Test: Canon EF 70-300mm f/4-5.6L IS USM – dickes Canonenrohr

Canon EF 70-300mm f/4-5.6L IS USM im Test
Zoomobjektiv: Canon EF 70-300mm f/4-5.6L IS USM im Test

Canon fährt mit dem EF 70-300mm f/4-5.6L IS USM im wahrsten Sinne des Wortes schweres Geschütz auf: Über ein Kilogramm bringt das neue Telezoom (ohne Kamera) auf die Waage, verspricht laut Hersteller aber dennoch erstklassige Mobilität und Vielseitigkeit. Player.de hat den dicken Brummer in die Natur gewuchtet.

Luxuriös, leistungsstark, lupenrein, lautlos – welcher dieser Begriffe am besten zum Canon EF 70-300m f/4-5.6L IS USM passt, kann man nicht spontan sagen. Irgendwie hat das Teleobjektiv der qualitativ hochwertigen L -Serie von allem etwas. Das macht sich auch im Preis bemerkbar: Stolze 1.499 Euro verlangt der Hersteller für die Optik – und damit mehr wie für die Semiprofi-DSLR EOS 60D. Erfahrene Hobbyfotografen und Profis dürften also voll auf ihre Kosten kommen. Der Zielgruppe entsprechend soll bei Porträt-, Natur – und Actionaufnahmen außerdem eine „beeindruckende Detailschärfe“ geboten werden.

Aufbau und Technik

Entfernungsskala des Canon EF 70-300mm f/4-5.6L IS USM
Auf Distanz gehen: Die integrierte Entfernungsskala des Objektivs ist vor allem beim manuellen Fokussieren von Vorteil

Ganz so kompakt und reisetauglich wie Canon behauptet, ist das neue 4,3-fach-Telezoom leider nicht. Die 14,3 Zentimeter in der Länge sind zwar noch akzeptabel, aber mit aufgeschraubter Streulichtblende (ET-73B, im Lieferumfang enthalten) kommen noch einmal 8,2 Zentimeter hinzu. Auch der große Durchmesser von 89 Millimetern und das hohe Gewicht von 1.050 Gramm schränken die Mobilität weiter ein.

Für den sicheren Transport liegt der Optik immerhin ein lederähnlicher Beutel (LP1424) bei. Als optionales Zubehör ist die Stativschelle C (WII) erhältlich. Das Objektiv selbst besteht aus 19 Linsen in 14 Gruppen, darunter zwei sogenannte UD-Linsen (Ultra-low Dispersion). Diese sollen die Farbsäume (chromatische Aberrationen) deutlich reduzieren. Wie es tatsächlich um die Abbildungsleistung bestellt ist, lesen Sie unter dem Punkt „Bildqualität“.

Mit an Bord sind außerdem ein optischer Bildstabilisator für bis zu vier Stufen längere Verschlusszeiten, eine aus acht Lamellen bestehende Blende sowie ein ringförmiger Ultraschall-AF -Motor. Der Anschluss des Objektivs erfolgt über das herstellereigene EF-Bajonett. Für die maximale Sensorgröße sind keine Einschränkungen angegeben, wodurch natürlich auch Vollformat-Spiegelreflexkameras unterstützt werden. So gab es weder mit der Canon EOS 5D Mark II noch mit der aktuellen EOS 600D irgendwelche Kompatibilitätsprobleme.

Die Optik überzeugt bereits beim ersten Anfassen durch ihre ausgesprochen robuste Konstruktion. Sie ist dank Staub- und Spritzwasserschutz sogar unter widrigen Bedingungen einsetzbar. Hinzu kommt eine neuartige Fluor-Beschichtung auf der Front- und Hinterlinse, die die Reinigung vereinfachen soll.

Der Bildwinkel reicht von 8,25 Grad in der Telestellung bei 300 Millimetern Brennweite bis 34 Grad in der Anfangsbrennweite von 70 Millimetern. Je nachdem liegt die Lichtstärke bei f/4,0 beziehungsweise f/5,6. Die kleinste Blende ist mit der Kamera zwischen f/32 und f/45 einstellbar. Telekonverter (bei Canon „Extender“ genannt) werden übrigens nicht akzeptiert.

