Was kommt heraus, wenn man in einer klassischen Sucherkamera modernste Digitaltechnik verbaut? Fujifilm hat es ausprobiert und mit der Finepix X100 eine wirklich einzigartige Digicam erschaffen. Player.de konnte die alte – pardon – neue Finepix-Vertreterin ein gutes Jahr nach ihrer Weltpremiere ausführlich testen.
Mancher Fotograf könnte sich beim Anblick der Finepix X100 durchaus fragen, wo der Filmschacht ist: Fujifilms neue „Premium-Kompaktkamera“ sieht den früheren Sucherknipsen zum Verwechseln ähnlich. Lediglich die Rückseite mit eingelassenem 2,7-Zoll-Display verrät ihre Zugehörigkeit zu den Digicams. Im Retro-Gehäuse steckt aber noch mehr moderne Digitaltechnik, zum Beispiel ein APS-C-Sensor mit zwölf Megapixeln, ein Hybrid-Suchersystem und eine HD-Videofunktion. Ergänzt wird die Ausstattung durch das lichtstarke Fujinon-Objektiv mit 35 Millimetern Festbrennweite. Interesse? Ja? Das macht dann 999 Euro, bitte!

Statt des gewohnten Modus-Wahlrads stehen auf der Oberseite der Finepix X100 Einstellräder für Verschlusszeit und Belichtungskorrektur sowie ein Blendenring am Objektiv zur Verfügung. Der Auslöser besitzt ein Gewinde für einen mechanischen Drahtfernauslöser
Vorgestelltes Produkt:Fujifilm X100 Digitalkamera (12 Megapixel, 7,1 cm (2,8 Zoll) Display, HDMI, F 2.0) inkl. FUJINON-Objektiv mit Festbrennweite F2 23mm
Aktueller Amazon-Preis: EUR 795,00
Technik
Für eine Kompaktkamera, wie sie Fujifilm offiziell nennt, fällt die Finepix X100 mit Abmessungen von 126,5 x 74,4 x 53,9 Millimetern (B x H x T) zwar recht klobig aus, aber das nostalgische Design sollte trotzdem jede Menge Anhänger finden. Die Gehäuseteile sind aus Metallblöcken gefräst, während die schwarze, an Leder erinnernde Ummantelung für eine hohe Griffigkeit sorgt. Das kommt zum einen der Haptik zugute und vermittelt zum anderen einen äußerst hochwertigen Eindruck.

Moderner Klassiker: Hinter einer Abdeckung verbergen sich der USB- und HDMI-Port. Die Speicherkarte wird direkt neben dem Akku eingelegt
Dafür bringt das Modell auch stolze 405 Gramm auf die Waage – ohne Akku, Speicherkarte und sonstiges Zubehör. Aus technischer Sicht stellt die Finepix X100 aber alle modernen Kompaktkameras in den Schatten: Statt des mickrigen 1/2,3-Zoll-Sensors (5,6 x 4,2 Millimeter) kommt ein CMOS-Chip im 23,6 x 15,8 Millimeter großen APS-C-Format zum Einsatz. Die Auflösung von 12,3 Megapixeln lässt ein hervorragendes Rauschverhalten erwarten.
Der Sensor kann auf eine Lichtempfindlichkeit zwischen ISO 200 und ISO 6.400 eingestellt werden, wobei der Bereich bei eingeschränkter Dynamik auf ISO 100 bis ISO 12.800 erweiterbar ist. Die Verschlusszeit lässt sich zwischen einer Viertausendstelsekunde und 30 Sekunden regulieren. Für Langzeitbelichtungen bis zu einer Stunde steht der Bulb-Modus bereit.
Ein besonderes Highlight ist der hybride optische Sucher. Dieser besitzt ein LCD-Element, das unter anderem den Begrenzungsrahmen, das Fokusfeld und diverse Aufnahmeparameter über das Bild legt. Alternativ fungiert das System als vollwertiger elektronischer Sucher mit 1,44 Millionen Pixeln. Die Kamera bietet auch ein 2,7 Zoll (7,1 Zentimeter) großes Live-View-Display.

