Samsung NX11 im Test

Spiegellose Systemkamera: Samsung NX11 im Test

Obwohl Samsungs aktuelle NX11 ganz ohne Spiegel- und Prismensystem auskommt, muss man bei ihr keineswegs auf die Annehmlichkeiten einer DSLR verzichten: APS-C-Sensor, manuelle Einstellmöglichkeiten, RAW-Unterstützung und Erweiterungsoptionen – das sind nur ein paar Highlights. PLAYER.de hat die spiegellose Systemkamera auf die Probe gestellt.

Kaum hatte Samsung 2010 seine erste (spiegellose) Systemkamera vorgestellt, ging alles Schlag auf Schlag: Die NX11 ist nach der NX10, NX5 und NX100 das vierte Modell des hauseigenen NX-Systems. Als direkte Konkurrentin der Olympus PEN E-PL2 kostet die NX11 mitsamt Wechseloptik ebenfalls 599 Euro und richtet sich laut Hersteller sowohl an Einsteiger als auch an professionelle Fotografen. Für die erste Zielgruppe ist die aus den Vorgängerinnen bekannte „i-Function“-Technologie an Bord, die mit einem Handgriff am Objektiv Zugriff auf die wichtigsten Kameraeinstellungen erlaubt.

CMOS-Bildsensor der Samsung NX11

Hinter dem NX-Objektivbajonett verbirgt sich ein CMOS-Bildsensor im 23,4 x 15,6 Millimeter großen APS-C-Format


 
 
Vorgestelltes Produkt:
Samsung NX11 Systemkamera (14,6 Megapixel, 7,6 cm (3 Zoll) Display, bildstabilisiert) inkl. 18-55 mm II OSI i-Function Objektiv schwarz
Aktueller Amazon-Preis: EUR 389,99


 

Vorteile der Samsung NX11 im Überblick:
+ überzeugende Bildqualität
+ kontinuierlicher Autofokus bei Videoaufnahmen
+ einfache Kameraeinstellung dank „i-Function“
+ Unterstützung von Fremdobjektiven (Adapter)

Nachteile der Samsung NX11 im Überblick:
- keine Full-HD-Videofunktion
- Autofokus mit Schwächen
- kein interner Bildstabilisator
- teils lange Speicherzeiten

Samsung NX11 | Technik

Seitenansicht der Samsung NX11

Das „i-Function“-Feature ist in den Modi „P“, „S“, „A“ und „M“ ganz einfach über die „iFn“-Taste am Objektiv abrufbar – hinter der Klappe auf der linken Gehäuseseite sind die Schnittstellen untergebracht

Um Unterschiede zwischen der NX10 und NX11 zu erkennen, muss man schon ganz genau hinsehen: Das schwarze Kunststoffgehäuse misst nach wie vor kompakte 123 x 87 x 39,8 Millimeter und ist in puncto Design weitestgehend unverändert geblieben. Lediglich der Griff wurde ein wenig ummodelliert, sodass die Kamera jetzt besser in der Hand liegt.

Neu ist außerdem das im Kit enthaltene Standardzoom Samsung Lens 1:3.5-5.6 18-55mm II OIS, das dank „i-Function“ quasi als Steuerelement dient (mehr dazu unter „Bedienung“). Der Anschluss erfolgt über das NX-Bajonett, wobei mittels Adapter sogar Fremdoptiken akzeptiert werden. Samsung bietet derzeit noch eine relativ magere Auswahl an kompatiblen Wechselobjektiven, will das Line-up aber immerhin kontinuierlich erweitern. Diverse Linsenfilter, Aufsteckblitze, ein Selbstauslöser, ein GPS-Modul sowie ein Netzadapter komplettieren das Zubehörprogramm.

Samsungs Zubehörprogramm für die NX-Systemkameras

Samsung hat sein NX-Zubehörprogramm Ende letzten Jahres vor allem um neue Objektive erweitert, wobei der Adapter ED-MA9NXK (rechts im Bild) den Anschluss von Pentax-K-Optiken ermöglicht. Das 20-bis-55-Millimeter-Zoom und die 20-Millimeter-Festbrennweite sind auch in Silber erhältlich

Der eingebaute Blitz hat eine Leitzahl von elf. An Schnittstellen hält die NX11 neben dem Zubehörschuh auch eine DC-IN-Buchse, einen Fernauslöseranschluss sowie je einen HDMI- und USB-Port bereit. Beim Bildsensor setzen die Koreaner auf den gleichen 14,6-Megapixel-CMOS wie in der Vorgängerin NX10. Der Chip hat eine Fläche von 23,4 x 15,6 Millimetern (APS-C-Format) und deckt einen Lichtempfindlichkeitsbereich von ISO 100 bis ISO 3.200 ab.

