Test: Canon PowerShot S100 – aus der Reserve gelockt

Canon PowerShot S100 im Test
Kompaktkamera: Canon PowerShot S100 im Test

EOS hier, EOS dort: Canon hat seine beliebte Spiegelreflex-Serie in den letzten Monaten so intensiv beworben, dass die Kompaktkameras bei manchen Hobbyfotografen schon beinahe in Vergessenheit geraten sind – zu Unrecht, wie die neue PowerShot S100 mit extragroßem Bildsensor, RAW-Unterstützung und echten Full-HD-Videos zeigt.

Kompaktkameras haben es heute nicht leicht, sich gegen die riesige Schar an Digicams mit Wechselobjektiven durchzusetzen – erst recht nicht, wenn sie mehr als 400 Euro kosten. Die Zeichen für Canons PowerShot S100 stehen auf den ersten Blick also eher schlecht. Allerdings soll die 449 Euro teure Kamera als bislang innovativstes Modell der Serie mit „einem extrem lichtstarken Ultraweitwinkelobjektiv mit fünffach optischem Zoom, umfassenden Steuerungsoptionen und vielen weiteren Details wie Full-HD-Movieaufzeichnung oder GPS“ beeindrucken. Der Hersteller zielt dabei sowohl auf Einsteiger als auch auf Amateure ab.

Technik

Entgegen anfänglicher Befürchtungen, die PowerShot S100 sei eine herkömmliche Kompaktknipse mit den typischen Schwächen, ist sie gar nicht mal so weit von der Spiegelreflexklasse entfernt. Ganz im Gegenteil: sie trägt sogar einige DSLR-Gene in sich. So sollen der neue DIGIC-5-Prozessor und der auf Basis der EOS-Technologie entwickelte Bildsensor mit 12,1 Megapixeln im Zusammenspiel selbst bei schlechten Lichtverhältnissen eine erstklassige Aufnahmequalität liefern.

Der CMOS-Chip misst aber nicht etwa die klassenüblichen 5,6 x 4,2, sondern relativ großzügige 7,6 x 5,7 Millimeter (1/1,7-Zoll-Format), was vor allem dem Rauschverhalten zugutekommen dürfte – wie viel die größere Fläche in der Praxis tatsächlich bringt, lesen Sie unter dem Punkt „Bildqualität“. Die Lichtempfindlichkeit des Sensors reicht von ISO 80 bis ISO 6.400, wobei das Maximum bei automatischer Einstellung auf 1.600 beschränkt ist.

Wasserdichtes Gehäuse für die Canon PowerShot S100
Separat erhältlich: Das wasserdichte Gehäuse WP-DC43 schützt die Kamera vor Nässe und hält sogar Tauchgängen bis 40 Meter stand

Für den entsprechenden Durchblick sorgt das fest eingebaute Zoomobjektiv, das angeblich nach dem Vorbild der SLR-Optiken entwickelt wurde und einen fünffachen Brennweitenbereich von 5,2 bis 26 Millimeter (24 bis 120 Millimeter entsprechend Kleinbild) abdeckt. Die Blendenöffnung variiert zwischen f/2,0 im Weitwinkel und f/5,9 in Telestellung. Eine beweglich gelagerte Linsengruppe fungiert dabei als optischer Bildstabilisator und wirkt Verwacklungen entgegen.

Die Belichtungszeit ist zwischen einer Zweitausendstelsekunde und 15 Sekunden einstellbar – zumindest im Manuellbetrieb und in der Blendenautomatik. Ansonsten schließt der Verschluss spätestens nach einer Sekunde. Einen Bulb-Modus gibt es leider nicht. Nichtsdestotrotz hat Canon der PowerShot S100 einen zuschaltbaren ND-Filter (Neutraldichte- beziehungsweise Graufilter) spendiert, der um bis zu drei Stufen längere Belichtungen ermöglicht.

