Test: Canon PowerShot G1 X – volle Fahrt voraus

Canon PowerShot G1 X im Test
Premium-Kompaktkamera: Canon PowerShot G1 X im Test

Spiegellose Systemkameras und DSLRs sind nicht immer die erste Wahl, wenn es um exzellente Bildqualität geht: Canons neue PowerShot G1 X zeigt, dass auch eine Kompaktknipse höchsten Ansprüchen gerecht werden kann. Worin ihr Geheimnis liegt und ob sich die 750 Euro lohnen, erfährst Du im Test von PLAYER.de.

Anker lichten, Segel setzen! Canon will seine PowerShot-Reihe mit dem neuen Flaggschiff PowerShot G1 X offenbar auf Spitzenkurs manövrieren und scheint dabei über den eigenen Schatten zu springen. Schließlich ist sie die erste Kompaktkamera des Herstellers, die über einen CMOS-Sensor im APS-C-ähnlichen Format verfügt. Hinzu kommen umfangreiche manuelle Steuermöglichkeiten und ein vierfaches Zoomobjektiv, welches den EOS-Optiken in nichts nachstehen soll. Wenig verwunderlich also, dass – wie auch bei der Leica X1 – eine „Bildqualität auf DSLR-Niveau“ versprochen wird. Allerdings kann die 749 Euro teure G1 X noch mit einigen weiteren Highlights aufwarten.

Integrierter Aufhellblitz der Canon PowerShot G1 X
Der integrierte Aufhellblitz soll eine Reichweite von bis zu sieben Metern haben. Für den professionellen Einsatz kann auch ein externes Blitzgerät auf den Zubehörschuh aufgesteckt werden

Vorteile der Canon PowerShot G1 X im Überblick:
+ hervorragende Bildqualität
+ viele Einstellmöglichkeiten
+ einfache Bedienung
+ solide Verarbeitung
+ Erweiterung dank Zubehörschuh und Objektivgewinde möglich

Nachteile der Canon PowerShot G1 X im Überblick:
– Objektiv mit Schwächen
– teils träge Reaktionszeiten
– hoher Preis
– zu kleines Sucherbild

Canon PowerShot G1 X | Technik

Bildsensor der Canon PowerShot G1 X
DSLR-Verwandtschaft: Laut Canon weist der Sensor der G1 X die gleiche Pixelgröße und -struktur auf wie der Chip der EOS 600D - das Objektiv ist natürlich nicht abnehmbar

Im direkten Vergleich zur Vorgängerin (PowerShot G12) ist das neue Flaggschiff rein optisch weitestgehend unverändert geblieben – zumindest auf den ersten Blick. Stellt man die beiden Modelle nebeneinander, fällt nämlich auf, dass die PowerShot G1 X mit einer Tiefe von 64,7 statt wie bisher 48,3 Millimetern sichtbar zugelegt hat. Dies rührt vom runderneuerten Innenleben her.

Trommelwirbel: der CCD-Sensor wurde durch einen CMOS-Chip ersetzt, der eine mehr als sechsmal größere Fläche bietet! Stattliche 18,6 x 14 Millimeter stehen jetzt zur Verfügung. Fraglich nur, warum Canon nicht gleich auf das APS-C-Format setzt. Um jeden der 14,3 Millionen Bildpunkte mit genügend Licht zu versorgen, kommt natürlich auch ein neues Objektiv zum Einsatz. Die fest eingebaute Zoomoptik verfügt über einen vierfachen Brennweitenumfang (28 bis 112 Millimeter entsprechend Kleinbild), wobei die Blendenöffnung zwischen f/2,8 und f/5,8 variiert.

Zum Schutz vor Verwacklungen ist ein optischer Bildstabilisator an Bord, der laut Hersteller bis zu vier Stufen längere Belichtungszeiten ermöglicht. Der Verschluss selbst bleibt je nach Einstellung mindestens eine Viertausendstelsekunde lang geöffnet und schließt nach spätestens einer Minute – einen Bulb-Modus gibt es nicht. Immerhin deckt der Bildsensor einen Empfindlichkeitsbereich von ISO 100 bis ISO 12.800 ab.

Oberseite der Canon PowerShot G1 X
Aufgeräumte Oberseite der G1 X: Das Modus-Wahlrad sitzt auf dem Einstellrad für die Belichtungskorrektur. Gezoomt wird über den Regler direkt am Auslöser

Wer genug von Stillaufnahmen hat, kann auch auf eine Videofunktion zurückgreifen. Highlight: Die PowerShot G1 X filmt im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin nicht in 720p, sondern zeichnet echtes Full-HD-Material mit 1.920 x 1.080 Pixeln und 24 Vollbildern pro Sekunde (24p) auf. Hierfür nutzt die Kamera das MOV-Format (inklusive Stereo-Sound). Die Länge pro Clip ist auf vier Gigabyte beziehungsweise 29 Minuten und 59 Sekunden begrenzt. Das AF-System und der Zoom bleiben währenddessen natürlich aktiv.

