Test: LaCie 324i – Farbprofi mit französischem Akzent

LaCie 324i im Test
Monitor: LaCie 324i im Test

Sei es die Bildnachbearbeitung, das Grafik- und Webdesign oder das Layout von Printmedien – der neue LaCie 324i soll für jeden dieser Einsatzbereiche bestens geeignet sein. Als Wide-Gamut-Display bietet der 24-Zöller einen erweiterten Farbraum, wobei die Hintergrundhelligkeit automatisch an die Umgebung angepasst wird. Der PLAYER.de-Praxistest bringt Licht ins Dunkel.

Zwar belegen NEC, EIZO und Co. weiterhin die oberen Ränge des professionellen Monitormarktes, aber seit einigen Jahren mischt auch ein Hersteller aus dem Westen ordentlich mit: das amerikanisch-französische Unternehmen LaCie. Denn dieses bietet neben seinen digitalen Speicherlösungen auch eine kleine, aber feine Auswahl an kalibrierbaren High-End-Displays, die im Herbst um das Modell 324i ergänzt wurde. Der aktuelle 24-Zöller mit 61,1 Zentimetern sichtbarer Bilddiagonale verspricht eine besonders gleichmäßige Farbgebung und soll den Adobe-RGB- sowie NTSC-Farbraum zu 98 beziehungsweise 102 Prozent abdecken. Bei der 1.499 Euro teuren Top-Variante werden ein Farbmessgerät und eine Lichtschutzblende mitgeliefert.

Pivot-Funktion des LaCie 324i
Mehr vom Bild: Manche Fotos kommen beim LaCie 324i erst nach der Monitordrehung ins Hochformat voll zur Geltung
 

Vorgestelltes Produkt:
LaCie 324i 60,9 cm (24 Zoll) widescreen TFT LCD Monitor (HDMI, DVI-D, 6ms Reaktionszeit) schwarz
Aktueller Amazon-Preis:


 

Vorteile des LaCie 324i im Überblick:
+ großer Farbraum
+ hohe Luminanz
+ HDMI-Eingang (Direktwiedergabe)
+ umfassendes Infomaterial mitgeliefert

Nachteile des LaCie 324i im Überblick:
– keine Farbräume für Video
– Tastenbelegung wird nicht angezeigt
– Kalibrierung ohne Workflow

LaCie 324i | Technik

Im Inneren des voluminösen Kunststoffgehäuses werkelt ein P-IPS-Panel, das 1.920 x 1.200 Pixel bei 60 Hertz auflöst und mit echten zehn Bit Farbtiefe aufwartet. So ist der 324i dazu in der Lage, über eine Million Farben darzustellen. Wie eingangs erwähnt, verfügt der Bildschirm über eine großzügige Farbraumabdeckung von 102 Prozent NTSC und 98 Prozent Adobe-RGB, wobei Letzterer im OSD-Menü auch als Preset zur Auswahl steht.

Überdies gehören die Modi „Benutzer“, „sRGB“, „Kalibrierung“ und „Graustufen“ zum Angebot. Video-Farbräume gemäß ITU BT.709 fehlen jedoch. Für eine hohe Luminanz (Helligkeit) von 400 Candela pro Quadratmeter (cd/m-²) sorgt die eingebaute CCFL-Kaltkathodenröhre. Ein besonderes Extra ist hier die einstellbare Backlight-Stabilisierung, mit der die Leuchtstärke der Hintergrundbeleuchtung an die Umgebungshelligkeit angepasst werden kann. Das Kontrastverhältnis beträgt dabei 1.000:1. Von Grau zu Grau wechselt das Display in sechs Millisekunden.

Anschlüsse des LaCie 324i
Am HDMI-Eingang des LaCie 324i lassen sich neben dem PC auch viele andere Wiedergabegeräte anschließen - die Audiobuchsen dienen ausschließlich als Verteiler

Die ohnehin schon verheißungsvolle Anzeigequalität lässt sich mit dem optionalen Kalibrierungs-Tool „LaCie Blue Eye“ weiter optimieren. Das Paket aus Software und Messgerät erlaubt beispielsweise bei der Druckvorstufe, die Softproofing-Genauigkeit zu verbessern. Vereinfacht ausgedrückt: Das Bild auf dem Display entspricht exakt dem späteren Druckergebnis – vorausgesetzt natürlich, dass der Ducker ebenfalls profiliert wurde.

Damit die Messungen des Sensors unverfälscht ausfallen und der Bildschirminhalt selbst bei hellem Umgebungslicht erkennbar bleibt, legt der Hersteller auf Wunsch die zusammenklappbare „Easy Hood“-Abschirmung mit mattschwarzem Innenbezug bei. Leider kostet die höchste Ausstattungsvariante stolze 350 Euro mehr als das 324i-Modell ohne Lichtschutzblende, Kolorimeter und Kalibrierungssoftware.

