Test: Nikon D5100 – ein Wunschkind wird erwachsen

Nikon D5100 im Test
DSLR-Kamera: Nikon D5100 im Test

Für 699 Euro in die moderne DSLR-Mittelklasse – das soll die neue Nikon D5100 ermöglichen. Die Ausstattung kann sich sehen lassen: 16,2 Megapixel, Full-HD-Videofunktion, flexibles Klappdisplay. Außerdem kann man entweder der eigenen Kreativität freien Lauf lassen oder diverse Spezialeffekte nutzen. PLAYER.de hat beides ausprobiert – und ist zu einem klaren Ergebnis gekommen.

Eigentlich konnte man ahnen, dass bei Nikon etwas im Busch ist – verkaufte doch Ende 2010 und Anfang letzten Jahres eine große Elektronikkette offenbar ihre Restbestände der Mittelklasse-DSLR D5000 inklusive zweier Optiken zum echten Schleuderpreis. Denn schon wenige Monate später kam mit der D5100 die offizielle Nachfolgerin auf den Markt. Das neue Modell bietet unter anderem ein höheres Auflösungsvermögen, eine Full-HD-Videofunktion, einen optimierten und größeren Klappmonitor sowie überarbeitete Bedienelemente. Die Nikon D5100 geht als direkte Konkurrentin der nur 50 Euro teureren Canon EOS 600D ins Rennen.

Integrierter Aufhellblitz der Nikon D5100
Der eingebaute Aufhellblitz der Nikon D5100 hat eine relativ schwache Leitzahl von zwölf - die Reichweite beträgt nur wenige Meter
 

Vorgestelltes Produkt:
Nikon D5100 SLR-Digitalkamera (16 Megapixel, 7.5 cm (3 Zoll) schwenk- und drehbarer Monitor, Live-View, Full-HD-Videofunktion) Kit inkl. AF-S DX 18-55 mm VR (bildstb.)
Aktueller Amazon-Preis:


 

Vorteile der Nikon D5100 im Überblick:
+ überzeugende Bildqualität mit großem Dynamikumfang
+ dreh- und schwenkbares Display
+ viele Einstelloptionen
+ sinnvolle Kreativprogramme

Nachteile der Nikon D5100 im Überblick:
– langsamer und pumpender Autofokus im Live-View
– teils langsame Bildverarbeitung

Nikon D5100 | Technik

Nikon D5100 mit optional erhältlichem GPS-Empfänger
Problemlose Erweiterung: Auf den Zubehörschuh lassen sich nicht nur externe Blitzgeräte und Mikrofone aufstecken, sondern auch der optionale GPS-Empfänger GP-1

Anders als beim Erzrivalen Canon ist die neue Kamera im Vergleich zur Vorgängerin nicht gewachsen, sondern ein wenig geschrumpft. Zudem ist sie rund 50 Gramm leichter geworden: Die Nikon D5100 misst nun 128 x 97 x 79 Millimeter (B x H x T) bei einem Gewicht von 560 Gramm – inklusive Akku und Speicherkarte.

Darüber hinaus wurde die Rückseite komplett überarbeitet. So sind die meisten Tasten nach rechts und der Lautsprecher nach oben gewandert, um Platz für das dreh- und schwenkbare Display mit Drei-Zoll-Diagonale zu schaffen. Dessen Auflösung beträgt jetzt 921.000 statt 230.000 Pixel.

 
Im Inneren wartet die DSLR allerdings noch mit einigen weiteren Neuerungen auf. Dazu gehören vor allem die auf den Full-HD-Standard aufgebohrte Videofunktion sowie der 23,6 x 15,6 Millimeter (DX-Format) große CMOS-Sensor mit 16,2 Millionen Bildpunkten. Die Lichtempfindlichkeit ist zwischen ISO 100 und ISO 6.400 regulierbar, kann im „Hi 2“-Modus aber auf ISO 25.600 erweitert werden. Die Verschlusszeit reicht von einer Viertausendstelsekunde bis zu einer halben Minute. Für längere Belichtungen ist der Bulb-Modus an Bord. Die Serienbildrate liegt bei vier Bildern pro Sekunde.