Integrierter Aufhellblitz der Canon PowerShot S100
Wie von Geisterhand: Der integrierte Aufhellblitz fährt bei Bedarf oder auf Knopfdruck elektronisch aus dem Gehäuse heraus

Zur Ausstattung gehört außerdem ein elektronisch ausfahrbarer Aufhellblitz, der laut Hersteller bis sieben Meter weit reicht. Die Fotos werden als JPG- und/oder CR2-Datei auf einer Speicherkarte des Typs SD, SDHC oder SDXC gespeichert. Videos mit bis zu 1.920 x 1.080 Pixeln und 24 Vollbildern pro Sekunde zeichnet die Kamera im H.264-kodierten MOV-Format auf. Für Zeitlupenaufnahmen mit 120 Bildern pro Sekunde in VGA- (640 x 480 Pixel) oder 240 Bildern pro Sekunde in QVGA-Auflösung (320 x 240 Pixel) besitzt die Digicam einen separaten Videomodus.
Auf Wunsch versieht das integrierte GPS-Modul sämtliche Aufnahmen mit Geodaten, also Informationen zum Aufnahmeort. Die Motivkontrolle und Wiedergabe erfolgt über den drei Zoll großen Live-View-Monitor mit 461.000 Bildpunkten sowie einer Schutzschicht aus gehärtetem Glas. Das Gehäuse selbst macht ebenfalls einen robusten Eindruck, auch wenn sich die rau-matte Oberfläche des schwarzen Modells nicht wirklich angenehm anfühlt. Zur Bildbearbeitung und Rohdatenkonvertierung legt Canon ein Softwarepaket bei, welches unter anderem „Digital Photo Professional 3.11“ beinhaltet.

Silberne Canon PowerShot S100 von oben
Die professionell anmutende PowerShot S100 gibt es auch in Silber - mithilfe des Steuerrings auf der Vorderseite können bestimmte Brennweiten angefahren und/oder Aufnahmeparameter eingestellt werden

Bedienung

Individuelle Tastenbelegung bei der Canon PowerShot S100

Weitere Parallelen zwischen der PowerShot S100 und der DSLR-Klasse tun sich bei der Bedienung auf. So liegt sie zwar wie jede andere Kompaktkamera in der Hand und passt mit ihren Abmessungen von 98,9 x 59,8 x 26,7 Millimetern (B x H x T) locker in die Hosentasche, bietet jedoch zahlreiche manuelle Einstellmöglichkeiten. Dazu gehört insbesondere die Anpassung der Aufnahmeparameter in der Blenden-, Zeit- und Programmautomatik oder im manuellen Modus.
 
 
 

Funktionsmenü der Canon PowerShot S100
Im Funktionsmenü können zusätzliche Konfigurationen vorgenommen werden - hier lässt sich auch der RAW-Modus aktivieren

Die Hauptwerte für die jeweilige Betriebsart werden über den Steuerring am Objektiv eingestellt. Der Vier-Wege-Drehregler gestattet dabei eine detailliertere Konfiguration beziehungsweise Komposition der Belichtungswerte. Häufig verwendete Einstellungen können im Custom-Modus gespeichert werden. Wechselt man hingegen in die Vollautomatik, nimmt die Kamera selbstständig die für das Motiv geeigneten Einstellungen vor. In diesem Modus kann der Fotograf über den Steuerring verschiedene Brennweiten wie 35, 50 oder 100 Millimeter sogar direkt anfahren, ohne sich akribisch mithilfe des Zoomreglers herantasten zu müssen.

Wiedergabemodus der Canon PowerShot S100
Auf Wunsch blendet die Kamera im Wiedergabemodus sämtliche Aufnahmeparameter ein, mit denen das Bild geknipst wurde

Neu hinzugekommen ist der sogenannte Mehrbereich-Weißabgleich, der erkennen soll, wenn im Motiv zwei unterschiedliche Lichtquellen – etwa Blitzaufnahmen unter Kunstlicht – vorherrschen und die Farben dahingehend anpasst (mehr unter „Bildqualität“). Schade, dass im automatischen Betrieb keine RAW-Aufnahmen möglich sind.

Aus bedientechnischer Sicht dürften Einsteiger und ambitionierte Fotografen mit der PowerShot S100 dennoch gleichermaßen gut zurechtkommen. Das Menü selbst ist in drei Kategorien (bildbezogene Einstellungen, allgemeine Konfigurationen und ein benutzerdefiniertes Menü) aufgeteilt und lässt keine Fragen aufkommen. Im unteren Bereich werden hilfreiche Kurzbeschreibungen zu den Menüpunkten eingeblendet, die sich bei Bedarf deaktivieren lassen.

Manueller Modus der Canon PowerShot S100
Sinnvoll: Bei manueller Einstellung der Aufnahmeparameter wird auf dem Display angezeigt, über welche Bedienelemente sich diese verändern lassen

Leider hat Canon einige Einträge in das separate Funktionsmenü ausgegliedert, welches nur über die „FUNC.-SET“-Taste aufgerufen werden kann und am Anfang für etwas Verwirrung sorgen könnte. Dazu gehören unter anderem der Selbstauslöser, das Bildseitenverhältnis und der RAW-Modus. Vom Einschalten bis zum ersten Foto vergehen rund zwei Sekunden – eine gute Zeit für eine Kompaktkamera. Auch bei Serienbildaufnahmen erreicht sie eine respektable Rate von bis zu 9,6 Bildern pro Sekunde in voller Auflösung, wobei der Pufferspeicher für maximal acht Fotos ausreicht.

