Test: Pentax K-01 – spiegelloser Shooting-Star?

Pentax K-01 im Test
Spiegellose Systemkamera: Pentax K-01 im Test

Designerware ist oftmals unnötig teuer. Der Preis für Pentax‘ neue spiegellose Systemkamera K-01 hält sich zwar in Grenzen, doch soll das Modell aufgrund seiner „einzigartigen Verbindung von Form und Material“ fast zu schade zum Fotografieren sein. PLAYER.de hat es trotzdem getan.

Kunst war schon immer Geschmackssache. Das gilt nicht nur für die Gemälde von Picasso oder van Gogh, sondern auch für architektonische Bauten und alltägliche Dinge wie Bierdosen, die zu abstrakten Skulpturen zusammengeschustert wurden. Neuerdings sind sogar Digicams als Kunstwerke anzusehen – zumindest, wenn es nach Pentax geht: Der zum Ricoh-Konzern gehörende Hersteller hat mit der K-01 eine spiegellose Systemkamera herausgebracht, die vom australischen Industriedesigner Marc Newson entworfen wurde und ob des klotzigen Gehäuses kontroverse Diskussionen auslösen dürfte. Ausstattungs- und Bildtechnisch soll sie einer DSLR aber in nichts nachstehen. Das Kit kostet 779 Euro.

Bildsensor der Pentax K-01
Pentax verbaut in der K-01 einen großen APS-C-Sensor, der 16,3 Megapixel auflöst. Das Gehäuse verfügt über einen Gummimantel.
 

Vorgestelltes Produkt:
Pentax K-01 Digital Kamera (16 Megapixel, 1-fach opt. Zoom, 7,6 cm (3 Zoll) Display, Full-HD Video, bildstabilisiert) inkl. 40mm Objektiv silber/schwarz
Aktueller Amazon-Preis:


 

Vorteile der Pentax K-01 im Überblick:
+ sehr gute Fotoqualität
+ große Objektivauswahl dank KAF2-Bajonett
+ übersichtliches Menü
+ solide Verarbeitung

Nachteile der Pentax K-01 im Überblick:
– langsamer Autofokus
– relativ hoher Preis
– unhandliches Design
– mäßiges Kitobjektiv

Pentax K-01 | Technik

Pancake-Objektiv für die Pentax K-01
Die Pentax K-01 wird auch im Kit mit dem smc Pentax DA 40 mm / 2,8 XS angeboten, das gerade einmal 9,2 Millimeter flach ist.

Spiegellose Systemkameras sind in der Regel deutlich kompakter als Modelle mit Schwingspiegel und optischem Sucher – kurz: DSLRs. Das hat die Pentax Q eindrucksvoll bewiesen, zumal sie noch immer zu den kleinsten und leichtesten Modellen ihrer Art gehört.

Dass es aber auch anders geht, zeigt die neue K-01 aus gleichem Hause: Mit Abmessungen von 121 x 79 x 59 Millimetern (B x H x T) bietet sie zum Beispiel gegenüber der Nikon D5100 kaum eine Platzersparnis und bringt ebenfalls 560 Gramm auf die Waage – ohne Objektiv wohlgemerkt.

Dafür ist die Designer-Pentax dank KAF2-Bajonett kompatibel zu allen DSLR-Optiken des Herstellers. Wir haben die Kamera zusammen mit dem Standardzoom SMC Pentax-DA L 1:3.5-5.6 18-55 mm AL getestet, wobei sie auch im Kit mit der extraflachen Festbrennweite smc Pentax-DA 1:2.8 40 mm XS angeboten wird.

Das gebündelte Licht landet auf einem 23,7 x 15,7 Millimeter (APS-C-Format) großen CMOS-Sensor mit rund 16,3 Megapixeln. Wie bei Pentax üblich, ist der Chip zwecks Bildstabilisierung beweglich gelagert. Seine Lichtempfindlichkeit lässt sich zwischen ISO 100 und ISO 12.800 einstellen, kann jedoch auf ISO 25.600 erweitert werden.

Die Verschlusszeiten reichen von einer Viertausendstelsekunde bis zu einer halben Minute. Ein Bulb-Modus für Langzeitbelichtungen ist ebenfalls an Bord. Fotos legt die K-01 im JPEG- und/oder RAW-Format (DNG-Datei mit zwölf Bit Farbtiefe) auf einer SD-/SDHC-/SDXC-Karte ab. Im Serienbildmodus sind bis zu sechs Aufnahmen pro Sekunde möglich.

