Test: Asus PA238Q – 16:9-Geldbeutelschoner

Asus PA238Q im Test
Monitor: Asus PA238Q im Test

War Asus bislang hauptsächlich im PC- und Notebook-Bereich aktiv, scheint der Hersteller allmählich auch Fotografen ins Visier zu nehmen: Mit dem PA238Q ist seit Kurzem bereits der zweite, speziell auf die digitale Bildbearbeitung zugeschnittene High-End-Monitor für unter 500 Euro erhältlich. Vermeintliches Schnäppchen oder günstige Alternative?

Müssen Monitore für ambitionierte Fotografen und Grafiker immer ein halbes Vermögen kosten? Nicht, wenn es nach Asus geht. Der taiwanische Computerspezialist bietet mit dem PA238Q nämlich schon sein zweites High-End-Gerät aus der ProArt-Serie an, das preislich weit unterhalb der magischen 1.000-Euro-Grenze liegt: Gerade einmal 359 Euro kostet der neue 23-Zöller, unterscheidet sich in puncto Ausstattung zunächst aber kaum von der teureren Konkurrenz. So hat das Modell zum Beispiel mit dem NEC SpectraView 231 ein IPS-Panel mit Full-HD-Auflösung, die Bild-in-Bild-Funktion sowie den Blickwinkel von 178 Grad gemeinsam – doch der Teufel steckt bekanntlich im Detail.

 

Vorgestelltes Produkt:
Asus PA238Q 58,5 cm (23 Zoll) Monitor (Full HD, VGA, DVI, HDMI, DisplayPort, Mini-DisplayPort, 6ms Reaktionszeit) schwarz
Aktueller Amazon-Preis: EUR 279,94


 

Vorteile des Asus PA238Q im Überblick:
+ gute sRGB-Abdeckung
+ viele Funktionen
+ internes Farbmanagement
+ für Videoschnitt und -wiedergabe geeignet
+ niedriger Preis

Nachteile des Asus PA238Q im Überblick:
– kein Adobe-RGB-Farbraum
– mäßige Farbraumemulation im sRGB-Modus
– leichte Inhomogenität in Bildmitte

Asus PA238Q | Technik

Asus PA238Q im Hochformat
Dezent und trotzdem nicht schnöde: Das äußere Erscheinungsbild des neuen Asus PA238Q weiß zu gefallen - auch die Ergonomie überzeugt

Immer der Reihe nach: Ganz in Manier eines professionellen Displays kommt auch der PA238Q im dezenten, mattschwarzen Kunststoffgewand und mit entspiegeltem Panel daher. Von einem langweiligen Design kann trotzdem nicht die Rede sein. Optische Akzente setzen nämlich eine durchgezogene rote Linie am unteren Ende sowie der relativ schlanke Rahmen.

Im Vergleich mit den Hochpreisrivalen von EIZO, Quato und Co. sieht auch das Gehäuse selbst geradezu flunderhaft aus – rund 5,5 Zentimeter misst der Asus-Monitor in seiner Tiefe. Das ist vor allem der LED-Hintergrundbeleuchtung zu verdanken, die deutlich weniger Platz benötigt als herkömmliche CCFL-Kaltkathodenröhren. Laut Hersteller kommen die weißen Leuchtdioden auf eine Helligkeit von bis zu 250 Candela pro Quadratmeter (cd/m-²).

Das eingebaute IPS-Panel kann dabei 16,7 Millionen Farben darstellen und greift zur Farbkontrolle auf eine Zehn-Bit-LUT (Lookup-Tabelle) zurück. Allerdings unterstützt der PA238Q lediglich den sRGB-Farbraum – das größere Adobe-RGB-Spektrum ist ihm fremd. Auch an Videostandards scheint Asus nicht gedacht zu haben. Dementsprechend stehen im OSD-Menü als Voreinstellungen neben sRGB bloß ein Standard-, ein Landschafts-, ein Theater sowie ein Anwendermodus zur Auswahl (mehr dazu unter „Bedienung“).

Nichtsdestotrotz lassen sich Full-HD-Videos, die in 16:9 aufgezeichnet wurden, dank der Monitorauflösung von 1.920 x 1.080 Pixeln formatfüllend und ohne schwarze Balken abspielen. Mit sechs Millisekunden Reaktionszeit ist das Display in der Lage, selbst rasante und actionreiche Szenen störungsfrei wiederzugeben. Über den HDMI-Port auf der Rückseite sind alternativ zum Computer auch ein Fernseher, ein Blu-ray-Player oder eine Spielekonsole anschließbar. Zusätzlich hält der Monitor einen DisplayPort, einen DVI-Eingang sowie eine analoge VGA-Buchse bereit. Ein vierfacher USB-Hub mit Upstream-Port sowie ein 3,5-Millimeter-Kopfhöreranschluss komplettieren die Anschlussmöglichkeiten.

