch lange nicht genug: Eine Blitzsynchronisationsbuchse, je ein USB- und HDMI-Port, eine LAN-Schnittstelle (ermöglicht die Dateiübertragung und/oder Steuerung der Kamera über Netzwerk) sowie zwei Zubehöranschlüsse für Fernauslöser, GPS-Empfänger, WLAN-Modul oder Netzadapter gehören ebenfalls zur Ausstattung.

Mitgeliefertes Akku-Ladegerät der Nikon D4
Allzeit bereit: Das mitgelieferte Ladegerät kann zwei Akkus des Typs EN-EL18 gleichzeitig aufladen – der D4 selbst liegt nur ein Energiespender bei. Ein Ersatzakku schlägt übrigens mit 120 Euro zu Buche.

Nikon D4 | Bedienung

Hau Ruck! Um die D4 auf Augenhöhe zu bringen, sind starke Arme erforderlich. Zusammen mit dem für unseren Test bereitgestellten Objektiv AF-S Nikkor 24-70mm 1:2,8G ED bringt sie nämlich stolze 2,3 Kilogramm auf die Waage und wiegt im betriebsbereiten Zustand genauso viel wie die Anfang des Jahres getestete Mittelformatkamera Hasselblad H4D-31. Bevor man überhaupt mit Nikons Spitzen-DSLR hantiert, sollte also in jedem Fall der mitgelieferte Tragegurt angebracht und um den Hals gehängt werden.

Große Hände spielen ebenfalls eine wichtige Rolle, zumal das quadratische Gehäuse mit Abmessungen von 160 x 156,5 x 90,5 Millimetern (B x H x T) sehr sperrig ausfällt. Dafür stehen gleich zwei Handgriffe zur Verfügung, die sowohl im Hoch- als auch im Querformat ein komfortables Handling gestatten. Ebenso doppelt vorhanden sind die wichtigsten Bedienelemente wie Auslöser und Einstellrad.

Dichtungen der Nikon D4
Hermetisch abgeriegelt: Zahlreiche Dichtungen schützen das Innenleben der Nikon D4 vor äußeren Einflüssen wie zum Beispiel Spritzwasser und Staub.

Das Bedienkonzept selbst wurde auf Profifotografen zugeschnitten, wovon die zahlreichen Direkttasten und tiefgehenden Einstelloptionen zeugen. So lassen sich nicht nur die Aufnahmeparameter mühelos justieren, sondern ist die D4 rundum an persönliche Anforderungen anpassbar. Neben Autofokus, Blitzsynchronisation, Videomodus und Co. können sogar eher selten verwendete, kleine Features individuell konfiguriert werden – zum Beispiel beherrscht der Selbstauslöser Intervall-Aufnahmen, obwohl eine entsprechende Funktion bereits an Bord ist.

Wie bei Nikons Profi-DSLRs üblich, sind die Belichtungsprogramme ausschließlich über die Mode-Taste und das hintere Einstellrad auswählbar. Daran gewöhnt man sich zwar recht schnell, doch wäre das klassische Modus-Wahlrad aus unserer Sicht dennoch die praktischere Lösung.

Oberseite und Display der Nikon D4
Die obere LCD-Anzeige der Nikon D4 informiert über wichtige Kameraeinstellungen und die (errechnete Anzahl) der verbleibenden Bilder, wobei sich die Details auch im 3,2-Zoll-Display einblenden lassen.

Apropos schnell: In puncto Geschwindigkeit lässt die D4 nahezu alle anderen DSLRs hinter sich – angefangen bei der flüssigen Navigation durch das strukturierte Menü über den flotten Autofokus und die sehr kurze Auslöseverzögerung bis hin zur Serienbildrate von bis zu elf Bildern pro Sekunde.

Einzig (und ausgerechnet) die direkte Konkurrentin Canon EOS-1D X (Testbericht demnächst auf PLAYER.de) schafft im Idealfall eine Aufnahme mehr in der Sekunde.

Beim Filmen liegen beide Modelle auf gleicher Augenhöhe, zeichnen sie doch Full-HD-Videos wahlweise mit 24p, 25p oder 30p auf. Bei 720p-Material stehen zusätzlich 50 und 60 Hertz zur Auswahl. Leider erfordert der Videomodus unnötig viele Handgriffe.

Wie ihre kleinere Schwester D800 fängt die D4 nämlich erst mit dem Filmen an, wenn der Schalter unter dem Monitor auf das Videosymbol gestellt, der Live-View-Betrieb aktiviert und abschließend die rote Taste auf der Oberseite betätigt wurde.

Immerhin bleiben das Belichtungsprogramm respektive die eingestellten Aufnahmeparameter während der Videoaufzeichnung aktiv, wobei die Belichtungszeit selbstredend nicht länger als die Dauer eines Einzelbildes sein kann.