Alles senkrecht: Zur präzisen Kameraausrichtung ist eine digitale Wasserwaage an Bord. Leider arbeitet der Autofokus oftmals recht träge und hat Probleme, nahe Objekte scharf zu stellen
Etwas unflexibel hingegen ist das Objektiv: Hier setzt der Hersteller auf eine fest eingebaute Fujinon-Optik mit 23 Millimetern Festbrennweite (35 Millimeter Kleinbildäquivalent) und einer Lichtstärke von f/2,0. Immerhin eröffnet die aus neun Lamellen bestehende Irisblende kreative Gestaltungsmöglichkeiten mit der Hintergrundunschärfe – mithilfe des integrierten ND-Filters (Neutraldichtebeziehungsweise Graufilter) sogar in heller Umgebung. Das Motiv wird dabei um drei Belichtungsstufen abgedunkelt.
Die Finepix X100 hat auch eine HD-Videofunktion an Bord. Sie zeichnet 24 Bilder pro Sekunde in HD-Auflösung (1.280 x 720 Pixel) und mit Stereoton auf. Der Autofokus stellt dabei kontinuierlich scharf. Die Cliplänge ist auf zehn Minuten begrenzt. Videos landen als MOV-Datei auf einer SD-, SDHC- oder SDXC-Speicherkarte, während man bei Fotos JPEG und/oder RAW (RAF) als Aufnahmeformat festlegen kann. Zur Bildbearbeitung und Rohdatenkonvertierung liegt das Programm „MyFinePix Studio“ bei.
Bedienung
Die Finepix X100 beweist eindrucksvoll, dass der Spagat zwischen analoger und digitaler Technik kein Hexenwerk ist. Geht eingefleischten Analogfotografen beim Anblick der schnörkellosen Retro-Front das Herz auf, erfreuen sich Digitalfotografen auf der Rückseite am gewohnten Erscheinungsbild einer Digicam: Links vier Tasten, die unter anderem zum Wechseln in den Wiedergabemodus und zum Anpassen der Belichtungsmessung dienen, rechts daneben der 2,7-Zoll-Monitor und abschließend ein Cursor-Drehrädchen sowie weitere Einstelltasten.
Beim eingebauten Sucher hingegen spricht Fujifilm von einer „Weltneuheit“. Blickt man nämlich durch das Guckloch, werden wie bei einem Head-up-Display ein leuchtender Rahmen und diverse Aufnahmeparameter in das Bild projiziert. Auf Wunsch lassen sich darin auch ein Raster, eine Wasserwaage, eine Fokusentfernungsanzeige sowie Infosymbole und weitere Einstellungen einblenden.
Der tatsächliche Motivausschnitt, wie ihn der Sensor sieht, wird in einem zusätzlichen Rahmen angezeigt. Bei Betätigung des frontseitigen Schalters verwandelt sich der optische Sucher in einen elektronischen. Hierbei klappt die Kamera das Okular zu und aktiviert das im Sucher eingebaute LCD-Element mit 100-prozentigem Sichtfeld. Näherungssensoren erkennen, sobald die Kamera wieder vom Auge genommen wird und schalten den Live-View-Modus auf dem Bildschirm ein – umgekehrt funktionieren die Sensoren natürlich genauso.

Das Menü bietet zahlreiche Einstell- und Konfigurationsmöglichkeiten – einige Korrekturfunktionen können auch nachträglich angewendet werden

Ohne Computer: Dank kamerainterner RA W-Bearbeitung kann der Weißabgleich nachträglich vorgenommen werden

Scharfstellung: Im Live-View- und elektronischen Sucherbetrieb greift die Finepix X100 auf 49 Fokuspunkte zurück – beim Einsatz des optischen Suchers sind es nur 25
Anders als normale Digicams bietet die Finepix X100 kein separates Wahlrad zum Abruf der Belichtungsautomatiken. Stattdessen lassen sich die Aufnahmeparameter auf althergebrachte Weise über mechanische Bedienelemente anpassen. Zu diesem Zweck stehen ein Drehrad für die Wahl der Belichtungszeit sowie ein Objektivring mit Blendenwerten von f/2,0 bis f/16 zur Verfügung. Sind beide auf „A“ (Auto) gestellt, ist die Programmautomatik aktiviert.
Selbstverständlich kann man auch nur einen der Werte festlegen und den Rest der Kamera überlassen (Blenden-beziehungsweise Zeitautomatik) oder aber die Parameter komplett von Hand einstellen. Ebenso lässt sich die Belichtungskorrektur über das kleinere Drehrad verändern. Die Anpassung des ISO-Werts erfolgt ab Werk über die Funktionstaste (Fn), wobei diese individuell belegbar ist.
Leider hat dieses Bedienkonzept seine Schwächen, da viele praktische Features wie der ND-Filter oder die Videofunktion dann nur über das Menü abrufbar sind. Ein paar Tasten mehr hätten also sicherlich nicht geschadet. Ärgerlich finden wir die „Menü/OK“-Taste: Sie wurde ungünstig inmitten des Drehcursors platziert und ragt nur minimal heraus, sodass man fast immer den falschen Button erwischt.