Farbvarianten der Pentax K-01
Designerware: Die Pentax K-01 gibt es in den drei Farbvarianten Schwarz, Silber und Gelb. Der integrierte Aufhellblitz schnellt auf Knopfdruck heraus.

Selbstverständlich beherrscht die Kamera auch hochauflösende Videoaufzeichnungen. Das Filmmaterial wird mit maximal 1.920 x 1.080 Pixeln (Full HD) bei 30, 25 oder 24 Bildern pro Sekunde im Format H.264/MPEG-4 AVC gespeichert. Auf Stereosound muss man dabei keineswegs verzichten. Dieser kann dank eines Mikrofoneingangs sogar mit einem externen Handmikrofon aufgenommen werden.

Außerdem stehen hinter einer Gummiabdeckung auf der rechten Seite ein USB-Port sowie ein HDMI-Ausgang zur Verfügung. Die Motivkontrolle erfolgt über den fest eingebauten Live-View-Monitor, der 921.000 Bildpunkte auf drei Zoll Diagonale auflöst.

Einen elektronischen Sucher, der vor allem in heller Umgebung das Filmen erleichtert, sucht man leider verglich. Die HDR-Automatik hat einen Platz auf dem Modus-Wahlrad bekommen und verfügt im Gegensatz zur Pentax K-5 über einen Verwacklungsausgleich für die Einzelbilder.

Pentax bietet inzwischen eine respektable Auswahl an Objektiven
Große Auswahl: Dank des KAF2-Bajonetts lassen sich an die spiegellose Systemkamera praktisch alle DSLR-Objektive von Pentax anschließen.

Pentax K-01- | Bedienung

Sind die meisten Systemkameras förmlich mit Tasten übersät, wirkt die K-01 sehr aufgeräumt, um nicht zu sagen spartanisch. Nichtsdestotrotz hat Pentax an alle wichtigen Bedienelemente gedacht, so dass man keine nervigen Umwege über das Menü nehmen muss.

Leider ist das direkt neben dem Auslöser sitzende Modus-Wahlrad sehr schwergängig, weshalb man das gewünschte Belichtungsprogramm nur mühselig mit dem Zeigefinger auswählen kann. Blende und Verschlusszeit hingegen lassen sich kinderleicht über den Drehregler einstellen. Die ISO-Einstellung erfolgt über die Cursortasten. Sämtliche Aufnahmeparameter sind sogar während des Filmens veränderbar, sofern im Videomenü vorab der manuelle Modus oder die Zeitautomatik aktiviert wurde.

Oberseite der Pentax K-01
Die Pentax K-01 besitzt zwar keinen Spiegel, hat aber dennoch die Dimensionen einer DSLR. Das Modus-Wahlrad ist sehr schwergängig.

Wie bei seiner ersten spiegellosen Systemkamera Q, spendiert Pentax auch der K-01 das von den DSLRs bekannte, übersichtliche Registerkarten-Menü. Individuell belegbare Tasten bietet die Designer-Knipse im Gegensatz zu ihren großen Schwestern kaum.

Ein weiteres Manko gegenüber den Spiegelreflexmodellen von Pentax ist der mäßige Tragekomfort. Zwar verfügt die K-01 über eine geriffelte Gummiummantelung, rutscht mangels einer ergonomischen Griffwulst und aufgrund des hohen Gewichts aber leicht aus der Hand – insbesondere, wenn man beim Fotografieren beziehungsweise Filmen ins Schwitzen kommt. Immerhin liegt ein stabiler Tragegurt bei, der die Kamera im Fall der Fälle vor dem Sturz bewahrt.

An der Verarbeitung und Haptik gibt es nichts auszusetzen: Der Body wirkt äußerst solide und hochwertig, obgleich er optisch sicherlich nicht jedem gefällt. Einen faden Beigeschmack hinterlässt das 18-bis-55-Millimeter-Standardzoom, besteht es doch größtenteils aus Kunststoff. Zudem verursacht das Objektiv beim automatischen Fokussieren und Einstellen der Blende ein relativ lautes Geräusch, welches auf der Tonspur von Videos zu hören ist.

Das AF-System selbst findet dabei nur sehr langsam die Schärfe und arbeitet nicht immer präzise. Ebenso lässt die Auslöseverzögerung zu wünschen übrig. Sportfotografen und anspruchsvolle Hobbyfilmer werden demnach weniger Freude an der K-01 haben. Wenigstens funktioniert der mechanische Bildstabilisator einwandfrei.