Der optische Bildstabilisator passt sich übrigens automatisch an die jeweilige Aufnahmesituation an, indem er aus sieben verschiedenen Modi den am besten geeigneten Verwacklungsschutz wählt. So erkennt die Mechanik etwa Kameraschwenks und wirkt dann nur auf vertikaler Achse. Bedauerlicherweise verfügt die PowerShot S100 im Gegensatz zur Lumix DMC-LX5 von Panasonic weder über einen Zubehörschuh noch über ein Filtergewinde.

Display der Canon PowerShot S100
Alles an seinem Platz: Nicht nur die PowerShot S100 selbst, sondern auch ihr Menü wirkt aufgeräumt - hinter der Abdeckung rechts befinden sich ein USB- und HDMI-Port

Kreativprogramme

Fotografen, die ihrem Spieltrieb einfach mal freien Lauf lassen möchten, werden von der PowerShot S100 keineswegs enttäuscht. Hinter der schnörkellosen, professionell anmutenden Schale stecken nämlich zahlreiche Kreativprogramme, die das Knipsen in bestimmten Situationen vereinfachen.

Erste Anlaufstelle ist der Szenenmodus, der insgesamt 14 verschiedene Modi zur Verfügung stellt. Neben dem „Filmtagebuch“, in dem vor jedem Foto eine zwei- bis viersekündige Videosequenz aufgezeichnet wird, beinhaltet der Modus auch ein Unterwasser-Programm für das separat angebotene Unterwasser-Gehäuse, zwei Stitch-Assistenten für Panoramaaufnahmen, die bereits erwähnte High-Speed-Serienbildfunktion sowie die klassischen Kreativprogramme à la „Porträt“, „Landschaft“ und „Feuerwerk“.

Wem das nicht ausreicht, kann über das Wahlrad auch in den „Kreative Filter“-Modus (zwei ineinandergreifende Kreise als Symbol) wechseln. Dort stehen unter anderem ein Fischaugen-, Spielzeugkamera- und Miniatureffekt, eine HDR-Funktion für dynamische Fotos (Kamera schießt drei Einzelbilder und fügt diese zusammen) sowie einige Farbmodi zur Auswahl. Letztere verstärken beispielsweise die Farbwirkung, erzeugen einen Postereffekt, wandeln die Aufnahme in ein Schwarz-Weiß-Foto um oder filtern eine bestimmte Farbe heraus.

Passend dazu besitzt die Digicam noch einen „My Colors“-Modus, der eine einfache Änderung des Farbtons gestattet – zum Beispiel „Kräftig“, „Sepia“, „Hellerer Hautton“ oder „Diafilm“. Auf Wunsch können Kontrast, Schärfe und Farbsättigung individuell angepasst werden. Leider funktionieren sämtliche Kreativprogramme nur im JPEG-Betrieb.

Bildqualität

Der Gepäckplatz war knapp bemessen – die DSLR-Ausrüstung zu schwer, zu klobig. Da bot sich die handliche PowerShot S100 für unseren Kurztrip nach New York geradewegs an. Voller Erwartungen haben wir uns mit ihr in den fotografischen (US-)Alltag gestürzt und wurden nicht enttäuscht!

Natürlich darf man ob des immer noch relativ kleinen Sensors vor allem bei der Durchzeichnung kein Spiegelreflex-Niveau erwarten, doch sticht die Bildqualität deutlich aus der Schnappschussklasse heraus. Zu verdanken ist dies dem exzellenten Rauschverhalten: Bis einschließlich ISO 800 liefert die Digicam sehr gute JPEGs, die erst im vierstelligen Empfindlichkeitsbereich zunehmend unter der durch die automatische Rauschunterdrückung hervorgerufene Weichzeichnung leiden.

Im RAW-Format kann man sogar bei ISO 1.600 noch einiges herausholen, wobei die Rohaufnahmen an harten Kontrasten sichtbare Farbsäume aufweisen. Darüber hinaus lässt sich das Objektiv im Weitwinkel mehr oder weniger starke tonnenförmige Verzeichnungen sowie leichte Randunschärfen zu Schulden kommen. Ansonsten geht die Abbildungsleistung aber absolut in Ordnung.

