Test: Nikon D7000 – das Imperium schlägt zurück

Nikon D7000 im Test
Digitale Spiegelreflexkamera: Nikon D7000 im Test

Noch muss sich Nikon den hart umkämpften DSLR-Thron mit Canon teilen. Die Ende 2010 vorgestellte D7000 soll das ändern: Laut Hersteller markiert die Mittelklasse-Spiegelreflexkamera „den Beginn einer neuen Ära, was die kreative Flexibilität angeht“. Player.de ist der vollmundigen Ansage auf den Grund gegangen.

Neben Olympus, Pentax und Sony brachte im vergangenen Jahr auch Hauptkonkurrent Canon mit der EOS 60D eine DSLR auf den Markt, die speziell auf anspruchsvolle Nutzer abzielt. Grund genug für Nikon, endlich eine Mitstreiterin ins Rennen zu schicken: „Die atemberaubende neue D7000 ist die ideale Wahl für Fotografen, die bereits eine digitale Spiegelreflexkamera besitzen und sich eine neue Kamera mit erweiterten Funktionen und viel Spielraum für Kreativität wünschen, um ihrer Leidenschaft – der Fotografie – noch ausgiebiger frönen zu können“ , erklärt Stefan Schmitt, Produktmanager für SLR-Systeme bei Nikon.

Chassis der Nikon D7000
Gut geschützt: Die obere und hintere Abdeckung des Kameragehäuses bestehen aus einer robusten Magnesiumlegierung

Technik

Anschlüsse der Nikon D7000
Wann und wo wurde welches Bild geknipst? Am Terminal auf der linken Kameraseite lässt sich neben einem Fernseher, Rechner und externen Mikrofon auch ein GPS-Modul anschließen

Die Eckdaten der D7000 klingen schon mal sehr vielversprechend: Ein CMOS-Bildsensor im DX-Format, der auf einer Fläche von 23,6 x 15,6 Millimetern stolze 16,2 Megapixel auflöst, eine Verschlusszeit zwischen einer Achttausendstelsekunde und 30 Sekunden oder Bulb-Langzeitbelichtung, eine auf bis zu ISO 25.600 erweiterbare Lichtempfindlichkeit (regulär: ISO 100 bis ISO 6.400) sowie Serienaufnahmen mit maximal sechs Bildern pro Sekunde machen die Nikon-DSLR vor allem begeisterten Amateurfotografen schmackhaft.

Hinzu kommt ein optischer Sucher mit hundertprozentiger Bildfeldabdeckung, was in dieser Preisklasse eher unüblich ist. Das Gehäuse misst 132 x 105 x 77 Millimeter (B x H x T) und verfügt über Abdeckungen mit Magnesium-Legierung sowie über eine spezielle Versiegelung, die das Innenleben vor Staub und Feuchtigkeit schützen soll.

Videos zeichnet das Gerät in Full-HD-Qualität (1.920 x 1.080 Pixel) auf und nutzt dabei ein neu entwickeltes AF-System mit 39 Messfeldern sowie permanentem Autofokus. Die Aufnahmen werden im MOV-Format (H.264-Kompressionsverfahren) auf einer SD-, SDHC- oder SDXC-Karte gespeichert. Dabei stehen zwei Slots zur Verfügung. So kann man Sicherungskopien erstellen oder das JPEG- und RAW-Bild (NEF) getrennt ablegen.

Bildsensor der Nikon D7000
Der CMOS-Bildsensor löst auf 23,6 x 15,6 mm mehr als 16 Millionen Pixel auf - rechts: der Infrarot-Sperrfilter

Das Rohdatenformat- ist auf eine Farbtiefe von zwölf oder 14 Bit einstellbar. Die beiliegende Software „ViewNX2“ ermöglicht die Verwaltung und Bearbeitung der Dateien. Beim Test kam das im „D7000 18-105 VR Kit“ enthaltene Nikkor-Objektiv mit Bildstabilisator zum Einsatz. Der Anschluss von Wechseloptiken erfolgt über das Nikon-F-Bajonett.
 
 
 

Bedienung

Bei den Bedienelementen geht es wortwörtlich „drunter und drüber“. Da wäre zum Beispiel das zweistöckige Drehrad, mit dem der Fotograf oben den Modus und unten – bei gedrückter Verriegelungstaste – die Aufnahmebetriebsart (zum Beispiel Einzelbild, Serienaufnahme, Selbstauslöser und Fernsteuerung) wählen kann. Doch damit nicht genug: Nikon hat noch weitere Drehregler und Schalter sowie 18 einzelne Knöpfe spendiert, welche die Kamera schon fast ein wenig befremdlich wirken lassen.

