Test: Canon MP-E 65mm f/2.8 1-5x Macro Photo – Nahaufnahmen in Perfektion

Canon MP-E 65mm f/2.8 1-5x Macro Photo im Test
Lupenobjektiv: Canon MP-E 65mm f/2.8 1-5x Macro Photo im Test

Mit dem MP-E 65mm f/2.8 1-5x Macro Photo von Canon lassen sich Motive im wahrsten Sinne des Wortes unter die Lupe nehmen. Schließlich bietet es als einziges Makroobjektiv seiner Art die Möglichkeit, das Objekt ohne Hilfsmittel bis zum Faktor fünf zu vergrößern. PLAYER.de ist auf Tuchfühlung gegangen.

Wird aus einem winzigen, niedlichen Tierchen plötzlich ein riesiges, furchteinflößendes Ungetüm, waren entweder Filmemacher aus Hollywood am Werk oder aber ein makrobegeisterter Fotograf mit entsprechendem Objektiv. Für letzteren dürfte Canons MP-E 65mm f/2.8 1-5x Macro Photo besonders interessant sein, bringt es das Motiv doch bis zu fünffach vergrößert auf den Bildsensor. Spezielles Zubehör hierfür soll nicht vonnöten sein – eine Spiegelreflexkamera mit EF-Anschluss genügt. Auf einen Autofokus und Bildstabilisator wurde übrigens verzichtet. Trotzdem kostet die Optik, welche nicht einmal der berüchtigten L-Serie angehört, rund 1.000 Euro.

 

Vorgestelltes Produkt:
Canon MP-E 65mm 1:2,8, 1-5fach Lupenobjektiv Objektiv
Aktueller Amazon-Preis: EUR 2.976,00


 

Vorteile des Tamron 18-270mm F/3,5-6,3 Di II VC PZD im Überblick:
+ außergewöhnliche Bilder in überzeugender Qualität
+ einziges Objektiv mit 5-facher Vergrößerung
+ Arbeitsidstanz und Vergrößerungsfaktor auf Tubus aufgedruckt
+ solide Verarbeitung

Nachteile des Tamron 18-270mm F/3,5-6,3 Di II VC PZD im Überblick:
– keine Fokus-Feinjustage
– kein Bildstabilisator
– kompliziertes Handling
– hoher Preis

Canon MP-E 65mm f/2.8 1-5x | Aufbau und Technik

Äußerlich ist dem Objektiv der gesalzene Preis kaum anzusehen. Schließlich kommt es weder im hellgrauen Tubus noch mit einem roten Zierring daher, was bei einigen Canon-Enthusiasten für höchste Qualität und fotografisches Können steht. Vielmehr präsentiert sich das MP-E 65mm f/2.8 1-5x Macro Photo in einheitlichem, schlichtem Schwarz.

Allerdings dürfte ein Blick auf die Waage sämtliche Vorurteile ausmerzen: Dort schafft es die Optik mit ihren verhältnismäßig kompakten Abmessungen von 81 x 98 Millimetern (Durchmesser x Länge) auf stolze 710 Gramm. Das liegt zum einen sicherlich am soliden Metallbajonett, überwiegend aber eher an den zehn Glaslinsen. Diese sind teilweise aus speziellem UD-Glas (Ultra-low Dispersion) gefertigt, welches die bei großen Abbildungsmaßstäben auftretenden Farbfehler beseitigen soll.

Die optischen Elemente gliedern sich in acht Gruppen und vergrößern das Motiv bis um das Fünffache. Das heißt: ein etwa sieben Millimeter kleines Objekt würde einen Vollformatsensor komplett ausfüllen. Die aus sechs Lamellen bestehende Blende mit einer maximalen Öffnung von f/2,8 sorgt dabei für eine sehr geringe Schärfentiefe.

Während man ein Teleobjektiv ab und zu mal gerne für Nahaufnahmen missbraucht, lässt sich das MP-E 65mm f/2.9 1-5x Macro Photo nur zu diesem Zweck verwenden. So muss der Fotograf dem Motiv trotz der (kleinbildäquivalenten) Brennweite von 65 Millimetern förmlich auf die Pelle rücken, um es überhaupt scharf stellen zu können. Die Naheinstellgrenze beträgt rund 24 Zentimeter, wobei sich die Baulänge der Optik bei vollem Vergrößerungswert mehr als verdoppelt. Aus dieser Konstellation resultiert laut technischen Daten ein diagonaler Bildwinkel von 18,66 Grad.

