CES 2012: Fujifilm zeigt spiegellose Systemkamera X-Pro1 für höchste Ansprüche

Fujifilm X-Pro1
X-Pro1: Fujifilm präsentiert auf der CES 2012 seine erste spiegellose Systemkamera

Nachdem zuletzt Nikon als großer Hersteller auf den Zug der spiegellosen Systemkameras aufgesprungen ist (player.de berichtete), folgt auf der CES in Las Vegas nun auch Fujifilm mit der X-Pro1 dem Trend. Die DSLR-Alternative besicht dabei nicht etwa durch eine kompakte Bauweise, sondern vielmehr durch leistungsfähige Technik. So bewegt sich die Bildqualität angeblich auf Vollformat-Niveau, obwohl im Gehäuse nur ein APS-C-Chip seinen Dienst verrichtet.

Dies soll der neu entwickelte „APS-C X-Trans CMOS-Sensor“ mit 16,3 Megapixeln vor allem seiner speziellen Struktur zu verdanken haben. Fujifilm setzt nämlich auf eine neue Farbfilter-Anordnung, die sich an der Körnigkeit chemischer Filme orientiert und einen Tiefpassfilter, der normalerweise Moirés oder falsche Farben verhindert, überflüssig macht.

Fujifilm X-Pro1 - Farbfilter-Anordnung
So sieht die Verteilung der Farbfilter auf dem APS-C X-Trans CMOS-Sensor der Fujifilm X-Pro1 aus

Der Farbfilter besteht aus 6×6 RGB-Pixel-Einheiten, um ein unregelmäßiges Muster zu erhalten. So erhält jede Reihe des Sensors laut Hersteller trotzdem sämtliche Farbinformationen, wodurch eine „deutlich verbesserte Farbwiedergabe“ versprochen wird. Ebenso garantiert die X-Pro1 auf diese Weise ein sehr hohes Auflösungsvermögen, während der EP-Prozessor-Pro die Leistungsfähigkeit des Chips voll ausnutzen soll.

Full-HD-Videos

Wie es sich für eine moderne Digicam gehört, kann die X-Pro1 natürlich nicht nur Fotos, sondern auch Full-HD-Videos aufzeichnen. Diese werden im 1080p-Format auf einer SD-Karte gespeichert, wobei man auf Wunsch sogar die Blende verändern kann, um etwa einen unscharfen Hintergrund zu erhalten. Die Aufnahmen lassen sich dank der eingebauten HDMI-Schnittstelle über einen HD-fähigen Fernseher abspielen.

Wechselobjektive

Zum Marktstart hat der Fotograf die Wahl zwischen drei verschiedenen Wechselobjektiven mit Festbrennweite: dem Weitwinkel „XF18mm F2.0 R“ (27 Millimeter Kleinbildäquivalent), der Standard-Optik „XF35mm F1.4 R“ (53 Millimeter Kleinbildäquivalent) sowie dem Tele-Makro „XF60mm F2.4 R Macro“ (90 Millimeter Kleinbildäquivalent). Die Lamellen sollen so geformt sein, dass sich eine nahezu kreisrunde Blenendöffnung und somit ein besonders harmonisches Bokeh ergibt. Der Anschluss der Linsensysteme erfogt über das eigens entwickelte X-Bajonett, welches sich „so nah wie möglich am Sensor befindet“ und so den Lichtverlust reduziert.

Blitzgerät EF-X20 auf der Fujifilm X-Pro1
Auf den Zubehörschuh sind verschiedene Blitzgeräte wie etwa das EF-X20 aufsteckbar

Hybridsucher

Hybridsucher der Fujifilm X-Pro1
Der optische Sucher befindet sich auf der linken Seite - das Motiv wird also nicht direkt durch das Objektiv betrachtet

Für den entsprechenden Durchblick sorgt ein auf Basis der Premium-Kompaktkamera Fujifilm X100 (zum Test) entwickelter Hybridsucher. Hierbei handelt es sich praktisch gesehen um einen optischen Sucher, in welchem – nach Manier eines Headup-Displays – zusätzliche elektronische Informationen eingeblendet werden können. Ein bewegliches Linsenelement sorgt dafür, dass bei Verwendung bestimmter Fujinon-Objektive das Sucherbild automatisch vergrößert wird (zwischen 0,37- und 0,60-fach).

Betätigt man den Hebel auf der Frontseite, schaltet die X-Pro1 auf einen rein elektronischen Sucher um, der 1,44 Millionen Pixel auflöst und das Bildfeld zu 100 Prozent abdeckt. Zusätzlich ist auf der Rückseite ein drei Zoll (7,5 Zentimeter) großes LC-Display mit 1,23 Millionen Bildpunkten integriert.

Display der Fujifilm X-Pro1
Das Display der X-Pro1 misst 7,6 cm in der Diagonale und löst 1,23 Megapixel auf

Verarbeitung

Seitenansicht der Fujifilm X-Pro1
Sicherer Halt: Das Gehäuse der X-Pro1 ist mit griffigen, lederartigen Applikationen versehen

Die sensible Technik sitzt in einem hochwertig anmutenden Gehäuse, welches größtenteils aus Metall gefertigt wurde. Seine obere und untere Abdeckung bestehen dabei aus einer Magnesiumlegierung, die höchste Widerstandsfähigkeit gegen äußere Einflüsse gewährleistet. Auf der Front finden sich weder die Modellbezeichnung noch die Marke, was die professionelle Ausrichtung der Kamera nochmals unsterstreichen soll. Zur komfortableren und schnellen Anpassung der Aufnahmeparameter sind die Ränder der Einstellräder gerändelt. Übrings: Auch die den Wechselobjektiven beiliegenden Sonnenblenden bestehen aus Metall – genauer gesagt Aluminium.

Die Fujifilm X-Pro1 (nur Gehäuse) soll ab Mitte März 2012 in Schwarz erhältlich sein. Ein offizieller Preis wurde bislang noch nicht genannt. Allerdings wurde der Kamerabody kurzzeitig für 1699$ bei Amazon gelistet, die Objektive sollen zwischen 600$ und 800$ liegen.

Gleichzeitig kommen die Wechselobjektive XF18mm F2 R, XF35mm F1.4 R und XF60mm F2.4 R Macro auf den Markt. Optionales Zubehör wie das Blitzgerät EF-X20, die passgenaue Ledertasche LC-XPro1 sowie diverse Schutzfilter stehen ebenfalls auf dem Plan.

player.de meint:
Nach diversen Gerüchten über die Entwicklung einer spiegellosen Systemkamera von Fujifilm rückt die X-Pro1 nun schon fast in greifbare Nähe: rund zwei Monate müssen sich ambitionierte Hobbyknipser und Fotoenthusiasten noch gedulden, ehe sie die vielversprechende Digicam in den Händen halten können. Zumindest technisch hat die 139,5 x 81,8 x 42,5mm große und 450 Gramm schwere Knipse einiges auf dem Kasten. Dass der APS-C-Sensor tatsächlich das Niveau eines Vollformat-Chips erreicht, ist eher unwahrscheinlich – gerne lassen wir uns aber eines Besseren belehren, sobald Testgeräte verfügbar sind. Es ist spannend ob die Kamera sich zum Preis von 1.699$ (ohne Objektiv) gegen die deutlich günstigeren Wettbewerber durchsetzen kann.