Akkudiagnose der Nikon D7000

Fairerweise muss gesagt werden, dass sich das Modell ohnehin nicht an Einsteiger richtet. Wer nämlich ein fundiertes Grundwissen in Sachen DSLR-Fotografie besitzt, hat die D7000 ziemlich schnell im Griff und kann einige Steuerelemente individuell belegen. Sollte man dennoch mal den Überblick verlieren, wird im rund 320-seitigen, bebilderten Benutzerhandbuch jede Funktion penibel erklärt.

Das übersichtliche Menü bietet zahlreiche Einstellmöglichkeiten und gestattet zudem die Anpassung aller wichtigen Aufnahmeparameter (inklusive Belichtungsreihen). Der drei Zoll (7, 5 cm) große Monitor löst 921.000 Pixel auf, wodurch das Bild scharf und hell erscheint. Im Gegensatz zur Canon EOS 60D lässt sich das Display weder schwenken noch drehen.

Individualfunktionen der Nikon D7000
Umfangreich: Das Menü der D7000 bietet extrem viele Einstellmöglichkeiten und kann um eigene Punkte erweitert werden
Elektronische Wasserwaage der Nikon D7000
Virtueller Horizont: Für die einfache Kameraausrichtung beim Fotografieren oder Filmen hält die D7000 eine elektronische Wasserwaage bereit
Szenenmodus der Nikon D7000
Einfach losknipsen: Im Szenenmodus kann der Fotograf zwischen 19 verschiedenen Motivprogrammen wählen

 
Eine leicht abnehmbare, transparente Kunststoffabdeckung schützt die LCD-Oberfläche vor Verschmutzungen und Kratzern. Die Wiedergabefunktion wird auf Knopfdruck eingeblendet und gestattet sogar eine sofortige Nachbearbeitung der gesicherten Aufnahmen. So kann der Nutzer nicht nur Fotos beschneiden und farblich anpassen, sondern auch Videos direkt auf der Kamera kürzen und einzelne Standbilder speichern. Dieses Feature funktioniert nur bei ausgeschaltetem Live-View-Modus.

Oberseite der Nikon D7000
Display der Nikon D7000
Die Nikon D7000 ist regelrecht mit Tasten und Schaltern übersät

Kreativprogramme

Kartenslot der Nikon D7000
Flexibler Speicherplatz: Der Fotograf kann eine zweite SD-Karte als Reserve, zur Sicherungskopie oder zur getrennten Aufnahme von JPEG- und NEF-Dateien verwenden

In puncto Kreativprogramme geizt Nikon ebenfalls nicht: Vom Porträt am helllichten Tag bis hin zur Nachtaufnahme stehen im Szenenmodus gleich 19 verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, um das Motiv etwas aufzupeppen. So erleichtert die Auswahl „Sport“ durch eine kürzere Belichtungszeit das Fotografieren von sich schnell bewegenden Objekten, während das Programm „Dämmerung“ dafür sorgt, dass typische Farbtöne im Dämmerlicht erhalten bleiben.

Hinzu kommen die beiden Modi „High Key“ und „Low Key“, die für hell ausgeleuchtete Motive beziehungsweise dunkle Aufnahmen mit hervorgehobenen Lichtern besonders geeignet sind. Bei „Food“ kommen vor allem Bilder von Lebensmitteln und Speisen optimal zur Geltung.

Wie bereits erwähnt, lassen sich mit der D7000 gespeicherte Fotos editieren. Dabei bietet die integrierte Bearbeitungsfunktion nicht nur besagte Schnitt- und Farbkorrekturwerkzeuge, sondern enthält darüber hinaus verschiedene Effekte, die auf die Aufnahmen anwendbar sind. Zur Auswahl stehen das „Fisheye“, das das Bild im Stil eines Fischaugenobjektivs verzerrt, drei Monochromtöne (Schwarz-Weiß, Sepia und Blauton), ein Miniatureffekt, der Motive wie einen Modellaufbau wirken lässt, sowie sieben Filtereffekte wie beispielsweise „Skylight“, „Grünverstärkung“, „Sterneffekt“ und „Weichzeichnung“. Das Bearbeitungsfeature ist zwar eine nette Spielerei, aber die Ergebnisse lassen in manchen Fällen doch stark zu wünschen übrig.

Bildqualität

Der neue CMOS-Chip bietet trotz unveränderter Größe eine Pixeldichte von nun 16,2 Millionen Bildpunkten. Manche Profikameras wie die Olympus E-5 kommen mit fast vier Megapixeln weniger zurecht. Das Bildrauschen der D7000 fällt überraschend niedrig aus: Selbst bei schwachem Licht ist keine störende Körnung zu erkennen. Erst die ISO-Erweiterungen zeigen dem Bildsensor seine Grenzen auf.

Besonders gut gefallen uns zudem die hohe Detailtreue und die feine Durchzeichnung. Filigrane Kontrastunterschiede könnten jedoch ausgeprägter sein. Statt einer Automatik zum automatischen Zusamenfügen von HDR-Belichtungsreien gibt es das „Active D-Lighting“-Feature, das Details in Spitzlichtern sowie Schatten bewahrt und auf diese Weise eine natürliche Dynamik erzielt.