Darüber hinaus bietet die Kamera drei verschiedene Bildfeldoptionen für Full-HD-Aufnahmen: Sie nutzt entweder die komplette Sensorfläche aus (36,9 x 23,9 Millimeter), verkleinert den Ausschnitt auf das APS-C-ähnliche DX-Format (23,1 x 15,4 Millimeter) oder filmt in nativer Auflösung mit 1.920 x 1.080 Pixeln.

Bei letzterer Einstellung ergibt sich eine scheinbare Brennweitenverlängerung um Faktor 2,7 und zudem werden Skalierungsartefakte vermieden. Gespeicherte Fotos und Videos lassen sich mittels Ethernet-Schnittstelle über das Netzwerk auf einen Computer übertragen.

Beleuchtete Tasten auf der Rückseite der Nikon D4
Erleuchtung für Nachtfotografen: Dreht man den Ein- und Ausschalter im Betrieb nach rechts, werden die wichtigsten Tasten und sowohl die obere als auch rückseitige LCD-Anzeige beleuchtet. Letztere informiert unter anderem über die Bildqualität, den ISO-Wert und den Weißabgleich.
Digitale Wasserwaage der Nikon D4
Alles im Lot: Um die schwere Nikon D4 beispielsweise für Architekturaufnahmen perfekt in Position zu bringen, lässt sich eine digitale Wasserwaage ins Live-View-Display einblenden.
Blitzeinstellungen bei der Nikon D4
Obwohl die D4 über keinen internen Aufhellblitz verfügt, bietet sie in ihrem Menü umfassende Einstellmöglichkeiten für Blitzaufnahmen sowie Belichtungsreihen.
Konfiguration des Kartenfachs bei der Nikon D4
Der CF- und QXD-Kartenslot der D4 lassen sich individuell konfigurieren. Das sekundäre Fach dient wahlweise als Reserve, für Sicherungskopien oder der getrennten Speicherung von RAW und JPEG.
Interne RAW-Verarbeitung der Nikon D4
Dank interner RAW-Verarbeitung können die Foto-Rohdaten direkt auf der D4 optimiert und nachträglich mit diversen Farbcharakteristiken versehen werden.
Unterstützte HDMI-Ausgabeauflösungen der Nikon D4
Von 480p bis 1080i: Der HDMI-Port der Nikon D4 gibt Full-HD-Videos entweder im Zeilensprungverfahren (Interlaced) oder in reduzierter Auflösung wieder.
Auslöser-Konfiguration für Videoaufnahmen mit der Nikon D4
Die Funktion des Auslösers kann für den Videomodus separat festgelegt werden – zum Beispiel lässt sich während des Filmens ein Standbild speichern oder aber die Aufnahme stoppen.

Nikon D4 | Kreativprogramme

Optionales WLAN-Modul WT-5 für die Nikon D4
Völlig losgelöst: Wer Bilder und Videos drahtlos statt über ein LAN-Kabel ins Netzwerk übertragen möchte, dem sei das optionale WLAN-Modul WT-5 empfohlen.

Ganz so abwegig, wie Kreativprogramme in der oberen Profiliga erscheinen, sind sie offenbar gar nicht (mehr). Ganz in Manier einer Einsteiger- oder Mittelklasse-DSLR, hat Nikon nämlich auch die D4 mit ein paar Spielereien ausgestattet. So verfügt sie eigens über ein Bildbearbeitungs-Menü, in dem diverse Automatiken, Effekte und Korrekturtools bereitstehen.

Zur ersteren Gattung gehören der HDR-Modus, der zwei unterschiedlich belichtete JPEGs zu einem Bild mit höherem Dynamikumfang zusammenfügt, sowie das kontrastverbessernde „Active D-Lighting“-Feature. Zudem lassen sich Bilder einfärben beziehungsweise in Schwarz-Weiß umwandeln, ein Skylight-Filter auf das Foto anwenden oder zwei Aufnahmen zu einer kombinieren.

Komplettiert wird das Bildbearbeitungs-Menü durch zahlreiche Werkzeuge – unter anderem zum Verkleinern, Ausrichten und Beschneiden von Bildern, zur Rote-Augen-Entfernung oder zur Perspektivkorrektur. Nicht unerwähnt bleiben sollte das Videoschnitt-Tool und die interne RAW-Verarbeitung, mit der sich NEF-Dateien ohne Computer in ansehnliche JPEGs umwandeln lassen.

