Test: Hasselblad H4D-31 – Einstieg in die Vollprofi-Fotografie

Hasselblad H4D-31 im Test
Digitale Mittelformatkamera: Hasselblad H4D-31 im Test

Sie ist die günstigste und gleichzeitig neueste Digitalkamera von Hasselblad: die H4D-31. Wer schon immer in die Liga des Modedesigners und Fotografen Karl Lagerfeld sowie von Profistudios einsteigen wollte, sollte unbedingt einen genaueren Blick auf sie werfen – PLAYER.de hat es getan.

Ein saftiger Preis, aber für Hasselblad-Verhältnisse fast schon billig: 9.995 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer wandern über den Ladentisch, wenn die H4D-31 den Besitzer wechselt. Sie ermöglicht professionellen Fotografen den Einstieg in die digitale Mittelformatfotografie. Dafür gibt es die 31-Megapixel-Kamera wahlweise mit 80-mm-Festbrennweitenobjektiv oder CF -Objektivadapter für Linsen des V-Systems.

Der schwedische Hersteller bietet mit seinen Digitalrückteilen der H4D-Serie bis zu 60 Megapixel, ruft für eine passende Kamera aber auch knapp 30.000 Euro auf. So gesehen ist die H4D-31 ein echtes Schnäppchen, bringt sie doch alle Technologien und Qualitäten mit, die man von den größeren Modellen kennt.

Verschiedene H4D-Modelle von Hasselblad
Modulares System: Hasselblad bietet die Mittelformatkameras der H4D-Reihe mit unterschiedlichen Auflösungen an

Vorteile der Hasselblad H4D-31 im Überblick:
+ Bildqualität auf höchstem Niveau
+ nie gesehene Bilddynamik
+ hervorragende Objektive
+ genaler RAW-Konverter

Nachteile der Hasselblad H4D-31 im Überblick:
– Bedienung oft zu träge
– für viele Anwendungszwecke zu schwer und unhandlich

Hasselblad H4D-31 | Technik

Die Kombination aus hochauflösendem Bildsensor, „HNCS“-Farbmanagementsystem („Hasselblad Natural Color Solution“), rauschmindernden Farbfiltern sowie Objektiven der HC-/HCD-Reihe von Hasselblad garantiert nicht nur farbechte Aufnahmen, sondern auch eine ausgezeichnete Detailschärfe und Durchzeichnung – im Prinzip also all das, was der Profi von den analogen Mittelformatkameras des Herstellers gewohnt ist.

Das aufwendige und besonders genaue „True Focus APL “ („Absolute Position Lock“) ist ein Hasselblad-eigenes Fokussystem, das durch einen Gyrosensor in der Kamera unterstützt wird. Die Theorie: Wenn sich die Kamera bewegt, dann bewegt sich zumindest im Studio auch der Fokuspunkt. Die H4D-31 ändert die Fokussierung entsprechend, sodass selbst bei aus der Hand geschossenen Nahaufnahmen der Fokuspunkt stabil bleibt – ein echtes Novum.

Wer mit der H4D-31 fotografieren will, muss nicht nur viel Geld, sondern auch starke Arme mitbringen. Satte 2,3 Kilogramm bringt die neue Mittelformat-DSLR inklusive Akku, Speicherkarte und Objektiv (80 mm Festbrennweite mit Offenblende von f/2,8) auf die Waage. Dabei misst das einsatzbereite Kamerasystem 15,3 x 13,1 x 21,3 cm (B x H x T) und erinnert so eher an eine Film- denn an eine Fotokamera.

Um gleich bei den Dimensionen zu bleiben: Der CCD-Bildsensor ist mit seinen Abmessungen von 3,3 x 4,4 cm fast doppelt so groß wie Kleinbild-Sensoren und mehr als 50-mal so groß wie die Sensoren in einigen Kompaktkameras. Wer weiß, dass die Herstellungskosten für eine Digitalkamera proportional zur Sensorfläche steigen, versteht den Preis für die Kamera. Stolze 31 Millionen Bildpunkte (6.496 x 4.872 Pixel) werden vom CCD-Sensor aufgelöst.