Anders als bei der Olympus PEN E-PL2 gleicht dieser aber keine Zitterbewegungen aus, weshalb die Samsung-Kamera auf ein bildstabilisierendes Objektiv angewiesen ist. Die Verschlusszeit lässt sich manuell zwischen einer Viertausendstelsekunde und 30 Sekunden einstellen oder über den Auslöser steuern (Bulb-Langzeitbelichtung maximal acht Minuten). Das Motiv wird dabei auf dem fest eingebauten, drei Zoll großen AMOLED-Display mit 614.000 Pixeln oder im elektronischen Sucher (921.000 Pixel) angezeigt.

Beide Live-View-Modi führen dem Fotografen die Auswirkungen der Kameraeinstellungen sofort vor Augen und decken ein 100-prozentiges Bildfeld ab. Videos zeichnet die NX11 standardmäßig im MP4-Format mit 1.280 x 720 Pixeln und 30 Bildern pro Sekunde auf (720p-Standard). Fotos werden als JPEG- und/oder SRW-Datei (RAW mit zwölf Bit Farbtiefe) auf einer SD- oder SDHC-Speicherkarte abgelegt.

Oberseite der Samsung NX11

Auch wenn die NX11 im Vergleich zu einer DSLR sehr schlank ausfällt, sind die vielen Bedienelemente gut zu erreichen

Samsung NX11 | Bedienung

Samsungs NX-Objektive mit Motivsymbolen

Die Icons neben der Brennweitenangabe geben Auskunft über den vorgesehenen Verwendungszweck des Objektivs – in diesem Fall sind die Optiken für Landschafts- und Porträtaufnahmen gedacht

Auch wenn die NX11 weder Spiegel- noch Prismensystem beherbergt, wollte Samsung offenbar nicht auf ein DSLR-ähnliches Design verzichten. Da wäre in erster Linie die ausgeprägte Griffwulst, welche dank Gummiüberzug einen gleichermaßen sicheren und komfortablen Halt gewährleistet. Anspruchsvolle Fotografen dürften trotzdem die Ergonomie und Haptik einer Spiegelreflexkamera vermissen.

Andererseits sind die Bedienelemente für unerfahrene Einsteiger anfangs etwas schwer zu durchschauen, da sie mehr oder weniger auf der Rückseite verstreut sind. Das erfordert folglich eine gewisse Eingewöhnungsphase, um die Kamera intuitiv bedienen zu können. Immerhin lassen sich Blende, ISO-Empfindlichkeit, Belichtungszeit und EV-Wert problemlos über das Drehrädchen vor dem Auslöser regulieren. Alternativ übernimmt auch das „i-Function“-Feature diese Aufgabe.

Hierfür muss man lediglich die „iFn“-Taste am Objektiv betätigen und anschließend die jeweiligen Aufnahmeparameter über den Fokusring noch genauer justieren. Auf die gleiche Weise können im Objektivpriorität-Modus verschiedene Szenenprogramme ausgewählt werden. Die Anzeige im elektronischen Sucher ist erstaunlich gut, so dass der Fotograf die Kamera während des Shootings stets am Auge behalten kann.

Display der Samsung NX11

Die NX11 verfügt über 13 verschiedene Motivprogramme – wenn man die Kamera vors Auge hält, wird die Display-Anzeige in den elektronischen Sucher umgeschaltet

Wer sich nicht selbst um die Kameraeinstellungen kümmern möchte, sollte auf die intelligente Vollautomatik zurückgreifen. Der Modus erkennt die Aufnahmesituation selbstständig und beschränkt die Arbeit lediglich auf das Zoomen sowie das Drücken des Auslösers. Ebenso steht eine Panoramafunktion zur Verfügung, die das Motiv in einem horizontalen oder vertikalen Kameraschwenk erfasst und die aufgenommenen Einzelbilder zu einem Panoramafoto zusammenrechnet.

Außerdem kommt die NX11 mit AE-, Weißabgleich- und Picture-Wizard-Belichtungsreihen zurecht. Diese funktionieren in den halbautomatischen beziehungsweise manuellen Betriebsarten „P“, „S“, „A“ und „M“. Bei höchster Auflösung knipst die Serienbildfunktion bis zu drei Bilder pro Sekunde, wobei die Verarbeitung der Aufnahmen sehr lange dauern kann (abhängig von der eingelegten Speicherkarte). Achtung: Wird die Kamera während des Schreibvorgangs ausgeschaltet, lässt sich die Datei danach häufig nicht mehr öffnen.

Das Bildseitenverhältnis ist auf 3:2, 16:9 oder 1:1 einstellbar. Hält man im Menü die „DISP“-Taste gedrückt, blendet das Gerät zusätzliche Infos zum aktuell markierten Menüpunkt ein.