Rückseite der Pentax K-01 mit Drei-Zoll-Display
Pentax hat seine zweite spiegellose Systemkamera nur mit relativ wenigen Bedienelementen bestückt, doch lässt sie sich trotzdem einfach bedienen. Das Display kann farblich abgestimmt werden.
Videomenü der Pentax K-01
Wer die Aufnahmeparameter im Videomodus verändern möchte, muss der Pentax K-01 vorab das gewünschte Belichtungsprogramm mitteilen.
Interne Bearbeitungsfunktion der Pentax K-01
Pentax hat der K-01 eine interne Bearbeitungsfunktion spendiert, mit der man gespeicherte Fotos und Videos direkt auf der Kamera anpassen beziehungsweise schneiden kann.
Szenenmodus der Pentax K-01
Im Szenenmodus hält die Pentax K-01 insgesamt 19 Kreativprogramme für unterschiedlichste Motivsituationen bereit. Jedes Programm wird kurz erläutert.
Infoeinblendungen bei der Pentax K-01
Dreht man am Modus-Wahlrad der K-01, werden im Display kurz die aufnahmerelevanten Bedienelemente eingeblendet.
Schnellmenü der Pentax K-01
Betätigt der Nutzer die „INFO“-Taste, erhält er Zugriff auf das Schnellmenü mit den wichtigsten Kamerafunktionen.
Customer-Menü der Pentax K-01
Die Designer-Pentax verfügt zwar über zahlreiche Einstellmöglichkeiten, bietet allgemein aber nur wenige individuell belegbare Bedienelemente.

Pentax K-01- | Kreativprogramme

Beschreitet die Designer-Pentax beim äußeren Erscheinungsbild völlig neue Wege, lehnt sich ihre Funktionalität weiter an die bewährten Modelle an. Das merkt man nicht nur allgemein am Bedienkonzept, sondern auch in puncto Kreativität. Hier weist die K-01 zahlreiche Parallelen zur ersten spiegellosen Systemkamera des Herstellers auf.

Lediglich die HDR-Automatik, in der das Gerät automatisch drei unterschiedlich belichtete Aufnahmen erstellt und diese anschließend zu einem dynamikoptimierten Bild kombiniert, wurde ausgelagert: Sie ist nun direkt über das Modus-Wahlrad statt über den Szenenmodus abrufbar. Außerdem entfällt das zweite Makroprogramm („Schnell-Macro“).

Ansonsten kann der Fotograf nach wie vor auf den obligatorischen Portrait-, Landschafts- und Sportmodus sowie spezielle Modi für Aufnahmen in der Dämmerung beziehungsweise Nacht, von Haustieren und Kindern, bei Gegenlicht oder in Museen zurückgreifen.

Sieben Digitalfilter (zum Beispiel „Farbe extrahieren“, „Spielzeugkamera“, „Retro“ oder „Schattierung“) und elf benutzerdefinierte Bildstile, mit denen man die Farbdarstellung verändern beziehungsweise an die Motivsituation anpassen kann, komplettieren die kreativen Möglichkeiten. Zwar werden die Effekte bloß auf das JPEG-Bild angewandt, doch sind letztere dafür auch in Videos nutzbar.

Pentax K-01- | Bildqualität

Beispielfoto für die Detailtreue der Pentax K-01
Pentax‘ K-01 legt eine äußerst überzeugende Detailtreue und gute Dynamik an den Tag, doch neigen die Kitobjektive an harten Kontrastkanten zu chromatischen Aberrationen.

Während Pentax für seine erste spiegellose Systemkamera ein völlig neues Bajonett entwickelt hat, schwören die Japaner beim zweiten Modell wieder auf den KAF2-Anschluss. Das macht insofern Sinn, da die K-01 eine für ihre Klasse überragende Bildqualität an den Tag legt, die sich nur mit einem entsprechend hochwertigen DSLR-Objektiv voll ausschöpfen lässt. Die Kitoptik neigt im Weitwinkel nämlich zu Vignettierungen und zeigt an harten Kontrasten deutlich sichtbare Farbsäume (chromatische Aberrationen).

An der kameraseitigen Farbwiedergabe gibt es kaum etwas auszusetzen. Das ab Werk festgelegte Standard-Farbprofil weist zwar überspitzte Kontraste und eine zu starke Sättigung auf, doch kann dieses Problem mit der Voreinstellung „Natürlich“ schnell gelöst werden: Die Fotos wirken natürlich und sehr detailgetreu. Wer im RAW-Modus fotografiert, wird zudem mit einem hohen Dynamikumfang belohnt. Die DNG-Dateien akzeptiert praktisch jedes Adobe-Bildbearbeitungsprogramm.