Wer zum Beispiel Personen oder Landschaften optimal aufnehmen möchte, kann über die Schlüssel-Taste sowohl im Foto- als auch im Videomodus auf die vordefinierten „Picture Control“-Konfigurationen zurückgreifen. Mit ihnen ist die Bildwirkung insofern veränderbar, als dass man unter anderem den Farbton, die Sättigung oder den Kontrast an das jeweilige Motiv anpassen kann.

Besonders intensive Farben bewirkt die Auswahl „Brillant“. Um hingegen optimales Material für eine ausgiebige Nachbearbeitung zu erhalten, empfiehlt sich der Modus „Neutral“. Dieser sorgt für eine moderate Optimierung und erzeugt – wie der Name schon sagt – die neutralsten Ergebnisse. Für Intervall- und Zeitrafferaufnahmen stehen ebenfalls entsprechende Funktionen zur Verfügung.

Nikon D4 mit angeschlossenem LAN-Kabel
Die D4 verfügt über eine Ethernet-Buchse und kann so sämtliche Aufnahmen gleich im Netzwerk zur Verfügung stellen.

Nikon D4 | Bildqualität

Kartenslots der Nikon D4
Die Nikon D4 ist die erste Kamera, welche mit den neuen, besonders schnellen – aber auch noch ziemlich teuren – XQD-Karten zurechtkommt. Konventionelle CF-Karten werden ebenso unterstützt.

Setzte die Nikon D800 mit ihrem 36-Megapixel-Sensor neue Maßstäbe unter den Vollformatkameras, geht die D4 das Motiv in Sachen Auflösung eher gemächlich an – ein Tribut an die Zielgruppe. Schließlich hat der Hersteller vor allem Reportage- sowie Sportfotografen im Visier, die das hohe Arbeitstempo und die Flexibilität des Flaggschiffs zu schätzen wissen.

Nichtsdestotrotz holt es das Maximum aus den 16,2 Millionen Bildpunkten heraus und bietet in nahezu jeder Situation eine überzeugende Schärfe. An die Detailtreue der kleinen Schwester oder – um ein älteres Beispiel zu nennen – der betagten Canon EOS 5D Mark II kommt die D4 leider nicht heran.

Beim Knipsen unter schwachem Licht beziehungsweise mit hoher Sensorempfindlichkeit wendet sich aber das Blatt. So sehen die Aufnahmen bis einschließlich ISO 6.400 ausgesprochen sauber und scharf aus. Erst bei vierstelligen Werten sowie der ISO-Erweiterung tritt das Bildrauschen negativ in Erscheinung, was sich unter anderem an Detaileinbußen bemerkbar macht. Demnach arbeitet die Rauschunterdrückung des EXPEED-3-Bildprozessors sehr zuverlässig, wobei auch die geringe Pixeldichte des CMOS-Chips ihren Teil beisteuert.

Die geringe Schärfentiefebereich stellt jedoch eine gewisse Herausforderung dar, da selbst kleinste Fokusverschiebungen oder Veränderungen der Aufnahmedistanz das anvisierte Motiv verschwimmen lassen. Das kann besonders in Schnappschusssituationen extrem ärgerlich sein.

Mit der Nikon D4 aufgenommenes Portrait
Die Nikon D4 brilliert mit natürlichen Farben und einer ansprechenden Hintergrundunschärfe – in puncto Detailtreue muss man ob der moderaten Auflösung Abstriche hinnehmen.

Dem gegenüber steht allerdings eine besonders filmische Bildwirkung mit brillanten Farben, fließenden Schärfeverläufen und ansprechender Hintergrundunschärfe (Bokeh), die nicht zuletzt vom AF-S Nikkor 24-70mm 1:2,8G ED abhängt. Dank innerer Linsenbewegungen bleibt die Länge des Standardzooms stets gleich.

Außerdem besticht die getestete Optik durch ein großes Auflösungsvermögen und verzeichnungsarme Abbildungen. Nikon verspricht sogar eine über den gesamten Bildbereich gleichbleibende Schärfe auf Festbrennweiten-Niveau, doch zeigten sich in detailreichen Motiven durchaus leichte Randunschärfen. Die Blendensteuerung erfolgt etwas sprunghaft und hinterlässt ein klackerndes Geräusch in Videos. Dafür stellt der eingebaute Silent-Wave-Motor auf Ultraschall-Basis das Motiv umso leiser und sehr flott scharf.

Beim Filmen sollte man dennoch manuell fokussieren, da der Kontrast-AF der D4 gelegentlich pumpt. An der Videoqualität selbst gibt es wenig bis nichts auszusetzen. Als Manko ist lediglich die 2,7-fache Vergrößerung (Crop-Faktor) bei nativer Full-HD-Aufnahme zu nennen. So ergibt sich beim AF-S Nikkor 24-70mm 1:2,8G ED in diesem Modus ein Brennweitenumfang von rund 65 bis 189 Millimeter, was im Telebereich zwar knackig scharfe Clips ermöglicht, die Weitwinkel-Fähigkeit des Objektivs jedoch extrem einschränkt.