Klassisches 3:2-Format oder 16:9-Breitbild? Das Seitenverhältnis lässt sich zusammen mit der Bildgröße verändern

Schnellzugriff: Die Fn-Taste kann mit elf verschiedenen Funktionen belegt werden – außer den hier abgebildeten stehen noch „Vorschau Schärfentiefe“, „Selbstauslöser“, „ISO“, „Bildgröße“ und „Bildqualität“ zur Auswahl
Die Signalverarbeitung des EXR-Prozessors geht verhältnismäßig langsam vonstatten, was allerdings auch von der eingelegten Speicherkarte abhängt. So bewegt sich die Serienaufnahme mit bis zu fünf Bildern pro Sekunde zwar auf ordentlichem Niveau, aber die Verarbeitung und der Speichervorgang werden manchmal zur echten Geduldsprobe. Nach dem Einschalten braucht die Kamera rund drei Sekunden, um auf Touren zu kommen – viele Konkurrenten schaffen das schneller. Im Großen und Ganzen ist die Finepix X100 (wie vom Hersteller beabsichtigt) speziell für Profis sowie erfahrene Amateure geeignet.
Kreativprogramme
Ein weiteres Indiz dafür, dass Fujifilm mit der Finepix X100 auf ambitionierte und professionelle Fotografen abzielt, ist die geringe Auswahl an Kreativprogrammen. Klassische Motivmodi wie beispielsweise „Sport“ , „Porträt“ oder „Landschaft“ sowie Filtereffekte sucht man nämlich vergebens. Ganz weglassen wollte der Hersteller die kreativen Gestaltungsmöglichkeiten aber doch nicht.

Stilecht: Passend zum Kameradesign gibt es auch eine schicke Ledertasche, die allerdings stolze 109 Euro kostet
So gibt es immerhin die „Filmsimulation“, die die Fujifilm-Analogfilme „Provia“ (Standard), „Velvia“ (lebendige Farben) oder „Astia“ (weiche Darstellung) simuliert. Außerdem lassen sich ein Schwarz-Weiß-, SW-Gelb-, SW-Rot-, SW-Grün oder Sepia-Filter über die Aufnahme legen. Bereits gespeicherte Fotos können nachträglich mit einem oder mehreren Filtern versehen werden.
Eine RAW-Bearbeitungsfunktion, mit der sich zum Beispiel die Schärfe, das Bildrauschen und die Farben allgemein verbessern lassen, ist ebenfalls an Bord. Ferner bietet der Wiedergabemodus die Möglichkeit, einen Motivbereich auszuschneiden, die Bildgröße zu ändern, das gesamte Foto in 90-Grad-Schritten zu drehen oder eine Rote-Augen-Korrektur durchzuführen.
Diverse Belichtungsreihen und das „Motion Panorama“-Feature zur Erstellung von 120- oder 180-Grad-Panoramen komplettieren das Angebot. Letzteres arbeitet nach dem gleichen Prinzip wie bei der Sony Cyber-shot DSC-HX100V: Der Auslöser muss betätigt und die Kamera anschließend nach rechts, links, oben oder unten geschwenkt werden.
Bildqualität

Mit der Bewegungsunschärfe spielen: Der zuschaltbare ND-Filter erlaubt auch in hellen Umgebungen längere Belichtungszeiten
Dass ein Bildsensor allein noch keine makellosen Fotos liefert, wissen ambitionierte Fotografen natürlich aus eigener Erfahrung. Bei der Finepix X100 ist es vielmehr das Gesamtpaket aus rauscharmem APSC-Chip, lichtstarker Festbrennweite und leistungsfähigem EXR-Prozessor, was für überzeugende Ergebnisse sorgt: Die Bilder der vermeintlichen Kompaktknipse erreichen problemlos das Qualitätsniveau modernster digitaler Spiegelreflexkameras. Besonders hervorzuheben ist hier das beispielhafte Rauschverhalten, das sich selbst bei hohen ISO-Werten jenseits der 800 kaum und im vierstelligen Bereich nur wenig verschlechtert.
Wer bevorzugt unter magerem Licht fotografiert, kann zur Not die „Rauschreduktion“ im Menü anpassen. Dieses Feature nagt allerdings am Schärfeeindruck. Trotzdem bietet der Zwölf-Megapixel-Sensor noch genügend Auflösungsreserven für spätere Nachschärfungen, zumal er das Bild (sofern eingestellt) ohnehin im Rohdatenformat ausgibt. Das Objektiv punktet mit einer sehr guten Durchzeichnung, die zum Rand hin minimal abnimmt. Dies stört allenfalls bei sehr detailreichen Motiven.