Optionaler Filter für die Canon PowerShot G1 X
Optionale Erweiterungen: Mithilfe des Adapters FA-DC58C können auf das Objektiv diverse Filter mit 58 Millimetern Durchmesser angebracht werden

Die Motivkontrolle erfolgt über das dreh- und schwenkbare LC-Display mit drei Zoll (7,5 Zentimeter) Bilddiagonale sowie 920.000 Pixeln. Ebenso steht ein optischer Zoomsucher zur Verfügung, der in erster Linie aber nur der ungefähren Ausrichtung dienen dürfte. In Weitwinkelstellung befindet sich außerdem ein Teil des Objektivs im Sichtfeld.

Fotos werden als JPG- und/oder CR2-Datei (RAW mit 14 Bit Farbtiefe) auf der SD-/SDHC-/SDXC-Speicherkarte abgelegt. Für eine flotte Verarbeitung sorgt der DIGIC-5-Prozessor, der im Serienbildmodus bis zu 4,5 Bilder in der Sekunde schafft. Nach sechs Aufnahmen gönnt er sich jedoch eine Pause, da dann der Pufferspeicher voll ist.

 
Gelungene Fotos können dank PictBridge-Unterstützung auf Wunsch sofort über einen kompatiblen Drucker ausgegeben werden. Der hierfür benötigte USB-Port wurde auf der rechten Seite untergebracht. Dort stehen auch ein HDMI-Ausgang und eine Fernauslöserbuchse bereit. Zur Bildbearbeitung und Rohdatenkonvertierung ist im Lieferumfang – wie bei der PowerShot S100 – die „Canon Digital Camera Solution Disk v100.1“ mit insgesamt fünf Programmen enthalten.

Optischer Sucher der Canon PowerShot G1 X
Der winzige Realbild-Zoomsucher bietet nur ein kleines Sichtfeld und dient höchstens der Orientierung. Eine verbindliche Beurteilung des Motivs ist damit nicht möglich

Canon PowerShot G1 X | Bedienung

Anders als etwa die auf alt gemachte Fujifilm Finepix X100 oder Leica X1, kommt der neue PowerShot-Bolide in einem eher futuristischen Design daher. Optisch mag das kantig und klotzig wirkende Gehäuse sicherlich nicht jeden ansprechen, doch zeigt es sich dafür ausgesprochen funktional: Sämtliche Bedienelemente sind in Griffnähe auf der rechten Seite positioniert, so dass die linke Hand lediglich zum Stabilisieren der Kamera und allenfalls noch zum Ausklappen des internen Aufhellblitzes benötigt wird. Wem dessen Lichtleistung nicht ausreicht, kann über den Zubehörschuh auch ein externes Blitzgerät anschließen.

Darüber hinaus besitzt das Zoomobjektiv sogar ein Filtergewinde sowie eine Art Bajonett für diverse Adapter. Allerdings bringt die G1 X allein schon stolze 534 Gramm (inklusive Akku und Speicherkarte) auf die Waage, was sie in ihrer Klasse zu einem echten Schwergewicht macht. Festen und sicheren Halt gestatten hier immerhin die gummierte Daumenablage und Griffwulst, obgleich letztere für unseren Geschmack etwas ergonomischer sein könnte.

Display der Canon PowerShot G1 X
Auf der Rückseite der PowerShot G1 X dominiert das hochauflösende Schwenkdisplay. Der Drehcursor rechts daneben dient sowohl der Menünavigation als auch der Kameraeinstellung beziehungsweise dem manuellen Fokussieren

Das Bedienkonzept der PowerShot G1 X ist den EOS-DSLRs nachempfunden. So kann der Fotograf die Kamera fast vollständig an die eigenen Bedürfnisse anpassen – selbst Startbild und -melodie sind veränderbar, was für die Zielgruppe jedoch eine eher untergeordnete Rolle spielt. Vielmehr steht hier die Möglichkeit im Vordergrund, einige Bedienelemente individuell belegen zu können. Im Zusammenspiel mit den halbautomatischen Belichtungsprogrammen respektive dem Manuellmodus lassen sich auf diese Weise selbst schwierige Motivsituationen auf die Schnelle meistern – ein gewisses fotografisches Können natürlich vorausgesetzt.

Die Selektion der Modi erfolgt über das Wahlrad auf der Oberseite, wobei die gewünschten Parameter dann mithilfe des vordereren und/oder hinteren Drehreglers beziehungsweise -cursors festgelegt werden. Zum Speichern von Kameraeinstellungen stehen zwei Custom-Modi („C1“ und „C2“) bereit. Ebenso wurde an das „My Menu“ gedacht, in dem der Fotograf häufig genutzte Funktionen zusammenfassen kann, ohne jedes Mal die gesamte Digicam nach diesen durchsuchen zu müssen.

