RAW-Fotografie im Trend: Rohkost für die Kamera

PLAYER.de-Ratgeber: RAW-Fotografie
RAW: Rohkost für die Kamera

Die RAW-Fotografie kommt aus guten Gründen immer mehr in Mode: Die Speicher fürs persönliche Bildarchiv werden immer größer und günstiger, zudem sind die Optimierungsmöglichkeiten bei der Bilddynamik immens. RAW – ein nie endender Trend?

ARW, ORF, CR2 oder NEF – bei diesen und weiteren Abkürzungen handelt es sich nicht etwa um den Text zum neuen Lied einer bekannten deutschen Hip-Hop-Band, sondern um die Rohdatenformate führender Kamerahersteller. Wer sich der digitalen Spiegelreflexfotografie verschrieben hat, wird vermutlich bereits mehrfach mit diesen Dateien in Berührung gekommen sein.

Mittlerweile findet der RAW-Modus aber nicht nur Anwendung in DSLRs, sondern auch in vielen anderen gehobenen Digicams, allen voran in Bridgekameras. Und trotzdem gehört RAW zu den am meisten unterschätzten Themen in der digitalen Fotografie. PLAYER.de ist dem Trend auf der Spur und erklärt, warum Du Deine Fotos nicht nur als JPEG, sondern unbedingt auch im Rohformat aufnehmen solltest.

Digitale Negative

Angelehnt an die großzügigen Korrekturmöglichkeiten eines Negativfilms wie die nachträgliche Belichtungsoptimierung von bis zu plus oder minus drei Blendenstufen (siehe „Mehr Dynamik“), werden RAW-Fotos auch als „digitale Negative“ bezeichnet.

Im Gegensatz zu ihren analogen Pendants lassen sich Rohdaten aber nur mit kompatibler Spezial-Software öffnen beziehungsweise verarbeiten, wobei es gelegentlich sogar innerhalb einer Modellreihe verschiedene Dateiformate gibt. So unterstützen zum Beispiel ältere Canon-Kameras das CRW-Format, während Neuerscheinungen ausschließlich mit CR2 zurechtkommen.

Um die proprietären Formate durch ein offenes zu ersetzen, hat der Software-Entwickler Adobe Systems das Format „Adobe Digital Negative“ (DNG) eingeführt. Dieses integrieren derzeit jedoch nur relativ wenige Hersteller in ihre Kameras.

Flexibilität

Einstellungen im RAW-Konverter
Keine Zauberei: Effekte wie im Vergleichsbild unten lassen sich mit diesen Einstellungen im RAW-Konverter problemlos erzielen

Der RAW-Modus richtet sich keineswegs nur an Profis und Amateure, sondern auch an Einsteiger. Schließlich muss man beim Fotografieren nur die Verschlusszeit, Blende und ISO-Lichtempfindlichkeit beachten; alle anderen Parameter wie zum Beispiel Weißabgleich und Farbsättigung sind im Zuge der späteren Konvertierung fast ohne Verluste korrigierbar.

Hintergrund: Im RAW-Format werden alle Daten des Sensors digital abgegriffen, selbst wenn bei den meisten Modellen auch im RAW-Modus ein wenig Bildverarbeitung oder minimale Kompression unvermeidlich ist. Ebenso können relativ stark unter- oder überbelichtete Bildbereiche korrigiert werden, was in JPEGs deutliche Auswirkungen auf die Bildqualität hätte.

Mehr Dynamik

Der mit Sicherheit größte Vorteil des Rohdatenformats ist der höhere digitale Dynamikumfang, gerne auch Farbtiefe genannt. Viele DSLRs bieten zwölf oder 14 Bit – die Mittelformatkamera Hasselblad H4D-31 (Test ab 1. Februar 2012 auf PLAYER.de) sogar 16 Bit, was einen riesigen Spielraum bei der späteren Nachbearbeitung am Computer ermöglicht.

Zum Vergleich: JPEG-Bilder erlauben pro Farbkanal maximal acht Bit. Selbst ein aus mehreren Einzelaufnahmen bestehendes Foto mit plus/minus einer Blendenstufe entspricht maximal einem Zehn-Bit-RAW. Auch wenn man aufgrund technischer Restriktionen in der Kamera praktisch immer ein paar Blendenstufen abziehen muss, bleiben genügend Ressourcen, um etwa den Dynamikumfang in kontrastreichen Motiven dramatisch zu verbessern.