Nikon D5100 mit optional erhältlichem Stereomikrofon
Ungetrübte Klangkulisse: Das separat erhältliche Mikrofon Nikon ME-1 soll für qualitativ hochwertigen Stereoton ohne AF-Geräusche sorgen (149 Euro)

Um die Scharfstellung kümmert sich ein Autofokus mit TTL-Phasenerkennung und elf Messfeldern, wobei eines davon als Kreuzsensor fungiert. Das AF-System ist sogar während des Filmens aktiv, sodass das Motiv entweder permanent beziehungsweise automatisch scharfgestellt wird („AF-F“) oder man dies manuell über den Auslöser erledigen kann („AF-S“). Videos landen als H.264-komprimierte MOV-Dateien mit bis zu 1.920 x 1.080 Pixeln und 30 Bildern pro Sekunde auf einer SD-, SDHC- oder SDXC-Speicherkarte. Fotos werden im JPEG- und/oder NEF-Format (RAW mit 14 Bit Farbtiefe) aufgenommen.

Wie bei Nikon üblich, ist die D5100 auf ein Objektiv mit integriertem „VR“-Bildstabilisator (Vibration Reduction) angewiesen, um auch ohne Stativ verwacklungsfreie Aufnahmen machen zu können. Immerhin verfügen die Kit-Optiken wie etwa das im Test genutzte AF-S DX Nikkor 18-55mm f/3.5-5.6G VR standardmäßig über das bildstabilisierende Modul. Der Anschluss des Objektivs erfolgt über das herstellereigene F -Bajonett.

An Schnittstellen stehen je ein HDMI- und TV-Ausgang (letzterer dient auch als USB-Port), eine Mikrofonbuchse sowie eine Anschlussmöglichkeit für den optionalen GPS-Empfänger zur Verfügung.

Nikon D5100- | Bedienung

Verschiedene Fokusmodi der Nikon D5100
Fokusmodi: Beim Filmen kann man das Scharfstellen entweder der Nikon D5100 überlassen (AF-F) oder selbst übernehmen

Fand man bei der Vorgängerin noch viele Tasten auf der linken Seite, mussten diese nun dem optimierten Klappdisplay weichen. Der Monitor der D5100 wird nämlich zur Seite statt nach unten geschwenkt, was nicht nur Selbstporträts vereinfacht, sondern auch einen schnelleren Wechsel zwischen Vogel- und Froschperspektive ermöglicht. Die Anzeige dreht sich dabei mit – unabhängig davon, ob man die Kamera im Hoch- oder Querformat hält.

Neu hinzugekommen ist außerdem ein Schnapphebel für einen noch komfortableren Zugriff auf den Live-View-Modus. Dieser sitzt direkt am Modus-Wahlrad und ist problemlos per Zeigefinger oder Daumen zu erreichen. Leider wirkt die Verteilung der Bedienelemente ein wenig unaufgeräumt, weswegen am Anfang bei einigen Fotografen eine kurze Eingewöhnung vonnöten sein dürfte. Vor allem die oberen Tasten haben einen relativ großen Hub und einen schwammigen Druckpunkt, was nicht jedermanns Geschmack trifft.

Im Großen und Ganzen sind die wichtigsten Einstellmöglichkeiten aber direkt zugänglich, so dass Verschlusszeit und Blendenwert quasi blind reguliert werden können. Wer übrigens oft die ISO-Lichtempfindlichkeit verstellt, sollte die Funktionstaste mit dem entsprechenden Befehl belegen. Sie dient im Werkszustand dem Ein- und Ausschalten des Selbstauslösers. Selbstverständlich stehen im Menü noch weitere Belegungsoptionen wie „Bildqualität/Größe“, „Weißabgleich“ oder „HDR-Modus“ zur Auswahl.

Interne Bildbearbeitungsfunktion der Nikon D5100
Ganz ohne Computer: Im Menü hält die D5100 zahlreiche Bearbeitungsfunktionen für gespeicherte Fotos und Videos bereit
Zuletzt vorgenommene Einstellungen der Nikon D5100
Individualfunktionen der Nikon D5100
Individualfunktionen: Über insgesamt 20 Unterpunkte lässt sich die DSLR schnell an die persönlichen Bedürfnisse anpassen

Fotografen, die sich nur ungern mit den Aufnahmeparametern befassen und einfach drauflosknipsen möchten, kommen mit dem Automatikmodus auf ihre Kosten. Hier nimmt die D5100 selbsttätig die Einstellungen für das anvisierte Motiv vor und wählt das passende Programm aus. Da die Kamera praktisch sofort nach dem Einschalten betriebsbereit ist, empfiehlt sich der Modus auch in Schnappschuss-Situationen.

Der Autofokus arbeitet ziemlich flott, kann im Sucherbetrieb allerdings nicht ganz mit der Canon EOS 600D mithalten. Dafür ist es im Live-View-Modus genau umgekehrt. Ein weiterer großer Vorteil der Nikon-DSLR gegenüber der Konkurrentin ist, dass die Videoaufnahme auf Knopfdruck startet, ohne das Wahlrad auf die entsprechende Position setzen zu müssen. Der Aufnahmestart erfolgt jedoch nur im Live-View.