Jedes mit dieser Auflösung aufgenommene RAW-Bild im Hasselblad-eigenen Rohdatenformat „3FR“ (16 Bit Farbtiefe je Kanal) hat eine durchschnittliche Dateigröße von 40 Megabyte. Nach der Konvertierung belegt ein 8-Bit-TIFF-Foto über 90 MByte, ein 16-Bit-TIFF sogar über 180 MByte. Dass in Anbetracht dieser Datenmengen dann jeder Speichervorgang knapp 1,2 Sekunden dauert, ist zwar ärgerlich, aber nachvollziehbar. An schnelle Bildserien oder eine Videofunktion ist nicht zu denken.

Die Kamera akzeptiert ausschließlich CF-Speicherkarten (U-DMA), kann die Aufnahmen aber auch über eine Firewire-800-Verbindung direkt auf einen Mac oder PC übertragen, was besonders in der Studiofotografie hilfreich ist. Für die Bildwiedergabe und -bearbeitung legt der Hersteller die Software „Phocus“ in der Version 2.5.2 bei. Darüber hinaus lassen sich die Bilder über dieses Programm für eine spätere Nachbearbeitung in Photoshop und anderen Anwendungen vorbereiten.

Rückseite der Hasselblad H4D-31
Das Displey der Hasselblad H4D-31 löst mit 230.400 Pixeln relativ gering auf - einen Live-View-Modus gibt es nicht

Bei der Lichtempfindlichkeit liefert die H4D-31 eher bescheidene Einstellmöglichkeiten: Der Wert ist lediglich in fünf Schritten zwischen ISO 100 und ISO 1.600 einstellbar. Die kürzeste Verschlusszeit liegt bei 1/800-Sekunde und reicht bis zur Bulb-Langzeitbelichtung.

Wie es bei Hasselblad üblich ist, lässt sich die Kamera gut zerlegen: Lichtschacht, Objektiv und Sensor (Digitalrückteil mit Kartenschacht und Display) lassen sich vom Korpus lösen, in dem sich der Klappspiegel befindet. Dieses modulare Konzept garantiert eine hohe Zukunftssicherheit und Servicefreundlichkeit. Der Akku ist gleichzeitig der Kameragriff und hält nach unserem Test gut 300 Bilder ohne Blitz durch. Wem die Leistung des ausklappbaren Blitzes nicht genügt (er ist wirklich leistungsfähig), kann über den Zubehörschuh ein externes Blitzgerät aufstecken.

Abgesehen vom besagten Firewire-800-Port stehen zusätzlich Anschlüsse zur Stromversorgung sowie mehrere Schnittstellen für sonstiges Zubehör wie zum Beispiel Fernauslöser, GPS-Empfänger und Studioblitze zur Verfügung.

Hasselblad H4D-31 | Bedienung

Florian Friedrich mit der Hasselblad H4D-31
PLAYER.de-Chefredakteur Florian Friedrich mit der H4D-31 bei einem Rundflug über San Francisco

Dass die H4D-31 für den Profi konzipiert ist, wird nach wenigen Augenblicken mit der Kamera in mehrfacher Hinsicht deutlich: Fast an jeder Seite sind Tasten und Schalter angebracht, deren Zweck mangels Beschriftung gelegentlich Fragezeichen aufwirft. Das Handbuch klärt zwar auf, ohne eine gewisse Einarbeitungszeit kommt man mit der Kamera aber nicht klar.

Das unbewegliche, drei Zoll große Display dient vor allem der Aufnahmekontrolle und Bildwiedergabe, Live-View ist nicht möglich. Die Auflösung ist mit 230.400 Pixeln verhältnismäßig gering, reicht in der Regel aber vollkommen aus. Mittels Plus-Minus-Wippe kann der Nutzer die Fotos nahezu uneingeschränkt vergrößern und auf diese Weise jedes noch so kleine Detail erkennen. Mit längeren Wartezeiten beim Vergrößern muss man dabei leider leben.

 
 
Auf bunte Grafiken oder Animationen wurde verzichtet. Die Benutzeroberfläche ist in Englisch gehalten. Um beispielsweise den Selbstauslöser zu aktivieren, eine Belichtungsreihe aufzunehmen (Bracketing) oder den Fokussierungsbereich anzupassen, sollte man der Weltsprache also auf jeden Fall mächtig sein.