Der PA238Q ist vorkalibriert und wird mit einem seriennummergebundenen Kalibrierungsprotokoll ausgeliefert – Kolorimeter und Lichtschutzblende gehören leider nicht zum Lieferumfang.

Anschlüsse des Asus PA238Q
Auf der Rückseite sind alle erforderlichen Anschlüsse vorhanden - zwei weitere USB-Ports befinden sich auf der linken Seite des Gehäuses

Asus PA238Q | Bedienung

Entweder haben wir seit dem Test des knapp 15 Kilogramm schweren Quato-Boliden stärkere Arme bekommen − oder der Asus-Monitor wiegt wirklich nur die Hälfte. De facto bringt der PA238Q inklusive Standfuß akzeptable 8,4 Kilogramm auf die Waage, so dass er sich ohne Probleme auch auf höhere Schreibtische hieven lässt.

Einmal positioniert, kann das Display um zehn Zentimeter in der Höhe verstellt, von minus fünf bis plus 20 Grad gekippt und um 60 Grad nach links oder nach rechts gedreht werden. Die Pivot-Funktion zum komfortablen Wechsel zwischen Hoch- und Querformat trägt ebenfalls einen großen Teil zur Ergonomie bei. Auf eine praktische Kabelführung, wie sie beispielsweise der EIZO CG275W-BK bietet, muss man leider verzichten.

Bedientasten des Asus PA238Q
Die Tasten erlauben eine einfache Navigation durch das OSD-Menü des Asus PA238Q - in der Dunkelheit wäre allerdings eine sanfte Hintergrundbeleuchtung von Vorteil

Immerhin legt Asus einen Klettverschluss-Kabelbinder bei. Dank Plug-and-Play-Unterstützung erkennt der Bildschirm die Signalquelle automatisch, wobei er mittels Bild-in-Bild-Funktion sogar zwei Eingangssignale gleichzeitig empfangen kann.

Eine Installation des mitgelieferten Treibers auf unseren Testrechnern war weder unter Windows XP noch unter Windows Vista notwendig. Die CD einzulegen, lohnt sich trotzdem: Sie enthält ein auf den Monitor abgestimmtes ICC-Profil.Eine Kalibrierungssoftware sucht man jedoch vergebens.

Betreibt man den PA238Q im vordefinierten sRGB-Modus, fällt auf, dass dieser nicht voll ausgesteuert ist. So erscheint das Bild trotz 100-prozentiger Helligkeit wesentlich dunkler als in den anderen Modi. Anpassungen des Kontrasts, der Farbsättigung und weiterer Parameter sind dabei nicht möglich. Schade, denn Asus hat dem Monitor ein internes Farbmanagement spendiert, das tiefgründige Änderungen an der gesamten Farbwiedergabe gestattet. Dazu gehören unter anderem Regler für die Verschiebung einzelner Farbtöne sowie für eine großzügige Farbbalance-Korrektur. Eigentlich ist dieses Feature bei einem Gerät mit Standard-Farbumfang kaum sinnvoll.

Beim OSD-Aufbau haben sich die Entwickler dennoch viel Mühe gegeben: Das Menü wirkt sehr aufgeräumt und bietet eine leicht verständliche Oberfläche. Als besonderes Extra ist die QuickFit-Funktion an Bord, die einen Rahmen oder ein Gitternetz auf dem Bildschirm einblendet. Das erleichtert zum Beispiel das Ausrichten und das Geraderücken krummer Linien. Die Bedienung erfolgt ausschließlich über die sieben Tasten am rechten Displayrand.

