Praxistest: DZED Systems Dragonframe 3.0 – Animationen in Eigenregie

Dragonframe 3.0 im Praxistest
Software: Dragonframe 3.0 im Praxistest

Wer nach einer Möglichkeit sucht, die Fotografie und Videografie auf faszinierende Weise miteinander zu vereinen, sollte sich mit der Stop-Motion-Technik befassen. Besonders umfassende und kreative Gestaltungsmöglichkeiten verspricht dabei die Software „Dragonframe„. PLAYER.de hat sie einem Praxistest unterzogen.

Einfache Spielzeugfiguren, die zum Leben erwachen, ein Obst, das sich von alleine verzehrfertig macht oder Schlittenfahren auf saftig grünen Wiesen? Was zunächst unmöglich klingt, ist mit der sogenannten Stop-Motion-Filmtechnik kein Problem. Konkret handelt es sich dabei um eine Kunstform des Videodrehs, die es schon öfters auf die Kinoleinwände der ganzen Welt geschafft hat – zum Beispiel unter dem Namen „Wallace & Gromit“.

Alles, was man dafür braucht, ist eine Digicam und eine spezielle Animationssoftware. Dragonframe aus dem Hause DZED Systems gehört zu den führenden Programmen in diesem Bereich, kann aber weitaus mehr: In der aktuellen Version 3.0 steuert es auf Wunsch den gesamten Produktionsablauf von der ersten Motivbewegung über die Beleuchtung bis zum fertigen Film.

Unser Aufbau für das Stop-Motion-Video mit Dragonframe 3.0
Der Aufbau des Stop-Motion-Setups kann ganz einfach sein: Küchentisch mit Lampe und Kamera auf einem Stativ sowie Laptop mit Dragonframe-Software.

Das ist Stop-Motion

Screenshot der Dragonframe-Webseite
Auf der Webseite www.Dragonframe.com kann man die Software direkt bestellen. Das passende USB-Keypad kommt dann per Post.

Obwohl bereits 1896 erstmals vom französischen Filmpionier Georges Méliès und im Lauf der Jahre perfektioniert, bleibt das Prinzip der Stop-Motion-Technik gleich: Ein unbewegter Gegenstand wird so oft fotografiert und verschoben, bis die gewünschte Anzahl der Aufnahmen erreicht wurde. Anschließend werden die einzelnen Bilder so aneinandergereiht, dass eine mehr oder weniger flüssige Animation entsteht.

Heute findet diese Form der Filmproduktion nur noch vereinzelt im Zeichentrickbereich und als nostalgischer Effekt in Independent-Streifen Verwendung, hat aber trotzdem zahlreiche Fans. So setzt zum Beispiel die US-amerikanische Metal-Band Tool oder jüngst auch der Chartstürmer Gotye im Musikvideo zu „Somebody That I Used to Know“ auf die Stop-Motion-Technik. Außerdem finden sich auf YouTube und Co. zahlreiche selbstgemachte Clips.

Erste Schritte mit Dragonframe 3.0

So kompliziert sich Dragonframe auch anhören mag: Die Software ist ausgesprochen benutzerfreundlich – angefangen bei den relativ geringen Systemvoraussetzungen über die schnelle Installation bis hin zur aufgeräumten Oberfläche, die auf Wunsch komplett in Deutsch eingeblendet wird. Darüber hinaus konzentriert sich letztere auf das Wesentliche, wodurch auch bis dato absolut unerfahrene Nutzer auf Anhieb mit dem Programm zurechtkommen.

Auf dem Rechner eingerichtet, kann nun die Kamera angeschlossen werden. Dabei sind zahlreiche Digicams (eine Liste der unterstützten Modelle steht unter www.dragonframe.com bereit) direkt über die Anwendung steuerbar. Sogar die neue, von uns verwendete Canon EOS 5D Mark III wurde problemlos erkannt. Anschließend lässt sich per Mausklick ein Foto schießen.

Dragonframe 3.0 bietet umfassende Verbindungsmöglichkeiten
Gigantische Möglichkeiten: Dragonframe steuert DMX-Geräte, Motion-Controller und lässt sich auch durch externe Trigger wie etwa eine Lichtschranke zur nächsten Aufnahme bewegen.