Schönes Bokeh, schwaches Makro: Im Nahbereich hat die Finepix X100 oftmals Probleme dabei, das Hauptmotiv komplett scharf zu stellen
Der Fotograf sollte eher darauf achten, dass ein geeigneter Blendenwert eingestellt ist. Denn in unserem mit der Programmautomatik fotografierten Stillleben wurden Objekte, die sich nur wenige Zentimeter vor der Schärfeebene befanden, bereits verschwommen dargestellt (f/2,0).
Die Farbwiedergabe neigt bei warmen Tönen wie Rot und Orange zu einer leichten Übersättigung, lässt ansonsten aber keine Wünsche offen – feine Abstufungen und Verläufe inklusive. Dank des hohen Dynamikumfangs macht die Finepix X100 selbst bei kontrastreichen Motiven nicht schlapp. Leider findet der Autofokus oftmals nur extrem langsam die Schärfe, was in Schnappschuss-Situationen nervig ist. Beim Filmen waren manche Objekte sogar erst nach Sekunden fokussiert.
Dafür sehen die Videos hervorragend aus und weisen bei weit geöffneter Blende, den neun Lamellen sei Dank, eine ausgesprochen schöne Hintergrundunschärfe auf. Die Öffnung lässt sich während der Aufnahme einfach über den Objektivring verstellen.

Hohe Dynamik: Trotz des hellen Hintergrunds kommt die grüne Wiese noch gut zur Geltung. Das Foto wurde aus einem fahrenden Auto heraus geschossen

Flughafen München in der Dämmerung: Das Bildrauschen ist trotz des schlechten Umgebungslichts verschwindend gering

Weitblick: Die Schwenkpanoramafunktion gestattet die einfache Aufnahme von 120-Grad- oder 180-Grad-Fotos. Das automatische Zusammensetzen der Einzelbilder funktioniert – bis auf kleinere Fehler (links) – sehr gut

Minimal übersättigte Nuancen verleihen den Bildern der Finepix X100 einen natürlichen Eindruck – nur Rottöne wirken zu intensiv (links). Im Referenzbild kommen die Farben – bis auf die niedrigere Sättigung – auch nicht besser zur Geltung

Die Finepix X100 bietet eine niedrigere Auflösung als viele Konkurrenten – Detailtreue und Durchzeichnung überzeugen dennoch (links). Die Referenzkamera mit Vollformatsensor spielt ihre Stärken höchstens in großformatigen Ausdrucken aus
player.de meint:
Obwohl Fujifilm seit der 2007 herausgebrachten Finepix S5 Pro keine DSLRs mehr anbietet, könnte nun die neue „Premium-Kompaktkamera“ der Spiegelreflexklasse etwas Wasser abgraben – zumindest in puncto Bildqualität. Denn die Finepix X100 glänzt mit einem hervorragenden Rauschverhalten bei hoher Auflösung und überwiegend neutraler Farbwiedergabe. Bekanntlich ist aber nicht alles Gold, was glänzt: Die eingebaute Festbrennweite bietet eine gute Abbildungsleistung, doch hapert es an der Flexibilität. Auch die nicht ganz durchdachte Bedienung und der träge Autofokus lassen zu wünschen übrig, von der Ergonomie ganz zu schweigen. Trotzdem versprüht die perfekt verarbeitete Kamera einen Retro-Charme, dem man selbst als Fotograf der Moderne nur schwer widerstehen kann. Für Abschreckung sorgt allerdings der unangenehm hohe Preis von knapp 1.000 Euro. Wer sich sonst nichts gönnt, kommt mit der Fujifilm Finepix X100 aber bestimmt auf seine Kosten. Von uns gibt’s das Player.de- Qualitätssiegel „Gut“ – sogar mit Tendenz zur Bestnote!
Fujifilm Finepix X100
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| Preis lt. Hersteller: | 999,- Euro |
| AUSSTATTUNG | |
| Sensor/Auflösung: | CMOS mit 12,3 Megapixeln |
| Objektiv: | Fujinon Aspherical Lens Super EBC f = 23 mm 1:2, Brennweite: 35 mm (KB) |
| ISO: | 100 bis 12.800 |
| Verschlusszeiten: | 1/4.000 bis 30 Sekunden |
| LC-Display: | 2,8 Zoll (460.000 Pixel) |
| Besonderheiten: | Retro-Design, Hybridsucher, Festbrennweite, integrierter ND-Filter, aus Metall gefräst |
| BEWERTUNG | |
| Technik: | 4,5 von 5 Punkten |
| Bedienung: | 3,5 von 5 Punkten |
| Kreativprogramme: | 4,5 von 5 Punkten |
| Bildqualität: | 5 von 5 Punkten |
| Pro: | Hervorragende Bildqualität, ausgeklügelter Hybridsucher, hochwertige Verarbeitung, gelungenes Retro-Design |
| Contra: | Hoher Preis, niedrige Flexibilität (Festbrennweite), teils träge Bildverarbeitung |
| Player.de-GESAMTWERTUNG | Gut |



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