Außerdem sind Belichtungsreihen mit JPEGs oftmals nicht so mächtig wie ein einziges RAW-Foto, zumal bewegte Objekte störende Doppelkonturen beziehungsweise Geistereffekte in der Belichtungsreihe hervorrufen würden. Wer den RAW-Modus also nicht nutzt, wirft vor allem wichtige Bilddynamik in seinen Fotos fort und beraubt sich der Möglichkeit spektakulärer Aufnahmen.

HDR 5.0 Darkroom

INFO: HDR 5.0 Darkroom

Der Franzis-Verlag hat vor kurzem mit „HDR 5.0 Darkroom“ eine HDR-Software speziell für Einsteiger und unerfahrene Fotografen auf den Markt gebracht. Anders als der Platzhirsch „Photomatix Pro 4.0“ konzentriert sich das Programm nicht auf Belichtungsreihen, welche aus mindestens zwei Aufnahmen bestehen, sondern auf einzelne Fotos.

Die Bilddynamik lässt sich entweder automatisiert oder manuell über verschiedene Regler anpassen. Laut Entwickler unterstützt „HDR 5.0 Darkroom“ dabei Ausgangsfotos mit bis zu 50 Megapixeln. Dank des integrierten RAW-Konverters (16 Bit) sowie der Stapelverarbeitung mehrerer Bildreihen sollen auch Enthusiasten voll auf ihre Kosten kommen.

Eine automatische Geisterbilderkorrektur ist ebenfalls an Bord. „HDR 5.0 Darkroom“ läuft auf PC und Mac. Der unverbindlich empfohlene Verkaufspreis liegt bei 69 Euro.

 

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Eine Frage des Speichers

Im Rohdatenformat abgelegte Bilder benötigen wegen ihres Informationsgehalts weitaus mehr Speicherkapazität als herkömmliche JPEG-Fotos. Angesichts des Volumens sowie der Übertragungsgeschwindigkeit aktueller Speicherkarten fällt dieses Manko kaum ins Gewicht. So bietet beispielsweise SanDisk seit März eine CompactFlash-Karte mit 128 Gigabyte und einem Schreibtempo von 100 Megabyte pro Sekunde an.

Ebenso hat Panasonic neue SDHC- und SDXC-Karten vorgestellt, die mit bis zu 95 Megabyte in der Sekunde dienen sollen. Im Rahmen der CES 2012 haben Lexar und SanDisk sogar die derzeit schnellsten 128-Gigabyte-Modelle mit der höchsten Geschwindigkeitsklasse „UHS-1“ vorgestellt (PLAYER.de berichtete).

Moderne DSLRs verfügen zudem über einen relativ großen internen Puffer, wodurch Serienbildraten von drei bis fünf RAW-Fotos in der Sekunde problemlos erreichbar sind.

Der richtige RAW-Konverter

Für optimale Ergebnisse ist neben der Kamera an sich auch die Wahl der richtigen Parameter bei der Umwandlung mit der Konvertierungssoftware entscheidend. Das Programm sollte alle proprietären Rohdatenformate unterstützen und vorgenommene Einstellungen speichern können. Auch wenn Du noch keine entsprechende Anwendung besitzt, fange am besten schon einmal an, RAW-Fotos zu sammeln. Ist nämlich ein Tool zur Stapelverarbeitung vorhanden, können selbst hunderte Bilder in relativ kurzer Zeit abgearbeitet werden – vorausgesetzt, alle erfordern die gleiche Korrektur.

Beispielfoto vor der RAW-Konvertierung
Original-JPEG der Kamera: Das Grün der Blätter wirkt in diesem Urlaubsfoto sehr blass, während Wolken im Himmel ausgefressen sind - ein schlechtes Bild
Beispielfoto nach der RAW-Konvertierung
JPEG nach RAW-Konvertierung: Die Blätter erscheinen in einem knalligen Grün und der Himmel lässt Wolkenkonturen erkennen - ein brauchbares Bild mit guter Dynamik

PLAYER.de meint:
Digitalfotografie ohne das Rohdatenformat bedeutet nicht nur, dass man mit teils starken Kompressionsartefakten fotografiert, sondern vor allem, dass man der Kamera zahlreiche Aufgaben übergibt, welche die eigene Kreativität oder die Qualität der Bildnachbearbeitung beschränken. Viele Dinge, die früher in der Dunkelkammer gemacht werden konnten, sind mit RAW-Fotos auch heute digital möglich. Vor allem für anspruchsvolle Nutzer sollte der RAW-Modus also eine Selbstverständlichkeit sein.