Test: Pentax Q – alles andere als eine Spielzeugkamera

Pentax Q im Test
Spiegellose Systemkamera: Pentax Q im Test

Ihr Name ist Q, Pentax Q! Die auf diesen kurzen Namen hörende spiegellose Systemkamera soll die Dimensionen einer Kompaktknipse mit der Leistung einer ausgewachsenen DSLR kombinieren. Ob dem japanischen Hersteller die Operation tatsächlich gelungen ist, verrät Player.de im nachfolgenden Test.

Selbst erfahrene Fotografen müssen zweimal hinschauen: Kompakt- oder Systemkamera? Auf den ersten Blick fällt es wirklich schwer, die Pentax Q einer der beiden Gattungen zuzuordnen. Schließlich ist sie mit hosentaschengerechten 98 x 57,5 x 31 Millimetern (B x H x T) kaum größer als etwa eine Zigarettenpackung und bringt im betriebsbereiten Zustand gerade einmal 200 Gramm auf die Waage. Anders gesagt: Sie ist die kleinste und leichteste Systemkamera der Welt. Auf Welpenschutz kann das Modell dabei getrost verzichten, soll es doch genau das Anforderungsprofil ambitionierter Fotografen treffen und höchsten Qualitätsansprüchen gerecht werden. Der Einstiegspreis beträgt 749 Euro.

Oberseite der Pentax Q
Viel Ausstattung auf kleinstem Raum: Bei den Bedienelementen und Erweiterungsmöglichkeiten steht die Pentax Q den DSLRs in nichts nach

Technik

Optischer Sucher für die Pentax Q
Auf den Zubehörschuh kann man nicht nur externe Blitzgeräte, sondern auch einen optischen Sucher für das 8,5-Millimeter-Kitobjektiv anschließen

Von „Kann man da auch Wechselobjektive anschließen?“ bis „Die ist ja putzig!“ – die Reaktionen auf die Pentax Q sind vielseitig, vom beinahe instinktiven Lächeln ganz zu schweigen. Dass es sich bei ihr tatsächlich um eine (spiegellose) Systemkamera handelt, muss man vielen trotzdem erst einmal beweisen. Also gut: Arretierungsknopf drücken und das Objektiv abnehmen, um anschließend das große Staunen in den Gesichtern zu beobachten.

Für unseren Test kam die im günstigsten Kit enthaltene „01 Standard Prime“-Optik zum Einsatz. Diese besitzt eine feste Brennweite von 8,5 Millimetern (47 Millimeter entsprechend Kleinbild) und ist mit einer Blendenöffnung von f/1,9 sehr lichtstark ist. Auf Wunsch gibt es das 5-bis-15-Millimeter-Dreifachzoom (27,5 bis 83 Millimeter Kleinbildäquivalent) dazu, wobei das Set dann stolze 899 statt 749 Euro kostet. Der Anschluss erfolgt über das speziell für die Digicam entwickelte Q-Bajonett.

Was erfahrene Fotografen vielleicht schon anhand der deutlich längeren KB-Brennweiten bemerkt haben: der Bildsensor ist winzig klein. Wie so oft macht der Hersteller einen Hehl daraus und spricht lediglich vom „1/2,3-Zoll-Format“, ohne die genauen Maße – nämlich 6,2 x 4,6 Millimeter – zu nennen. Der CMOS-Chip schafft 12,4 Megapixel und deckt einen Empfindlichkeitsbereich von ISO 125 bis 6.400 ab.

Die Belichtungszeit lässt sich in Drittelstufen zwischen einer Zweitausendstelsekunde und 30 Sekunden einstellen. Wird der elektronische Verschluss aktiviert, sind sogar Kurzzeitbelichtungen von einer Achttausendstelsekunde möglich. Selbstverständlich muss man auf einen Bulb-Modus nicht verzichten. Um Verwacklungsunschärfen bei längeren Verschlusszeiten und/oder Brennweiten zu vermeiden, besitzt die Digicam einen mechanischen Bildstabilisator in Form eines beweglich gelagerten Sensors.

Ausklappblitz der Pentax Q
Bringt Licht ins Dunkel: Der integrierte Aufhellblitz mit Leitzahl 5,6 funktioniert sowohl im eingefahrenen als auch im ausgefahrenen Zustand

In schummrigen Räumen sorgt ein ausklappbarer Aufhellblitz mit Leitzahl 5,6 für etwas Licht. Wem das nicht ausreicht, kann über den Zubehörschuh ein externes Blitzgerät anschließen. Alternativ lässt sich darauf ein optischer Sucher aufstecken, wobei dieser auf das 8,5-Millimeter-Objektiv zugeschnitten ist. Zur Motivkontrolle hat Pentax seiner ersten spiegellosen Systemkamera lediglich einen drei Zoll großen Monitor mit 460.000 Bildpunkten spendiert.