Vorbereitungen

Die wohl wichtigste Regel, die es beim Erstellen von hochwertigen Animationen zu beachten gilt, ist die Beleuchtung: Sie sollte konstant sein, was in der Regel nur mit einer künstlichen Lichtquelle gelingt. Dies hat den einfachen Grund, dass zum Dreh von ein paar Sekunden Film nicht selten mehrere Stunden Arbeit erforderlich sind, weshalb unter Tageslicht sich ändernde Lichtsituationen (zum Beispiel aufziehende Wolken) und Schatten sofort im Video auffallen würden.

Am besten, man verwendet eine hochwertige Video- und Bühnenbeleuchtung, zumal diese per DMX-Steuerung (Digital Multiplex) unmittelbar über Dragonframe reguliert werden kann. Davor sollte sich der Nutzer jedoch genau überlegen, was genau er zeigen möchte und wie er die Kamera sowie die Objekte dafür zu bewegen hat.

Durchführung

Stimmen Objektposition, Beleuchtung und Kameraausrichtung, kann es losgehen: Ein letzter prüfender Blick auf das Display, ein Mausklick und das erste Foto ist im Kasten – oder besser gesagt: Auf der Festplatte. Dragonframe 3.0 überträgt das Bild (falls im Kameramenü eingestellt auch als Rohdatei) nämlich direkt auf den Rechner, so dass man sich über die Größe der Speicherkarte keine Gedanken machen muss. Dabei wird im „Toggle“-Modus kontinuierlich zwischen der letzten Aufnahme sowie dem aktuellen Live-View-Bild hin- und hergeschaltet. Auf diese Weise lassen sich zum Beispiel Bewegungsvektoren einhalten, damit später keine ruckartigen Bewegungen im Video zu sehen sind.

Bildgestaltungshilfen in Dragonframe 3.0
Das Wesentliche zeigen: Im Menü „Bildgestaltungshilfen“ finden sich zahlreiche Optionen um Maskierungen anzulegen, die Beschneidung des Kamerabildes zu definieren oder den Safe-Action-Bereich als Overlay zu verwenden.

Voll in Aktion

Keypad-Einblendung in Dragonframe 3.0
Einzelbilder voll im Griff: Das Keypad (auch per Nummernblock der Tastatur steuerbar) macht Mausklicks während der Aufnahme überflüssig.

Um die Bedienung möglichst zu vereinfachen, wird die Software inklusive Keypad ausgeliefert. Hierbei handelt es sich um eine Fernbedienung, mit der man das noch nicht fertiggestellte Video immer wieder überprüfen beziehungsweise zwischen den einzelnen Bildern wechseln kann. Alternativ übernimmt der Ziffernblock der Tastatur die gleiche Aufgabe. So lassen sich anhand der Vorschaufunktion eventuelle Fehler schnell erkennen und beseitigen.

Wem diese Möglichkeiten nicht genug oder bloße Stop-Motion-Animationen zu langweilig sind, dürfte die große Zubehörauswahl von Fremdherstellern zu schätzen wissen. Speziell für 3D-Aufnahmen gibt es zum Beispiel einen Stereo-Adapter, der die Digicam automatisch auf eine zweite Position beziehungsweise Perspektive verschiebt und dort nochmals auslöst.

Doch damit nicht genug: Dank Arduino-Unterstützung können sogar Kamerafahrten mit einem elektronisch ansteuerbaren Slider wie etwa dem „Stage One“ von Dynamic Perception durchgeführt werden.

Das "Arc Motion Control"-Menü in Dragonframe 3.0
Komplexe Kamerabewegungen: Im Menü „Arc Motion Control“ lässt sich für jedes einzelne Bild schon vorher eine Position für Motoren auf bis zu drei Achsen einstellen. Dabei sind auch komplexe Bewegungsabläufe mit linearen oder logarithmischen Kurven möglich. Hilfreich ist das zum Beispiel auch im Bereich der 3D-Fotografie, wo die Kamera für linke und rechte Perspektive jeweils eine andere Position einnehmen muss.

Zeitrafferaufnahmen

Zeitraffer-Funktion in Dragonframe 3.0
Mit der Zeitraffer-Funktion sind sehr anspruchsvolle Projekte möglich. Beispielsweise könnte man den Wachstumsprozess einer Blume mit Bildern zur exakt gleichen Tageszeit realisieren. Auch ein gleichzeitiger Kameraschwenk oder eine Fokusverlagerung wäre mit passendem Zubehör möglich.