Da der wesentliche Teil des Gewichts im vorderen Tubus lastet, wird nicht etwa die Kamera, sondern das Objektiv selbst am Stativ befestigt – die hierfür benötigte Ringmanschette legt Canon bei. Andererseits kann die DSLR auf diese Weise wesentlich flexibler vom Quer- ins Hochformat gedreht werden.

Zur optimalen Ausleuchtung der Motive lassen sich Ringblitze wie das MR14-EX oder das Macro Twin Lite MT-24EX anschließen. Das Filtergewinde misst 58 Millimeter im Durchmesser. Wir haben das Linsensystem übrigens in Verbindung mit der Canon EOS 5D und der EOS 5D Mark II getestet.

Canon MP-E 65mm f/2.8 1-5x | Fokus und Bildstabilisierung

Automatikverwöhnte Fotografen und vor allem Filmer dürften mit dem MP-E 65mm f/2.8 1-5x Macro Photo ihre Probleme haben. Wie eingangs kurz erwähnt, hat Canon nämlich auf sämtliche automatische Helferlein verzichtet. Besonders schmerzhaft wiegt natürlich das Fehlen des Autofokus, muss man die Schärfe doch penibel per Hand einstellen. Angesichts der extrem geringen Schärfentiefe ist das wahrlich kein einfaches Unterfangen.

Immerhin besitzen einige Digitalkameras wie zum Beispiel die EOS 5D Mark II eine Lupenfunktion im Live-View-Modus, die das Fokussieren erleichtert. Die Übermittlung der entsprechenden Informationen beziehungsweise Signale erfolgt über die Objektivkontakte. Um zwischen dem kleinsten (1:1) und größten Abbildungsmaßstab (5:1) zu wechseln, sind fast anderthalb Umdrehungen des Fokusrings nötig, was auf Dauer oder bei längeren Fotosessions zu einem schmerzenden Handgelenk führen könnte – wer schöne Bilder machen will, muss eben leiden. Der jeweilige Vergrößerungsfaktor und die Arbeitsdistanz (41 bis 63 Millimeter) wurden auf dem inneren Tubus aufgedruckt.

Wie nützlich ein optischer Bildstabilisator sein kann, merkt man häufig erst, wenn er fehlt. Im Falle des Canon-Lupenobjektivs wäre er wirklich wünschenswert gewesen: So präzise der Schärfepunkt auch gesetzt wurde, verschiebt er sich bereits bei der kleinsten Vibration. Scharfe Freihandfotografien sind dadurch kaum oder nur extrem schwer realisierbar. Abhilfe schafft hier erst ein stabiles Dreibeinstativ.

Damit bei der manuellen Fokusnachführung nicht notgedrungen der Abbildungsmaßstab verändert werden muss, empfiehlt sich zusätzlich der Einsatz eines Makroschlittens. Natürlich sollte dieser zum Schutz vor unbeabsichtigten Verschiebungen auch eine separate Feststellschraube besitzen. Bei Videoaufnahmen spielt die ruhige Kameraführung eine ganz besondere Rolle, weshalb Schwenks und alle anderen Bewegungen sehr flüssig laufen müssen.

Wenigstens ist das MP-E 65mm f/2.8 1-5x Macro Photo vergleichsweise lichtstark, wodurch kürzere Verschlusszeiten ermöglicht werden. In den meisten Fällen dürfte die Verwendung externer Lichtquellen aufgrund des sehr geringen Fokusabstands dennoch unabdingbar sein.

Canon MP-E 65mm f/2.8 1-5x | Bildqualität

Hat man die Kamera samt Optik richtig in Position gebracht und den Fokus auf den gewünschten Motivbereich gesetzt, ist die schwierigste Hürde überwunden – tollen Nahaufnahmen der etwas anderen Art steht danach nichts mehr im Wege, sofern sich das Objekt nicht bewegt und die Kamera stabilen Stand hat. Canons Lupenobjektiv eröffnet nämlich sehr beeindruckende Einblicke in die Makrofotografie, die dem nackten Auge oft verborgen bleiben und andere Linsensysteme nur mithilfe von Balgen oder Zwischenringen erreichen.