Die breite Anschlussvielfalt auf der Rückseite ist allerdings gleich: Dort stehen neben vier Videoeingängen (DVI-D, Display-Port, HDMI und Component) jeweils zwei Cinch- und Miniklinke-Audiobuchsen zur Verfügung. Auch die HDCP-Kompatibilität ist gegeben, sodass das Filmmaterial von DVDs und Blu-rays jederzeit abgespielt werden kann. Die drei USB-Ports dienen der Verwendung als Hub.

Top-Modellvariante des LaCie 324i

LaCie 324i | Bedienung

Kalibrierungsreport für den LaCie 324i

Legt der Hersteller bei seinen digitalen Speicherlösungen erhöhten Wert auf Design und Optik, präsentiert sich der 324i klassentypisch im schlichten Kunststoffgehäuse mit mattem Panel. Extravaganzen wie zum Beispiel Klavierlack oder Glaselemente sucht man vergebens. Deutlich bunter und verspielter, aber dennoch übersichtlich geht es im OSD-Menü zu. Dieses besteht im Wesentlichen aus eindeutigen Grafiken, die Zugriff auf zahlreiche Konfigurationsmöglichkeiten erlauben. So kann der Nutzer etwa die Bild-in-Bild-Funktion („PIP“) aktivieren und anpassen, den Bildschirmmodus auswählen (Benutzer, sRGB, Adobe-RGB, Kalibrierung und Graustufen) sowie Kontrast, Schwarzanteil, Farbtemperatur und weitere Parameter ändern.

Allgemeine Einstellungen am OSD-Menü, der LED-Helligkeit und der Tonausgabe lassen sich ebenfalls vornehmen. Darüber hinaus sind diverse Displayinformationen wie die aktuelle Auflösung mitsamt Frequenz, die aufgespielte Firmware-Version und die Seriennummer einsehbar. Die Bedienung erfolgt ausschließlich über die sechs im Rahmen eingelassenen Tasten. Leider sind sie weder beleuchtet noch wird ihre Belegung eingeblendet, was die Steuerung in dunkler Umgebung erschwert.

Allgemeine OSD-Einstellungen des LaCie 324i

Wer bereits mit dem Aufstellen und Anschließen des Monitors Probleme hat, sollte auf die beigelegte Kurzanleitung zurückgreifen. Für tiefer gehende Hilfe steht auf der ebenfalls mitgelieferten CD ein komplettes Handbuch zur Verfügung, in dem jeder noch so kleine Schritt penibel beschrieben wird. Zusätzlich befinden sich darauf zwei ICC-Profile (6.000 Kelvin mit Gamma-Wert 1,8 und 6.500 Kelvin mit Gamma 2,2).

Das von uns getestete Sensor-Bundle beinhaltet neben der Blende und dem Kolorimeter zwei weitere Discs, auf denen die Kalibrierungssoftware „Blue Eye Pro PE“ sowie umfassendes Infomaterial zum Farbmanagement (inklusive Erklärung der Farbräume) enthalten sind. Besonders Laien können auf diese Weise noch jede Menge lernen. Das Programm selbst gefällt durch seine Übersichtlichkeit, verfügt aber leider über keinerlei Workflow, so dass unsere Kalibrierungsversuche anfangs fehlschlugen. Erst nach dem Ausführen des Befehls „Test & Report“ konnten wir mit der Farbmessung beginnen.

Der LaCie 324i lässt sich um 108 Millimeter in der Höhe verstellen, um drei Grad nach hinten und 30 Grad nach vorne neigen sowie um plus/minus 30 Grad drehen. Auch der Wechsel zwischen Hochund Querformat ist problemlos möglich.

Aktivierung der Bild-in-Bild-Funktion beim LaCie 324i
Auch der LaCie 324i verfügt über eine Bild-in-Bild-Funktion, dank der zwei Rechner gleichzeitig angeschlossen werden können
Voreingestellte Bildmodi des LaCie 324i
Überschaubares Angebot: Auf voreingestellte Video-Farbräume muss man beim LaCie-Monitor leider verzichten

LaCie 324i | Bildqualität Fotowiedergabe

Farbraumemulation des LaCie 324i
Adobe-RGB: Im Auslieferungszustand tanzt die Farbraumemulation des LaCie 324i etwas aus der Reihe

Dass knallige und satte Farben keineswegs nur der RGB-LED-Fraktion vorbehalten sind, beweist der LaCie 324i sehr eindrucksvoll: Mit einer maximalen Helligkeit von 400 Candela pro Quadratmeter bringt er die Farbtöne im wahrsten Sinne des Wortes kräftig zum Leuchten. Allein schon beim Betrachten von Fotos stechen die Unterschiede zum Konkurrenten NEC SpectraView 231 (Test ab 6. April 2012 auf PLAYER.de) förmlich ins Auge. Dies ist natürlich darauf zurückzuführen, dass der LaCie-Monitor den Adobe-RGB-Farbraum beinahe vollständig statt nur zu 75 Prozent abdeckt.