Einstellbare Seitenverhältnisse der Samsung NX11

Wer das Seitenverhältnis von standardmäßig 3:2 auf 16:9 oder 1:1 ändern will, kann dies im Menü durch Wahl einer anderen Auflösung tun

i-Function der Samsung NX11

Samsungs „i-Function” macht das Einstellen der Aufnahmeparameter zum Kinderspiel – eine Hilfefunktion wie bei der Olympus PEN E-PL2 fehlt allerdings

Burst-Serienbildmodus der Samsung NX11

Neben der Serienbildfunktion und den Belichtungsreihen bietet die NX11 auch einen Burst-Modus, in dem sich bis zu 30 (niedrig aufgelöste) JPEG-Fotos pro Sekunde knipsen lassen

Samsung NX11 | Kreativprogramme

Während viele Kamerahersteller den Szenenmodus mit ansprechenden Beispielfotos schmücken, muss man bei der NX11 selbst herumexperimentieren. Wird nämlich das Wahlrad auf „SCENE“ gedreht, stehen die jeweiligen Programme nicht etwa – wie sonst üblich – in einem separaten Fenster, sondern im Menü zur Verfügung. Der Fotograf kann dabei zwischen Beauty Shot, Porträt, Kinder, Sport, Gegenlicht, Nahaufnahme, Text, Landschaft, Sonnenuntergang, Dämmerung, Strand/Schnee, Nacht sowie Feuerwerk wählen.

Je nachdem vergrößert die Kamera zum Beispiel die Blendenöffnung, damit sich das eigentliche Motiv vom unscharfen Hintergrund abhebt (Porträt), klappt den Aufhellblitz aus (Gegenlicht) oder verkürzt beziehungsweise verlängert die Belichtungszeit (Sport/Nacht). Die bereits erwähnte Panoramafunktion wurde dabei als eigenständiger Modus integriert.

Fischaugeneffekt der Samsung NX11

Wird im Wiedergabemodus die „Fn“-Taste gedrückt, kann der Fotograf auf diverse Korrekturtools, Bildstile und Smart-Filter zurückgreifen

Neben den Szenenprogrammen bietet die Digitalkamera auch einen Bildassistenten, mit dem sich unter anderem eine lebhaftere Farbdarstellung, eine kühle Bildwirkung, eine Schwarz-Weiß- Umwandlung oder eine Sepia-Tönung erzielen lässt. Auf Wunsch kann man sogar bis zu drei benutzerdefinierte Bildstile mit eigenen Werten für Farbe, Sättigung, Schärfe und Kontrast anlegen.

Darüberhinaus sind auf den gespeicherten Fotos fünf Smart-Filter (Miniatur, Fischauge, Anti-Nebel, Halbton-Punkte und Soft-Fokus) anwendbar. Eine Rote-Augen- und Gegenlichtkorrektur sowie eine Videoschnittfunktion komplettieren die kreativen Möglichkeiten der NX11.

Schwarz-Weiß-Aufnahme der Samsung NX11

Wirtschaftswunderzeit: Der Bildstil „Klassisch“ wandelt Farben in Schwarz-Weiß um und lässt das Foto so wortwörtlich alt aussehen

Farbintensivierte Aufnahme der Samsung NX11

Den Spieß umdrehen: Der Bildstil „Lebhaft“ intensiviert die Farben und bringt den Mercedes 190 SL vor dem Schloss Maxlrain besonders gut zur Geltung

Samsung NX11 | Bildqualität

Die Vorteile des 23,5 x 15,6 Millimeter großen Bildsensors schlagen sich vor allem im Rauschverhalten nieder. Obwohl in dieser Disziplin schon die Olympus PEN E-PL2 mit ihrem fast 40 Prozent kleineren Four-Thirds-Chip (17,3 x 13 Millimeter) sehr überzeugende Ergebnisse lieferte, beweist Samsungs NX11, dass es noch besser geht: Bis ISO 800 sind die Bilder extrem rauscharm und zeigen erst ab ISO 1.600 sichtbare Körnungen.

Mit der Samsung NX11 fotografiertes Reh

PLAYER.de auf der Pirsch: Der Kontrast sowie die Farbdarstellung und -differenzierung der NX11 sind im Allgemeinen überzeugend

Mit starken Kontrastunterschieden hat die Kamera ebenfalls kein Problem, wenn auch der Dynamikumfang für unseren Geschmack höher sein könnte. Einfarbige und kontrastarme Motive hingegen wirken etwas flau. Dafür werden feine Konturen einwandfrei durchgezeichnet. Die Auflösung steht gehobenen DSLRs in nichts nach.