Verfügbare Bldmodi des Asus PA238Q
Keine Adobe-RGB-Unterstützung: Der voreingestellte sRGB-Modus erfüllt weder unsere Vorstellungen noch die offiziellen Spezifikationen
Farbanpassungen beim Asus PA238Q
Rot, Grün, Blau, Cyan, Magenta und Gelb: In den erweiterten Einstellungen des Asus PA238Q ist sogar eine Anpassung einzelner Farbtöne möglich
Einstellmöglichkeiten des Asus PA238Q
Außer im sRGB-Modus bietet der PA238Q umfangreiche Einstellmöglichkeiten - besonders die Farbwiedergabe lässt sich auf diese Weise verbessern

Asus PA238Q | Bildqualität Fotowiedergabe

Der Buchstabe macht den Unterschied: Findet im großen Bruder PA246Q das etwas leistungsfähigere P-IPS-Panel Verwendung, reicht im kleineren Modell der E-IPS-Typ aus. Zwar unterscheiden sich die Asus-Monitore unter anderem in puncto Auflösung und Farbumfang, haben aber letztlich einen gleich großen Blickwinkel von 178 Grad. Dadurch werden Farbverschiebungen sowohl auf horizontaler als auch auf vertikaler Ebene verringert und ein hoher Kontrast sichergestellt. An den angegebenen nativen Wert von 1.000:1 kommt der PA238Q zwar nicht heran, erreicht mit 554:1 trotzdem ein überzeugendes Ergebnis.

Die Anzeige wirkt auch bei seitlicher Betrachtung noch äußerst kontrastreich, wobei dann im mittleren Bildbereich eine leichte Inhomogenität festzustellen ist. Der Quato Intelli Proof 240 LED excellence mit RGB-LED-Backlight bietet zum Beispiel eine gleichmäßigere Ausleuchtung, kostet dafür aber auch fast das Siebenfache.

Werksseitige Farbraumabdeckung des Asus PA238Q
Gegenüber dem Adobe-RGB -Farbraum (schwarzes Dreieck) ist der sRGB-Gamut deutlich kleiner - diesen deckt der Asus PA238Q aber gut ab

Für einige Profifotografen und Grafiker dürfte der Verzicht auf Adobe-RGB ein K.o.-Kriterium sein, doch weiß der PA238Q im Online-Bereich und bei der Bildbearbeitung für die digitale Archivierung umso mehr zu überzeugen. Der sRGB-Farbraum wird hervorragend abgedeckt und auch die Farbtemperatur verläuft konstant. Letztere ist allerdings auf 7.700 Kelvin abgestimmt, wohingegen der sRGB-Standard nur 6.500 Kelvin vorsieht. Ergo: Das Bild wirkt kühler. Laut Kalibrierungsprotokoll scheint das wohl bewusst so eingestellt worden zu sein.

Die Gamma-Kennlinie verläuft mit einer Kurvenabweichung von 0,59 Prozent ebenfalls sehr sauber, doch werden auch hier die Spezifikationen nicht ganz eingehalten: Statt Gamma 2,2 bietet der PA238Q einen Wert von 2,02 und fällt damit eher in die Schiene klassischer Büro-Displays. Abhilfe schafft hier der Anwendermodus, in dem man unter anderem Farbtemperatur und Gamma-Kennlinie korrekt einstellen kann.

Gamma-Kennlinie des Asus PA238Q
Durch die Gamma-Abweichung erscheinen Fotos auf dem PA238Q einen Tick blasser als auf Monitoren mit einem Gamma von 2,2
Spektrale Charakteristik des Asus PA238Q
Die Lichtintensitäts-Maxima bei 440, 530 und 600 Nanometern Wellenlänge kennzeichnen das unverwechselbare Lichtspektrum einer W-LED-Hintergrundbeleuchtung (weiße LEDs)

Asus PA238Q | Bildqualität Videowiedergabe

Gerade weil der Asus-Monitor keine erweiterten Farbräume abbilden kann, ist er für die Videobearbeitung bestens geeignet: Sowohl bei der Wiedergabe als auch beim Schnitt kommen die Farben schön zur Geltung, ohne übersättigt oder verfälscht zu wirken. Mangels spezieller Video-Farbräume à la BT.709 erreicht der PA238Q zwar nicht die Qualität des NEC Spectra-View 231 oder gar des EIZO-Referenzmodells, aber Hobbyfilmer können im Großen und Ganzen trotzdem auf ihre Kosten kommen – wenn sie keine zu hohen Anforderungen stellen.