Videos zeichnet die Q wahlweise in VGA-, HD- oder Full-HD-Auflösung auf und speichert diese als MOV-Datei ab. Fotos hingegen landen im JPEG- und/oder DNG-Format (RAW mit zwölf Bit Farbtiefe) auf einer eingelegten SD-, SDHC- beziehungsweise SDXC-Speicherkarte. An Anschlüssen stehen auf der Unterseite ein HDMI-Ausgang sowie ein USB-Port zur Verfügung. Für die digitale Nachbearbeitung von Bildern ist im Lieferumfang die Software „Silkypix Developer Studio 3.0“ (spezielle Pentax-Version) enthalten.

Zubehörprogramm der Pentax Q
Die Pentax Q gibt es auch in Weiß. Allerdings ist das Zubehörprogramm noch sehr spärlich

Bedienung

Display der Pentax Q
Tribut an die Kompaktheit: Die Tasten der Q sind nur etwas größer als ein Streichholzkopf. An der Ausstattung gibt es aber nichts zu meckern - so ist zum Beispiel sogar ein ND-Filter für die Kitobjektive an Bord

Nicht nur beim äußeren Erscheinungsbild, sondern auch bei der Bedienung weist die Pentax Q einige Parallelen zur Kompaktklasse auf. So liegt sie trotz ihrer gummierten Frontseite und der kleinen Griffwulst, die allenfalls Platz für den Mittel- und Ringfinger bietet, nicht wirklich bequem in der Hand. Der mitgelieferte Trageriemen schränkt die Bedienungsfreiheit zusätzlich ein, da er häufig im Weg ist. Hier hätte eine einfache Handschlaufe wohl den besseren Dienst erwiesen.

Belegung des Schnelleinstellrads der Pentax Q
Im Menü kann der Fotograf das vordere Schnelleinstellrad der Pentax Q individuell belegen

Gleichwohl dürfte man sich selbst als verwöhnter Spiegelreflexfotograf recht schnell an die Kamera gewöhnen, verfügt sie doch über zahlreiche manuelle Einstellmöglichkeiten. Im Gegensatz zur Nikon 1 J1 oder Sony NEX-5N gestattet die Q dank ihres „physischen“ Betriebsarten-Wahlrads sofortigen Zugriff auf die Programmautomatik, die Zeit- beziehungsweise Blendenvorwahl oder den Manuellmodus, ohne zunächst das Menü durchforsten zu müssen. Sämtliche Aufnahmeparameter sind dabei über einen einzigen Drehregler einstellbar, der mühelos mit dem Daumen erreicht werden kann.

BC-Modus der Pentax Q
Wechselt man in den BC-Modus, kann die Hintergrundunschärfe kinderleicht über den Drehregler verringert oder erhöht werden

Da sich Hintergrundunschärfen aufgrund des winzigen Bildsensors nur schwer bis gar nicht realisieren lassen, hat Pentax der Kamera einen BC-Modus („Bokeh Control“, Unschärfekontrolle) spendiert, welcher den Eindruck einer weit geöffneten Blende und geringer Tiefenschärfe erwecken soll. Dabei werden mehrere Aufnahmen mit unterschiedlicher Schärfeeinstellung gemacht und zu einem Bild kombiniert. Wie gut das in der Praxis funktioniert, verraten wir unter „Bildqualität“.

Szenenmodus der Pentax Q
Im Szenenmodus stehen 21 verschiedene Kreativprogramme bereit - der jeweilige Effekt wird im unteren Bildschirmbereich kurz beschrieben

Wechselt man zum Beispiel oft das Bildseitenverhältnis (1:1, 3:2, 4:3 und 16:9) oder fotografiert gerne mit Farbeffekten und Digitalfiltern (siehe „Kreativprogramme“), lässt sich das Schnell-Einstellrad auf der Frontseite mit vier unterschiedlichen Funktionen belegen. Ebenso ist die grüne Taste individuell belegbar, um auf Knopfdruck etwa vom JPEG- in den RAW-Betrieb zu wechseln oder im Manuellmodus die Belichtung anzupassen.

Abgesehen von den genau richtig dimensionierten Drehreglern fallen die restlichen Bedienelemente der Pentax Q ziemlich klein aus. Zudem sind einige Tasten so weit ins Gehäuse eingelassen, dass man buchstäblich Fingerspitzengefühl benötigt, bis der Druckpunkt erreicht ist. Damit es nicht zu Verwechslungen zwischen dem Auslöser und dem naheliegenden Ein- und Ausschalter kommt, sitzt ersterer auf einer Art Podest und ragt fast vier Millimeter aus der Oberseite heraus.