Hier kann das verwendete Kitobjektiv leider nicht so ganz mithalten. Vor allem im Randbereich neigt das Linsensystem zu Schärfeverlusten und kissenförmigen Verzerrungen. Hinzu kommen leichte Farbsäume (chromatische Aberrationen), die man im Großen und Ganzen aber vernachlässigen kann. Sanfte Farbübergänge stellt die NX11 klar differenziert dar und punktet allgemein mit einer natürlichen Wiedergabe.

Stadtaufnahme der Samsung NX11

Detailreiche Motive sind für die Samsung NX11 kein Problem – schwache Kontraste wie die Fenster des hellen Gebäudes oben links bringen die Kamera allerdings an ihre Grenzen

Samsung NX11: Unpräzise fokussiertes Motiv

Der Autofokus der Samsung NX11 arbeitet nicht immer zuverlässig: Anstatt der Taube wurde der Hintergrund scharf gestellt

Lediglich wärmere Farbtöne scheinen ein wenig übersättigt. Der Autofokus arbeitet für ein Kontrast-AF-System erfreulich schnell, schwächelt allerdings gelegentlich in puncto Präzision. Beim manuellen Fokus wird die Bildmitte vergrößert angezeigt, um die Scharfstellung zu erleichtern.

Wer sich mit Mono-Sound und 720p-Auflösung zufriedengibt, dürfte an der Videofunktion der Samsung-Kamera durchaus seine Freude haben, zumal sich das AF-System beim Filmen von selbst kontinuierlich scharf stellt. Flotte Kameraschwenks oder Aufnahmen schnell bewegter Objekte führen jedoch zu Schnittlinien (Rolling-Shutter-Effekt). Im „Sound Picture“-Modus kann man übrigens auch ein Bild inklusive Ton aufnehmen, und zwar fünf oder zehn Sekunden vor und nach der Aufnahme.

Samsung NX11: Vergleichsbild 1

Vor allem wärmere Farbtöne neigen bei der NX11 zur Übersättigung – an der Durchzeichnung gibt es hingegen nichts auszusetzen (links). Das Referenzgerät fängt auch die schwierig darzustellenden Neonfarben der Gummibänder originalgetreu ein

Samsung NX11: Vergleichsbild 2

Kontraste gehören nicht zu den Stärken der Samsung NX11, wohl aber feine Farbverläufe (links). Die Strukturen der Rabenflügel kommen im Referenzbild deutlich besser zur Geltung

PLAYER.de-Testurteil: GutPLAYER.de meint:
Samsungs NX11 ist ein hervorragendes Beispiel dafür, dass gute Digicams nicht immer aus dem DSLR-Lager stammen müssen. Die spiegellose Systemkamera eignet sich sowohl für Einsteiger als auch für Experten und punktet mit erstklassiger Fotoqualität. Besonders hervorzuheben sind hier das niedrige Rauschverhalten und die hohe Detailtreue. Dabei lassen sich die Aufnahmeparameter dank „i-Function“ einfach über den Fokusring einstellen. Praktisch finden wir den hochauflösenden elektronischen Sucher, der selbst in hellen Umgebungen ein klares Bild liefert. Nimmt man die Kamera vom Auge, wird die Anzeige automatisch auf das Drei-Zoll-Display umgeschaltet (und umgekehrt). Verglichen mit der NX10 hat sich beim neuen Modell technisch aber relativ wenig verändert. Wer also die Vorgängerin besitzt, muss nicht unbedingt wechseln. Aufgrund der gelegentlichen Autofokus-Schwächen und der verbesserungswürdigen Videofunktion schrammt die NX11 unter dem Strich nur knapp an der Bestnote vorbei und erhält deswegen das PLAYER.de-Qualitätssiegel „Gut“.

Samsung NX11

Preis lt. Hersteller: ab 599,- Euro (als Kit)
AUSSTATTUNG
Sensor/Auflösung: CMOS mit 14,6 Megapixeln
Objektiv: NX-Bajonett, getestet mit Samsung Lens 1:3.5-5.6 18-55mm II OIS, Brennweite: 27,7 bis 84,7 mm (KB)
ISO: 100 bis 3.200
Verschlusszeiten: 1/4.000 bis 30 Sekunden (+ Bulb-Modus)
LC-Display: 3 Zoll (614.000 Pixel)
Besonderheiten: 100%-Sucherbildfeld, Videos mit Autofokus, „i-Function“-Feature, Belichtungsreihen, unterstützt Fremdobjektive (Adapter)
BEWERTUNG
Technik: 4 von 5 Punkten
Bedienung: 4 von 5 Punkten
Kreativprogramme: 4,5 von 5 Punkten
Bildqualität: 4,5 von 5 Punkten
PLAYER.de GESAMTWERTUNG Gut

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