Test: Canon EF-S 55-250mm f/4-5.6 IS II – Telezoom mit Starallüren

Canon EF-S 55-250mm f/4-5.6 IS II im Test
Zoomobjektiv: Canon EF-S 55-250mm f/4-5.6 IS II im Test

Ein vielseitiges Telezoom mit überzeugender Bildqualität für unter 300 Euro? Das klingt zunächst einmal weit hergeholt. Doch genau so beschreibt Canon sein neues EF-S 55-250mm f/4-5.6 IS II. Während die meisten Profis abfällig die Nase rümpfen, haben wir überprüft, ob Qualität wirklich immer ihren Preis haben muss.

Fotografieren aus der Ferne, Detailaufnahmen oder Bilder mit noch mehr Hintergrundunschärfe – insbesondere DSLR-Einsteiger stoßen bei solchen Aufgaben oft an ihre Grenzen, besitzen doch viele nur ein herkömmliches 18-bis-55-Millimeter-Kitobjektiv. Für genau diese Zielgruppe und Motivsituationen hat Canon vor Kurzem das EF-S 55-250mm f/4-5.6 IS II auf den Markt gebracht. Das neue Telezoom kostet einzeln 299 Euro, ist aber auch im Paket mit bestimmten EOS-Modellen erhältlich. Laut Hersteller überzeugt die Optik durch eine „hochwertige, optimierte Konstruktion“ und „anspruchsvolle, innovative Technologien für hervorragende Abbildungsleistungen“.

Aufbau und Technik

Fünfmal günstiger als das 70-bis-300-Millimeter-Telezoom der L-Serie (zum Testbericht), erfordert das EF-S 55-250mm f/4-5.6 IS II eine gewisse Kompromissbereitschaft. Der niedrige Preis wurde nämlich durch Einsparungen in der Ausstattung und Materialauswahl erreicht. So sind im Lieferumfang weder ein Transportbeutel noch die Streulichtblende enthalten. Das Objektiv selbst ist zwar sehr solide verarbeitet, doch hinterlässt der komplett aus schwarzem Kunststoff gefertigte Tubus beim Anfassen einfach einen weniger hochwertigen Eindruck.

Kunststoffbajonett des Canon EF-S 55-250mm f/4-5.6 IS II
Anders als die teuren L-Objektive von Canon ist das neue Telezoom mit einem billig wirkenden Kunststoffbajonett ausgestattet

Immerhin passt es mit Abmessungen von 70 x 108 Millimetern (Durchmesser mal kleinste Länge) in die meisten Fototaschen. Der optische Aufbau besteht aus zwölf Elementen in zehn Gruppen. Eine UD-Linse (Ultra-low Dispersion) und die auf den Glasoberflächen aufgedampfte Super-Spectra-Vergütung sollen dabei Streulichter sowie Blendenreflexe ausmerzen.

Das Objektiv wurde speziell für digitale Spiegelreflexkameras mit APS-C-Bildsensor konzipiert, weshalb es ausschließlich über die EF-S-Fassung angeschlossen werden kann. Die Kontakte im Kunststoffbajonett dienen zur Ansteuerung des Autofokus und Bildstabilisators. Wir haben das EF-S 55-250mm f/4-5.6 IS II übrigens in Verbindung mit Canons aktueller Mittelklasse-DSLR EOS 600D getestet. Der kleinbildäquivalente Brennweitenbereich beträgt 88 bis 400 Millimeter. Daraus ergibt sich ein Bildwinkel von etwa 28 Grad in der Anfangsbrennweite bis 6,25 Grad in der Telestellung.

Den größtmöglichen Abbildungsmaßstab gibt der Hersteller mit 0,31 an. Telekonverter wie der Extender EF 1.4x III und EF 2x III werden zwar nicht unterstützt, doch dafür lässt sich mittels Zwischenringen oder Vorsatzlinsen die Naheinstellgrenze von 1,1 Metern verringern. Somit sind auch Makroaufnahmen aus geringer Distanz problemlos möglich. Das Filtergewinde hat einen Durchmesser von 58 Millimetern.

Fokus und Bildstabilisierung

Zusätzliche Ausstattungsabstriche muss man beim Autofokus hinnehmen. Hier setzt Canon nämlich nicht auf einen modernen Ultraschallantrieb, wie ihn zum Beispiel das Canon-Fisheye bietet, sondern auf einen klassischen Mikromotor.
Dessen Arbeitsweise basiert darauf, dass ein Minigetriebe die Linsen zueinander verschiebt.

Der Mechanismus benötigt zwar relativ wenig Platz, hat dafür aber einige Nachteile. Das AF-Tempo geht in Ordnung, doch sind Linsensysteme auf Ultraschallbasis trotzdem schneller und obendrein deutlich leiser. Darüber hinaus dreht sich beim Scharfstellen die Frontlinse mit, was die Verwendung von Pol- und Verlaufsfiltern erschwert.

Ein manueller Eingriff in den Autofokus ist nicht möglich und könnte den Motor unter Umständen sogar zerstören. Aus diesem Grund sollte man den Fokusring nur drehen, wenn der Schalter auf „MF“ steht. Schade: Auf die Entfernungsskala wurde ebenfalls verzichtet.