Da die Stop-Motion-Technik nur ein sehr schmaler Grat von den Zeitrafferaufnahmen trennt, sind letztere mit der Dragonframe-Software ebenfalls perfekt realisierbar. Die volle Kompatibilität zu zahlreichen Digitalkameras und motorisierten Kameraschlitten ermöglicht dabei besonders faszinierende Animationen.

Darüber hinaus lassen sich nicht nur die Start- und Endposition festlegen, sondern kann er Anwender auch die Anzahl der gewünschten Fotos sowie die Zeit zwischen den Auslösungen (Intervalle) einstellen. Auf Wunsch erstreckt sich der Zeitraum sogar über mehrere Wochen, so dass man zum Beispiel eine dahinwelkende Blume oder das Aufblühen der Bäume vor dem Fenster problemlos und detailliert dokumentieren kann.

Nachbearbeitungen leicht gemacht

Wie bereits im Infokasten „Vor- und Nachteile“ erwähnt, eröffnet die Stop-Motion-Technik dem Anwender umfassende Bearbeitungsmöglichkeiten. Um die maximale Qualität aus den Aufnahmen herauszuholen, sollte man von diesen auch Gebrauch machen. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, die einzelnen JPEG- respektive RAW-Fotos beispielsweise mit Adobe Lightroom nachzubearbeiten und diese im Anschluss als Diashow zu exportieren, wobei die Anzeigedauer je Bild ein Frame im Video betragen sollte.

Nachbearbeitung der Stop-Motion-Aufnahmen in Lightroom
Für echte Profis: Mit Adobe Lightroom lassen sich alle Bilder hervorragend als Gruppe bearbeiten. Die hohe Dynamik von RAW-Dateien und die mannigfaltigen Eingriffsmöglichkeiten erlauben dabei ein erhöhtes Maß an Kreativität.
Einzelnes Bild aus dem Stop-Motion-Video
Einzelnes Bild aus dem Video: Die Originaldateien behalten die volle Auflösung der Kamera bei. Wer will, kann deshalb sogar Videos mit 4k-Auflösung realisieren und die Qualität der meisten Videokameras problemlos übertrumpfen.

Das Ergebnis unseres Stop-Motion-Gehversuchs (oder direkt auf YouTube ansehen):

Vor- und Nachteile der Stop-Motion-Technik

Kinoproduktionen entstehen heute größtenteils am Computer, was insbesondere für Zeichentrickfilme und Science-Fiction-Streifen gilt. Das hat auch der Stop-Motion-Technik eine Art K.O.-Schlag verpasst, zumal die computergenerierte Animation in der Regel deutlich schneller, einfacher und flexibler von der Hand geht. Insofern ist Stop-Motion vielmehr ein Hobby, nicht zuletzt weil man für wenige Sekunden Film einige Hundert Bilder benötigt. Aufgrund der hohen Bildqualität der Einzelaufnahmen sind allerdings umfassende Nachbearbeitungen und Retuschen möglich – sei es die Farbanpassung, das Hinzufügen von Kreativeffekten à la Sepiatönung oder das mühelose Entfernen unerwünschter Objekte.

Systemanforderungen:

  • Betriebssystem: Windows 7/Vista/XP (XP nur als 32-Bit-Variante) oder Mac OS X 10.5 – 10.7
  • CPU: mindestens 1,33 GHz Taktfrequenz
  • Arbeitsspeicher: 1 Gigabyte
  • Sonstiges: QuickTime (mindestens Version 7.2)

PLAYER.de-KauftippPLAYER.de meint:
Stop-Motion erlaubt die optisch anspruchsvolle Verbindung zwischen Fotografie und Videografie. Die Software Dragonframe aus dem Hause DZED Systems entpuppt sich in dieser Disziplin als ein sehr hilfreiches und anspruchsvolles Werkzeug für professionelle Studioaufnahmen, wobei dank der einfachen Bedienung auch Laien voll auf ihre Kosten kommen. Hilfreiche Zusatzfunktionen und eine aufgeräumte Benutzeroberfläche gehören zu den Hauptargumenten. Besonders begeistert hat uns die Möglichkeit zur Erweiterung des Programms mit innovativer Motion-Control- oder Lichtsteuerungs-Hardware. Je nach Anspruch des Projekts vergehen aber für wenige Sekunden Resultat viele Stunden Arbeit. Insbesondere weil wir kaum Alternativen zu Dragonframe sehen und der Preis von umgerechnet knapp 240 Euro inklusive des praktischen Keypads ausgesprochen fair ist, vergeben wir einen Kauftipp.