Die kleinstmögliche Entfernung, aus der man das Motiv noch scharf stellen kann, beträgt über den gesamten Brennweitenbereich etwa 1,2 Meter. Den größten Abbildungsmaßstab gibt der Hersteller mit 0,21 (also 1:4,76) an.

Fokus und Bildstabilisierung

Bildstabilisator-Modi des Canon EF 70-300mm f/4-5.6L IS USM

Als Pionier im Einsatz der Ultraschalltechnik direkt in seinen Objektiven hat Canon auch dem EF 70-300mm f/4-5.6L IS USM einen auf dieser Technologie basierenden Autofokusantrieb spendiert. Dieser arbeitet – ähnlich wie das Tamron 18-270mm F/3,5-6,3 Di II VC PZD – mit einem piezoelektrischen Element, das elektronische Vibrationen erzeugt und letztendlich den Rotor durch Reibungsenergie antreibt.

Im Gegensatz zum eben genannten Reisezoom sowie den meisten anderen kompakten Linsensystemen wurde in das Canon-Teleobjektiv ein ringförmiger Ultraschallmotor eingebaut. Dieser fällt zwar größer aus, was am voluminösen Tubus kaum zu übersehen ist, stellt dafür aber deutlich schneller und nahezu geräuschlos scharf. So dauert die Fokussierung in der Praxis nur den Bruchteil einer Sekunde und lässt auch in puncto Präzision keine besonderen Wünsche offen.

Sollte dennoch einmal das falsche Objekt angepeilt werden, kann man die Schärfe mühelos per Fokusring nachjustieren, ohne extra in den manuellen Modus wechseln zu müssen. Der Energiebedarf des Objektivs ist übrigens sehr gering, da sich der AF -Motor sofort abschaltet, sobald das Motiv scharf gestellt ist.

Unscharfe Fotos resultieren meist aus Verwacklungen mit der Kamera. Insbesondere bei Teleobjektiven beziehungsweise langen Brennweiten kann dieses Problem überhandnehmen. Um Motive selbst aus weiter Entfernung und mit längeren Verschlusszeiten (ohne Stativ) scharf einfangen zu können, verfügt das EF 70-300mm f/4-5.6L IS USM über einen integrierten Bildstabilisator: Beim „Image Stabilizer“ handelt es sich um eine beweglich gelagerte Linsengruppe, die sowohl horizontalen als auch vertikalen Verschiebungen entgegenwirkt.

Zur Erfassung von Verwacklungen dienen zwei Kreiselsensoren. Konkret ermöglicht der Verwacklungsschutz eine bis zu vier Stufen längere Verschlusszeit. Selbst bei einer Fünfzehntelsekunde langen Belichtung und 300 Millimetern Brennweite gelangen uns noch scharfe Bilder. Speziell für Schwenkaufnahmen hat Canon einen zusätzlichen Modus entwickelt. Dieser schaltet die Stabilisierung in Richtung der Bewegung ab, sodass sie lediglich auf einer der beiden Achsen wirkt.

Auf diese Weise sind zum Beispiel die typischen Mitzieheffekte bei vorbeifahrenden Autos und anderen bewegten Objekten realisierbar. Der „Image Stabilizer“ ist aktiv, sobald der Auslöser zur Hälfte heruntergedrückt wird.

Illustration des Canon-Bildstabilisators "Image Stabilizer"

Bildqualität

Canon EF 70-300mm f/4-5.6L IS USM - Beispielfoto Parkbank
Idyllische Farben: Das Linsensystem beweist auf ganzer Linie eine hervorragende Bildqualität - ganz ohne Streulichter
Canon EF 70-300mm f/4-5.6L IS USM - Beispielfoto Kinderwagen
Porträt aus der Ferne: Bokeh-Freunde kommen mit der Optik ebenfalls auf ihre Kosten

Eingefleischte Canon-Fans wissen, dass im hellgrauen Metalltubus in der Regel kein gewöhnliches Objektiv steckt. Das farbliche Design ist nämlich der professionellen L -Serie vorbehalten und steht dort für besonders hochwertige Optiken. Die erstklassige Qualität schlägt sich allerdings nicht bloß in der Verarbeitung, sondern auch in der Abbildungsleistung nieder. So bleiben alle Arten von Verzeichnungen über den gesamten Brennweitenumfang auf einem konstant niedrigen Niveau und stellen in der Praxis kein Problem dar.