Farbsäume des Kitobjektivs der Nikon D7000
Farbsäume: Das im Kit enthaltene Objektiv verzerrt zum Rand hin und zeigt chromatische Aberrationen, die an der Laterne in diesem Bildausschnitt gut zu sehen sind

Die Farbabweichungen sind zwar relativ gering, doch wirken die Fotos oftmals ein wenig kühl und blass. Der Weißabgleich arbeitet zuverlässig. Außerdem stellt der Autofokus sehr schnell scharf, verliert im Live-View-Modus aber leider an Tempo. Dafür funktioniert das AF-System sogar während des Filmens, wo ein nicht so nervöser Fokus sogar von Vorteil sein kann.

Die Full-HD-Videos (24 Bilder pro Sekunde) sind zwar nicht so knackscharf wie die einer Canon 5D Mark II sehen aber sauber aus und profitieren von der hohen Seonsor-Empfindlichkeit. Bei Bedarf kann das integrierte Mikrofon auf eine niedrige, mittlere oder hohe Empfindlichkeit eingestellt werden. Die Tonqualität ist überraschend gut und frei von Fokussier-Geräuschen.

Das Objektiv AF -S DX Nikkor 18-105 mm f/3.5-5.6G ED VR scheint der Bildqualität der D7000 allerdings nicht ganz gewachsen zu sein: Es besitzt eine verhältnismäßig geringe Anfangslichtstärke und verliert zum Rand hin recht deutlich an Schärfe.

Nahaufnahme mit der Nikon D7000
Treffsicher: Der Autofokus der D7000 arbeitet auch im Nahbereich zuverlässig, wie man an dieser Makroaufnahme erkennen kann
Nikon D7000: Vergleichsbild 1
Nikons neue 16,2-Megapixel-Kamera punktet mit einer sehr hohen Detailtreue (links). Im Referenzbild ist die Durchzeichnung kaum besser
Nikon D7000: Vergleichsbild 2
Die von der D7000 dargestellten Farben wirken etwas kühl und blass (links). Das Referenzgerät liefert natürlichere, freundlichere Farben als die Nikon-DSLR

player.de meint:
Die Nikon D7000 ist eine echte Kampfansage an die Konkurrenz. Mit einem Plus an Ausstattung, Bildqualität und Verarbeitung leistet die neue DSLR dem Fotografen in jedem Fall sehr gute Dienste. Die flotte Serienaufnahme, die RAW-Farbtiefe von bis zu 14 Bit und die vielen frei belegbaren Bedienelemente dürften dabei vor allem gehobene Ansprüche erfüllen. Für Einsteiger ist das Gerät weniger geeignet. Dank zahlreicher Kreativprogramme und integrierter Bearbeitungsfunktion lassen sich misslungene Bilder sogar direkt auf der Kamera aufpeppen. Hobbyfilmer kommen mit den Full-HD-Videos (maximal 20 Minuten pro Clip) auf ihre Kosten. Zwar steht der Autofokus auch während des Filmens zur Verfügung, doch arbeitet er im Live-View-Modus relativ langsam. Schade finden wir außerdem, dass kein dreh- und schwenkbares Display eingebaut wurde. Das überaus faire Preis-Leistungs-Verhältnis verhilft der D7000 trotzdem zum Player.de-Testurteil „Sehr gut“.

Nikon D7000

Preis lt. Hersteller: 1.189,- Euro (nur Gehäuse)
AUSSTATTUNG
Sensor/Auflösung: CMOS mit 16,2 Megapixeln
Objektiv: F-Bajonett, getestet mit AF-S DX Nikkor 18-105mm f/3.5-5.6G ED VR, Brennweite: 27 bis 157,5 mm (KB)
ISO: 100 bis 25.600
Verschlusszeiten: 1/8.000 bis 30 Sekunden (+ Bulb-Modus)
LC-Display: 3 Zoll (921.000 Pixel)
Besonderheiten: Full-HD-Videoaufnahme mit Autofokus, ISO 25.600, 100%-Sucherbildfeld, el. Wasserwaage, integrierte Bildbearbeitung
BEWERTUNG
Technik: 4 von 5 Punkten
Bedienung: 4 von 5 Punkten
Kreativprogramme: 5 von 5 Punkten
Bildqualität: 4,5 von 5 Punkten
Pro: Überzeugende Bildqualität, schnelle Serienbildfunktion, 100%-Bildfeld, persönliche Tastenbelegung, integrierte Bildbearbeitung, Autofokus bei Videoaufnahmen
Contra: Langsamer Autofokus im Live-View, überladene Bedienung
Player.de-GESAMTWERTUNG Sehr gut