Die Farbtemperatur wurde ab Werk allerdings ein wenig zu hoch eingestellt, was einen leichten Blaustich hervorruft. Abhilfe schafft hier die Hardware-Kalibrierung mit dem optional mitgelieferten Kolorimeter und der „Blue Eye“-Software. Außerdem weist der Bildschirm im kalibrierten Zustand eine etwas bessere Adobe-RGB-Abdeckung sowie deutlich neutralere Graustufen auf.

Die Kontrastdarstellung liegt auf einem ordentlichen Niveau. Lediglich bei seitlicher Betrachtung muss man kleinere Einbußen hinnehmen, die aus unserer Sicht aber noch akzeptabel sind – zumal die Farbwiedergabe keiner Blickwinkelabhängigkeit unterliegt. Der LaCie 324i bietet im Großen und Ganzen eine gute Bildhomogenität, auch wenn die Helligkeitsverteilung besser sein könnte.

Ohnehin besitzt das CCFL-Backlight eine merkwürdige spektrale Charakteristik, da sie in einigen Wellenlängenbereichen an die LED-Technologie erinnert. Zur Vermeidung störender Reflexionen in hellen Umgebungen lohnt sich übrigens die „Easy Hood“ genannte Lichtschutzblende.

Messung: Spektralbereich des LaCie 324i
CCFL gegen LED: Die Hintergrundbeleuchtung des 324i weist eine merkwürdige spektrale Charakteristik auf

LaCie 324i | Bildqualität Videowiedergabe

Gammakurve des LaCie 324i
Alles im grünen Bereich: Die Gamma-Sollabweichung des LaCie 324i ist mit 1,37 Prozent erfreulich gering

Wenn düstere Filmszenen überzogen bunt oder bleiche Gesichter übersättigt wirken, ist meist ein erweiterter Farbraum im Spiel. So auch beim LaCie 324i: Der Bildschirm bietet zwar Presets für Adobe-RGB, sRGB und Graustufen, Videostandards à la ITU-R BT.709 sind ihm aber leider fremd. Um moderate Farben in Bewegtbildaufnahmen zu erhalten, muss das Display also auf einen geeigneten Farbraum kalibriert werden. Die entsprechenden Zielwerte – zum Beispiel für Gamma, Weißpunkt und Luminanz – lassen sich in der Kalibrierungssoftware festlegen.

Schlieren oder verschwommene Konturen sind dank der relativ kurzen Reaktionszeit von sechs Millisekunden (Grau zu Grau) kein Thema. Für den Videoschnitt sowie die -wiedergabe reicht der 324i demnach vollkommen aus. Die Bildqualität moderner Flachbildfernseher sollte man ohnehin nicht erwarten.

PLAYER.de-Testurteil: GutPLAYER.de meint:
Ähnlich wie einem Rohdiamanten, muss man dem 324i von LaCie zunächst mal einen Feinschliff verpassen, ehe er in seiner ganzen Pracht glänzt. So ist zum Beispiel die Farbwiedergabe ab Werk akzeptabel, aber eben nicht perfekt. Das eingebaute Wide-Gamut-Panel mit CCFL-Hintergrundbeleuchtung spielt seine Stärken nämlich erst nach einer Hardware-Kalibrierung richtig aus. Diese sorgt unter anderem für eine brillante Darstellung ohne Farbstiche und neutralere Grautöne. Die Vorzüge des erweiterten Farbraums schlagen sich dabei vor allem in der Fotoretusche nieder. Wer allerdings auch Videos betrachten und sogar schneiden möchte, sollte den sRGB-Modus aktivieren – oder besser noch das Display auf den BT.709-Standard kalibrieren, da die Farben andernfalls überzogen wirken. Die Vollausstattungsvariante mit Lichtschutzblende, Kalibrierungssoftware und Kolorimeter kostet übrigens 1.499 Euro – 350 Euro mehr als der LaCie-Monitor allein. Das PLAYER.de-Qualitätssiegel „Gut“ hat sich der 324i trotzdem redlich verdient.

LaCie 324i

Preis lt. Hersteller: 1.499,- Euro
AUSSTATTUNG
Sichtbare Diagonale:
24 Zoll (61,1 cm)
Blickwinkel: 178-° (horizontal & vertikal)
Maximale Auflösung: 1.920 x 1.200 Pixel bei 60 Hz
Helligkeit
(Angabe/Messung):
400 cd/m-² / 115 cd/m-²
Kontrastverhältnis
(Angabe/Messung):
1.000:1 / 413:1
Reaktionszeit:
6 ms (G-G)
Besonderheiten: Bild-in-Bild-Funktion, IPS-Panel, Backlight-Stabilisierung, HDMI-Port
PLAYER.de GESAMTWERTUNG Gut