Wiedergabemodus der Pentax Q
Drehen, verkleinern, konvertieren oder schneiden: Im Wiedergabemodus lassen sich sämtliche Aufnahmen ganz ohne Computer nachbearbeiten

Das aus fünf Tasten bestehende Cursorfeld erlaubt zum einen das direkte Einstellen der ISO-Empfindlichkeit, des Weißabgleichs, des Blitzmodus und der Aufnahmeart, zum anderen das intuitive Navigieren durch das Menü. Leider reagiert der Monitor deutlich langsamer als bei der Nikon 1 J1, was unter anderem auf den aktiven Bildstabilisator zurückzuführen sein dürfte. Das stört in Videoaufnahmen zwar ein wenig, doch sind diese dafür frei von nervigen Verwacklungen. Die Helligkeitsanpassung erfolgt automatisch.

Rundum-Ansicht der Pentax Q
Sinnvoll genutzt: Pentax hat den Speicherkartenslot, das Akkufach und die Anschlüsse leicht zugänglich auf der ganzen Kamera verteilt

Kreativprogramme

Erkennt die Pentax Q im Auto-Modus mehr oder weniger selbstständig das anvisierte Motiv beziehungsweise die Motivsituation, hat der Fotograf im Szenenmodus selbst die Wahl zwischen 21 verschiedenen Kreativprogrammen. Das Repertoire reicht vom klassischen Porträt-, Landschafts-, Makro- und Sportmodus („Objekt in Bewegung“) über spezielle Modi für Aufnahmen unter hellem Licht, in schummrigen Umgebungen oder bei Nacht bis hin zu einem blitzlosen Museumsprogramm.

Ebenfalls mit von der Partie sind zwei HDR-Funktionen, die aus drei automatisch in Serie geknipsten Fotos entweder ein rauschreduziertes oder ein dynamikoptimiertes Bild erzeugen. Hilfreich: Um bei diesem Großaufgebot nicht den Überblick zu verlieren, wird zu jedem Symbol eine kurze Beschreibung eingeblendet. Doch der Szenenmodus ist erst der Anfang. Im JPEG-Betrieb hält die Digicam noch elf Digitalfilter bereit, die zum Beispiel einen Spielzeugkamera-, Fisheye- oder Posterisationseffekt auf das Motiv anwenden, den Kontrast erhöhen, den Hintergrund abdunkeln, das Bild in die Höhe zerren oder die Farbe umkehren (Negativfilm).

Einige Digitalfilter lassen sich sogar in ihrer Intensität verändern. Hinzu kommt der Menüpunkt „Benutzerdefiniertes Bild“. Dieser gestattet eine Anpassung der Farbwiedergabe, indem der RGB- (Rot, Gelb, Grün) und CMY-Raum (Cyan, Magenta, Gelb) anhand vordefinierter Charakteristiken erweitert oder verkleinert wird. Einige Parameter wie zum Beispiel Sättigung, Schärfe und Kontrast kann man auf Wunsch manuell korrigieren. Zahlreiche kreative Möglichkeiten stehen auch im Wiedergabemodus zur Verfügung.

HDR-Aufnahme der Pentax Q
Dunkle Schatten: Im HDR-Modus werden die Wolken zwar schön eingefangen, am Dynamikumfang verändert sich aber (leider) herzlich wenig

Bildqualität

Gegenlichtaufnahme mit der Pentax Q
Gegenlichtaufnahmen gelingen der Pentax Q gut, ohne zu verrauschen - Durchzeichnung und Dynamik könnten jedoch besser sein

Dass von einem 1/2,3-Zoll-Bildsensor qualitativ nicht allzu viel zu erwarten ist, haben die kompakten Digicam-Vertreter bereits mehrfach bewiesen. Trotzdem sollte man sich von den theoretischen Angaben und dem unscheinbaren Design der Pentax Q nicht beirren lassen: Obwohl dem CMOS-Chip seine winzigen Abmessungen von 6,2 x 4,6 Millimetern ob des dürftigen Durchzeichnungsvermögens gleich ansehbar sind, punktet er erstaunlicherweise mit einem soliden Rauschverhalten.

Zwar bemerkt das geübte Auge schon bei niedriger Lichtempfindlichkeit ein gewisses Grundrauschen in dunklen Bereichen, doch treten die Störpixel erst zwischen ISO 1.000 und ISO 1.600 deutlich hervor – das Bild wirkt weich. Selbst bei derart hohen Werten waren einige Details noch gut erkennbar. Dies ist wohl insbesondere der rückseitigen Beleuchtung und der Rauschunterdrückungsfunktion zu verdanken. Letztere lässt sich bei Bedarf von Hand in zwei Stufen einstellen, ausschalten kann man sie nicht. Die Detailtreue liegt nur auf Kompaktknipsen-Niveau, überzeugt den ambitionierten Fotografen also nicht wirklich. Hinzu kommt, dass Konturen leicht ausgefranst erscheinen.

