Test: Walimex Pro 7,5/3,5 Fisheye für micro 4/3 – extrem breitsichtig

Walimex Pro 7,5/3,5 Fisheye im Test
Fischaugenobjektiv: Walimex Pro 7,5/3,5 Fisheye im Test

Kannten viele Micro-Four-Thirds-Fotografen den Fischaugen-Effekt bislang nur von speziellen Filtern oder Konvertern, bekommen sie mit dem Walimex Pro 7,5/3,5 Fisheye für micro 4/3 nun ein echtes Objektiv an die Hand – oder besser gesagt an die Kamera. Player.de verrät, ob sich die 300 Euro dafür lohnen.

Acht Millimeter – wer bietet weniger? 7,5! 7,5 Millimeter zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten! Das Walimex Pro 7,5/3,5 Fisheye geht an das vierte Drittel. Walimex dürfte mit dem neuen Fischaugenobjektiv speziell für Micro-Four-Thirds-Kameras einen großen Coup gelandet haben. Schließlich ermöglicht die kleinbildäquivalente Brennweite von 7,5 Millimetern nicht nur das Fotografieren oder Filmen auf extrem engem Raum, sondern eröffnet dank des 180-Grad-Bildwinkels und neun Zentimetern Naheinstellgrenze auch einzigartige kreative Möglichkeiten. Spiegelreflexfotografen, die schon jetzt neidisch sind, sollten besser nicht weiterlesen. Mit knapp 300 Euro kostet das Fisheye nämlich nur einen Bruchteil vergleichbarer DSLR-Optiken.

Aufbau und Technik

Walimex Pro 7,5/3,5 in Silber
Das Walimex Pro 7,5/3,5 Fisheye für micro 4/3 wird auch in Silber angeboten - die optischen Eigenschaften sind gleich

Passend zum handlichen Design der spiegellosen Systemkameras, präsentiert sich das Walimex Pro 7,5/3,5 Fisheye ebenfalls in kompakter Bauweise: es misst lediglich 60 x 50 Millimeter (Durchmesser x Länge) und wiegt 170 Gramm. Anders als beim deutlich größeren Canon EF 8-15mm f/4L Fisheye USM (zum Testbericht) ist die Streulichtblende fest verbaut. Diese dient zum einen der Befestigung des mitgelieferten Objektivdeckels, soll jedoch in erster Linie störende Linsenreflexionen und andere Bildbeeinträchtigungen durch seitlich einfallendes Licht verhindern.

Hinzu kommen speziell vergütete Glaslinsen, die laut Foto Walser „einen hervorragenden Kontrast- und Schärfeumfang sowie eine ausgewogene Farbbalance“ bewirken. Ob die Beschichtung tatsächlich hält, was sie verspricht, erfahren Sie unter dem Punkt „Bildqualität“. Insgesamt beherbergt der Tubus neun optische Elemente in sieben Gruppen. Die Lichtstärke wird mit f/3,5 angegeben.

Speziell entwickelt für die Micro-Four-Thirds-Fassung, passt das Fisheye praktisch an alle aktuellen spiegellosen Systemkameras von Olympus und Panasonic. Das Objektivbajonett selbst besteht dabei nicht etwa aus Kunststoff, wie es beim 14-bis-42-Millimeter-Standardzoom der Fall ist, sondern aus robustem Metall.

UMC-Vergütung des Walimex Pro 7,5/3,5 Fisheye für micro 4/3

Und jetzt kommt das K.O.-Kriterium für den einen oder anderen Interessenten: es gibt keine Anschlusskontakte. Das heißt, man muss sowohl auf einen Autofokus als auch auf andere elektronische Helfer wie zum Beispiel den Bildstabilisator verzichten (mehr dazu unter dem nächsten Punkt). Angesichts der extrem kurzen Brennweite von 7,5 Millimetern entsprechend Kleinbild und der relativ hohen Lichtstärke von f/3,5 dürfte letzterer ohnehin nicht vermisst werden.

Das einfallende Licht deckt den 17,3 x 13 Millimeter großen Bildsensor der Digicam vollständig ab, sodass sich ausschließlich ein Diagonalfischaugen-Effekt (vignettierungsfreie Abbildung) erzielen lässt.

Fokus und Bildstabilisierung

Kurz gesagt: das Walimex Pro 7,5/3,5 Fisheye setzt eine ausgeprägte Feinmotorik voraus. Sei es das Fokussieren des Motivs oder das Einstellen der Blendenöffnung – beim Arbeiten mit dem Fischauge ist der Fotograf voll und ganz auf seine linke Hand angewiesen. So muss er über die beiden Objektivringe einerseits einen passenden Blendenwert zwischen f/3,5 und f/22 wählen, zum anderen die gewünschte Schärfe finden. Immerhin bieten die auf dem Fokusring aufgedruckten Entfernungsangaben in Fuß und Meter eine kleine Orientierungshilfe in bestimmten Situationen.