Das Rauschverhalten bewegt sich ebenfalls auf einem erstklassigen Niveau: Bis einschließlich ISO 3.200 knipst die Kamera noch äußerst überzeugende Bilder und punktet zudem mit einer akkuraten JPEG-Verarbeitung. Mit dem integrierten Blitz geschossene Fotos sind trotz automatischen Weißabgleichs generell überbelichtet.

Weniger blendend sieht es auch bei der Videoaufnahme aus. Filmt man unter optimalen Lichtverhältnissen, liefert die Kamera zwar helle, gut gesättigte und knackig scharfe (Full-HD-)Clips, hat den Rolling-Shutter-Effekt aber nicht wirklich im Griff. Besonders in schnelleren Kameraschwenks und bewegten Motiven machen sich die diagonalen Verzerrungen bemerkbar. Steht hingegen nur wenig Licht zur Verfügung, wirken die Videos außerdem weich und verrauscht.

Ein weiteres Manko ist der pumpende und träge Autofokus. Die Tonqualität leidet dabei unter dem lauten Objektiv, dessen AF-Schrittmotor und Blendensteuerung störende Geräusche verursachen. Aus diesem Grund sollte der Videograf besser von Hand scharf stellen. Ebenso empfiehlt sich die Verwendung eines externen Mikrofons.

Beispielfoto der Pentax K-01 mit Farbmodus "Natürlich"
Idyllisch: Der Farbmodus „Natürlich“ verhilft der Designer-Pentax zu einer adäquaten und gesättigten Farbwiedergabe. Selbst der feine Verlauf unten im Bild stellt kein Problem dar. Allerdings treten im Weitwinkel Randabschattungen auf, für die das Kitobjektiv verantwortlich ist.
Mit der Pentax K-01 aufgenommenes Portrait
Solides Rauschverhalten: Selbst hohe ISO-Empfindlichkeiten (hier 3.200) werfen die Pentax K-01 nicht aus der Bahn. Weiter hochgehen sollte man mit dem Wert aber nicht.

PLAYER.de-Testurteil: GutPLAYER.de meint:
Folgt man dem Sprichwort „erst die Arbeit, dann das Vergnügen“, ist die Pentax K-01 ausnahmslos für ersteres geeignet. Aufgrund des klotzigen Designs und der Trägheit macht das Fotografieren mit ihr nämlich nur wenig Spaß. Hinzu kommt das mäßige Kitobjektiv, das beim automatischen Fokussieren mächtig Lärm macht. Immerhin akzeptiert die Kamera die Optiken der Cousinen aus dem Spiegelreflex-Lager, was vor allem langjährige Pentax-Freunde erfreuen dürfte. Die Fotoqualität lässt praktisch keine Wünsche offen, zumal im robusten Gehäuse viel DSLR-Technik verbaut wurde und der Nutzer (bei Bedarf) volle Kontrolle über die Aufnahmeparameter hat. Alles in allem verdient sich die Pentax K-01 noch das Qualitätssiegel „Gut“, wenn auch die Frage berechtigt ist, warum man nicht gleich zu einer digitalen Spiegelreflexkamera greifen sollte.

Pentax K-01

Preis lt. Hersteller: 799,- Euro (nur Gehäuse)
AUSSTATTUNG
Sensor/Auflösung: CMOS mit 16,3 Megapixeln
Objektiv: KAF2-Bajonett; getestet mit SMC Pentax-DA 18-55 mm F3.5-5.6 AL WR, Brennweite: 27 – 82,5 mm (KB)
ISO: 100 bis 25.600
Verschlusszeiten: 1/4.000 bis 30 Sekunden (+ Bulb-Modus)
LC-Display: 3 Zoll (921.000 Pixel)
Besonderheiten: Kompatibel mit allen Pentax-DSLR-Objektiven, Kamera von Designer entworfen, HDR-Modus
BEWERTUNG
Technik: 3,5 von 5 Punkten
Bedienung: 3,5 von 5 Punkten
Kreativprogramme: 4,5 von 5 Punkten
Fotoqualität: 5 von 5 Punkten
Videoqualität: 2,5 von 5 Punkten
PLAYER.de GESAMTWERTUNG Gut