"My Menu" der Canon PowerShot G1 X

Der Autofokus arbeitet im Großen und Ganzen zuverlässig, hat bei nahegelegenen Objekten aber oftmals Probleme. Die Naheinstellgrenze beträgt rund 20 Zentimeter. Beim manuellen Scharfstellen wird ein Teil des Motivs vergrößert dargestellt („MF-Fokus Lupe“). Wünschenswert wäre hier jedoch ein Fokusring am Objektiv. Zudem vermissen wir die Möglichkeit, bestimmte Brennweiten automatisch anzufahren, wie es zum Beispiel die PowerShot S100 beherrscht.

Die Optik fährt nach dem Einschalten mit einem eher durchschnittlichen Tempo auf Position. Bis zum ersten Foto vergehen rund drei Sekunden. Allgemein muss man bei der G1 X eine gewisse Geduld aufbringen, denn viele Befehle gehen nicht selten mit einer kurzen Wartezeit einher. Dafür ist das AF-System sehr treffsicher. Schönes Extra: Canon hat einen dreistufigen ND- beziehungsweise Graufilter spendiert, der in heller Umgebung das Knipsen mit längeren Verschlusszeiten ermöglicht.

Set-Menü der Canon PowerShot G1 X
Blitzeinstellungen der Canon PowerShot G1 X
Die Leistung des integrierten Aufhellblitzes kann im Menü manuell eingestellt werden. Auf Wunsch konfiguriert ihn die Kamera auch selbst

Tastenbelegung bei der Canon PowerShot G1 X
Vorderes und hinteres Einstellrad können abhängig vom ausgewählten Aufnahmemodus mit verschiedenen Funktionen belegt werden

 

Canon PowerShot G1 X | Kreativprogramme

Canon scheint sich für sein neues PowerShot-Flaggschiff frei aus den Technologie-Regalen zu bedienen: Bildsensor und Objektiv basieren auf der hauseigenen DSLR-Technik, während die kreativen Möglichkeiten der Kompaktklasse entstammen. An Programmen und Automatiken, die dem Fotografen in verschiedenen Situationen die Arbeit erleichtern, wurde nicht gespart – allein im Szenenmodus sind es 14 Stück. Schade nur, dass diese keine Auswirkungen auf RAW-Fotos haben.

Die klassischen Programme wie „Porträt“, „Landschaft“, „Sport“ und „Nacht“ mal außen vor gelassen, werden darin sicherlich auch ambitionierte Nutzer fündig. Da wären zum Beispiel zwei Stitch-Assistenten, die beim Aufnehmen von Panoramen helfen, ein spezielles Unterwasser-Programm für das Zusammenspiel mit dem optionalen Unterwasser-Gehäuse WP-DC44 oder das „Filmtagebuch“, in dem vor jedem Foto eine zwei- bis viersekündige Videosequenz aufgezeichnet wird.

Im „Kreative Filter“-Modus hingegen stehen vom Fischaugen-, Spielzeugkamera- und Miniatureffekt über die automatische HDR-Funktion bis hin zu einigen Farbmodi zehn bildverändernde Kreativoptionen zur Auswahl. Letztere verstärken beispielsweise die Farbwirkung, erzeugen einen Postereffekt, wandeln die Aufnahme in ein Schwarz-Weiß-Foto um, filtern bestimmte Farben heraus oder ersetzen eine Farbe durch eine andere. Komplettiert wird die Ausstattung mit dem „My Colors“-Modus, welcher eine einfache Anpassung des Farbtons, des Kontrasts sowie der Sättigung erlaubt. Das funktioniert auch im Nachhinein bei bereits gespeicherten Bildern.

Kamerainterne Nachbearbeitung der Canon PowerShot G1 X

Canon PowerShot G1 X | Bildqualität

Spielzeugkamera-Effekt der Canon PowerShot G1 X

Auch wenn die PowerShot G1 X in puncto Abmessungen vielmehr der Bridge- denn der Kompaktklasse zuzuordnen ist, spielt sie bildtechnisch bei den ganz Großen mit. Der eigentlich tobende Pixelwahn scheint dabei vergessen, löst der CMOS-Chip im Vergleich zu den Sensoren aktueller Systemkameras doch eher unterdurchschnittlich auf. Trotzdem reicht das Auflösungsvermögen von 14,3 Megapixeln vollkommen aus, um selbst feinste Konturen sowie Details scharf durchzuzeichnen.

Kurzum: Canon verspricht mit seiner Aussage, die Digicam würde eine Bildqualität auf DSLR-Niveau liefern, keinesfalls zu viel. Das Rauschverhalten ist vorbildlich und tritt erst ab etwa ISO 3.200 negativ in Erscheinung. Bis dahin wirken die Aufnahmen noch detailliert und sauber.