Wie bereits im vorigen Punkt erwähnt, stellt das AF-System beim Filmen entweder permanent oder durch halbes Herunterdrücken des Auslösers scharf. Der Fokussiervorgang fällt zwar wesentlich leiser aus als bei vielen anderen Modellen, ist aber dennoch auf der Tonspur zu hören. Zur kabellosen Kamerasteuerung über die Fernbedienung ML-L3 befindet sich auf der Vorder- und Rückseite je ein Infrarotsensor. Fotos und Videos können direkt im Menü nachbearbeitet werden.

Flexibles Schwenkdisplay der Nikon D5100
Mehr Flexibilität: Anders als bei der Vorgängerin wird das Display der D5100 seitlich ausgeklappt

Nikon D5100- | Kreativprogramme

Modus-Wahlrad der Nikon D5100

Die neue D5100 strotzt geradezu vor Kreativität. Insgesamt kann der Fotograf auf 23 verschiedene Programme zurückgreifen, welche entweder die Kameraeinstellungen an die entsprechende Aufnahmesituation anpassen oder den gesamten Bildeindruck verändern. Häufig genutzte Motivprogramme wie zum Beispiel „Porträt“, „Landschaft“, „Kinder“, „Sport“ und „Nahaufnahme“ können dabei direkt über das Modus-Wahlrad abgerufen werden.

Weitere motivabhängige Programme, beispielsweise zum Fotografieren von Blumenfeldern und Bäumen („Blüten“), Speisen und Getränken („Food“) sowie sehr hellen Umgebungen („Strand/Schnee“), finden sich im Szenenmodus.

Noch kreativer wird es, wenn man das Wahlrad auf den Modus „EFFECTS“ stellt. Hier stehen vom beliebten „Miniatureffekt“ über „Low Key“ und „High Key“ bis hin zur faszinierenden „Farbzeichnung“ elf Effekte zur Auswahl, mit denen sich jedes Motiv aufpeppen lässt. Leider dauert die Verarbeitung verhältnismäßig lange, obwohl die Fotos lediglich im JPEG-Format gespeichert werden (RAW ist deaktiviert). Dafür sind sämtliche Effekte auch beim Filmen nutzbar, wobei der Autofokus in manchen Modi ausgeschaltet wird und Aufnahmen gelegentlich stottern können.

Die im Effektmodus enthaltenen Programme „Selektive Farbe“, „Miniatureffekt“ und „Farbzeichnung“ können auch nachträglich über den Menüpunkt „Bildbearbeitung“ angewendet werden. Zusätzlich hat Nikon darin einen Fisheye-Effekt und diverse Linsenfilter eingebunden. Außerdem stehen noch hilfreiche Werkzeuge wie zum Beispiel „Beschneiden“, „Farbabgleich“, „Bildmontage“, „Verkleinern“, „Ausrichten“ und „Farbkontur“ bereit.

Eine RAW-Verarbeitung und Video-Schnittfunktion sind ebenfalls an Bord. Korrektur-Tools zum Entfernen oder Ausbessern von roten Augen, Verzeichnungen und stürzenden Linien komplettieren das Angebot. Für kontrastoptimierte Fotos verfügt die D5100 über das „D-Lighting“-Feature und eine HDR-Funktion. Allerdings sind die Ergebnisse nicht immer überzeugend.

Mit Kreativprogrammen nachbearbeitete Aufnahme der Nikon D5100
Nette Spielerei: Wie in der TV-Werbung lassen sich einzelne oder mehrere Farbtöne direkt auf der Kamera herausfiltern - eine Software ist nicht erforderlich

Nikon D5100- | Bildqualität

Mit der Nikon D5100 fotografierter Berg
Massiv: Schwache Kontraste gelingen der D5100 zwar gut, aber das gesamte Farbspektrum könnte noch etwas gesättigter ausfallen

Geht es nach Nikon, steht die D5100 der gehobenen Mittelklasse-DSLR D7000 (zum Testbericht) hinsichtlich ihrer Bildqualität in nichts nach. Eine mutige Aussage, zumal der Preisunterschied bei fast 500 Euro liegt. Tatsächlich haben beide Modelle den 16,2-Megapixel-Sensor und den EXPEED-2-Bildprozessor gemeinsam, was die Zweifel schnell im Keim erstickt: Das Auflösungsvermögen des CMOS-Chips liegt wahrlich auf Topniveau, auch wenn die Canon EOS 600D im Test einen etwas höheren Schärfeeindruck erwecken konnte.