Zwar gestaltet sich die Suche nach dem passenden Motiv ziemlich heikel, zumal es für eine totale Abbildung nicht größer als der DSLR-Sensor selbst sein darf und der Schärfentiefebereich ausgesprochen klein ist, doch entschädigt das subjektive Ergebnis umso mehr. Vor allem der exzellente, gleichmäßige Schärfeverlauf und das sanfte Bokeh wissen zu überzeugen. Ebenso gefällt die gesättigte Farbwiedergabe mit feinen Nuancen.

Das MP-E 65mm f/2.8 1-5x Macro Photo stellt dabei nicht nur knallige Farben sowie Mischtöne originalgetreu dar, sondern bringt auch Kontraste schön zur Geltung. Minimale Farbverfälschungen treten – wenn überhaupt – nur bei größerem Abbildungsmaßstab jenseits der 3:1 in Erscheinung. Chromatische Aberrationen, Vignettierungen und Randunschärfen sind nicht festzustellen. Wer hohen Wert auf perfekte Detailtreue legt, wird ebenfalls nicht enttäuscht. So erscheinen sämtliche Objekte, die sich auf der Fokusebene befinden, gestochen scharf durchgezeichnet.

In der Zeitautomatik und im manuellen Modus ist jedoch Vorsicht geboten: beim Abblenden auf die kleinstmögliche Blende (f/16) unter drei-, vier- und fünffacher Vergrößerung verschlechtert sich das Auflösungsvermögen deutlich durch die Beugungsunschärfe. Bei einem Abbildungsmaßstab von 5:1 sollte sich der Blendenwert sogar nur im einstelligen Bereich bewegen.

Blumen-Nahaufnahme des Canon MP-E 65mm f/2.8 1-5x Macro Photo
Tor zu einer anderen Welt: Mit dem Canon-Lupenobjektiv lassen sich alltägliche Dinge wie etwa Blumen ganz neu in Szene setzen
Macro-Beispielfoto: Wassertropfen auf einer Blume
Wer sich mit den Eigenarten des Lupenobjektivs anfreunden kann, wird mit außergewöhnlichen Nahaufnahmen belohnt - gut zu sehen: der sanfte Schärfeverlauf
Geringe Schärfentiefe beim Canon MP-E 65mm f/2.8 1-5x Macro Photo
Schmaler Grat: Durch die extrem geringe Schärfentiefe ist es nicht immer leicht, den idealen Fokuspunkt zu finden.

PLAYER.de-Testurteil: Sehr gutPLAYER.de meint:
Wer sich gerne über die kleinen Dinge im Leben freut, kann die Freude mit dem MP-E 65mm f/2.8 1-5x Macro Photo von Canon verfünffachen! Egal, ob man das wilde Treiben heimischer Insekten hautnah festhält, bunten Blumen tief in die Blüte schaut oder alltägliche Dinge bis zur Unkenntlichkeit vergrößert – mit dem Lupenobjektiv ist alles möglich. Der Abbildungsmaßstab kann flexibel zwischen 1:1 und 5:1 eingestellt werden, wobei das Handling mangels Autofokus und Verwacklungsschutz viel Übung erfordert. An der Bildqualität gibt es nichts auszusetzen. Besonders hervorzuheben sind hier die überragende Detailtreue, der schöne Schärfeverlauf und die natürliche Farbdarstellung. Allerdings ist der Preis von 1.066 Euro recht happig, zumal die Optik nur für Nahaufnahmen taugt. Dennoch hat das MP-E 65mm f/2.8 1-5x Macro Photo unser Herz erobert und bekommt dafür das PLAYER.de-Qualitätssiegel „Sehr gut“.

Test: Canon MP-E 65mm f/2.8 1-5x Macro Photo

Preis lt. Hersteller: 1.066,- Euro
AUSSTATTUNG
KB-Brennweite: 65 mm
Lichtstärke: f/2,8
Opt. Aufbau:
10 Elemente in 8 Gruppen
Nahgrenze: 24 cm
Bajonett: Canon EF
Länge/Gewicht: 98 mm/710 g
Besonderheiten: Lupenobjektiv mit bis zu fünffacher Vergrößerung, relativ kurze Nahgrenze, mitgelieferte Stativmanschette
PLAYER.de GESAMTWERTUNG Sehr gut