Alternativen aus der Profi-Liga

Dell UltraSharp U3011

  • Größe und Auflösung: 76 cm (30″) | 2.560 x 1.600 Px
  • Kontrast und Helligkeit: 1.000:1 | 370 cd/m-²
  • Abdeckung Adobe RGB: 99 %
  • Hintergrundbeleuchtung: CCFL
  • Panel-Typ: IPS
  • Reaktionszeit: 7 ms (G-G)
  • Signaleingänge: 1x HDMI, 1x VGA, 2x DVI-D
  • Preis: 1.299,- Euro

EIZO CG275W-BK

  • Größe und Auflösung: 68 cm (27″) | 2.560 x 1.440 Px
  • Kontrast und Helligkeit: 850:1 | 270 cd/m-²
  • Abdeckung Adobe RGB: 97 %
  • Hintergrundbeleuchtung: CCFL
  • Panel-Typ: H-IPS
  • Reaktionszeit: 6 ms (G-G) / 12 ms (S-W)
  • Signaleingänge: 1x DVI-D, 2x DP
  • Preis: 2.498,- Euro
  • ZUM TESTBERICHT

LaCie 324i

  • Größe und Auflösung: 61,3 cm (24″) | 1.920 x 1.200 Px
  • Kontrast und Helligkeit: 1.000:1 | 400 cd/m-²
  • Abdeckung Adobe RGB: 98 %
  • Hintergrundbeleuchtung: CCFL
  • Panel-Typ: P-IPS
  • Reaktionszeit: 6 ms (G-G)
  • Signaleingänge: 1x HDMI, 1x DP, 1x DVI-D, 1x Component
  • Preis: 1.139,- Euro
  • ZUM TESTBERICHT

NEC SpectraView 231

  • Größe und Auflösung: 58,4 cm (23″) | 1.920 x 1.080 Px
  • Kontrast und Helligkeit: 1.000:1 | 270 cd/m-²
  • Abdeckung Adobe RGB: 75 %
  • Hintergrundbeleuchtung: CCFL
  • Panel-Typ: IPS
  • Reaktionszeit: 8 ms (G-G) / 14 ms (S-W)
  • Signaleingänge: 1x DP, 2x DVI-D, 1x VGA
  • Preis: 973,- Euro

Quato Intelli Proof 240 LED excellence

  • Größe und Auflösung: 68 cm (24″) | 1.920 x 1.080 Px
  • Kontrast und Helligkeit: 1.000:1 | 250 cd/m-²
  • Abdeckung Adobe RGB: 100 %
  • Hintergrundbeleuchtung: RGB-LED
  • Panel-Typ: H-IPS
  • Reaktionszeit: 6 ms (G-G) / 12 ms (S-W)
  • Signaleingänge: 1x DP, 1x DVI-D, 1x DVI-I
  • Preis: 2.499,- Euro
  • ZUM TESTBERICHT

PLAYER.de meint:
Kompromissbereitschaft im Bereich der Fotografie bedeutet wohl oder übel immer gewisse Einbußen – insbesondere bei der Bildqualität. Der Asus PA238Q bildet hier keine Ausnahme. Wenn man aber bedenkt, dass die Liga der außergewöhnlichen Monitore erst bei rund 1.000 Euro ihre Pforten öffnet, dürfte die Entscheidung nicht allzu schwer fallen. Nicht zuletzt, weil das Gerät über ein qualitativ hochwertiges E-IPS-Panel verfügt, das herkömmlichen Office-Modellen locker das Wasser abgräbt. Leider wurde der sRGB-Modus offenbar mit falschen Informationen gefüttert, so dass er aus fotografischer Sicht doch sehr zu wünschen übrig lässt. Da Asus dem Display aber ein umfangreiches internes Farbmanagement spendiert hat, kann die Darstellung zumindest in den anderen Modi ganz einfach per Regler an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden. Die Bild-in-Bild-Funktion erlaubt zudem das Arbeiten mit zwei Signalquellen gleichzeitig. Unter dem Strich reicht es dennoch für keine bessere Note als ein „Befriedigend“.

Asus PA238Q

Preis lt. Hersteller: 359,- Euro
AUSSTATTUNG
Sichtbare Diagonale:
23 Zoll (58,4 cm)
Blickwinkel: 178-° (horizontal & vertikal)
Maximale Auflösung: 1.920 x 1.080 Pixel bei 60 Hz
Helligkeit
(Angabe/Messung):
250 cd/m-² / 210 cd/m-²
Kontrastverhältnis
(Angabe/Messung):
1.000:1 / 554:1
Reaktionszeit:
14 ms / 6 ms (G-G)
Besonderheiten: Bild-in-Bild-Funktion, IPS-Panel, QuickFit-Funktion (Raster und Gitternetz)
PLAYER.de GESAMTWERTUNG Befriedigend