Das Walimex Pro 7,5/3,5 Fisheye für micro 4/3 besitzt keine Automatiken
Fingerspitzengefühl: Fokus und Blende müssen mithilfe des jeweiligen Objektivrings von Hand eingestellt werden

Einsteiger beziehungsweise automatikverwöhnte Knipser werden daran wohl dennoch weniger Freude haben als ambitionierte Amateure, zumal Blenden- und Zeitvorwahl seitens der Kamera quasi außer Betrieb sind – vom vollautomatischen Modus natürlich ganz zu schweigen. Das Potenzial des Linsensystems lässt sich also nur in der manuellen Betriebsart voll ausschöpfen. Betätigt man den Auslöser, passiert unter Umständen nichts, ehe im Kameramenü nicht der Befehl „Auslösen ohne Objektiv“ oder ähnlich aktiviert wurde.

Bildqualität

Wer an der manuellen Bedienung nicht gescheitert ist, wird vom Walimex Pro 7,5/3,5 Fisheye mit beeindruckenden Aufnahmen belohnt. Durch den (diagonalen) Bildwinkel von 180 Grad erscheint das Motiv nämlich stark nach außen gewölbt, was speziell in der Landschafts- und Personenfotografie einzigartige Perspektiven eröffnet.

Beispielfoto 1 des Walimex Pro 7,5/3,5 Fisheye
Typisch Fischauge: Alle Linien, die nicht durch die Bildmitte verlaufen, werden tonnenförmig verzeichnet
Beispielfoto 2 des Walimex Pro 7,5/3,5 Fisheye
Hier die typische Verzeichnung eines Super-Weitwinkels: Der Zaun nimmt das Bild ein und streckt sich scheinbar ins Unendliche.

Das liegt nicht zuletzt am hohen Auflösungsvermögen, welches zu den Rändern hin erstaunlicherweise kaum nachlässt. Allerdings treten dort chromatische Aberrationen auf, die an harten Kontrastübergängen besonders stark ausfallen. Leider sind die Farbsäume nicht das einzige Problem. So wirkt die allgemeine Farbwiedergabe ein wenig flau, während große Blendenwerte eine etwas weiche Darstellung zur Folge haben.

Um die spätere digitale Nachbearbeitung am Computer kommt man wohl oder übel nicht herum. Ungeachtet dieser kleineren Mankos liegt die wahre Stärke des Objektivs in der Videoaufzeichnung: Der Fischaugeneffekt verleiht dem Filmmaterial eine aufregende Note mit besonderer Ausdruckskraft – seien es spektakuläre Sportszenen, witzige Nahaufnahmen aus wenigen Zentimetern Entfernung oder Schwenks durch eine idyllische Landschaft.

Beispielfoto 3 des Walimex Pro 7,5/3,5 Fisheye
Vom Grashalm bis zur Fassade: Das Fisheye punktet mit einer hohen Detailtreue und scharfen Durchzeichnung
Beispielfoto 4 des Walimex Pro 7,5/3,5 Fisheye
Alles im Bild: das 7,5-Millimeter-Fisheye bietet einen diagonalen Bildwinkel von 180 Grad

player.de meint:
Kreative Effekte, verblüffende Panoramen oder witzige Porträts aus ungewöhnlichen Perspektiven – experimentierfreudige Fotografen kommen mit dem neuen Walimex Pro 7,5/3,5 Fisheye für günstige 300 Euro voll auf ihre Kosten. Allerdings erfordert es gewisse Kenntnisse der manuellen Belichtungssteuerung, da Blende und Fokus nur von Hand eingestellt werden können. Angesichts der Zielgruppe – Hobbyknipser mit einer Micro-Four-Thirds-Kamera – dürfte das wohl ein wenig zu viel verlangt sein. Dafür weiß die Bildqualität umso mehr zu überzeugen, wenn man die etwas flaue Farbdarstellung außer Acht lässt. Der imposante Fischaugen-Effekt mit 180 Grad Bildwinkel entfaltet sich dabei vor allem in Videos. Im Großen und Ganzen hat sich das Walimex Pro 7,5/3,5 Fisheye unser Player.de-Qualitätssiegel „Gut“ redlich verdient.

Weiterführende Links:
Walimex Pro

Walimex Pro 7,5/3,5 Fisheye für micro 4/3

Preis lt. Hersteller: 299,99 Euro
AUSSTATTUNG
KB-Brennweite: 7,5 mm (Festbrennweite)
Lichtstärke: f/3,5
Opt. Aufbau:
9 Elemente in 7 Gruppen
Nahgrenze: 9 cm
Bajonett: Micro Four Thirds
Länge/Gewicht: 52 mm/170 g
Besonderheiten: Extrem kurze Brennweite und Nahgrenze, Fokussierung und Blendeneinstellung nur manuell möglich, universell einsetzbar (Micro Four Thirds)
BEWERTUNG
Pro: Überzeugende Bildqualität, kompakte Bauweise, an alle MFT-Kameras anschließbar, kreative Einsatzmöglichkeiten dank kurzer Nahgrenze und breitem Bildwinkel
Contra: Fokus und Blende müssen manuell eingestellt werden (keine Automatiken), kein Filtergewinde oder -halter
Player.de-GESAMTWERTUNG Gut