Der Fotograf kann alle Aufnahmeparameter wie Blende, Belichtung, ISO-Wert und Verschlusszeit über zwei Drehrädchen festlegen und hat somit vollen Einfluss auf das Bildergebnis. Ein Automatikmodus und individuelle Profile stehen ebenfalls bereit, doch die Kamera ist nicht auf das Fotografieren in hektischen Situationen ausgelegt. Lange Wartezeiten begegnen dem Fotografen immer wieder – ob bei der Aufnahme selbst oder der Bildvergrößerung über das eingebaute Display.

Screenshot von Hasselblads RAW-Konverter "Phocus"

Die Hasselblad liegt trotz ihres hohen Gewichts komfortabel und sicher in der Hand, wobei die wichtigsten Bedienelemente problemlos mit dem Zeigefinger oder dem Daumen erreicht werden können. Das AF-Hilfslicht (LED) neben dem Auslöser leuchtet extrem hell. Es arbeitet genau, aber so langsam, dass wir für viele Aufnahmesituationen den manuellen Fokus wählten und dann nur bei Bedarf über die mit dem rechten Daumen erreichbare „True Focus“-Taste von der Kamera fokussieren ließen.

 
 
Kreativprogramme oder Szenenmodi gibt es nicht. Außergewöhnliche Bilder erfordern deshalb außergewöhnliche Motive oder außergewöhnliche Nachbearbeitung, bei der die mitgelieferte „Phocus“-Software zur RAW-Konvertierung der Bilder allerdings hervorragende Dienste leistet.

Objektive für die Hasselblad H4D-31
Insgesamt zwölf Objektive bietet Hasselblad für die H4D-31 an, zehn davon sind hier abgebildet. Das Spektrum reicht von Makro- bis hin zu Teleobjektiven

Hasselblad H4D-31 | Bildqualität

Luftaufnahme von San Francisco mit der Hasselblad H4D-31

Wir hatten die H4D-31 mit zwei Objektiven im Praxiseinsatz: mit dem mitgelieferten 2,8/80mm und dem optional für 3.390 Euro erhältlichen 4/28mm. Beide sind technisch exzellent und beweisen erneut, wie viel Wert der schwedische Hersteller auf außergewöhnlich gute Objektive legt. Chromatische Aberrationen und Linsenverzerrungen sind Probleme, die mit dieser Kamera und den Objektivkorrekturfunktionen der mitgelieferten „Phocus“-Software in der Praxis nicht mehr existent sind.

Beispielfoto für die hohe Detailtreue der Hasselblad H4D-31
Ohne Stativ aufgenommen: Diese Aufnahme birgt überraschend viele Details. Die Struktur des Zauns ist nach Vergrößerung klar erkennbar

Als Beispiel sei auch der Maschendrahtzaun in unserer Weitwinkelaufnahme rechts genannt, dessen Struktur man in der Totalen nicht erkennen kann, der sich bei Vergrößerung aber als perfekt detailliert und scharf herausstellt.

Zur Beschreibung der Qualität sind ausführliche Messungen und Diagramme aus unserer Sicht deutlich weniger geeignet als die knapp 1.000 Bilder im Praxiseinsatz, die wir im Testzeitraum geschossen haben. Die Bilder in diesem Testbericht sind nur Beispiele für die überlegene Qualität dieser Kamera. Verzeihe bitte, wenn wir hier überschwänglich und in Superlativen von der Klasse dieser Kamera berichten, aber alles andere wäre schlichtweg nicht angemessen.

Mit der H4D-31 wird es selbst für den Profi sehr viel einfacher, den perfekten Schuss zu machen. Fehlbelichtungen werden durch den enormen Dynamikspielraum (ohne Zweifel mehr als zwölf Blendenstufen) in einem hohen Maß verziehen: Sofern das geschossene Bild auf dem Vorschaudisplay der Kamera mit acht Bit nur einigermaßen ordentlich aussieht, kannst Du die Belichtung hinterher problemlos so anpassen, dass eine perfekte Ausnutzung der Dynamik in JPG-Dateien und Ausdrucken jeder Art erreicht wird – ohne dass Abstufungseffekte sichtbar werden.

Nachtaufnahme mit der Hasselblad H4D-31
Auch Nachtaufnahmen gelingen mit der Hasselblad bravourös, wenn man zur Vermeidung von Rauschen einen entsprechend niedrigen ISO-Wert wählt

Um an die Grenzen der Dynamik dieser Kamera zu stoßen, müssen wohl erst noch Displays erfunden werden, die das auch abbilden können. Da verwundert es nicht, dass wir weder bei unseren Auflösungstestcharts noch in unserem Stillleben irgendwelche Systemgrenzen der Kamera erkennen konnten.