Schalter für Autofokus und Bildstabilisator des Canon EF-S 55-250mm f/4-5.6 IS II
Hilfe, wenn man sie braucht: Autofokus und Bildstabilisator lassen sich getrennt voneinander ein- beziehungsweise ausschalten
Fliege: Nahaufnahme mit dem Canon EF-S 55-250mm f/4-5.6 IS II
Dank des zuverlässigen Bildstabilisators gelingen selbst aus der Ferne beeindruckende Nahaufnahmen. Gut zu sehen am Blatt und an den Flügeln: die geringe Schärfentiefe

Da unter schwachen Lichtbedingungen, aber auch tagsüber im Telebereich bereits geringe Vibrationen ausreichen, um das Motiv unscharf abzubilden, hat das EF-S 55-250mm f/4-5.6 IS II standardmäßig den Canon-eigenen „Image Stabilizer“ an Bord. Der optische Verwacklungsschutz wird durch halbes Herunterdrücken des Auslösers aktiviert und gewährleistet bis zu vier Stufen längere Verschlusszeiten. So gelangen uns in maximaler Telestellung sogar bei einer Fünfzehntelsekunde noch scharfe Bilder.

Technisch betrachtet nutzt der Stabilisator ein sogenanntes Shift-System, welches mittels Kreiselsensoren horizontale sowie vertikale Verschiebungen erfasst und diesen mit einer beweglich gelagerten Linsengruppe entgegenwirkt. Zu guter Letzt besitzt das Objektiv eine automatische Schwenkerkennung, die beim Verfolgen eines bewegten Objekts Verwacklungsunschärfen reduzieren soll.

Bildqualität

Architekturaufnahme des Canon EF-S 55-250mm f/4-5.6 IS II
Ohne Verzeichnungen: Das neue 55-bis-250-Millimeter-Objektiv macht selbst bei Architekturaufnahmen nicht schlapp

Bietet Canon das 70-bis-300-Millimeter in verschiedenen Ausführungen an, ist das EF-S 55-250m f/4-5.6 IS II glücklicherweise ein Einzelkind. Hätte die Optik etwa auch einen Pendant der L-Serie, würde der Fotograf vor der gefürchteten Qual der Wahl stehen. Schließlich hebt sich das neue Telezoom in puncto Bildqualität deutlich von einem herkömmlichen Kitobjektiv ab: Angefangen bei der Verzeichnungsfreiheit über die hohe Detailtreue bis hin zum Auflösungsvermögen mit nur geringen Schärfeverlusten im Randbereich lässt die Abbildungsleistung weder bei 55 Millimetern Brennweite noch in der Telestellung Wünsche offen.

Sogar die Farbwiedergabe kann auf ganzer Linie überzeugen. Chromatische Aberrationen treten nur im geringen Maß auf. Natürlich muss man aber auch ein paar Kröten schlucken. So kommt es in den Ecken zu leichten Vignettierungen, während feine Konturen etwas stärker und präziser durchgezeichnet werden könnten. Eine Streulichtblende würde sich auf die Kontraste positiv auswirken – unter großem Lichteinfall geschossene Fotos wirken leicht ausgewaschen. Durch die langen Brennweiten des Telezooms verringert sich die Schärfentiefe. Aus diesem Grund sollte man immer den Blendenwert im Auge behalten. Auf der anderen Seite ermöglicht dies ein kreatives Spiel mit der Schärfe. Diese Möglichkeit wird von Profis gerne genutzt, um Portraits einen besonderen Look zu geben und den Protagonisten vom Hintergrund „freizustellen“.

Hummel: Nahaufnahme mit dem Canon EF-S 55-250mm f/4-5.6 IS II
Aufgeblüht: Nicht nur die Blüten, sondern auch die feinen Härchen der Hummel kommen in dieser Aufnahme sehr schön zur Geltung

Player.de-Testurteil: Gut mit Kauftippplayer.de meint:
Um es mit den Worten von Canon auszudrücken: „Das EF-S 55-250mm f/4-5.6 IS II ist eine Empfehlung für alle Hobbyfotografen, die ein preiswertes und vielseitiges Zoomobjektiv für den allgemeinen Teleeinsatz suchen.“ Dem haben wir kaum etwas hinzuzufügen. Schließlich legt das Objektiv – auch wenn es in keinem hellgrauen Tubus steckt – eine beachtliche Abbildungsleistung ohne sichtbare Verzeichnungen an den Tag. Lediglich die Vignettierungen bei vollem Zoom und die Konturschärfen wären verbesserungswürdig. Dafür schützt der interne Bildstabilisator im gesamten Brennweitenbereich effektiv vor Verwacklungen und ermöglicht dank automatischer Schwenkerkennung sogar tolle Mitzieheffekte. Leider erlaubt das AF-System keinen manuellen Eingriff, was aber hin und wieder vonnöten wäre. Das Preis-Leistungs-Verhältnis kann dennoch überzeugen, was dem Objektiv nicht nur das Testurteil „Gut“, sondern auch den Preistipp beschert.

Weiterführende Links:
Canon

Canon EF-S 55-250mm f/4-5.6 IS II

Preis lt. Hersteller: 299,- Euro
AUSSTATTUNG
KB-Brennweite: 88-400 mm (4,5-fach)
Lichtstärke: f/4,0-f/5,6
Opt. Aufbau:
12 Elemente in 10 Gruppen
Nahgrenze: 110 cm
Bajonett: Canon EF-S
Länge/Gewicht: 108 mm/390 g
Besonderheiten: Preisgünstiges Telezoom, automatische Erkennung von Kameraschwenks, kreisrunde Blende, auch im Kit erhältlich
BEWERTUNG
Pro: Fairer Preis, überzeugende Bildqualität, zuverlässiger Bildstabilisator mit automatischer Schwenkerkennung
Contra: Kein manueller Eingriff in AF, Streulichtblende und Köcher nicht mitgeliefert
Player.de-GESAMTWERTUNG Gut mit Tipp