Ebenso überzeugend ist das Auflösungsvermögen, welches zum Rand hin erfreulicherweise kaum nachlässt. Bei vollem Zoom können sogar aus geringer Distanz (mindestens 1,2 Meter) feinste Details gestochen scharf eingefangen werden. Umgekehrt sind zum Beispiel auch Tieraufnahmen aus sicherer Entfernung möglich. Die zwei integrierten UD-Linsen zeigen durchaus Wirkung und reduzieren effektiv chromatische Aberrationen (Farbsäume), die ansonsten häufig im Randbereich auftreten.

Um Streulichter und Blendenreflexe (Lens-Flare-Effekte) auf einem Minimum zu halten, verfügen die Linsenelemente über eine zusätzliche Super -Spectra-Vergütung. Die mitgelieferte Streulichtblende mit mattschwarzem, samtigem Innenbezug verhindert dabei den seitlichen Lichteinfall, was die Kontraste erheblich verbessert. Vignettierungen waren weder mit der EOS 600D noch mit der EOS 5D Mark II zu beobachten.

Canon EF 70-300mm f/4-5.6L IS USM - Beispielfoto Ente
Außerhalb der Fluchtdistanz: Das Canon-Objektiv ist hervorragend für Tierfotografen geeignet - die AF-Geschwindigkeit ist sehr hoch
Canon EF 70-300mm f/4-5.6L IS USM - Beispielfoto Enten
Fest im Griff: Die aus der Ferne fotografierten Enten werden dank des Bildstabilisators gestochen scharf dargestellt. Selbst kleinste Details wie die abgeschüttelten Wassertropfen bleiben dabei nicht verborgen

player.de meint:
Das Canon EF 70-300mm f/4-5.6L IS USM kann (und muss) seine Abstammung aus der L -Serie nicht verhehlen: Sowohl die Verarbeitung als auch die Abbildungsleistung befinden sich auf erstklassigem Niveau. Besonders lobenswert sind hierbei der zuverlässige Bildstabilisator für verwacklungsfreie Aufnahmen und der extrem schnelle, präzise Autofokusmotor. Da Letzterer fast lautlos scharf stellt, lassen sich Videos praktisch ohne Störgeräusche aufzeichnen. Sollte der Fokus dennoch einmal falsch gesetzt sein, kann man per Hand mühelos nachjustieren. Der Staub- und Spritzwasserschutz gestattet sogar unter widrigen Bedingungen tolle Bilder. Im Vergleich zu den anderen Telezooms und -Festbrennweiten der L-Serie ist das Objektiv vergleichsweise kompakt. Ein Wermutstropfen ist der Preis von 1.500 Euro. Unser Player.de-Qualitätssiegel „Sehr gut“ hat sich das Canon-Telezoom trotzdem verdient.

Weiterführende Links:
Canon

Canon EF 70-300mm f/4-5.6L IS USM

Preis lt. Hersteller: 1.499,- Euro
AUSSTATTUNG
KB-Brennweite: 70-300 mm (4,3-fach)
Lichtstärke: f/4,0-f/5,6
Opt. Aufbau:
19 Elemente in 14 Gruppen
Nahgrenze: 120 cm
Bajonett: Canon EF
Länge/Gewicht: 143 mm/1.050 g
Besonderheiten: Ultraschallmotor, Staub- und Spritzwasserschutz, Tubus aus Metall, Innenfokussierung
BEWERTUNG
Pro: Sehr gute Abbildungsleistung, manueller Eingriff in AF, leiser Ultraschallmotor, hochwertige Verarbeitung
Contra: Hoher Preis, hohes Gewicht, große Bauweise
Player.de-GESAMTWERTUNG Sehr gut