Etwas anders sieht es aus, wenn man die ISO-Empfindlichkeit der Kamera erhöht. Werte über ISO 400 führen zu sichtbarem Rauschen, das zwar von der „Phocus“-Software reduziert, aber nicht vollständig entfernt werden kann. Je höher die ISO-Einstellung war, desto stärker brach auch die Dynamik ein. Die technisch mögliche Einstellung von ISO 1.600 sollte man bei dieser Kamera erst gar nicht in Erwägung ziehen.
Aber keine Sorge: Selbst im Flugzeug über San Francisco – bei bewölktem Himmel und durch ein Kunststoff-Fenster hindurch (siehe Stadtaufnahme weiter unten) – reichte ISO 100 locker aus. Bei einer fest eingestellten Belichtungszeit von einer Achthunderstelsekunde führte uns die Blendenautomatik zu Werten von f/4,8 bis f/6,8, was für ausreichende Schärfentiefe sorgte.

In den meisten Aufnahmen waren keinerlei Unschärfen zu erkennen – nicht einmal im Randbereich! Dass wir bei Freihand-Aufnahmen durch die Kunststoffscheibe eines Flugzeugs hindurch teilweise noch erkennen konnten, was sich hinter den Fenstern von Gebäuden verbarg, ist einfach unglaublich und absolut unerwartet.

Aufnahme der Golden Gate Bridge mit der Hasselblad H4D-31
Aufnahmen wie diese der Golden Gate Bridge sind mit der Hasselblad kein Kunststück mehr. Das unbearbeitete und eher unscheinbare Original ist rechts daneben zu sehen
Nachbearbeitetes Beispielfoto der Hasselblad H4D-31
Nach der Dynamik-Kompression mit der Hasselblad-Software entsteht ein faszinierender HDR -Look. Auch diese Aufnahme weiß durch feinste Details zu überzeugen, wie man an den dünnen Ästen in der Ausschnittsvergrößerung erkennen kann
So sieht das nicht nachbearbeitete Foto der Hasselblad H4D-31 aus
HDR aus nur einer Aufnahme: Das Original des Bildes wirkt winterlich kalt und überbelichtet

PLAYER.de-Testurteil: Sehr gut und HighlightPLAYER.de meint:
Dass so viel Bildqualität in der Digitalfotografie überhaupt möglich ist, hätten wir vor diesem Test nicht gedacht. Insbesondere Auflösung und Bilddynamik übertreffen unsere kühnsten Erwartungen. Selbst in einer HDR-Belichtungsreihe erreichen die meisten Kameras nicht die Dynamik, die bei der H4D-31 in einer einzigen Aufnahme steckt, von den Auflösungsvorteilen ganz zu schweigen. Die immer noch hohe Anfangsinvestition, die langsame Bedienung und die Einschränkungen in Bezug auf das Rauschen bei höheren ISO-Werten nehmen wir da gerne in Kauf. Ohne jeden Zweifel ist die H4D-31 derzeit eine der besten Kameras weltweit, was ihr nicht nur das PLAYER.de-Qualitätssiegel „Sehr gut“, sondern auch die „Highlight“-Auszeichnung beschert.

Hasselblad H4D-31

Preis lt. Hersteller: 11.900,- Euro (mit Objektiv oder CF-Objektivadapter)
AUSSTATTUNG
Sensor/Auflösung: CCD mit 31 Megapixeln
Objektiv: HC-/HCD-Objektivsystem, getestet mit Festbrennweite 80mm f/2.8 und 28mm f/4
ISO: 100 bis 1.600
Verschlusszeiten: 1/800 bis unendlich (Bulb-Modus)
LC-Display: 3 Zoll (230.400 Pixel)
Besonderheiten: 31 Megapixel, modulares System, 16 Bit, Mittelformat-Sensor (CCD), Bildspeicherung direkt auf Rechner möglich
BEWERTUNG
Technik: 5 von 5 Punkten
Bedienung: 3 von 5 Punkten
Kreativprogramme:
Bildqualität: 5 von 5 Punkten
PLAYER.de GESAMTWERTUNG Referenz (Sehr gut + Highlight)