Mit der Pentax Q fotografierte Modelleisenbahn
Auch bei detailreichen Motiven gibt es an der Farbwiedergabe der Pentax Q nichts auszusetzen, obwohl der kleine Sensor hier an seine Grenzen stößt

Die Farbwiedergabe wiederum weiß auf Anhieb zu überzeugen. So stellt die Pentax Q praktisch alle Farbtöne originalgetreu dar, auch wenn sie leicht zur Unterbelichtung neigt. An der Nuancierung feiner Verläufe gibt es im Großen und Ganzen ebenfalls nichts auszusetzen. Leider kommen Kontraste weniger schön zur Geltung, was vor allem in monotonen Motiven auffällt. Immerhin bietet das Kitobjektiv eine sehr überzeugende Abbildungsleistung mit nur geringen Randunschärfen. Der Effekt mit der Hintergrundunschärfe im BC-Modus ist interessant, reicht verständlicherweise aber nicht an das Original heran.

Die Videofunktion der Kamera liefert scharfe Full-HD-Aufnahmen – vorausgesetzt, man zieht den Fokus immer wieder von Hand nach. Das AF-System ist während des Filmens nämlich aus unerklärlichen Gründen deaktiviert. Außerdem sollten flotte Schwenks vermieden werden, da ansonsten diagonale Verzerrungen (Rolling-Shutter-Effekt) auftreten. Das integrierte Mikrofon zeichnet den Ton leider nur in mono auf. Hier bieten selbst einige Kompaktknipsen mehr.

Mit der Pentax Q fotografiertes Stadtpanorama
Kein Weitwinkel: Durch den winzigen Bildsensor entspricht das 8,5-Millimeter-Objektiv einer 47-Millimeter-Festbrennweite im KB-Format
Pentax Q: Vergleichsbild 1
Die Bilder der Q sind zwar sehr Rauscharm, doch lassen dafür Detailtreue und Durchzeichnung zu wünschen übrig (links). Unsere Vollformat-Referenzkamera bildet nicht nur die Holzmaserungen und Werkzeugköpfe detailgetreu ab, sondern bietet auch eine höhere Konturenschärfe
Pentax Q: Vergleichsbild 2
Die gesättigte und natürliche Farbwiedergabe der Q lässt keine Wünsche offen, wenn auch ihr Kontrastvermögen relativ gering ist (links). Das Referenzbild zeigt originalgetreue Farben (14 statt 12 Bit pro Kanal) und wirkt wesentlich kontrastreicher

player.de meint:
Pentax zeigt mit seiner Q eindrucksvoll, wie kompakt eine Systemkamera sein kann. Das Gehäuse ist kaum größer als eine Packung Taschentücher und somit perfekt für den mobilen Einsatz geeignet. Jedoch hat das Konzept auch seine Schwächen. Vor allem der Sensor im winzigen 1/2,3-Zoll-Format dürfte anspruchsvollen Fotografen sauer aufstoßen, liefert er doch nur eine durchschnittliche Bildqualität, die der einiger Konkurrenten trotz des geringen Rauschens deutlich unterliegt. In puncto Bedienung hingegen übertrumpft der Pentax-Systemzwerg die Modelle von Nikon, Sony und Co. Besonders erwähnenswert sind dabei die vielen manuellen Einstellmöglichkeiten und Kreativprogramme sowie der Zubehörschuh. Als (wenn auch teure) Zweitkamera für unterwegs ist die Q also durchaus zu gebrauchen, weshalb sie das Qualitätssiegel „Gut“ bekommt.

Canon PowerShot S100

Preis lt. Hersteller: ab 749,- Euro (als Kit)
AUSSTATTUNG
Sensor/Auflösung: CMOS mit 12,4 Megapixeln
Objektiv: Q-Bajonett; getestet mit 01 Standard Prime 1,9/8,5 mm, Brennweite: 47 mm (KB)
ISO: 125 bis 6.400
Verschlusszeiten: 1/2.000 bis 30 Sekunden (+ Bulb-Modus)
LC-Display: 3 Zoll (460.000 Pixel)
Besonderheiten: Extrem kompakte Bauweise, 1/2,3-Zoll-Sensor, integrierter Bildstabilisator, Magnesium-Aluminium-Gehäuse
BEWERTUNG
Technik: 4 von 5 Punkten
Bedienung: 4,5 von 5 Punkten
Kreativprogramme: 4,5 von 5 Punkten
Bildqualität: 4 von 5 Punkten
Pro: Extrem kompakte Bauweise, überzeugende Bildqualität, viele Einstellmöglichkeiten, einfache Bedienung, interner Bildstabilisator
Contra: Sehr kleiner Bildsensor (keine Profi-Effekte möglich), hoher Preis, Videoaufnahmen ohne Autofokus
Player.de-GESAMTWERTUNG Gut