Die Dynamik lässt ebenfalls keine Wünsche offen und liegt – subjektiv betrachtet – auf Augenhöhe mit der verwandten Canon EOS 600D. Farben werden neutral und gut differenziert dargestellt, könnten aber bei knalligeren Tönen etwas mehr Sättigung vertragen.

 
Nicht unerwähnt bleiben sollte natürlich die geringe Schärfentiefe, dank der sich das Hauptmotiv sehr schön vom Hintergrund abhebt. Von der professionellen Anmutung des (fest eingebauten) Objektivs ist in den Bildern leider relativ wenig zu sehen: Die Abbildungsleistung kann in der Bildmitte zwar vollends überzeugen, lässt zum Rand sowie zu den Ecken hin jedoch merklich nach.

Ferner weist die Optik im Weitwinkel mäßige tonnenförmige Verzeichnungen auf. Vignettierungen und chromatische Aberrationen wiederum sind kein Problem. Angesichts der Zoomfähigkeit zeigt sich die PowerShot G1 X deutlich flexibler als die Mitstreiterinnen von Fujifilm und Leica, was die Schwächen schon fast kompensiert.

Pluspunkte kassiert Canon auch dank der Full-HD-Videofunktion, die scharfe 1080p-Aufnahmen mit bis zu 24 Bildern pro Sekunde liefert. Der bei CMOS-Sensoren häufig auftretende Rolling-Shutter-Effekt (diagonale Verzerrungen) bleibt erfreulicherweise aus. Beim Wechsel von hellen zu dunklen Motiven und umgekehrt wird die Helligkeit automatisch angepasst.

Miniatureffekt der Canon PowerShot G1 X
Von erhöhten Positionen aus fotografiert, liefert der Miniatureffekt der PowerShot G1 X gute Bildergebnisse
Canon PowerShot G1 X: Vergleichsbild 1
Deklassiert: Die PowerShot G1 X liefert eine für die Kompaktklasse phänomenale Bildqualität mit scharfer Durchzeichnung und hoher Detailtreue (links). Wer sich noch mehr Auflösung und Detailschärfe wünscht, muss zu einer professionellen Spiegelreflexkamera mit adäquatem Objektiv greifen
Canon PowerShot G1 X: Vergleichsbild 2
Die Farbwiedergabe der PowerShot G1 X wirkt natürlich, könnte aber etwas gesättigter und kontrastreicher sein (links). Im Referenzbild (rechts) zeigen vor allem wärmere Farbtöne, aber auch das knallige Grün der Wiese eine höhere Sättigung

PLAYER.de-Testurteil: GutPLAYER.de meint:
Sind mittlerweile alle ernstzunehmenden Konkurrenten auf den Zug der spiegellosen Systemkameras aufgesprungen, scheint Canon diesen Trend weiterhin zu ignorieren. Dabei hätte der japanische Hersteller die nötige Technologie schon im Haus, wie die neue PowerShot G1 X beweist. Das Kompakt-Flaggschiff besticht durch umfassende Einstellmöglichkeiten, robuste Verarbeitung und hervorragende Bildqualität. Letztere könnte allerdings noch besser sein und sogar manche DSLR in den Schatten stellen, wäre da nicht das verzeichnende, fest eingebaute Objektiv, das dem großen CMOS-Sensor ziemlich schnell die Grenzen aufzeigt. Leider ändert daran die Kompatibilität zum EOS-Zubehörprogramm herzlich wenig. Aus diesem Grund hat die PowerShot G1 X die Bestnote verspielt, kann aber immerhin das PLAYER.de-Qualitätssiegel „Gut“ einheimsen.

Canon PowerShot G1 X

Preis lt. Hersteller: 749,- Euro
AUSSTATTUNG
Sensor/Auflösung: CMOS mit 14,3 Megapixeln
Objektiv: Canon Zoom Lens 4x IS 15.1-60.4mm 1:2.8-5.8 mit vierfach optischem Zoom, Brennweite: 28 bis 112 mm (KB)
ISO: 100 bis 12.800
Verschlusszeiten: 1/4.000 bis 60 Sekunden
LC-Display: 3 Zoll (920.000 Pixel)
Besonderheiten: APS-C-ähnlicher Bildsensor, RAW-Unterstützung, Full-HD-Videofunktion, integrierter ND-Filter, optischer Sucher, kompatibel mit EOS-Zubehör
BEWERTUNG
Technik: 4,5 von 5 Punkten
Bedienung: 4 von 5 Punkten
Kreativprogramme: 4,5 von 5 Punkten
Bildqualität: 4,5 von 5 Punkten
PLAYER.de GESAMTWERTUNG Gut