 
In Kombination mit den Nikkor-Kit-Optiken verschwimmen zum Rand hin nämlich die Konturen. Wer also großen Wert auf eine hohe Detailtreue über den gesamten Bildbereich legt, sollte besser zu einem professionellen Objektiv greifen. Immerhin werden perspektivische Verzeichnungen mit der zuschaltbaren „Auto-Verzeichnungskorrektur“ beinahe ausgemerzt, so dass selbst Architekturfotografen kaum etwas zu meckern haben dürften.

Seefoto der Nikon D5100
Die Nikon D5100 beweist eine hohe Detailtreue und Farbdifferenzierung - die Wasserspiegelungen der Segeljacht kommen gut zur Geltung

Das Rauschen hält sich ebenfalls stark in Grenzen. Erst ab ISO 1.600 treten (abhängig vom Motiv) mehr oder weniger sichtbare Körnungen auf. Was die Farbwiedergabe und Sättigung anbelangt, ist die D5100 relativ zaghaft. So wirken in unserem Testbild vor allem wärmere Farbtöne ein wenig ausgewaschen. Verläufe und Abstufungen gelingen ihr wiederum gut. Höchsten Respekt verdient aber die Darstellungsqualität schwacher Kontraste (Dynamik), wie man sie bislang nur von Spiegelreflexkameras aus dem Profisegment kennt.

Im Gegensatz zur Vorgängerin beherrscht das neue Modell nun den Full-HD-Standard für knackig scharfe Videos mit 1.920 x 1.080 statt 1.280 x 720 Pixeln und 24, 25 oder 30 Vollbildern pro Sekunde. Wen die pumpenden AF-Geräusche stören, kann die akustischen Eigenschaften immerhin mithilfe des externen Stereomikrofons ME-1 verbessern (Kostenpunkt: 149 Euro).

Nikon D5100: Vergleichsbild 1
Die Farben haben Hunger: Die D5100 neigt zur leichten Untersättigung, wodurch einige Bildbereiche ausgewaschen wirken (links). Das Referenzgerät bildet die Holzutensilien in ihren natürlichen Farben ab - so kommen auch Details besser zur Geltung
Nikon D5100: Vergleichsbild 2
Erste Sahne: Schwache und auch dunkle Kontraste gehören zu den großen Stärken der Nikon D5100 (links). Zwar erzielt die Vollformat-Referenzkamera eine höhere Schärfe, die Kontraste fallen aber keineswegs besser aus

PLAYER.de-Testurteil: GutPLAYER.de meint:
Sei es in puncto Verarbeitung, Bedienung oder Bildqualität: Die Nikon D5100 ist eine durch und durch gelungene digitale Spiegelreflexkamera. Während die umfassenden Einstellmöglichkeiten vor allem ambitionierte Fotografen erfreuen, dürften Einsteiger eher mit den Automatiken und Motivprogrammen liebäugeln. Dank der Videofunktion, die nun in Full HD aufzeichnet, kann man auf Knopfdruck sogar den Hobbyregisseur raushängen lassen. Sowohl die Bild- als auch die Videoaufnahmen lassen keine großen Wünsche offen, bleiben aber trotz des von der D7000 gespendeten Sensors und Bildprozessors „nur“ auf Mittelklasse-Niveau. Wer höhere Ansprüche hegt, wird ohnehin mehr als 809 Euro hinblättern müssen – so viel kostet nämlich das getestete Kit mit der 18-bis-55-Millimeter-Optik. Insofern hat sich die Nikon D5100 das PLAYER.de-Qualitätssiegel „Gut“ redlich verdient.

Nikon D5100

Preis lt. Hersteller: 699,- Euro (nur Gehäuse)
AUSSTATTUNG
Sensor/Auflösung: CMOS mit 16,2 Megapixeln
Objektiv: F-Bajonett, getestet mit AF-S DX Nikkor 18-55mm f/3.5-5.6G VR, Brennweite: 27 bis 82,5 mm (KB)
ISO: 100 bis 25.600
Verschlusszeiten: 1/4.000 bis 30 Sekunden (+ Bulb-Modus)
LC-Display: 3 Zoll (921.000 Pixel)
Besonderheiten: Schwenkbares Display, Full-HD-Videoaufnahme mit Autofokus, HDR-Funktion, integrierte Bildbearbeitung
BEWERTUNG
Technik: 4 von 5 Punkten
Bedienung: 4 von 5 Punkten
Kreativprogramme: 4,5 von 5 Punkten
Bildqualität: 4,5 von 5 Punkten
PLAYER.de GESAMTWERTUNG Gut