Videos im FX- oder DX-Format müssen zunächst auf 1.920 x 1.080 Pixel herunterskaliert werden, wodurch sie sichtbar an Schärfe einbüßen. Rolling-Shutter-, Moiré- und Aliasing-Effekte, die vielen DSLRs Probleme bereiten, hat die D4 dafür erstaunlich gut im Griff. Speziell bei schwachem Licht spielt das Modell seine Stärken hinsichtlich des niedrigen Rauschverhaltens gekonnt aus, so dass praktisch zu jeder Tageszeit beeindruckende 1080p-Videos gelingen. Wäre da nicht die relativ geringe Datenrate von 24 Megabit pro Sekunde, die schnelle Motivbewegungen gelegentlich zum Ruckeln bringt, würde Nikons neues Flaggschiff die Canon EOS 5D Mark III (90 Mbit/s) in Lowlight-Situationen locker übertrumpfen.

Ein echter Schnappschuss der Nikon D4
Bitte lächeln: Dank des hohen Arbeitstempos ist die Nikon D4 bestens für Reihenaufnahmen und Schnappschüsse geeignet – wegen der geringen Schärfentiefe stellt die Fokussierung aber oftmals eine Herausforderung dar.
Nachtaufnahme der Nikon D4 mit geringem Rauschen
Niedriges Rauschverhalten: Wer nachts mit der D4 auf Motivfang geht, darf sich auf eine üppige Ausbeute freuen – die Bilder wirken sowohl bei hohen ISO-Werten als auch langen Belichtungszeiten sehr sauber.
Gegenlichtsituationen sidn kein Problem für die Nikon D4
Der 16,2-Megapixel-Vollformatsensor der D4 macht auch in Gegenlichtsituationen eine gute Figur, kommt jedoch bei weitem nicht an das Auflösungsvermögen der D800 heran.
Mit der Nikon D4 fotografierter Blitzeinschlag
Die Aufnahmen der Nikon D4 bestechen zu jeder Tageszeit durch eine tolle Dynamik.

PLAYER.de-Testurteil: Sehr gutPLAYER.de meint:
Wer beruflich fotografiert, macht die Arbeit mit der Nikon D4 zum reinen Vergnügen. Ihre Vorzüge zeigen sich vor allem in hektischen sowie lichtschwachen Situationen, die sie dank flotter Serienaufnahmen und sehr geringer Rauschanfälligkeit mühelos meistert. Die Auflösung spielt eine untergeordnete Rolle, doch haben die Japaner für diese Disziplin ohnehin die D800 im Portfolio. Ambitionierte Filmer dürfen sich über eine ausgereifte Videofunktion freuen, die unzählige Einstellmöglichkeiten bietet und erstklassige Clips in nativer 1080p-Qualität aufzeichnet. Dank des riesigen ISO-Empfindlichkeitsbereichs kommen vor allem düstere Motive perfekt zur Geltung. Über die LAN-Buchse können die Aufnahmen mühelos ins Netzwerk gestellt werden, wobei die Funktion ordentlich Saft aus dem Akku zieht. Allgemein würde dem Energiespender etwas mehr Ausdauer nicht schaden. Unter dem Strich ist die Nikon D4 aber eine echte, wenn auch recht teure Spitzen-DSLR, die sich die Note „Sehr gut“ redlich verdient hat.

Nikon D4

Preis lt. Hersteller: 5.929,- Euro (nur Gehäuse)
AUSSTATTUNG
Sensor/Auflösung: CMOS mit 16,2 Megapixeln
Objektiv: F-Bajonett; getestet mit AF-S Nikkor 24-70mm 1:2.8G ED, Brennweite: 24 bis 70 mm (KB)
ISO: 100 bis 204.800
Verschlusszeiten: 1/8.000 bis 30 Sekunden (+ Bulb-Modus)
LC-Display: 3,2 Zoll (921.000 Pixel)
Besonderheiten: Vollformatsensor, 51-Punkt-AF-System, Full-HD-Videos mit manueller Steuerung, XQD-Kartenslot, 11 Bilder/Sekunde, ISO 204.800, netzwerkfähig, Magnesiumgehäuse
BEWERTUNG
Technik: 5 von 5 Punkten
Bedienung: 4 von 5 Punkten
Kreativprogramme: 4 von 5 Punkten
Fotoqualität: 5 von 5 Punkten
Videoqualität: 5 von 5 Punkten
PLAYER.de GESAMTWERTUNG Sehr gut