Feine Details stellt die Digicam ebenfalls sauber und scharf dar. Allerdings kommt sie bei dünnen, nah beieinanderliegenden Strukturen ins Straucheln. Zwar könnte auch die allgemeine Kontrastwiedergabe etwas besser gelingen, doch kann dieses kleine Problem mühelos mit einem Bildbearbeitungsprogramm gelöst werden. Die Dynamik lässt kaum Wünsche offen und genügt für eine Kompaktkamera völlig.

Bunte Farben und Grauabstufungen gibt die PowerShot S100 fein nuanciert wieder, könnte sich bei der Sättigung von Rottönen allerdings ein wenig zurückhalten. Der automatische (Mehrbereich-)Weißabgleich arbeitet – wider erwarten – sehr zuverlässig, was unter Mischlicht und speziell in Blitzlichtaufnahmen zu natürlicheren Farbergebnissen führt.

Die (1080p-)Videoaufnahmen sind knackig scharf, wenn auch bei Kameraschwenks diagonale Verzerrungen auftreten und die kontinuierliche Fokusnachführung bei nahegelegenen Objekten ihre Schwierigkeiten hat. Immerhin wird sehr sanft und praktisch geräuschlos nachgeschärft. Der optische Zoom fährt während des Filmens verlangsamt, sodass er nur minimal auf der Tonspur zu hören ist.

Canon PowerShot S100: Vergleichsbild 1
Bei feinen Strukturen wie zum Beispiel den Holzmaserungen stößt der 12,1-Megapixel-Sensor an seine Grenzen (links). Der fast zwanzigmal größere Vollformatsensor unserer Referenzkamera zeigt eine perfekte Durchzeichnung
Canon PowerShot S100: Vergleichsbild 2
Dank ihrer geringen Rauschanfälligkeit stellt die PowerShot S100 das im Schatten gelegene Weinetikett sehr sauber dar. Dass es aber noch sauberer und vor allem kontrastreicher geht, beweist unsere Referenzkamera (rechts)

player.de meint:
Inspiriert durch ihre großen Schwestern der EOS-Reihe, legt die eher unscheinbare Canon PowerShot S100 eine beeindruckende Bildqualität an den Tag. Insbesondere das geringe Rauschverhalten und die hohe Detailtreue verdienen Anerkennung. Als Kompaktknipse der Luxusklasse ist das Modell mit 449 Euro zwar recht teuer, kann dafür aber Einsteiger und erfahrene Fotografen gleichermaßen überzeugen. Letztere sollten dennoch kein DSLR-Niveau erwarten, auch wenn es umfangreiche manuelle Steuerungsoptionen inklusive RAW-Modus gibt. Auf Erweiterungsmöglichkeiten wie etwa einen Zubehörschuh wurde verzichtet. Dies spart wiederum viel Platz, weshalb sich die PowerShot S100 hervorragend als professionelle Zweit- oder Immer-dabei-Kamera eignet. Dafür bekommt sie voller Stolz das Player.de-Qualitätssiegel „Gut“ mit klarer Tendenz zur Bestnote überreicht.

Canon PowerShot S100

Preis lt. Hersteller: 449,- Euro
AUSSTATTUNG
Sensor/Auflösung: CMOS mit 12,1 Megapixeln
Objektiv: Canon Zoom Lens 5x IS 5.2-26.0mm 1:2.0-5.9 mit fünffach optischem Zoom, Brennweite: 24 bis 120 mm (KB)
ISO: 80 bis 6.400
Verschlusszeiten: 1/2.000 bis 15 Sekunden
LC-Display: 3 Zoll (461.000 Pixel)
Besonderheiten: Steuerring am Objektiv, RAW-Unterstützung, manuelle Einstelloptionen, GPS-Modul, integrierter ND-Filter, Full-HD-Videofunktion
BEWERTUNG
Technik: 4 von 5 Punkten
Bedienung: 4,5 von 5 Punkten
Kreativprogramme: 4,5 von 5 Punkten
Bildqualität: 4,5 von 5 Punkten
Pro: Sehr überzeugende Bildqualität, RAW-Unterstützung, einfache Bedienung, viele Einstellmöglichkeiten, hochwertiges Gehäuse
Contra: Kein Zubehörschuh und Filtergewinde, relativ hoher Preis, mäßiges Objektiv
Player.de-GESAMTWERTUNG Gut